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Militäroperation Tigar

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Operation Tiger '94
Teil von: Bosnienkrieg

Datum 2. Juni – 21. August 1994
Ort Izačić, Bihać, Bosnien und Herzegowina 44° 52′ 0″ N, 15° 47′ 0″ OKoordinaten: 44° 52′ 0″ N, 15° 47′ 0″ O
Ausgang Strategischer Sieg der bosnischen Regierungsarmee
Konfliktparteien

Republik Bosnien und Herzegowina

AP Westbosnien
Unterstützt durch:
SVK
VRS

Befehlshaber

Atif Dudaković
Izet Nanić
Hamdija Abdić

Fikret Abdić

Truppenstärke

ca. 10.000 Soldaten (5. Korps)

ca. 5.000 Soldaten (Miliz der APZB)

Verluste

Unbekannt

Unbekannt, erhebliche Mengen an erbeutetem Material

Die Operation Tiger '94 (serbokroatisch Operacija Tigar 94 / Operacija Tigar-Sloboda 94; deutsch „Operation Tiger-Freiheit 94“) war eine verdeckte militärische Operation im Sommer 1994 während des Bosnienkrieges. Sie wurde vom 5. Korps der Armee der Republik Bosnien und Herzegowina (ARBiH) gegen die abtrünnige Autonome Provinz Westbosnien, deren Anführer Fikret Abdić sowie seine serbischen Alliierten – die Armee der Republik Serbische Krajina (SVK) und die Armee der Republika Srpska (VRS) – geführt. Die List endete mit einem großen taktischen Erfolg für die bosnische Regierungsarmee, der es gelang, die Truppen Abdićs zu übertölpeln, zu zerschlagen und das abtrünnige Gebiet vorübergehend zu besetzen. Im November 1994 erlangte Abdić die Kontrolle über das Territorium jedoch im Zuge der Operation Spinne (Operacija Pauk) mit massiver serbischer Unterstützung zurück.[1]

Zu Beginn der 1990er-Jahre bildete sich im Nordwesten Bosniens eine vom Rest des Regierungsgebiets abgeschnittene Enklave um die Stadt Bihać, die von den Regierungstruppen der ARBiH unter dem Kommando von General Atif Dudaković gehalten wurde. Die Region hatte den Vorteil, dass es trotz einer kroatischen Minderheit im Südwesten nicht zu den erbitterten Bruderkämpfen zwischen dem eigentlich verbündeten Kroatischen Verteidigungsrat (HVO) und der bosnischen Armee kam, die zeitweise Zentralbosnien lähmten. Dies blieb jedoch der einzige strategische Vorteil der Enklave.

Geografisch war das Gebiet vollständig von serbisch kontrollierten Territorien umschlossen: der Republik Serbische Krajina im Westen und Norden sowie der Republika Srpska im Osten. Zusätzlich erwuchs den Regierungstruppen im Inneren der Enklave ein gefährlicher Gegner durch die Proklamation der Autonomen Provinz Westbosnien unter der Führung des populistischen Politikers und Geschäftsmanns Fikret Abdić.

Die Autonome Provinz Westbosnien

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Die Autonome Provinz Westbosnien (APZB) war ein de facto unabhängiger Separatistenstaat, der zwischen 1993 und 1995 im Norden der Enklave existierte. Die De-facto-Hauptstadt war Velika Kladuša. Fikret Abdić, der ehemalige Direktor des extrem erfolgreichen Agrarkonzerns Agrokomerc, nutzte seinen wirtschaftlichen Einfluss und seine immense Popularität in der Region, um ein eigenes Herrschaftsgebiet zu etablieren. Er sicherte sich seine Macht durch eine stark populistische Propaganda, die von Beobachtern oft als sektenähnlich beschrieben wurde, sowie durch geheime Handelsabkommen und militärische Schützenhilfe seitens der serbischen Nachbarn.[2] Die lokale Bevölkerung in Velika Kladuša begegnete Abdić mit einer Ehrerbietung, die Züge eines Personenkults trug.

„Gespräche mit seinen autonomistischen Anhängern glichen Debatten mit Sektenmitgliedern überall auf der Welt: Ein hölzerner, in einer Sackgasse endender Dialog, der sich durch das völlige Fehlen von individuellem Verstand und Logik auszeichnete.“

Anthony Loyd

Obwohl das von fünf Infanteriebrigaden getragene 5. Korps der ARBiH materiell stark unterlegen und von feindlichen Kräften umzingelt war, erwies es sich unter der Führung von Atif Dudaković als kampfkräftig. Um den Zweifrontenkrieg innerhalb der Enklave zu beenden, entwarf Dudaković im Frühjahr 1994 eine List, die die Autonome Provinz Westbosnien ohne langwierige Stellungskämpfe zu Fall bringen sollte.

Der Plan wurde in strikter Geheimhaltung von Dudaković und dem Kommandeur der 502. Brigade des 5. Korps, Hamdija Abdić (genannt „Tigar“, nicht verwandt mit Fikret Abdić), ausgearbeitet. Hamdija Abdić trat verdeckt an Fikret Abdić heran und gab vor, ein tief unzufriedener Kommandeur zu sein, der bereit wäre, seine Einheiten gegen eine entsprechende Summe überspringen zu lassen und einen Militärputsch gegen Dudaković anzuzetteln. Fikret Abdić schöpfte zwar Verdacht, ging jedoch auf das Risiko ein, zahlte Hamdija eine hohe Summe Bargeld und versprach, den vermeintlichen Umsturz militärisch massiv zu unterstützen.

