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Modschtaba Chamenei

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Modschtaba Chamenei (2026)

Modschtaba Hosseini Chamenei (auch Seyyed Modschtaba Chamene’i, persisch سید مجتبی حسینی خامنه‌ای; international auch Mojtaba Khamenei; geboren am 8. September 1969 in Meschhed) ist ein iranischer schiitischer Geistlicher im Rang eines Hodschatoleslam und Politiker. Er ist seit März 2026 als Nachfolger seines Vaters Ali Chamenei Oberster Führer oder „Revolutionsführer“ (persisch رهبر انقلاب, DMG Rahbar-e enqelāb) das politische und religiöse Oberhaupt der mehrheitlich schiitischen Islamischen Republik Iran.

Chamenei galt bereits vor seiner Ernennung zum Obersten Führer als einflussreiche Figur im Büro seines Vaters und pflegte Kontakte in den iranischen Sicherheitsapparat.[1] Er gilt als Hardliner und der Islamischen Revolutionsgarde nahestehend.[2]

Werdegang

Nachdem Modschtaba Chamenei das Alavi-Institut (persisch: موسسه فرهنگی علوی), eine islamische Oberschule in Teheran, abgeschlossen hatte, nahm er mit 18 Jahren am Ersten Golfkrieg gegen den Irak teil.[3]

Chamenei trat über Jahre hinweg öffentlich nur selten in Erscheinung und wurde als ein Akteur beschrieben, der überwiegend im Hintergrund iranischer Politik wirkt.[1] Er unterrichtete an der religiösen Lehranstalt in Ghom und war damit an einem zentralen Ort der schiitischen Gelehrsamkeit tätig.[1] Sein Rang innerhalb der schiitischen Klerushierarchie wurde jedoch in religiösen Kreisen wiederholt bestritten und als nicht ausreichend hoch für höchste religiös-politische Ämter bewertet.[1]

Als politisch besonders versiert galt er aufgrund seiner Fähigkeit, innerhalb des Machtapparats Netzwerke zu pflegen und Entscheidungen zu beeinflussen.[1] Dabei wurden insbesondere seine Verbindungen zu Teilen der Revolutionsgarden hervorgehoben.[1] In diesem Zusammenhang wurde auch eine enge persönliche Beziehung zu Hossein Taeb genannt, der später Führungsfunktionen in der Basidsch-Organisation und in deren Nachrichtendiensten innehatte.[1] Er wurde als möglicher Kandidat für die Präsidentschaftswahl 2001 betrachtet.[4]

Chamenei wurde zugeschrieben, beim politischen Aufstieg von Mahmud Ahmadineschād eine Rolle gespielt zu haben, insbesondere im Zusammenhang mit der Präsidentschaftswahl 2005.[1] Nach der umstrittenen Wiederwahl Ahmadineschāds 2009 kam es zu landesweiten Protesten, in deren Umfeld Parolen gegen eine mögliche Nachfolge Chameneis an der Staatsspitze skandiert wurden („Modschtaba, mögest du sterben und nicht Oberster Führer werden“).[1]

Er übernahm die unmittelbare Kontrolle über die Basidsch-Miliz sowie des Ministerium für Nachrichtenwesen (VEVAK), die zur Unterdrückung der Proteste bei der Präsidentschaftswahl 2009 mit repressiven Aktivitäten beteiligt waren.[5] Bereits im Juli 2009 wurde zudem berichtet, Chamenei habe die Straßenmilizen der Basidsch bei der Niederschlagung der Protestbewegung unmittelbar gesteuert und damit Unmut in Teilen des konservativen Establishments ausgelöst.[6]

Trotz seines enormen Rohstoffreichtums hinkt der Iran in den meisten Wirtschaftsindikatoren anderen Golfstaaten deutlich hinterher, da die Revolutionsgarde tief in die nationale Wirtschaft verstrickt ist und sowohl staatliche Betriebe als auch religiöse Wohltätigkeitsstiftungen kontrolliert.[7] Bereits 2011 verfügten Gerüchten zufolge Regimemitglieder wie Modschtaba Chamenei über immense Vermögen aus ähnlichen Quellen.[7]

Die Diskussion um seine mögliche Nachfolge gewann nach dem Tod des Präsidenten Irans Ebrahim Raisi am 19. Mai 2024 an Dynamik, da Raisi zuvor selbst als möglicher Kandidat für die Nachfolge des Obersten Führers gegolten hatte.[1] Zugleich wurde eine dynastische Nachfolge als Spannungsverhältnis zu einem Grundprinzip der Islamischen Republik beschrieben, die nach 1979 ausdrücklich nicht als Erbregime angelegt worden war.[1] Chamenei wurde nach dem Tod Raisis von verschiedenen Medien als möglicher Nachfolger seines Vaters als „Oberster Führer“ gehandelt.[8][9][10]

