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Morpholin

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Strukturformel
Allgemeines
Name Morpholin (IUPAC)
Andere Namen
  • Diethylenoximid
  • Tetrahydro-1,4-oxazin
  • Tetrahydro-p-oxazin
  • 1,4-Oxazinan
  • Diethylenimidoxid
  • 1-Oxa-4-azacyclohexan
Summenformel C4H9NO
Kurzbeschreibung

farblose Flüssigkeit mit ammoniakartigem Geruch[1]

Externe Identifikatoren/Datenbanken
CAS-Nummer 110-91-8
EG-Nummer 203-815-1
ECHA-InfoCard 100.003.469
PubChem 8083
ChemSpider 13837537
DrugBank DB13669
Wikidata Q410243
Eigenschaften
Molare Masse 87,12 g·mol−1
Aggregatzustand

flüssig[1]

Dichte

1,00 g·cm−3 (20 °C)[1]

Schmelzpunkt

−5 °C[1]

Siedepunkt

129 °C[1]

Dampfdruck
  • 10,7 hPa (20 °C)[1]
  • 16 hPa (30 °C)[1]
  • 51,7 hPa (50 °C)[1]
pKS-Wert

8,36 (konjugierte Säure)[2]

Löslichkeit

vollständig mischbar mit Wasser[1]

Brechungsindex

1,454 (20 °C)[3]

Sicherheitshinweise
GHS-Gefahrstoffkennzeichnung aus Verordnung (EG) Nr. 1272/2008 (CLP),[4] ggf. erweitert[1]
Gefahrensymbol Gefahrensymbol Gefahrensymbol Gefahrensymbol

Gefahr

H- und P-Sätze H: 226​‐​302​‐​311​‐​314​‐​331​‐​361fd
P: 210​‐​280​‐​301+312​‐​303+361+353​‐​304+340+310​‐​305+351+338[1]
MAK

DFG/Schweiz: 10 ml·m−3 bzw. 36 mg·m−3[1][5]

Toxikologische Daten

1050 mg·kg−1 (LD50, Ratte, oral)[6][7]

Wenn nicht anders vermerkt, gelten die angegebenen Daten bei Standardbedingungen (0 °C, 1000 hPa). Brechungsindex: Na-D-Linie, 20 °C

Morpholin ist eine heterocyclische, bei Raumtemperatur flüssige organische Verbindung mit der Summenformel C4H9NO. Der gesättigte Sechsring enthält sowohl eine Ether-Gruppe als auch eine sekundäre Amin-Gruppe; nach dem Hantzsch-Widman-System ist es somit ein hydriertes (und daher gesättigtes) Oxazin bzw. ein Oxazinan.

Gewinnung und Darstellung

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Zur großtechnischen Herstellung von Morpholin setzt man Diethylenglycol mit Ammoniak bei Temperaturen von 130–240 °C und Drücken von 150–240 bar in Gegenwart von Nickel-, Kupfer- und Cobaltoxid-Katalysatoren, welche auf Aluminiumoxid (Al2O3) geträgert sind, um.[8]

Umsetzung von Diethylenglykol mit Ammoniak zu Morpholin und Wasser in Gegenwart eines auf Aluminiumoxid geträgerten Nickel- und Kupferoxid-Katalysators

Die komplette Reaktion verläuft dabei in der flüssigen Phase in einem kontinuierlichen Rohr- oder Rohrbündelreaktor. Der Katalysator wird als Festbett angeordnet und die Umsetzung bevorzugt in der Rieselfahrweise durchgeführt. Die Reinigung und Aufarbeitung des Produkts erfolgt durch mehrstufige Destillation in Rektifikationskolonnen.[8]

Außerdem kann Morpholin aus Diethanolamin[7] oder aus Bis(2-chlorethyl)ether gewonnen werden. Diese Verfahren haben allerdings keine großtechnische Bedeutung.[9]

Physikalische Eigenschaften

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Morpholin ist eine brennbare, hygroskopische, farblose Flüssigkeit mit aminartigem Geruch.[7] Mit Wasser reagiert es leicht basisch. Der Siedepunkt bei Normaldruck liegt bei 128,95 °C.[10] Die Dampfdruckfunktion ergibt sich nach Antoine entsprechend ln(P) = A−(B/(T+C)) (P in kPa, T in K) mit A = 14,5733, B = 3384,26 und C = −61,453 im Temperaturbereich von 308 bis 393 K.[11]

Sicherheitstechnische Kenngrößen

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Morpholin bildet leicht entzündliche Dampf-Luft-Gemische. Die Verbindung hat einen Flammpunkt von 31 °C.[1][12] Der Explosionsbereich liegt zwischen 1,8 Vol.‑% (64 g/m³) als untere Explosionsgrenze (UEG) und 15,2 Vol.‑% (550 g/m³) als obere Explosionsgrenze (OEG).[1][12] Die Grenzspaltweite wurde mit 0,92 mm bestimmt.[1][12] Es resultiert damit eine Zuordnung in die Explosionsgruppe IIA.[12] Die Zündtemperatur beträgt 275 °C.[1] Der Stoff fällt somit in die Temperaturklasse T3.

Sicherheitshinweise

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Morpholin ist gesundheitsschädlich beim Einatmen, Verschlucken und Berührung mit der Haut. Es verursacht Verätzungen. Einatmen von Morpholin führt zu Lungenödemen und nachfolgenden Leber- und Nierenschäden. Mit nitrosierenden Verbindungen (z. B. Nitriten, Stickoxiden) können sich Nitrosamine bilden, welche krebserregend wirken können.

