Zum Inhalt springen

Martinstein

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wappen Deutschlandkarte
Martinstein
Deutschlandkarte, Position der Ortsgemeinde Martinstein hervorgehoben
Basisdaten
Koordinaten: 49° 48′ N,  32′ OKoordinaten: 49° 48′ N,  32′ O
Bundesland:Rheinland-Pfalz
Landkreis: Bad Kreuznach
Verbandsgemeinde: Nahe-Glan
Höhe: 190 m ü. NHN
Fläche: 0,39 km²
Einwohner: 283 (31. Dez. 2024)[1]
Bevölkerungsdichte: 726 Einwohner je km²
Postleitzahl: 55627
Vorwahl: 06754
Kfz-Kennzeichen: KH
Gemeindeschlüssel: 07 1 33 062
Adresse der Verbandsverwaltung: Marktplatz 11
55566 Bad Sobernheim
Website: www.vg-nahe-glan.de
Ortsbürgermeister: Edgar Pütmann
Lage der Ortsgemeinde Martinstein im Landkreis Bad Kreuznach
Karte
Karte
Panoramabild von Martinstein
Martinstein

Martinstein ist eine Ortsgemeinde im Landkreis Bad Kreuznach in Rheinland-Pfalz. Sie gehört der Verbandsgemeinde Nahe-Glan an. Martinstein ist mit 39 Hektar die flächenkleinste Gemeinde Deutschlands.[2][3]

Martinstein liegt direkt am linken Flussufer der Nahe. Nördlich erhebt sich der Hunsrück, südlich das Nordpfälzer Bergland. Im Westen befinden sich Simmertal und Hochstetten-Dhaun, im Osten Weiler bei Monzingen und Merxheim.[4]

Der Ort entstand im Hochmittelalter an einem Übergang der Nahe auf der Gemarkung von Simmern unter Dhaun. 1340 errichtete der Erzbischof von Mainz während der „Dhauner Fehde“ gegen den Wildgrafen auf Dhaun über dem Ort eine Burg, zwei Jahre später erhielt der Ort Stadtrechte.[5] 1518 erhielt Martinstein eine eigene kleine Gemarkung. Im 18. Jahrhundert kam der Ort in den Besitz der Markgrafschaft Baden und wurde dem Amt Naumburg unterstellt.

Die Inbesitznahme des Linken Rheinufers durch französische Revolutionstruppen beendete die alte Ordnung. Martinstein wurde von 1798 bis 1814 Teil der Französischen Republik (bis 1804) und anschließend des Französischen Kaiserreichs, verwaltungstechnisch der Mairie Monzingen im Kanton Sobernheim des Departements Rhein-Mosel zugeordnet. Nach der Niederlage Napoleons kam die Region, und damit Martinstein, aufgrund der auf dem Wiener Kongress getroffenen Vereinbarungen ab 1815 zum Königreich Preußen. Die Gemeinde wurde von der Bürgermeisterei Monzingen im Kreis Kreuznach im Regierungsbezirk Koblenz verwaltet.[5]

Als Folge des Ersten Weltkriegs war die gesamte Region dem französischen Abschnitt der Alliierten Rheinlandbesetzung zugeordnet. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Martinstein innerhalb der französischen Besatzungszone Teil des 1946 neu gebildeten Landes Rheinland-Pfalz.

1966 wurde die Gemarkungs­grenze so verändert, dass die Teile der Ortschaft, die bis dahin auf Flächen von Simmern unter Dhaun, Weiler bei Monzingen und Merxheim lagen, zu Martinstein gelangten. Im Zuge der ersten rheinland-pfälzischen Verwaltungsreform erfolgte 1970 eine Zuordnung des Dorfes zur Verbandsgemeinde Bad Sobernheim, die wiederum zum 1. Januar 2020 mit der VG Meisenheim zur Verbandsgemeinde Nahe-Glan fusionierte.[6]

Bevölkerungsentwicklung

Die Entwicklung der Einwohnerzahl von Martinstein, die Werte von 1871 bis 1987 beruhen auf Volkszählungen:[3][1]

JahrEinwohner
1815132
1835202
1871188
1905194
1939295
JahrEinwohner
1950345
1961367
1970368
1987351
1997354
JahrEinwohner
2005341
2015301
2022257

Der Gemeinderat in Martinstein besteht aus sechs Ratsmitgliedern, die bei der Kommunalwahl am 9. Juni 2024 in einer Mehrheitswahl gewählt wurden, und dem ehrenamtlichen Ortsbürgermeister als Vorsitzendem.[7] Bis zur Wahl 2014 gehörten dem Gemeinderat acht Ratsmitglieder an.[8]

Edgar Pütmann wurde am 23. Januar 2023 Ortsbürgermeister von Martinstein. Die Wahl des bisherigen Ersten Beigeordneten erfolgte durch den Rat.[9] Bei der Direktwahl am 9. Juni 2024 wurde er als einziger Bewerber mit einem Stimmenanteil von 92,8 % für weitere fünf Jahre wiedergewählt.[10]

Pütmanns langjähriger Vorgänger Paul-Walter Bock hatte das Amt nach 14 Jahren zum 31. Dezember 2022 vorzeitig niedergelegt. Er hatte es von Edwin Platz übernommen.[9][11]

Wappen von Martinstein
Wappen von Martinstein
Blasonierung: „Von silbernem Schildhaupt, darin ein blaues Schwert, durch Zinnenschnitt mit vier Zinnen geteilt, unten in Rot ein blauer Reichsapfel, gold gerandet mit goldenem Tatzenkreuz.“[12]
Wappenbegründung: Das Schwert ist das Attribut des heiligen Martin, des Patrons und Namensgebers des Ortes. Der Reichsapfel steht für den ehemaligen reichsritterschaftlichen Status. Die Zinnen symbolisieren die Burg, die Anzahl vier steht für den früher auf vier Gemarkungen geteilten Ort.

