Mongolische Volksrepublik
| Mongolische Volksrepublik | |||||
Бүгд Найрамдах Монгол Ард Улс | |||||
Bügd Nairamdakh Mongol Ard Uls | |||||
| 1921–1990 | |||||
| |||||
| Wahlspruch: Орон бүрийн пролетари нар нэгдэгтүн! Oron bürijn proletari nar negdegtün! „Proletarier aller Länder, vereinigt Euch!“ | |||||
| Amtssprache | Mongolisch | ||||
| Hauptstadt | Ulaanbaatar | ||||
| Staats- und Regierungsform | Volksrepublik, Sozialistisches Einparteiensystem | ||||
| Staatsoberhaupt | Staatspräsident | ||||
| Regierungschef | Premierminister | ||||
| Parlament(e) | Großer Staats-Chural | ||||
| Fläche | 1.564.116 km² | ||||
| Einwohnerzahl | 2.318.000 (1992) | ||||
| Bevölkerungsdichte | 1,5 Einwohner pro km² | ||||
| Währung | Tögrög (MNT) | ||||
| Errichtung | 1921 | ||||
| Vorgängergebilde | Mongolisches Khanat | ||||
| Endpunkt | 1990 | ||||
| Abgelöst von | Mongolischer Staat | ||||
| Nationalhymne | Nationalhymne der Mongolischen Volksrepublik | ||||
| Zeitzone | UTC+7, UTC+8 | ||||
| Kfz-Kennzeichen | MGL | ||||
| ISO 3166 | MN, MNG, 496 | ||||
| Telefonvorwahl | +976 | ||||
| Jahr | Fläche in km² | Einwohner in 1.000 | Einwohner je km² | Quelle |
|---|---|---|---|---|
| 1935 | 1.525.500 | 700 | 0,5 | [4] |
| 1955 | 1.544.000 | 1.100 | 0,7 | [5] |
| 1975 | 1.565.000 | 1.400 | 0,9 | [6] |
Zweiter Weltkrieg
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Zweiten Weltkrieg entstand durch den Japanisch-Sowjetischen Grenzkonflikt wieder eine Bedrohung an der mongolisch-mandschurischen Grenze. Aus diesem Grund wurde der mongolische Sozialismus angepasst, und die nationale Verteidigung ausgebaut. Die sowjetisch-mongolische Armee besiegte die japanische Armee im Sommer 1939 in der Schlacht am Chalchin-Gol. Danach wurde ein Waffenstillstandsabkommen unterzeichnet, und im Herbst eine Kommission eingesetzt, um die mandschurisch-mongolische Grenze festzulegen.
Im August 1945 benutzte die Sowjetunion die Mongolei als Ausgangsbasis für die sowjetische Invasion der Mandschurei, einen erfolgreichen Angriff auf die Japaner. Dafür wurden 1,5 Mio. sowjetische Soldaten in der Mongolei konzentriert, dazu große Mengen an Ausrüstung und Material. Die mongolische Armee spielte dabei nur eine geringfügige unterstützende Rolle.
Kalter Krieg
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Tschoibalsan starb 1952 in Moskau. Sein Nachfolger war Jumdschaagiin Tsedenbal, ebenfalls ein treuer sowjetischer Gefolgsmann. Im Anschluss an die Verurteilung von Stalins Politik durch Nikita Chruschtschow wählte die mongolische Regierung 1956 das gleiche Vorgehen gegenüber Tschoibalsan. Insbesondere sein Personenkult wurde verurteilt sowie einige andere seiner radikalen politischen Standpunkte.
Im Anschluss an den Krieg verlegte sich die mongolische Regierung auf den Aufbau einer zivilen Wirtschaft. Die internationalen Beziehungen mit anderen sozialistischen Staaten wie mit Nordkorea und den osteuropäischen Ländern wurden ausgebaut. 1949 erfolgte die gegenseitige Anerkennung zwischen der Mongolei und der Volksrepublik China. China verzichtete auf alle Gebietsansprüche in der ehemaligen Äußeren Mongolei und stellte Arbeitskräfte zur Verfügung, um beim Aufbau der Infrastruktur in der Mongolei zu helfen.
Die Mongolei beteiligte sich nun vermehrt an internationalen Organisationen und nahm an kommunistisch orientierten internationalen Konferenzen teil. 1961 wurde sie Mitglied der Vereinten Nationen.
