Mejonit kristallisiert im tetragonalen Kristallsystem und entwickelt meist prismatische Kristalle, die nach der c-Achse [001] gestreift sind und mit typischerweise flachpyramidalen Enden. Einzelne Kristalle können eine Länge von bis zu 70cm[4] und Durchmesser von bis zu 40cm[7] erreichen. Er findet sich aber auch in Form körniger bis derber Mineral-Aggregate. Die Kristalloberflächen zeigen einen harz- bis glasähnlichen, Aggregatformen eher einen perlmuttähnlichen Glanz.
In reiner Form ist Mejonit farblos und durchsichtig. Durch vielfache Lichtbrechung aufgrund von Gitterfehlern oder polykristalliner Ausbildung kann er aber auch durchscheinend weiß sein und durch Fremdbeimengungen eine graue, rosa, violette, blaue, gelbe oder orange-braune bis braune Farbe annehmen. Seine Strichfarbe ist allerdings immer weiß.
Erstmals wissenschaftlich ausreichend charakterisiert und beschrieben wurde das Mineral 1801 durch den französischen Mineralogen René Just Haüy anhand von Mineralproben vom Monte Somma im Somma-Vesuv-Vulkankomplex bei Neapel in der italienischen Region Kampanien. Haüy gab dem Mineral den Namen „Meïonite“ nach dem griechischen Wort μείων meiōn für „kleiner, geringer, weniger“ in Anlehnung an dessen, im Gegensatz zu Zirkon und Vesuvian, flacheren dipyramidalen Kristallen.
Ein Jahr zuvor beschrieb zwar auch der brasilianische Mineraloge José Bonifácio de Andrada e Silva ein den Eigenschaften nach sehr ähnliches Mineral, das er als Wernerit bezeichnete. Es fehlten aber unter anderem Angaben zur chemischen Zusammensetzung. Zwischen 1959 und 1960 beschloss die Kommission für neue Mineralien und Mineraliennamen der International Mineralogical Association (IMA/CNMMN) zunächst, dass die Bezeichnung Skapolith als Gruppenname und Wernerit als Artname verwendet werden sollte. Diese Zuweisung führte allerdings zu Verwirrungen, da die Abgrenzung der Zusammensetzung von Wernerit nicht festgelegt wurden und daher für den gesamten Zusammensetzungsbereich von Marialith bis Mejonit gelten kann, was Wernerit faktisch zu einem Synonym für Skapolith macht. Um die Verwirrungen in Bezug auf die Nomenklatur aufzulösen, wurde 1986 schließlich festgelegt, dass der Name Skapolith als Gruppenname beibehalten wird. Die Skapolithgruppe umfasst die Mischreihe mit den Endgliedern und Mineralarten Marialith (Na4Al3Si9O24Cl) und Mejonit (Ca4Al6Si6O24(CO3)). Die ebenfalls bis dahin verbreiteten Namen Dipyr (=Marialith) und Mizzonit (=Mejonit) gelten als Varietätennamen und Wernerit wird als Synonym für Skapolith verworfen.[8] Seit 1998/1999 gehört auch das Mineral Silvialith (Ca4Al6Si6O24(SO4)) zur Skapolithgruppe.[9]
Da der Mejonit bereits lange vor der Gründung der International Mineralogical Association (IMA) bekannt und als eigenständige Mineralart anerkannt war, wurde dies von ihrer Commission on New Minerals, Nomenclature and Classification (CNMNC) übernommen und bezeichnet den Mejonit als sogenanntes „grandfathered“ (G) Mineral.[2] Die seit 2021 ebenfalls von der IMA/CNMNC anerkannte Kurzbezeichnung (auch Mineral-Symbol) von Mejonit lautet „Me“.[1]
In der zuletzt 2018 überarbeiteten Lapis-Systematik nach Stefan Weiß, die formal auf der alten Systematik von Karl Hugo Strunz in der 8. Auflage basiert, erhielt das Mineral die System- und Mineralnummer VIII/J.13-020. Dies entspricht ebenfalls der Abteilung „Gerüstsilikate“, wo Mejonit zusammen mit Kalborsit, Marialith, Sarkolith und Silvialith die „Skapolithreihe“ mit der Systemnummer VIII/J.13 bildet.[5]
In der vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchlichen Systematik der Minerale nach Dana hat Mejonit die System- und Mineralnummer 76.03.01.02. Das entspricht der Klasse der „Silikate“ und dort der Abteilung „Gerüstsilikate: Al-Si-Gitter“. Hier findet er sich innerhalb der Unterabteilung „Gerüstsilikate: Al-Si-Gitter mit anderen Be/Al/Si-Gittern“ in der „Skapolithgruppe“, in der auch Marialith und Silvialith sowie der nicht als Mineralart anerkannte Skapolith eingeordnet sind.