In der Denkmalliste des Landes Rheinland-Pfalz (Stand: 2022) werden als Kulturdenkmäler die römisch-katholische Kirche St. Martin, die einen gotischen Chor aus dem 14. Jahrhundert und ein barockes Schiff (bezeichnet 1729) aufweist, sowie die ehemalige, im Heimatstil errichtete Schule (bezeichnet 1903) genannt. Beide Bauwerke befinden sich in der Hauptstraße von Martinstein.[13]

Siehe auch: Liste der Kulturdenkmäler in Martinstein

Wirtschaft und Infrastruktur

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Bundesstraße 41 führt direkt durch den Ort. Martinstein hat einen Haltepunkt (ein ehemaliger Bahnhof) an der Nahetalbahn Bingen-Saarbrücken.

Martinstein verfügt über ein Restaurant, eine Eisdiele, zwei Bäckereien und ein Haushaltswarengeschäft.

Commons: Martinstein – Sammlung von Bildern
  • Konrad Schneider: Versuch einer Geschichte der Veste Martinstein und ihrer Besitzer. In: Wetzlar’sche Beiträge für Geschichte und Rechtsalterthümer 2 (1845), S. 27–52 (Google-Books)
  • Friedrich Toepfer: Beilagen. VII. Martinstein. In: ders. (Bearb.): Urkundenbuch für die Geschichte des graeflichen und freiherrlichen Hauses der Voegte von Hunolstein, Bd. II. Jacob Zeiser, Nürnberg 1867, S. 460–464 (Google-Books)

Einzelnachweise

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
  1. 1 2 Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz: Bevölkerungsstand von Land, Landkreisen, Gemeinden und Verbandsgemeinden (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2022) (Hilfe dazu).
  2. Peter Kiefer: Die flächenmäßig kleinste Gemeinde Deutschlands befindet sich in Rheinland-Pfalz. In: Portal SÜDWEST24. Südwest24 GmbH, Mannheim, 28. Februar 2024, abgerufen am 17. März 2024.
  3. 1 2 Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz: Martinstein. In: Regional: Mein Dorf, meine Stadt. Abgerufen am 7. April 2023.
  4. Hauptstraße in Martinstein (archive.org) aus der SWR Landesschau Rheinland-Pfalz
  5. 1 2 Gottfried Kneib: Geschichte von Martinstein. In: regionalgeschichte.net. Institut für Geschichtliche Landeskunde Rheinland-Pfalz e. V., Mainz, 20. Juni 2022, abgerufen am 13. April 2023.
  6. Portrait der Gemeinde. Verbandsgemeinde Nahe-Glan, abgerufen am 7. April 2023.
  7. Gemeindewahlleiter: Öffentliche Bekanntmachungen und amtliche Mitteilungen. Ergebnis der Wahl zum Gemeinderat Martinstein am 9. Juni 2024. In: Mitteilungsblatt für die Verbandsgemeinde Nahe-Glan, Ausgabe 26/2024. Linus Wittich Medien GmbH, Höhr-Grenzhausen, 13. Juni 2024, abgerufen am 26. Mai 2026.
  8. Der Landeswahlleiter Rheinland-Pfalz: Gemeinderatswahl 2014 Martinstein. Abgerufen am 7. April 2023.
  9. 1 2 Öffentliches Protokoll der Sitzung des Gemeinderates der Ortsgemeinde Martinstein am 23. Januar 2023. (PDF; 24 KB) In: Ratsinformationssystem. Verbandsgemeinde Nahe-Glan, abgerufen am 7. April 2023.
  10. Martinstein, Ortsbürgermeisterwahl (Gemeinde) 09.06.2024. In: Kommunalwahlergebnisse Martinstein. Landeswahlleiter Rheinland-Pfalz, abgerufen am 26. Mai 2026.
  11. Bernd Hey: Stühlerücken in Martinstein: Edgar Pütmann ist neuer Ortsbürgermeister. In: Oeffentlicher Anzeiger. Mittelrhein-Verlag GmbH, Koblenz, 24. Januar 2023, abgerufen am 7. April 2023 (Nur Artikelanfang frei zugänglich).
  12. Gottfried Kneib: Das Wappen von Martinstein. In: regionalgeschichte.net. Institut für Geschichtliche Landeskunde Rheinland-Pfalz e. V., Mainz, 1. Juli 2022, abgerufen am 13. April 2023.
  13. Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz (Hrsg.): Nachrichtliches Verzeichnis der Kulturdenkmäler – Kreis Bad Kreuznach. (PDF; 8,1 MB) Mainz, 25. Oktober 2022, S. 75, archiviert vom Original (nicht mehr online verfügbar) am 12. Dezember 2022; abgerufen am 13. April 2023.