Im Chinesisch-sowjetischen Zerwürfnis Anfang der 1960er Jahre versuchte die Mongolei zunächst, einen möglichst neutralen Kurs einzuhalten. 1966 schlug sie sich aber wieder auf die Seite der Sowjetunion und unterzeichnete ein Abkommen, welches die massive Stationierung sowjetischer Truppen (in den 1980er Jahren: über 70.000 Mann) auf mongolischem Territorium ermöglichte. Die Beziehungen der Mongolei zu China verschlechterten sich dementsprechend. 1983 begann die Mongolei mit der systematischen Abschiebung von chinesischstämmigen Einwohnern nach China. Viele davon waren schon in den 1950er Jahren zur Mithilfe bei Bauprojekten in die Mongolei gekommen.
Zusammenbruch
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Der Aufstieg von Michail Gorbatschow in der UdSSR brachte dort die Politik von Perestroika und Glasnost. Die entspannte Atmosphäre in der Sowjetunion hatte eine ähnliche Lockerung in der Mongolei zur Folge. Nach Massendemonstrationen im Winter 1990 verlor die MRVP mehr und mehr die Kontrolle über das politische System. Im März trat das Politbüro zurück und im Mai wurde die Verfassung geändert. Dadurch verlor die MRVP ihren Führungsanspruch, Oppositionsparteien wurden zugelassen, und eine ständige Legislative sowie das Amt des Staatspräsidenten wurde etabliert. Am 29. Juli 1990 fanden die ersten freien Wahlen in einem Mehrparteiensystem statt. Dabei erhielt die MRVP noch 85 % der Stimmen. Erst 1996 verlor die inzwischen nach sozialdemokratischem Muster reformierte Partei das erste Mal ihre Mehrheit.
Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Trevor N. Dupuy (Hrsg.): Area handbook for Mongolia. 2. Auflage. Foreign Area Studies, the American University, Washington D.C. 1970.
- Robert L. Worden, Andrea Matles Savada (Hrsg.): Mongolia. A Country Study. United States Government Printing Office, Washington D.C. 1991, ISBN 978-0-16-029462-4 .(online)
- David J. Dallin: Soviet Russia and the Far East. Yale University Press, New Haven 1948.
- Georg Cleinow: Neu-Sibirien (Sib-krai). Eine Studie zum Aufmarsch der Sowjetmacht in Asien. Verlag von Reimar Hobbing, Berlin 1928.
- Erich Thiel: Die Mongolei. Land, Volk und Wirtschaft der Mongolischen Volksrepublik. (= Veröffentlichungen des Osteuropa-Institutes München. Band 8). Isar Verlag, München 1958.
- Christian Koller: Kollektivierte Nomaden: Die Gründung der Volksrepublik Mongolei vor 85 Jahren. In: Rote Revue 87/3 (2009). S. 28–36.
- Adeeb Khalid: Communism on the Frontier: The Sovietization of Central Asia and Mongolia. In: Silvio Pons, Stephen A. Smith (Hrsg.): World Revolution and Socialism in One Country 1917–1941 (= The Cambridge History of Communism. Band 1). Cambridge University Press, Cambridge 2017, ISBN 978-1-107-46736-1, S. 616–636, doi:10.1017/9781316137024 (englisch).
- George G. S. Murphy: Soviet Mongolia. A Study of the Oldest Political Satellite. 1966.
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Almut Finck: Zwischen Qing-Dynastie und Zarenreich - Am 26. November 1924 wird die Mongolische Volksrepublik proklamiert. NDR ZeitZeichen vom 26. November 2019. (Podcast)
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ Geschichte der Mongolei - Freunde der Mongolei e. V. Abgerufen am 26. November 2024.
- ↑ Mart Martin: The Almanac of Women and Minorities in World Politics. Westview Press Boulder, Colorado, 2000, S. 262.
- ↑ Th. Knaurs Nachf. (Hrsg.): Knaurs Lexikon A-Z. Berlin 1938, S. 1398 f.
- ↑ Th. Knaurs Nachf. (Hrsg.): Knaurs Lexikon A-Z. Berlin 1938, S. 1015.
- ↑ Bertelsmann Lexikon-Redaktion (Hrsg.): Bertelsmann Weltatlas. 36. Auflage, Bertelsmann, Gütersloh 1960, S. 249.
- ↑ Bibliographisches Institut (Hrsg.): Meyers Jahreslexikon 1975/76. Was war wichtig? 1.7.1975 – 30.6.1976. Meyers Lexikonverlag, Mannheim 1976, ISBN 3-411-01365-6, S. 120.



