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Maurus Hummel

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Maurus Hummel OSB (* 1684 in Altdorf; † 9. Oktober 1752 in Kloster Reichenau) war von 1717 bis 1752 Prior des Hochfürstlichen Reichsstifts Reichenau als Nachfolger von Wolfgang Wetter.

Er studierte im Kloster Reichenau nach seiner Profess 1702 die sieben freien Künste, Theologie, Philosophie, Kirchenrecht und Historie.

Rettung der Reichenauer Bibliothek

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Rathaus Reichenau, 2022: Hier befand sich die Bibliothek Reichenau

Die neue Bibliothek des Klosters Reichenau wurde in dem noch heute erhaltenen Bau (Rathaus) von 1607 bis 1609 erbaut. 1719 stürzte der Bau teilweise ein. Von 1720 bis 1722 ließ Maurus Hummel das Gebäude herrichten und die Bibliothek neu herstellen. Er ordnete die Bücher und tätigte zahlreiche Zukäufe, insbesondere Inkunabeln. Er war unter anderem in Kontakt mit Bernhard Pez und Hieronymus Pez. Des Weiteren mit Bernard de Montfaucon sowie mit dem Abt Antoine Augustin Calmet, um die griechische Inschrift des Reichenauer Kreuzreliquiars zu entschlüsseln.

Im Bewusstsein der unschätzbaren Werte der Bibliothek und der alten Urkunden untermauerte er die alten Privilegien und Rechtsansprüche des Klosters. Durch den Bibliothekar Januarius Stahel ließ er einen Bibliothekskatalog anlegen. So verteidigte er die Rechte der Abtei in den langjährigen, erbitterten Rechtsstreitigkeiten gegen die Einmischung und Oberherrschaft des Bistums Konstanz und der Fürstbischöfe. Sein Nachfolger wurde Meinrad Meichelbeck (1713–1792).

Er erneuerte auch die Heilig-Blut Wallfahrt und ließ durch den Baumeister Maurus Pfister umfangreiche Sanierungen am Kloster vornehmen.

Den einst sagenumwobenen Smaragd von Reichenau hielt er nach einem Einbruchdiebstahl im Jahr 1725 verborgen. Dieses Objekt ist heute in der Schatzkammer des Münsters in Mittelzell ausgestellt.

Die Reichenauer Bibliothek

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Im Mittelalter befand sich die Schreibstube in der die Werke der Reichenauer Malschule entstanden und die Büchersammlung im Obergeschoss des östlichen Klausurtraktes angrenzend an das Münster St.Maria und Markus Mittelzell. Er wurde in den folgenden Jahrhunderten und besonders während der Barockzeit stark umgebaut und teilweise abgerissen.

Der Bibliotheksaal

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Von 1607 bis 1609 wurde die Bibliothek im Neubau, einem Holzständerbau (dem noch erhaltenen Gebäude) in einem langgestreckten Saal im ersten Obergeschoss im Südflügel des Gebäudes parallel zum Münster untergebracht. Der Büchersaal brach (wohl unter dem Gewicht) im Jahr 1719 ein. Prior Maurus ließ den Saal erneuern. Als Baumeister verpflichtete er den Maurus Pfister aus der Vorarlberger Bauschule.

Die berühmte Chronik

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Nach der unvollständigen Ausgabe in Basel, bei Heinrich Petri, [...] Hermanni Contracti Comitis Veringen, Monachi Augiensis, Chronicon. Partim nunc a nobis inventum & editum, partim a mendis quibus laborabat [...] summo studio & diligentia repurgatum. durch Johannes Sichard von 1529 ließ 1725 Marquardt Herrgott in der Klosterdruckerei St. Gallen die Chronik von Reichenau: Hermanni Contracti, Comitis de Veringen, Monachi Augiae Divitis, Chronicon, Ex Inedito hucusque Codice Reichenaviensi, una mit ejusdem Vita & Epitaphio a Bertholdo ejus Discipulo conscriptis. Adjectis Notis Criticis & Litterariis ex Monumentis St. Blasinis erutis, opera & studio P. Marquardi Herrgott, Monachi Ord. S. Benedicti in Regia S. Blasii Abbatia in Silva Nigra drucken.

