Moissanit ist ein in der Natur selten vorkommendes Mineral aus der Mineralklasse der „Elemente“ mit der chemischen Zusammensetzung SiC und damit chemisch gesehen Siliciumcarbid (auch Karborund oder Karborundum). Künstlich hergestellte Stücke können als Schmucksteine verwendet werden und gelten als preisgünstige Alternative zu Diamanten.
Moissanit kristallisiert im hexagonalen Kristallsystem und entwickelt flache, abgerundete, hexagonale Kristalle von bis etwa fünf Millimeter Größe. In reiner Form ist Moissanit farblos und durchsichtig. Durch Aufnahme von Spuren formelfremder Elemente wie Stickstoff, Bor oder Aluminium zeigt er jedoch ein großes Farbspektrum von grün (Stickstoff) über blau bis schwarz (Aluminium, Bor), selten auch blassgrün oder gelb.
Mit einer Mohshärte von 9,5 gehört Moissanit mit zu den härtesten Mineralen und steht zwischen den Referenzmineralen Diamant (Härte 10) und Korund (Härte 9).
Moissanit wurde erstmals 1904 von Henri Moissan in einer Mineralprobe des Canyon-Diablo-Meteoriten nachgewiesen, der in der Nähe des Barringer-Kraters gefunden wurde. Dessen Zusammensetzung wurde erstmals 1892 von François Ernest Mallard und 1893 von Georges Friedel untersucht; dabei erkannten sie, dass er ein besonders hartes Material enthielt, das inert gegen Salzsäure ist, und hielten dies zunächst für Diamant. 1904 konnte Moissan eine größere Menge des Meteoriten untersuchen und erkannte dabei an den typischen hexagonalen Kristallen, dass der Meteorit Siliciumcarbid enthält.[6] Das neue Mineral wurde nach dem Entdecker Moissanit genannt.
Die künstliche Herstellung von Siliciumcarbid gelang erstmals 1891 durch Edward Goodrich Acheson[7] (patentiert Februar 1893[8]), Moissanit in Edelsteinqualität konnte erstmals 1997 dargestellt werden.[9]
Da der Moissanit bereits lange vor der Gründung der International Mineralogical Association (IMA) bekannt und als eigenständige Mineralart anerkannt war, wurde dies von ihrer Commission on New Minerals, Nomenclature and Classification (CNMNC) übernommen und bezeichnet den Moissanit als sogenanntes „grandfathered“ (G) Mineral.[10] Die seit 2021 ebenfalls von der IMA/CNMNC anerkannte Kurzbezeichnung (auch Mineral-Symbol) von Moissanit lautet „Moi“.[1]
Ein Aufbewahrungsort für das Typmaterial des Minerals ist nicht dokumentiert.[11]
In der zuletzt 2018 überarbeiteten Lapis-Systematik nach Stefan Weiß, die formal auf der alten Systematik von Karl Hugo Strunz in der 8. Auflage basiert, erhielt das Mineral die System- und Mineralnummer I/B.02-030. Dies entspricht ebenfalls der Abteilung „Halbmetalle und Nichtmetalle“, wo Moissanit zusammen mit Chaoit, Diamant, Graphit und Lonsdaleit eine unbenannte Gruppe mit der Systemnummer I/B.02 bildet.[2]
Die von der International Mineralogical Association (IMA) zuletzt 2009 aktualisierte[12]9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Moissanit in die Abteilung „Nichtmetallische Kohlenstoffverbindungen und Stickstoffverbindungen“ ein. Diese ist weiter unterteilt nach der Art der Verbindung und das Mineral ist hier entsprechend seiner Zusammensetzung in der Unterabteilung „Nichtmetallcarbide“ zu finden, wo es als einziges Mitglied eine unbenannte Gruppe mit der Systemnummer 1.DA.05 bildet.
In der vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchlichen Systematik der Minerale nach Dana hat Moissanit die System- und Mineralnummer 01.03.08.01. Das entspricht ebenfalls der Klasse und gleichnamigen Abteilung „Elemente“. Hier findet er sich innerhalb der Unterabteilung „Elemente: Halbmetalle und Nichtmetalle“ als einziges Mitglied in einer unbenannten Gruppe mit der Systemnummer 01.03.08.
Moissanit zählt zu den härtesten bekannten natürlich vorkommenden Substanzen, lediglich Diamant ist härter. Moissanit ist wie Diamant optisch transparent, aber im Gegensatz zu diesem doppelbrechend.[9]
Moissanit kristallisiert typischerweise in sechseckigen, tafelförmigen Kristallen. Diese sind entlang der [1010]-Ebene abgeflacht und an den Ecken abgerundet.
Die einzelnen Kristalle in natürlichen Vorkommen sind selten größer als 1mm. Mit Stand 2014 gilt ein in Israel gefundenes 4,1mm langes Exemplar als der größte bekannte natürliche Moissanitkristall.[13]
Moissanit kommt in verschiedenen polymorphen Formen vor. Darunter sind verschiedene hexagonale, rhomboedrische und kubische Modifikationen. Am häufigsten findet man die hexagonale Moissanit-6H-Modifikation, deren Struktur derjenigen des Wurtzits entspricht. Selten kommt auch die kubische β-Modifikation (Moissanit-3C), die der Zinkblende-Struktur entspricht, vor. Sie wurde im US-Bundesstaat Wyoming gefunden.[9] Von den 74 in künstlich hergestelltem Siliciumcarbid bekannten Modifikationen sind acht aus der Natur bekannt.[4]
Siliciumcarbid bildet sich bei hohen Temperaturen, die im Erdmantel oder beim Auftreffen von Meteoriten auf die Erde vorkommen. Dabei bildet sich zunächst bei Temperaturen von 1900 bis 2000 °C die α-Modifikation.[14] Die Entstehungsbedingungen sind vergleichbar mit denen von Diamant, so dass die beiden Minerale mitunter, wie etwa in Wafangdian in der Volksrepublik China, vergesellschaftet in Kimberlit vorkommen. Ist das α-SiC bei hohen Temperaturen mit elementarem Silicium in Kontakt und zusätzlich Kohlenstoffdioxid anwesend, kann das Silicium mit dem Kohlenstoffdioxid zu β-SiC reagieren, das sich um das α-SiC anlagert.[15] Weitere Minerale außer Diamant, mit denen Moissanit vergesellschaftet ist, sind Eisen (in Meteoriten), Quarz, Granat, Klinopyroxen, Coesit, Rutil, Graphit, Pyrrhotin und Cobalt-Pyrit (in Kimberlit).