Morpholin hat eine LD50 von 500 mg·kg−1 (dermal, Kaninchen), sowie 1910 mg·kg−1 (oral, Ratte).

Einzelnachweise

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  1. 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 Eintrag zu Morpholin in der GESTIS-Stoffdatenbank des IFA, abgerufen am 1. Februar 2025. (JavaScript erforderlich)
  2. ↑ H. K. Hall, Jr.: Correlation of the Base Strengths of Amines. In: Journal of the American Chemical Society. Band 79, 1957, S. 5441–5444, doi:10.1021/ja01577a030.
  3. ↑ Datenblatt Morpholine bei Sigma-Aldrich, abgerufen am 22. Januar 2023 (PDF).
  4. ↑ Eintrag zu Morpholine in der Datenbank ECHA CHEM der Europäischen Chemikalienagentur (ECHA), abgerufen am 1. Februar 2016. Hersteller bzw. Inverkehrbringer können die harmonisierte Einstufung und Kennzeichnung erweitern.
  5. ↑ Schweizerische Unfallversicherungsanstalt (Suva): Grenzwerte – Aktuelle MAK- und BAT-Werte (Suche nach 110-91-8 bzw. Morpholin), abgerufen am 11. Januar 2025.
  6. ↑ Datenblatt Morpholin bei Merck, abgerufen am 27. Februar 2010.
  7. 1 2 3 4 5 Eintrag zu Morpholin. In: Römpp Online. Georg Thieme Verlag, abgerufen am 27. Mai 2020.
  8. 1 2 Patent WO2007036496: Verfahren zur Herstellung von Aminodiglykol (ADG) und Morpholin. Veröffentlicht am 5. April 2007, Anmelder: BASF AG, Erfinder: Bram Willem Hoffer, Holger Evers, Petr Kubanek, Till Gerlach, Johann-Peter Melder, Frank Funke, Matthias Frauenkron, Helmut Schmidtke.‌
  9. ↑ Siegfried Hauptmann: Organische Chemie, Verlag Harry Deutsch, Thun 1985, ISBN 3-87144-902-4, S. 602.
  10. ↑ M. Sovova, T. Boublik: Liquid-vapor equilibrium. Part C. Vapor-liquid equilibrium in the water(1)-morpholine(2) system at the pressures of 50 and 75 kPa. In: Collect. Czech. Chem. Commun., 1986, 51, S. 1899.
  11. ↑ Ming-Jer Lee, Chang-Ching Su, Ho-mu Lin: Vapor Pressures of Morpholine, Diethyl Methylmalonate, and Five Glycol Ethers at Temperatures up to 473.15 K. In: J. Chem. Eng. Data, 2005, 50, S. 1535–1538; doi:10.1021/je049627d.
  12. 1 2 3 4 E. Brandes, W. Möller: Sicherheitstechnische Kenngrößen. Band 1: Brennbare Flüssigkeiten und Gase. Wirtschaftsverlag NW – Verlag für neue Wissenschaft, Bremerhaven 2003.
  13. ↑ Betrifft: Einfuhrverbot für chilenische Äpfel. Europäisches Parlament, Parlamentarische Anfrage des Abgeordneten Filip Kaczmarek vom 24. Januar 2011.
  14. ↑ Axel Kleemann, Jürgen Engel, Bernd Kutscher, Dieter Reichert: Pharmaceutical Substances. 4. Auflage. 2 Bände. Thieme-Verlag, Stuttgart 2000, ISBN 3-13-558404-6; seit 2003 online mit halbjährlichen Ergänzungen und Aktualisierungen.
  15. ↑ Paul Workman, Paul A. Clarke, Florence I. Raynaud, Rob L. M. van Montfort: Drugging the PI3 Kinome: From Chemical Tools to Drugs in the Clinic. In: Cancer Research. Band 70, Nr. 6, 15. März 2010, S. 2146–2157, doi:10.1158/0008-5472.CAN-09-4355.
  16. ↑ Clemens Lamberth: Bioactive Heterocyclic Compound Classes. Hrsg.: Clemens Lamberth, Jürgen Dinges. Wiley-VCH, 2012, ISBN 978-3-527-66441-2, Morpholine Fungicides for the Treatment of Powdery Mildew, S. 119–127, doi:10.1002/9783527664412.ch10.
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  1. ↑ Externe Identifikatoren von bzw. Datenbank-Links zu Molindon: CAS-Nr.: 7416-34-4, EG-Nr.: 819-661-9, ECHA-InfoCard: 100.254.109, PubChem: 23897, ChemSpider: 22342, DrugBank: DB01618, Wikidata: Q593166.
  2. ↑ Externe Identifikatoren von bzw. Datenbank-Links zu Morinamid: CAS-Nr.: 952-54-5, EG-Nr.: 213-460-4, ECHA-InfoCard: 100.012.237, PubChem: 70374, ChemSpider: 63555, DrugBank: DB13417, Wikidata: Q1179238.
  3. ↑ Externe Identifikatoren von bzw. Datenbank-Links zu Sulmetocin: CAS-Nr.: 35619-65-9, EG-Nr.: 252-645-4, ECHA-InfoCard: 100.047.845, PubChem: 65790, ChemSpider: 59209, DrugBank: DB20380, Wikidata: Q27271612.