Max Neufeld

Maximilian Neufeld, auch Massimiliano Neufeld und Massimo Neufeld, (* 13. Februar 1887 in Guntersdorf, Österreich-Ungarn; † 2. Dezember 1967 in Wien, Österreich) war ein österreichischer Schauspieler und Filmregisseur. Er war der jüngere Bruder des Schauspielers Eugen Neufeld.
Leben
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Max Neufeld spielte anfangs in der väterlichen Schauspieltruppe und erhielt 1905 seine erste Anstellung als Schauspieler am alten Stadttheater Klagenfurt. Er trat in der Folge sowohl in Provinztheatern als auch ab 1912 am Theater in der Josefstadt in Wien auf. Seine ersten Filmrollen erhielt er 1913 von der Wiener Kunstfilm-Industrie, die ihm nach mehreren Nebenrollen in Filmen wie Johann Strauß an der schönen blauen Donau, Treue Seelen oder Unter falscher Flagge in Der Pfarrer von Kirchfeld (1914) erstmals in einer Hauptrolle einsetzte. Er spielte vorwiegend „jugendliche Liebhaber“, und in bäuerlichen Dramen „kernige Burschen“.
Während des Ersten Weltkriegs diente er zwischen 1916 und 1918 als Artillerie-Offizier. Noch während des Krieges kehrte er zurück zum Film. Er wurde nun ein beliebter Darsteller von Liebhabern, die er in Filmen wie dem Kriegsdrama Freier Dienst (1918), Don Cäsar, Graf von Irun (1918), Die Ahnfrau (1919) und Der tote Hochzeitsgast (1921) verkörperte. Als der erste männliche Filmstar der Wiener Kunstfilm spielte neben beliebten Schauspielerinnen und Filmstars wie Hansi Niese in Frau Gertrud Namenlos (1914) und Liane Haid im Propagandafilm Mit Herz und Hand fürs Vaterland (1915). Ausnahmen von seinem type cast gab es nur selten. So spielte er in Das Weib des Irren (1921) den Irrenarzt und in Eva, die Sünde (1920) den verführten Mönch. In der Eigeninszenierung Brandstifter Europas (1926) spielte er als „Mönch Rasputin“ sogar eine finstere, dämonische Rolle, was die absolute Ausnahme blieb.

Nach 1921 war er vorwiegend als Regisseur tätig, übernahm jedoch auch weiterhin Filmrollen, zumeist in seinen eigenen Filmen. Er inszenierte regelmäßig Dramen, Melodramen, Komödien und Abenteuergeschichten. In der zweiten Hälfte der Zwanziger Jahre entwickelte er sich zu einem routinierten Meister leichter, wienerischer Komödien, wie Der Balletterzherzog, aber auch kammerspielartiger Filme mit Tiefgang, wie Die Strecke. Nach Gründung der Interessensvertretung österreichischer Filmschaffender, dem Filmbund, im Jahre 1922, wurde er dessen Vorstandsmitglied. Bei der ersten Verfilmung von Hoffmanns Erzählungen im Jahre 1923 durch die Wiener Vita-Film führte er Regie und spielte die Hauptrolle.
Ab Mitte der 1920er-Jahre schrieb er gelegentlich auch die Drehbücher zu seinen Filmen, und ab den späten 1920er-Jahren war er auch hin und wieder in Deutschland tätig, etwa für die Berliner Nero-Film, für die er 1931 Eine Nacht im Grandhotel inszenierte. Für die Cine-Allianz wiederum inszenierte er 1932 die deutsch-österreichische Koproduktion Sehnsucht 202 (1932) hier, worin die Betroffenen der gegenwärtig hohe Arbeitslosigkeit nach der Weltwirtschaftskrise 1929 im Mittelpunkt standen.