Im Zuge der Proteste 2022 wurde aus Oppositionskreisen öffentlich gefordert, die Gerüchte über eine Nachfolge durch Chamenei auszuräumen.[1] Aus dem Umfeld des Expertenrates wurde zugleich verbreitet, Ali Chamenei habe eine Berücksichtigung seines Sohnes für das Amt des Obersten Führers entschieden abgelehnt.[1] Für die Zeit bis zur Auswahl eines neuen Obersten Führers wurde als verfassungsrechtliche Möglichkeit auch die Einsetzung eines mehrköpfigen Führungsgremiums beschrieben.[1] Der Auswahlprozess für die Nachfolge wurde insgesamt als wenig transparent und schwer vorhersehbar charakterisiert.[1]

Neben politischen Einflusszuschreibungen kursierten Spekulationen über umfangreiche wirtschaftliche Interessen und Vermögenswerte Chameneis, die mit internationalen Sanktionsmaßnahmen in Verbindung gebracht wurden.[6]

Am 8. März 2026 gab der Expertenrat bekannt, dass Modschtaba Chamenei als Nachfolger seines Vaters zum Obersten Führer ernannt wurde.[11]

Familie

Modschtaba Chameneis Mutter war Mansureh Chodschasteh Bagherzadeh. Er ist der zweite Sohn Ali Chameneis und hat drei Brüder (vom ältesten bis zum jüngsten: Mostafa, Mohsen Massud und Meysam), die außer dem jüngsten ebenfalls Kleriker sind, und zwei Schwestern (Baschri und Hoda).[3]

Modschtaba war mit Zahra Haddad Adel verheiratet, der Tochter von Gholam Ali Haddad-Adel, einem konservativen Hardliner und Professor für islamische Philosophie und Sprecher des Madschlis.[3]

Modschtaba Chameneis Vater, Mutter und Ehefrau, möglicherweise auch einige seiner Kinder[12], kamen alle bei einem Luftschlag zu Beginn der israelisch-US-amerikanischen Angriffe auf den Iran im Jahr 2026 ums Leben.[13]

Commons: Modschtaba Chamenei – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. a b c d e f g h i j k l m n o Erika Solomon: After Raisi’s Death, Speculation Over Succession Turns to Ayatollah’s Son. In: The New York Times. 20. Mai 2024, abgerufen am 1. März 2026 (englisch).
  2. Clifton W. Sherrill: Losing Legitimacy: The End of Khomeini's Charismatic Shadow and Regional Security. Rowman & Littlefield, 2018, ISBN 978-1-4985-6415-1, S. 27.
  3. a b c Masoud Kazemzadeh: Iran’s Foreign Policy: Elite Factionalism, Ideology, the Nuclear Weapons Program, and the United States. Routledge, 2020, ISBN 978-1-00-006982-2, S. 21.
  4. Wahied Wahdat-Hagh: Iran: Eine islamistische Diktatur: Über Menschenrechtsverletzungen, Anti-Bahaismus, Antisemitismus, Anti-Amerikanismus, über das Raketen- und Atomprogramm und über Terrorismus. Eine Dokumentation von Medienanalysen und Übersetzungen aus der persischen Sprache (2008-2011). Cuvillier Verlag, 2019, ISBN 978-3-7369-6107-4, S. 33.
  5. United States Congress House Committee on Foreign Affairs Subcommittee on the Middle East and South Asia (Hrsg.): Axis of Abuse: U.S. Human Rights Policy Toward Iran and Syria : Hearing Before the Subcommittee on the Middle East and South Asia of the Committee on Foreign Affairs, House of Representatives, One Hundred Twelfth Congress, First Session. U.S. Government Printing Office, 2011, ISBN 978-0-16-089767-2, S. 22.
  6. a b Julian Borger: Khamenei's son takes control of Iran's anti-protest militia. In: The Guardian. 8. Juli 2009, abgerufen am 1. März 2026 (englisch).
  7. a b United States Congress House Committee on Foreign Affairs Subcommittee on the Middle East and South Asia: Axis of Abuse: U.S. Human Rights Policy Toward Iran and Syria : Hearing Before the Subcommittee on the Middle East and South Asia of the Committee on Foreign Affairs, House of Representatives, One Hundred Twelfth Congress, First Session. U.S. Government Printing Office, 2011, ISBN 978-0-16-089767-2, S. 12.
  8. Ulrich Pick: Welche Folgen der Tod Raisis für den Iran hat. Abgerufen am 20. Mai 2024.
  9. Who Will Lead Iran After President Raisi’s Death? 20. Mai 2024, abgerufen am 20. Mai 2024 (englisch).
  10. Raisi’s Death Exposes Iran's Crisis of Legitimacy Once Again. Abgerufen am 20. Mai 2024 (englisch).
  11. Iran: Chameneis Sohn Modschtaba zum neuen Obersten Führer Irans ernannt. In: zeit.de. 8. März 2026, abgerufen am 8. März 2026.
  12. Militär & Geschichte mit Torsten Heinrich: Iran greift Türkei an! Iran Lagebericht (9). 9. März 2026, abgerufen am 10. März 2026.
  13. Raphael Geiger: Chamenei ist tot, jetzt übernimmt sein Sohn. In: sueddeutsche.de. 4. März 2026, abgerufen am 4. März 2026.