Das Dorf Małga lag 23 km nordöstlich der Stadt Nidzica(Neidenburg) auf halbem Wege nach Szczytno(Ortelsburg). Das Dorf am Omulew(Omulef) existiert seit 1954 nicht mehr, neben dem Kirchturm der ehemaligen Dorfkirche sind nur noch wenige Reste der Besiedelung zu finden. Von Nowy Las(Neuwald) an der Woiwodschaftsstraße 545 sowie von Kot(Omulefofen) und von Rekownica(Rekownitza, 1921 bis 1945 Großwalde) aus ist die Ortsstelle von Małga heute über Landwege zu erreichen.
Im Jahr 1889 wurde Malga, das bis zu diesem Zeitpunkt als Filialgemeinde zum KirchspielJedwabno gehört hatte, ein eigenständiges Kirchspiel. Die Dorfkirche wurde erst 1902 errichtet. Zum Kirchspiel Malga gehörten u.a. die Orte Klein-Malga, Malgamühle, Malgaofen, Habichtsberg, Uszannek. Im Jahr 1905 lebten in Malga 520 und im Jahr 1939 486 Einwohner.[2]
Aufgrund der Bestimmungen des Versailler Vertrags stimmte die Bevölkerung im Abstimmungsgebiet Allenstein, zu dem Malga gehörte, am 11. Juli 1920 über die weitere staatliche Zugehörigkeit zu Ostpreußen (und damit zu Deutschland) oder den Anschluss an Polen ab. In Malga stimmten 383 Einwohner für den Verbleib bei Ostpreußen, auf Polen entfielen keine Stimmen.[3]
Am 20. Januar 1945 wurde Malga von der Roten Armee eingenommen und der sowjetischen Kommandantur unterstellt. Nach Kriegsende kam das Dorf zu Polen und hieß Małga. Die Dorfbewohner wurden bis 1953 ausgesiedelt, die Dorfgebäude eingeebnet und es erstand 1954 ein Truppenübungsplatz (poligon wojskowy Muszaki) samt militärisches Sperrgebiet der Polnischen Volksarmee. Es verblieb lediglich der Glockenturm der ehemaligen evangelischen Kirche, der als Orientierungspunkt bei Übungen diente. Im Jahr 1993 hat das Militär das Übungsgelände verlassen; es wurde vom Staatlichen Forstamt (Lasy Państwowe) übernommen und zum Naturschutzgebiet Małga (Rezerwat przyrody Małga) erklärt.
In Malga bestand spätestens seit dem 16. Jahrhundert eine eigene Kirche.[4] 1574 wurde eine evangelische Kirche erwähnt. Diese aus Holz gefertigte Kirche stand bis 1807, überstand die Fremdnutzung durch französische Truppen und wurde 1819 nach umfangreichen Restaurierungsarbeiten wieder neu eingeweiht. In den Jahren 1901 bis 1902 wurde eine neue Kirche errichtet, die – wie das gesamte Dorf Malga auch – nach 1945 einem Truppenübungsplatz weichen musste. Die Turmruine der Kirche wurde als Aussichtsturm und Zielpunkt militärisch genutzt und ist heute noch weithin sichtbares Erinnerungszeichen an Kirche und Dorf Malga, damals zugehörig zum KirchenkreisNeidenburg in der Kirchenprovinz Ostpreußen der Kirche der Altpreußischen Union.
↑Herbert Marzian, Csaba Kenez: „Selbstbestimmung für Ostdeutschland – Eine Dokumentation zum 50 Jahrestag der ost- und westpreussischen Volksabstimmung am 11. Juli 1920“; Herausgeber: Göttinger Arbeitskreis, 1970, S. 90