1933, nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten in Deutschland, musste Max Neufeld Berlin wegen seiner jüdischen Herkunft verlassen und wurde für die nächsten Jahre zum Europareisenden mit Inszenierungen in Wien, Paris, Rom und Madrid. Ein 1936 gestelltes Ansuchen an die Reichsfilmkammer in Berlin zur Erteilung einer Sondererlaubnis zum weiteren Filmschaffen in Deutschland wurde ebenso abgelehnt wie die Einfuhr von Produktionen, an denen Max Neufeld mitwirkte. Obwohl auch in Österreich seit 1936 keine Juden mehr beim Film beschäftigt werden durften, blieb er bis zum „Anschluss Österreichs“ an Deutschland in Wien. Dann flüchtete er nach Rom, wo er bis 1941 Filme inszenierte, danach arbeitete er in Spanien. Nach dem Zweiten Weltkrieg kehrte er nach Rom zurück, drehte ab 1948 aber auch wieder Filme in Wien. Seinen letzten Film inszenierte er 1957: Der schönste Tag meines Lebens.
Max Neufeld ruht auf dem Wiener Zentralfriedhof (Gruppe 72B, Reihe 19, Nummer 80).
Filmografie (Auswahl)
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]R = Regie, B = Drehbuch, D = Darsteller, P = Produktion
Stummfilme:
- 1913: Treue Seelen (Kurzfilm) (D)
- 1914: Unter falscher Flagge (Kurzfilm) (D)
- 1914: Die Hochzeit von Valeni (D)
- 1914: Der Pfarrer von Kirchfeld (D)
- 1914: Frau Gertrud Namenlos (D)
- 1914: Der fremde Gast (Kurzfilm) (D)
- 1915: Mit Herz und Hand fürs Vaterland (D)
- 1916: Auf der Höhe (D)
- 1917: Mir kommt keiner aus (D)
- 1918: Freier Dienst (D)
- 1918: Die Jüdin (D)
- 1918: Don Cäsar, Graf von Irun (D)
- 1919: Die Ahnfrau (D)
- 1919: Stahl und Stein (R, D; Co-Regie mit Hans Rhoden)
- 1919: Der ledige Hof (R, B, D)
- 1920: Herzblut (D; R nicht gesichert)
- 1920: Lasset die Kleinen zu mir kommen (R, D)
- 1920: Die Maske der Schuld (Wildfeuer) (R, D)
- 1920: Winterstürme (R, D)
- 1920: Eva, die Sünde (D)
- 1920: Die Frau in Weiß (2 Teile) (R, B, D)
- 1921: Sein Lebenslicht (R)
- 1921: Die Filme der Prinzessin Fantoche (R)
- 1921: Das Weib des Irren (D)
- 1921: Der tote Hochzeitsgast (R, D)
- 1922: Faustrecht (R, D)
- 1923: Hoffmanns Erzählungen (R, D, P)
- 1923: Der Eisenkönig (R)
- 1924: Die letzte Stunde (Hotel Potemkin) (R)
- 1925: Ein Walzer von Strauß (R, B)
- 1926: Die Brandstifter Europas (R, D, P)
- 1926: Das K. und K. Ballettmädel (Der Balletterzherzog) (R, B)
- 1927: Der Mann ohne Beruf (Das grobe Hemd) (B)
- 1927: Die große und die kleine Welt (Die Strecke) (R, B)
- 1927: Die Familie ohne Moral (R, B)
- 1927: Höhere Töchter (D)
- 1927: Dr. Bessels Verwandlung (D)
- 1928: Der Geliebte seiner Frau (R, B)
- 1928: Die beiden Seehunde (R)
- 1928: Befehl zur Ehe (R)
- 1928: Modellhaus Crevette (R)
- 1928: Herzog Hansl (Erzherzog Johann) (R)
- 1929: Die weiße Nacht (R)
- 1929: Nachtlokal (R)
Tonfilme (nur noch als Regisseur):
- 1931: Eine Nacht im Grandhotel (R)
- 1931: Opernredoute (R, B)
- 1931: Purpur und Waschblau (R)
- 1932: Ein bißchen Liebe für Dich (R, B)
- 1932: Due cuori felici (italienische Version von Ein bißchen Liebe für Dich) (B)
- 1932: Monsieur, Madame et Bibi (französische Version von Ein bißchen Liebe für Dich) (R; Co-Regie mit Jean Boyer)
- 1932: Hasenklein kann nichts dafür (R)
- 1932: Sehnsucht 202 (R)