Bei natürlichen Mejoniten können diese Werte je nach Bildungsbedingungen und Stoffzufuhr in geringem Umfang schwanken. Zudem sind aufgrund der Mischkristallbildung von Mejonit und Marialith (Na4Al3Si9O24Cl) meist ein geringer Anteil des Calciums durch Natrium (Na) sowie des Carbonatkomplexes (CO3) durch Chlor (Cl) ersetzt (substituiert). Durch die Mischkristallbildung mit Silvialith (Ca4Al6Si6O24(SO4)) können Anteile des Carbonatkomplexes durch Sulfatkomplexe (SO4) ersetzt sein.
So wurden bei der Analyse von Mejonitproben vom Vesuv die folgende Zusammensetzung ermittelt: 20,72Gew.-%CaO, 31,59Gew.-%Al2O3, 41,38Gew.-%SiO2 und 4,35Gew.-%CO2 sowie formelfremde Anteile von 1,38Gew.-%Natriumoxid (Na2O), 0,48Gew.-%Kaliumoxid (K2O), 0,29Gew.-%Magnesiumoxid (MgO), 0,35Gew.-%SO3, 0,18Gew.-%Cl und 0,29Gew.-%H2O.[4]
Die Kristallstruktur der Skapolithgruppe besteht allgemein aus einem Gerüst aus SiO4- und AlO4-Tetraedern, die zu 4- und 5-gliedrigen Ringen verbunden sind. Diese Struktur enthält große Hohlräume, die beim Mejonit je ein [CO3]2−-Anion enthalten, das von vier großen Ca-Kationen umgeben ist.[3]
Als Algerit wird eine blassgelbweiße bis hellgraue Varietät von Mejonit bezeichnet, die quadratische Kristallprismen bildet.[15]Thomas Sterry Hunt beschrieb diese Varietät erstmals 1849 und benannte sie nach Francis Alger.[16]
Als eher seltene Mineralbildung kann Mejonit an verschiedenen Orten zum Teil zwar reichlich vorhanden sein, insgesamt ist er jedoch wenig verbreitet. Weltweit sind bisher rund 200 Vorkommen[17] dokumentiert (Stand 2025). Außer an seiner Typlokalität am Monte Somma fand sich das Mineral in Italien unter anderem in den Steinbrüchen bei Pollena Trocchia und Torre del Greco sowie den San-Vito-Thermalfeldern bei Pozzuoli in Kampanien, im Biachella-Tal bei Sacrofano in der Region Latium, bei Paspardo, Chiesa in Valmalenco, Valfurva und Villa di Chiavenna in der Lombardei, an verschiedenen Stellen in der Provinz Verbano-Cusio-Ossola in der Region Piemont und im Wipptal in Trentino-Südtirol.
In Deutschland wurde das Mineral bisher vor allem in Rheinland-Pfalz entdeckt, so unter anderem in der Sandgrube Hüttenberg bei Glees im Brohltal, in den Steinbrüchen bei Mendig (In den Dellen, Thelenberg, Wingertsberg) und Ettringen sowie bei Dreis-Brück und Rockeskyll in der Vulkaneifel. Außerdem trat Mejonit noch im Graphitbergwerk Kropfmühl, im Steinbruch Höllein bei Stengerts und im Schacht Zwingau bei Pfaffenreut/Untergriesbach auf.[18]
Bekannt ist auch das Kongegruva-Kalksteinbergwerk bei Kalkheia nahe Kristiansand im norwegischen Fylke Agder, wo gut ausgebildete, zentimetergroße Mejonitkristalle gefunden wurden.[19]
Weitere Fundorte liegen unter anderem in Afghanistan, Argentinien, Australien, Brasilien, Bulgarien, China, Finnland, Frankreich, Indien, Japan, Kanada, Kirgisistan, Madagaskar, Mexiko, Myanmar, Namibia, Norwegen, Polen, Russland, Sambia, Schweden, Simbabwe, Spanien, Südafrika, Tadschikistan, den Vereinigten Staaten.[18]
José Bonifácio de Andrada e Silva:Der Eigenschaften und Kennzeichen einiger neuen Fossilien aus Schweden und Norwegen nebst einigen chemischen Bemerkungen über dieselben. In: Allgemeines Journal der Chemie. Band4, 1800, S.28–39;hier:35–36und38–39, „9) Wernerit“ und „12) Scapolit“ (rruff.info[PDF; 2,4MB; abgerufen am 22.Oktober 2025]).