Im Jahr 1790 erschien durch Joseph Ussermann: Chronicon Hermanni Contracti. Ex inedito hucusque codice Augiensi, unacum eius vita et continuatione a Bertholdo eius discipulo scripta. Praemittuntur varia anecdota. Subiicitur Chronicon Petershusanum ineditum.[1]

Kampf ums Überleben

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Unter dem ebenfalls, noch kämpferischen Nachfolger Hummels, Meinrad Meichelbeck, nach dessen Klageschrift an Friedrich den Großen: Clamor Filiorum Israel venit ad me [...] das ist: Thränende Seufzer derer, über ihre ungerechteste Unterdrückung, aus ihrem Elend gen Himmel zu Gott, rufenden Armen, Prioris und Convents zu Reichenau, und ihres bevollmächtigten Sachwalters, des P. Meinradi Meichelbeck, worinnen die verbothene Griffe entdecket [werden] wurde das Kloster im Jahr 1757 durch das Bistum Konstanz unter Franz Konrad Kasimir Ignaz von Rodt geschlossen, die Mönche mussten es verlassen, Prior Meichelbeck war bereits zuvor geflohen. Er war dann 36 Jahre in vielen Klöstern im Exil und verstarb im Kloster Benediktbeuern. Die Bibliothek blieb jedoch erhalten.

Bekannte Besucher

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1760 besuchte ein (später sehr berühmter) Mönch aus dem Kloster St. Blasien die Bibliothek: Martin Gerbert, er beschreibt sie in seinem Reisebericht: Iter Alemannicum, Accedit Italicum Et Gallicum. zu deutsch: Reisen durch Alemannien, Welschland und Frankreich, welche in den Jahren 1759. 1760. 1761. und 1762. angestellet worden….

Der Büchersammler Joseph von Laßberg bereiste die Bodensee-Insel ab dem Jahr 1790 regelmäßig. In seinen privaten Notizen hielt er fest, dass er dort sehr glückliche Tage verbracht hatte. Später beklagte er bitterlich den Gräuel der Verwüstung Damit meinte er den Abriss und die Vernichtung historischer Bausubstanz auf der Reichenau durch die badische Regierung im Zuge der Säkularisation.

Im Jahr 1805, nach der Säkularisation, wurden unter dem Grossherzog Karl Friedrich von Baden die Bücher nach Karlsruhe in die Badische Landesbibliothek verbracht.

Ein kleiner aber bedeutender Teil der Handschriften und administrativen Dokumente der Reichenau wurde 1805 bis 1806 direkt an die Universitätsbibliothek Heidelberg verbracht, um die dortige Forschung nach der Neugründung der Universität durch Baden zu festigen. Während des hastigen Abtransports im Jahr 1805 wurden nicht alle Bücher streng registriert. Einige Bände, insbesondere spätere Drucke und Gebrauchsbücher, wurden vor Ort belassen und an umliegende Pfarreien oder Höfe abgegeben oder von privaten Sammlern aufgekauft.

Auch ohne Bücher sehenswert

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Der einstige Bibliotheksaal wurde in der Folgezeit mehrfach umgebaut und verändert und ist heute Teil der Verwaltung im Rathaus. Hingegen erhalten blieb ein Großteil des Obergeschosses und das Refektorium, heute der Sitzungsaal und auch Hochzeitseventlokation womit man sich noch einen Eindruck der einstigen Räume verschaffen kann. Der Nachbau einer Schreibstube und weiteres zur Geschichte des Klosters sind im Museum im Alten Rathaus zu sehen. Das alte Rathaus ist eines der ältesten Fachwerkbauten im Südwesten.

  • Ex Annalibus Augiensibus desumpta (Auszüge aus den Reichenauer Jahrbüchern), die er für das große wissenschaftliche Projekt der Scriptores rerum Germanicarum vorbereitete.
  • Gegenschrift von Prior Maurus Hummel und dem Konvent der Reichenau an die Kaiserliche Subdelegations-Kommission, 1749
  • De viris illustribus Augiae Divitis (Über die berühmten Männer der Reichenau) des Paters Johannes Egon († 1643). Erschien durch Bernhard Pez im Jahr 1721 in: Thesaurus Anecdotorum Novissimus.[2]
  • Ottmar Schönhut: Chronik des ehemaligen Klosters Reichenau. 1836
  • Kurt Hannemann: Geschichte der Erschließung der Handschriftenbestände der Reichenau in Karlsruhe. In: Die Abtei Reichenau. Hrsg. von Helmut Maurer. Sigmaringen 1974
  • Albert Knoepfli, Kunstgeschichte des Bodenseeraumes 2 Bände, Thorbecke, Lindau 1961/1969.

Einzelnachweise

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  1. Chronicon Hermanni Contracti. Ex inedito hucusque codice Augiensi, unacum eius vita et continuatione a Bertholdo eius discipulo scripta. Praemittuntur varia anecdota. Subiicitur Chronicon Petershusanum ineditum. Sankt Blasien 1790 (Digitalisat)
  2. Mone, Quellen, Bd. 1 S. 86