- 1932: Une jeune fille et un million (französische Version von Sehnsucht 202) (R; Co-Regie mit Fred Ellis)
- 1932: Der Orlow (R)
- 1932: Glück über Nacht (R)
- 1933: Rund um eine Million (R, B)
- 1933: Das Lied der Sonne (R)
- 1933: La canzone del sole (italienische Version von Das Lied der Sonne) (R)
- 1934: Früchtchen (Csibi, der Fratz) (R)
- 1934: Ein Stern fällt vom Himmel (R)
- 1934: Temptation (R)
- 1935: Antonia, romance hongroise (Version von Temptation) (R; Co-Regie mit Jean Boyer)
- 1935: Hoheit tanzt Walzer (R, B)
- 1935: Taneček panny márinky (tschechische Version von Hoheit tanzt Walzer) (R, B)
- 1936: Valse éternelle (französische Version von Hoheit tanzt Walzer) (R, B))
- 1936: Mit Musik durchs Leben (Singende Jugend) (R)
- 1938: La casa del peccato (R)
- 1938: Mille lire al mese (R)
- 1939: Una moglie in pericolo (R)
- 1939: Assenza ingiustificata (R, B)
- 1939: Ballo al castello (R)
- 1940: Taverna rossa (R)
- 1940: Fortuna (R)
- 1940: Cento lettere d'amore (R)
- 1940: La canzone rubata (R, B)
- 1940: La prima donna che passa (R)
- 1942: Madrid de mis sueños (R; Co-Regie mit Gian Maria Cominetti)
- 1943: Idilio en Mallorca (R, B)
- 1946: Un uomo ritorna (R)
- 1946: Il tiranno di Padova (R, B)
- 1948: Anni (R, B)
- 1948: Verlorenes Rennen (R)
- 1949: Rosen der Liebe (Liebling der Welt) (R)
- 1949: L'inconnu d'un soir (französische Version von Rosen der Liebe) (R; Co-Regie mit Hervé Bromberger)
- 1951: Licenza premio (R)
- 1952: Abracadabra (R)
- 1954: Dein Mund verspricht mir Liebe (R, B)
- 1957: Der schönste Tag meines Lebens (R, B)
Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Armin Loacker (Hrsg.): Kunst der Routine – Der Schauspieler und Regisseur Max Neufeld. Verlag Filmarchiv Austria, Wien 2008, ISBN 978-3-902531-46-9.
- Felix Czeike (Hrsg.): Historisches Lexikon Wien. Band 4, Kremayr & Scheriau, Wien 1995, ISBN 3-218-00546-9, S. 377f.
- Susanne Blumesberger, Michael Doppelhofer, Gabriele Mauthe: Handbuch österreichischer Autorinnen und Autoren jüdischer Herkunft 18. bis 20. Jahrhundert. Band 2: J–R. Hrsg. von der Österreichische Nationalbibliothek. Saur, München 2002, ISBN 3-598-11545-8, S. 973.
- Kay Weniger: Das große Personenlexikon des Films. Die Schauspieler, Regisseure, Kameraleute, Produzenten, Komponisten, Drehbuchautoren, Filmarchitekten, Ausstatter, Kostümbildner, Cutter, Tontechniker, Maskenbildner und Special Effects Designer des 20. Jahrhunderts. Band 5: L – N. Rudolf Lettinger – Lloyd Nolan. Schwarzkopf & Schwarzkopf, Berlin 2001, ISBN 3-89602-340-3, S. 647 f.
- Kay Weniger: 'Es wird im Leben dir mehr genommen als gegeben …'. Lexikon der aus Deutschland und Österreich emigrierten Filmschaffenden 1933 bis 1945. Eine Gesamtübersicht. S. 368 f., ACABUS-Verlag, Hamburg 2011, ISBN 978-3-86282-049-8
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Max Neufeld bei IMDb
- Max Neufeld bei filmportal.de
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Neufeld, Max |
| ALTERNATIVNAMEN | Neufeld, Maximilian (vollständiger Name); Neufeld, Massimiliano; Neufeld, Massimo |
| KURZBESCHREIBUNG | österreichischer Schauspieler und Filmregisseur |
| GEBURTSDATUM | 13. Februar 1887 |
| GEBURTSORT | Guntersdorf, Österreich-Ungarn |
| STERBEDATUM | 2. Dezember 1967 |
| STERBEORT | Wien, Österreich |