René Just Haüy:Traité de Minéralogie. Band2. Louis, Paris 1801, S.586–590, Meïonite (französisch, rruff.info[PDF; 365kB; abgerufen am 22.Oktober 2025]).
René Just Haüy:Traité de Minéralogie. Band3. Louis, Paris 1801, S.119–125, Wernerite (französisch, rruff.info[PDF; 443kB; abgerufen am 22.Oktober 2025]).
Peter Bayliss:Mineral nomenclature: scapolite. In: Mineralogical Magazine. Band51, 1997, S.176 (rruff.info[PDF; 81kB; abgerufen am 22.Oktober 2025]).
Barbara L. Sherriff, Elena V. Sokolova, Yurii K. Kabalov, David M. Jenkins, Gerald Kunath-Fandrei, Steffen Goetz, Christian Jäger, Julius Schneider:Meionite: Rietveld structure-refinement, 29Si MAS and 29Al SATRAS NMR spectroscopy, and comments on the marialite-meionite series. In: The Canadian Mineralogist. Band38, 2000, S.1201–1213 (englisch, rruff.info[PDF; 1,8MB; abgerufen am 22.Oktober 2025]).
Meionite search results.In:rruff.info.Database of Raman spectroscopy, X-ray diffraction and chemistry of minerals (RRUFF);abgerufen am 22.Oktober 2025(englisch).
1234567Hugo Strunz, Ernest H. Nickel:Strunz Mineralogical Tables. Chemical-structural Mineral Classification System. 9. Auflage. E. Schweizerbart’sche Verlagsbuchhandlung (Nägele u. Obermiller), Stuttgart 2001, ISBN 3-510-65188-X, S.700 (englisch).
123456789101112
Meionite. In: John W. Anthony, Richard A. Bideaux, Kenneth W. Bladh, Monte C. Nichols (Hrsg.): Handbook of Mineralogy, Mineralogical Society of America. 2001 (englisch, handbookofmineralogy.org[PDF; 80kB; abgerufen am 22.Oktober 2025]).
12Stefan Weiß:Das große Lapis Mineralienverzeichnis. Alle Mineralien von A – Z und ihre Eigenschaften. Stand 03/2018. 7., vollkommen neu bearbeitete und ergänzte Auflage. Weise, München 2018, ISBN 978-3-921656-83-9.
123Meionite.In:mindat.org.Hudson Institute of Mineralogy,abgerufen am 22.Oktober 2025(englisch).
↑Petr Korbel, Milan Novák:Mineralien-Enzyklopädie (=Dörfler Natur). Edition Dörfler im Nebel-Verlag, Eggolsheim 2002, ISBN 978-3-89555-076-8, S.270–271.
↑David K. Teerstra, M. Schindler, Barbara L. Sherriff, Frank C. Hawthorne:Silvialite, a new sulfate-dominant member of the scapolite group with an Al-Si composition near the I4/m–P42/n phase transition. Band63, Nr.3, 1999, S.321–329 (rruff.geo.arizona.edu[PDF; 636kB; abgerufen am 22.Oktober 2025]).
↑David Barthelmy:Meionite Mineral Data.In:webmineral.com.Abgerufen am 22.Oktober 2025(englisch).
↑Algerite.In:mindat.org.Hudson Institute of Mineralogy,abgerufen am 22.Oktober 2025(englisch).
↑Thomas Sterry Hunt:Chemical examination of algerite, a new mineral species, including a description of the mineral by F. Alger. In: American Journal of Science. Band2, Nr.8, 1849, S.103–106 (englisch, Digitalisat der ersten Seite bei proquest.com[abgerufen am 22.Oktober 2025]).
↑Localities for Meionite.In:mindat.org.Hudson Institute of Mineralogy,abgerufen am 22.Oktober 2025(englisch).
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Fundortliste für Mejonit beim Mineralienatlas (deutsch) und bei Mindat (englisch), abgerufen am 22. Oktober 2025.