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Sundevall-Rennratte

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Sundevall-Rennratte

Sundevall-Rennratte (Meriones crassus)

Systematik
Familie: Langschwanzmäuse (Muridae)
Unterfamilie: Rennmäuse (Gerbillinae)
Tribus: Gerbillini
Untertribus: Rhombomyina
Gattung: Rennratten (Meriones)
Art: Sundevall-Rennratte
Wissenschaftlicher Name
Meriones crassus
Sundevall, 1842

Die Sundevall-Rennratte (Meriones crassus) ist ein vom nördlichen Afrika bis nach Pakistan verbreitetes Nagetier in der Gattung der Rennratten. Sie zählt zur Untergattung Pallasiomys, der auch die Mongolische Rennratte und die Königsrennratte angehören. Das Typusexemplar stammt von der Sinai-Halbinsel in Ägypten.[1]

Das Tier hat mit einer Kopf-Rumpf-Länge von 100 bis 153 mm, einer Schwanzlänge von 98 bis 158 mm und einem Gewicht von 55 bis 158 g die typische Größe für eine Rennratte. Es kommen 30 bis 38 mm lange Hinterfüße und Ohren von 14 bis 22 mm Länge vor. Die Oberseite trägt graues Fell mit sandfarbenen Tönen und unterseits ist weißes Fell vorhanden. Laut einer Studie von 2009 ist der Schwanz im Westen von Iran etwas kürzer als Kopf und Rumpf zusammen. Die Differenz wird im Irak und in Afrika kleiner. Die Quaste am Ende des Schwanzes ist weniger ausgeprägt als bei der Libyschen Rennratte. Sie ist mit einer grauen bis kastanienbraunen Farbe meist heller, obwohl je nach Region große Unterschiede auftreten können. Auf dem mittleren und vorderen Teil der Fußsohlen sind Haare vorhanden. Die Art hat elfenbeinfarbene Krallen. Verglichen mit der Libyschen Rennratte ist der Schädel weniger robust. Das Tier besitzt einen auffällig großen Paukenteil am Schläfenbein. Die acht Zitzen der Weibchen sind paarig angeordnet. Bei dieser Rennratte besteht der diploide Chromosomensatz aus 60 Chromosomen (2n=60).[2] Bei der Mittagsrennratte ist der Wert dagegen 2n=50.[1]

Im nördlichen Afrika ist die Art von Marokko bis Ägypten verbreitete, jedoch nicht an den Nordhängen des Atlasgebirges. Das Verbreitungsgebiet setzt sich über den Nahen Osten bis in die südliche Türkei, das südliche Saudi-Arabien, den nordöstlichen Oman und bis in den Westen von Pakistan fort. Die Art meidet höhere Bereiche des Zagros-Gebirges im Iran. Ob die Art im Libanon lebt muss bestätigt werden. Sie hält sich in Wüsten und Halbwüsten sowie mediterranen Landschaften und Wadis auf, die bis 1000 Meter Höhe liegen.[3] Der Boden kann sandig oder teilweise felsig sein.[2]

Die nachtaktive Sundevall-Rennratte hält sich längere Zeit in ihrem selbst gegrabenen Bau auf. In diesem Wohnen die Exemplare, wenn keine Fortpflanzung stattfindet, allein. Nimmt das Nahrungsangebot in einer Region ab, wird zu einer anderen gewandert. Die meisten Tunnel liegen bis zu 37 cm unter der Oberfläche, doch einzelne können 100 bis 200 cm tief liegen. Die Nestkammer wird mit trockenen Pflanzenteilen ausgepolstert. Diese Rennratte kann ältere Baue ihren aktuellen Bedürfnissen anpassen. Die Nahrung variiert, je nach Angebot. So werden auf der Arabischen Halbinsel Samen und andere Teile von Pflanzen der Gattungen Acacia, Citrullus, Schneckenklee und Steppenrauten gefressen, die mit Feldheuschrecken der Gattung Schistocerca komplettiert werden. In Ägypten wurden Teile der Alexandrinischen Senna, von Pflanzen der Gattung Anabasis und von Spinnen der Gattung Zilla im Bau gefunden. In Israel sind die Strauch-Melde und Moricandia nitens (Kreuzblütler) als Nahrung bekannt. Manchmal wird der Dung von Eseln und Kamelen nach Nahrung durchsucht. Die Fähigkeit des Tieres längere Trockenzeiten zu überstehen sind sehr hoch. Es kann auf Nahrungssuche bis zu 10 km wandern.[2][3]

Paarungen können zwischen November und Juni stattfinden, wobei die meisten Nachkommen im Frühling und frühen Sommer geboren werden. Nach 21 bis 31 Tagen Trächtigkeit enthält ein Wurf 3 bis 7 Neugeborene. Diese sind anfänglich nackt und blind und sie öffnen nach etwa zwei Wochen ihre Augen. Die Mutter säugt ihre Jungtiere etwa einen Monat und nach zwei Monaten tritt die Geschlechtsreife ein.[2][3]

Aufgrund fehlender Bedrohungen und einer weiten Verbreitung wird die Sundevall-Rennratte von der IUCN als nicht gefährdet (least concern) gelistet.[3]

Einzelnachweise

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  1. a b Don E. Wilson, DeeAnn M. Reeder (Hrsg.): Mammal Species of the World. A taxonomic and geographic Reference. 3. Auflage. 2 Bände. Johns Hopkins University Press, Baltimore MD 2005, ISBN 0-8018-8221-4 (englisch, Meriones crassus).
  2. a b c d Don E. Wilson, Thomas E. Lacher Jr., Russell A. Mittermeier (Hrsg.): Handbook of the Mammals of the World. Volume 7 - Rodents II. Lynx Edicions, 2017, ISBN 978-84-16728-04-6, S. 643 (englisch, Meriones crassus).
  3. a b c d Meriones crassus in der Roten Liste gefährdeter Arten der IUCN 2016. Eingestellt von: Granjon, L., 2016. Abgerufen am 5. März 2026.