Hochreine Moissanit-Kristalle können auf Grund vergleichbarer Eigenschaften als Diamantersatz verwendet werden. Moissanit besitzt zwar eine etwas geringere Härte als Diamant, ist aber thermisch an der Luft stabiler (bis zu 1127 °C, Diamant nur bis 837 °C) und deutlich preiswerter in der Herstellung.[9] Er wird daher in Experimenten unter hohem Druck und hoher Temperatur verwendet.[17]
Seit 1997 sind Moissanit-Stücke als synthetische Schmucksteine auf dem Markt, zunächst als Fälschung von Diamanten, da er sich von diesen wegen seiner ähnlichen Wärmeleitfähigkeit mit den seinerzeitigen Testgeräten nicht unterscheiden ließ.[18] Moissanite können ähnlich wie Diamanten geschliffen werden und ergeben dann ein ähnliches äußeres Erscheinungsbild, und wegen seines ähnlichen (tatsächlich etwas höheren) Brechungsindex „funkeln“ solche Steine ähnlich wie geschliffene Diamanten. Erkennbar sind Moissanite an einer starken Doppelbrechung[19] und leichter gelb-grüner Fluoreszenz unter UV-Licht.[20]
Simonpietro Di Pierro, Edwin Gnos, Bernard H. Grobety, Thomas Armbruster, Stefano M. Bernasconi, Peter Ulmer:Rock-forming moissanite (natural α-silicon carbide). In: American Mineralogist. Band88, 2003, S.1817–1821 (englisch, minsocam.org[PDF]).
Gian Carlo Capitani, Simonpietro Di Pierro, Gioacchino Tempesta:The 6H-SiC structure model: further refinement from SCXRD data from a terrestrial moissanite. In: American Mineralogist. Band92, 2007, S.403–407 (englisch, rruff.info[PDF; 244kB]).
Eintrag zu Moissanit. In: Römpp Online. Georg Thieme Verlag,abgerufen am 7.März 2014.
123Stefan Weiß:Das große Lapis Mineralienverzeichnis. Alle Mineralien von A – Z und ihre Eigenschaften. Stand 03/2018. 7., vollkommen neu bearbeitete und ergänzte Auflage. Weise, München 2018, ISBN 978-3-921656-83-9.
12Gian Carlo Capitani, Simonpietro Di Pierro, Gioacchino Tempesta:The 6H-SiC structure model: further refinement from SCXRD data from a terrestrial moissanite. In: American Mineralogist. Band92, 2007, S.403–407 (englisch, rruff.info[PDF; 250kB; abgerufen am 5.April 2025]).
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Moissanite. In: John W. Anthony, Richard A. Bideaux, Kenneth W. Bladh, Monte C. Nichols (Hrsg.): Handbook of Mineralogy, Mineralogical Society of America. 2001 (englisch, handbookofmineralogy.org[PDF; 110kB; abgerufen am 5.April 2025]).
123Moissanite.In:mindat.org.Hudson Institute of Mineralogy,abgerufen am 5.April 2025(englisch).
↑Henri Moissan:Nouvelles recherches sur la météorite de Canon Diabolo. In: Comptes rendus. Band139, 1904, S.773–786 (französisch, gallica.bnf.fr[abgerufen am 5.April 2025]).
↑J. Bauer, J. Fiala, R. Hrichova:Natural α-silicon carbide. In: American Mineralogist. Band48, 1963, S.620–635 (englisch, rruff.info[PDF; 814kB; abgerufen am 6.April 2025]).
↑Irene Leung, Wenxiang Guo, Irving Friedman, Jim Gleason:Natural occurrence of silicon carbide in a diamondiferous kimberlite from Fuxian. In: Nature. Band346, 1990, S.352–354, doi:10.1038/346352a0 (englisch).
↑R. M. Hough, I. Gilmour, C. T. Pillinger, J. W. Arden, K. W. R. Gilkess, J. Yuan, H. J. Milledge:Diamond and silicon carbide in impact melt rock from the Ries impact crater. In: Nature. Band378, 1995, S.41–44, doi:10.1038/378041a0 (englisch).
↑Ji-an Xu, Ho-kwang Mao:Moissanite: A Window for High-Pressure Experiments. In: Science. Band290, 2000, S.783–785, doi:10.1126/science.290.5492.783 (englisch).
↑Walter Schumann:Edelsteine und Schmucksteine: Alle Arten und Varietäten. 2020, ISBN 978-3-96747-008-6, S.274.
↑Moissanite Under UV Light: What To Expect.moissanitebyaurelia.com,13.November 2024,abgerufen am 21.September 2025(kommerzielle Website eines Händlers in Albuquerque, New Mexico, USA).