Hamdija Abdić leitete das Geld umgehend an Dudaković weiter. Um den Putsch perfekt zu inszenieren, wurden sämtliche ausländischen Mitarbeiter von Hilfsorganisationen und UN-Beobachter in ihren Unterkünften festgesetzt, um Zeugen zu verhindern. Vor den Augen und Ohren der feindlichen Aufklärung ließ Dudaković große Reifenstapel anzünden, um brennende Kasernen und Straßenzüge vorzutäuschen. Gleichzeitig befahl er seinen Truppen, exzessiv in die Luft zu feuern, um den Eindruck schwerer innerer Gefechte zu erwecken. Über offene Funkkanäle fingen die serbischen Truppen zudem die panischen Funksprüche der festsitzenden UN-Mitarbeiter ab, die um Evakuierung baten.

Fikret Abdić und seine serbischen Verbündeten (VRS und SVK) glaubten daraufhin, ein echter Militärputsch sei im Gange. Sie schickten umgehend erhebliche Mengen an Waffen, Munition sowie ihre besten Offiziere und Verbände über die Demarkationslinie, um den vermeintlichen Überläufer Hamdija Abdić zu unterstützen. Die Truppen liefen direkt in den vorbereiteten Hinterhalt des loyal gebliebenen 5. Korps. Dudakovićs Einheiten nahmen die überraschten Abdić-Getreuen gefangen und beschlagnahmten das dringend benötigte schwere Gerät. Als die serbischen Generäle den Betrug erkannten, zogen sie ihre Unterstützung verärgert zurück. Die demoralisierten Reste der APZB-Miliz hatten der anschließenden echten Offensive des gestärkten 5. Korps nichts mehr entgegenzusetzen und wurden überrannt. Am 21. August 1994 besetzte die ARBiH Velika Kladuša.

Aussage von Oberst Patrick Barriot

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Der französische Oberst Patrick Barriot quittierte 1995 den Dienst in der französischen Armee, um offizieller Repräsentant der Republik Serbische Krajina in Paris zu werden. Er sagte im Prozess gegen Slobodan Milošević vor dem Internationalen Strafgerichtshof (ICTY) aus, um das seiner Ansicht nach einseitige Bild der westlichen Medien über den Konflikt zu korrigieren.[3]

Folgen und Nachprozess

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Der Erfolg der ARBiH war nicht von Dauer. Bereits im November 1994 startete Fikret Abdić gemeinsam mit Einheiten der VRS und der SVK sowie paramilitärischen serbischen Verbänden (darunter der Serbische Freiwilligengarde) die Gegenoffensive Operation Spinne (Operacija Pauk). Es gelang ihnen, das verlorene Terrain zurückzuerobern. 1995 rief Abdić die kurzlebige „Republik Westbosnien“ aus.

Im August 1995 wurde die Republik Westbosnien im Zuge der großangelegten kroatisch-bosnischen Operation Sturm (Oluja) endgültig zerschlagen. Die Autonomistentruppen wurden besiegt und das Territorium dauerhaft in die Föderation Bosnien und Herzegowina (heute Kanton Una-Sana) integriert.

Fikret Abdić floh nach Kroatien, wo er unter dem Schutz von Präsident Franjo Tuđman zunächst unbehelligt blieb. Nach dem Machtwechsel in Zagreb wurde er jedoch festgenommen und wegen Kriegsverbrechen an bosniakischen Landsleuten, die der Zentralregierung in Sarajevo treu geblieben waren, angeklagt. Die bosnische Justiz machte ihn für den Tod von 121 Zivilisten und drei Kriegsgefangenen sowie für die Verwundung von über 400 Personen verantwortlich. Im Jahr 2002 verurteilte ihn das Bezirksgericht Karlovac zu 20 Jahren Haft.[4] 2005 reduzierte der Oberste Gerichtshof Kroatiens das Strafmaß auf 15 Jahre.[5] Im Jahr 2012 wurde Abdić nach Verbüßung von zwei Dritteln seiner Haftstrafe vorzeitig entlassen.

Der Zusammenbruch der serbischen und autonomistischen Stellungen im Jahr 1995 löste große Flüchtlingsströme aus. Die serbische Bevölkerung dieser Gebiete floh in Richtung Banja Luka, in die Vojvodina und den Kosovo. Die Vereinten Nationen schätzten die Zahl der serbischen Flüchtlinge allein aus Kroatien auf 150.000 bis 200.000 Menschen. Die genaue Zahl der vertriebenen oder geflohenen Abdić-Anhänger aus Westbosnien ist bis heute unklar.

Einzelnachweise

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  1. Subasic, Filip: The Military History of the Bihać Pocket. In: Journal of Slavic Military Studies, Vol. 21, No. 3, 2008, S. 412–415.
  2. Sarah Kenyon Lischer: Militarized Refugee Populations: Humanitarian Challenges in the Former Yugoslavia. mit.edu, 2007, archiviert vom Original am 24. August 2016.
  3. Transkripte und Berichte zum Fall Milošević, abgerufen im Juni 2026.
  4. Concerns About the Judiciary. Human Rights Watch, Oktober 2004.
  5. Background Report: Domestic War Crime Trials 2005 (page 23). (PDF) OSZE-Mission in Kroatien, 13. September 2006, archiviert vom Original am 27. August 2019.