Milzzyste
| Klassifikation nach ICD-10 | |
|---|---|
| D73.4 | Zyste der Milz |
| ICD-10 online (WHO-Version 2019) | |
Eine Milzzyste ist eine krankhafte Veränderung des Milzgewebes mit Entstehung eines epithelausgekleideten Hohlraums (Zyste). Sie sind relativ selten und treten vor allem bei Kindern auf. Milzzysten verursachen eine zunehmende Milzvergrößerung (Splenomegalie), die schließlich Schmerzen und ein Fremdkörpergefühl im linken Oberbauch verursachen. Als Entstehungsmechanismen werden Milztrauma oder Einschlüsse von Mesothelzellen während der Organogenese diskutiert.[1]
Diagnostik
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Eine Milzzyste kann ein Zufallsbefund bei der Untersuchung mit bildgebenden Verfahren sein. Sie stellt sich als Rundherd mit einem oder mehreren Hohlräumen dar, die sich über die Oberfläche hervorwölben. Die Milzkaspsel ist im Bereich der Zyste meist verdickt.[1]
Pathologische Untersuchung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Milzzysten enthalten meist eine klare, selten eine gelbliche, grünliche oder blutige Flüssigkeit. Die Innenfläche der Kaspelwand ist weiß oder gelblich, manchmal durchziehen bindegewebige Stränge die Zyste. Pathohistologisch wird die Zyste von flachen, kubischen oder zylindrischen Epithelzellen ausgekleidet, bei mehrkammrigen Zysten jede Kammer. Entscheidend für die Diagnostik ist der immunhistochemische Nachweis eines Epithels durch den Nachweis von Zytokeratinen oder epithelialem Membranantigen (EMA).[1]
Differentialdiagnosen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Differentialdiagnostisch kommen alle mit Hohlraumbildung einhergehenden Veränderungen in Betracht:[1]
- Pseudozysten entstehen nach Umbau von Blutergüssen (Hämatomen). Bei der Pseudozyste ist der Hohlraum mit einer grünlichen oder blutigen Flüssigkeit gefüllt und enthält oft Fibrinstränge. Enzymhistochemisch lässt sich aber kein Epithel nachweisen.
- Milztumoren: Gutartige Milztumoren wie Hämangiome und Lymphangiome gehen gewöhnlich mit Veränderungen der Gefäßwand, Blutungen und Fibrose einher. Bösartige Tumoren wie Lymphome und Sarkome können durch Nekrosen zu einer Hohlraumbildung führen und lassen sich durch die histopathologische Untersuchung leicht abgrenzen.
- Metastasen mit Zystenbildung oder Einwachsen einer muzinösen zystischen Neoplasie der Bauchspeicheldrüse
- Abszesse, also Eiteransammlungen nach einer Infektion, sind heute selten.
- Umbau eines Milzinfarkts (sehr selten)
- parasitäre Zysten, insbesondere die Ecchinokokkuszyste des dreigliedrigen Hundebandwurms.
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ a b c d Jacques Diebold, Thomas Rüdiger, Alexander Marx, Hans Konrad Müller-Hermelink: Tumoren und tumorartige Erkrankungen der Milz. In: Hans Konrad Müller-Hermelink, Hans H. Kreipe (Hrsg.): Pathologie – Knochenmark, Lymphatisches System, Milz, Thymus. 3. Auflage. Springer Nature, Berlin 2019, ISBN 978-3-540-85183-7, S. 338–339.