Zum Inhalt springen

Mars Attacks!

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Film
Titel Mars Attacks!
Produktionsland Vereinigte Staaten
Originalsprache Englisch
Erscheinungsjahr 1996
Länge 106 Minuten
Altersfreigabe
Produktions­unternehmen Warner Bros.
Stab
Regie Tim Burton
Drehbuch Jonathan Gems
Produktion
Musik Danny Elfman
Kamera Peter Suschitzky
Schnitt Chris Lebenzon
Besetzung und Synchronisation

Mars Attacks! (englisch für ‚Der Mars greift an!‘) ist eine Science-Fiction-Filmkomödie des Regisseurs Tim Burton und hatte am 13. Dezember 1996 Premiere. Der Film wurde in Deutschland erstmals auf der Berlinale gezeigt. Vorlage war ein gleichnamiges Sammelkartenspiel von Topps, das 1962 veröffentlicht und, aufgrund der Gewaltdarstellung, kontrovers aufgenommen wurde. In den Vereinigten Staaten konnte der Film trotz Starbesetzung die kommerziellen Erwartungen nicht erfüllen.

Tausende fliegender Untertassen steuern auf die Erde zu. Bei einer Krisensitzung im Weißen Haus ist Professor Donald Kessler, Vorsitzender der Amerikanischen Akademie für Raumfahrt, der Meinung, dass eine so hoch entwickelte Zivilisation friedliebend sein muss. Er überzeugt US-Präsident James Dale, die Marsianer willkommen zu heißen. Dale schickt ein Begrüßungskomitee in die Wüste von Nevada, wo vor den Augen der Weltpresse und Hunderter Zivilisten ein UFO landet und einige Außerirdische aussteigen. Die menschenähnlichen, jedoch mit überproportional großem, frei sichtbarem Gehirn ausgestatteten Wesen verkünden, dass sie friedliche Absichten verfolgen. Einer der Anwesenden lässt daraufhin eine Friedenstaube aufsteigen, worauf die Marsianer zunächst die Taube abschießen und danach ein Massaker unter dem Publikum anrichten. Das anwesende US-Militär ist gegen die Strahlenwaffen der Außerirdischen machtlos.

US-Präsident Dale ist entsetzt, doch Kessler geht von einem kulturellen Missverständnis durch die möglicherweise Angst einflößende Taube aus – so werden die Marsianer noch einmal eingeladen, um im Kapitol vor dem Kongress zu sprechen. Doch auch dort schießen die Marsianer und löschen alles Leben aus. Kessler wird von den Marsianern in deren UFO entführt, wo man an ihm und an der Reporterin Natalie Lake medizinische Experimente durchführt. Ein Marsianer gelangt als Frau verkleidet ins Weiße Haus und ins Schlafzimmer des Präsidentenehepaares, kann jedoch von Leibwächtern erschossen werden. Daraufhin stürmt eine UFO-Besatzung das Weiße Haus, wobei unter anderem First Lady Marsha Dale getötet wird. Dale lässt sich von dem von Anfang an misstrauischen General Decker überreden, eine Nuklearrakete ins All zu schießen. Die Marsianer fangen die explodierende Rakete jedoch ab und inhalieren das bei der Kettenreaktion entstehende Helium, um daraufhin mit erhöhter Stimme zu sprechen.

Nun beginnen die Außerirdischen, von der Luft und vom Boden aus Städte zu zerstören und unzählige Menschenleben auszulöschen. Es gelingt ihnen, in den Präsidenten-Bunker einzudringen und dort General Decker und die anderen Mitarbeiter umzubringen. Dale bleibt zunächst am Leben und versucht mit einer flammenden Rede, eine diplomatische Lösung auszuhandeln, wird jedoch ebenfalls getötet. Als ein junger Mann namens Richie Norris mit seiner senilen Großmutter Florence vor der Invasion flüchtet, entdeckt er zufällig, dass die Gehirne der Marsianer bei den Jodlern von Slim Whitmans Indian Love Call explodieren und dies bei jeglicher lauter Musik mit hohen Tönen der Fall ist. Diese Methode verbreitet sich rasch und so verteidigen sich die Menschen und feiern schließlich Richie Norris und Großmutter Florence in den Trümmern von Washington, D.C. als Retter der Welt.

Figur Darsteller Deutscher Sprecher
Präsident James Dale /
Art Land
Jack Nicholson Joachim Kerzel
First Lady Marsha Dale Glenn Close Uta Hallant
Prof. Donald Kessler Pierce Brosnan Frank Glaubrecht
Nathalie Lake Sarah Jessica Parker Melanie Pukaß
General Decker Rod Steiger Hans Teuscher
Richie Norris Lukas Haas Simon Jäger
Großmutter Florence Norris Sylvia Sidney Tilly Lauenstein
Barbara Land Annette Bening Traudel Haas
Rude Gambler Danny DeVito Klaus Sonnenschein
Pressesekretär Jerry Ross Martin Short Michael Pan
Jason Stone Michael J. Fox Sven Hasper
Tom Jones Michael Telloke
Byron Williams Jim Brown Helmut Krauss
Taffy Dale Natalie Portman Bianca Krahl
Louise Williams Pam Grier Ulrike Lau
Billy Glenn Norris Jack Black Tobias Meister
General Casey Paul Winfield Engelbert von Nordhausen
Sharona Christina Applegate Diana Borgwardt
Cedric Williams Ray J Jan Rohrbach
Mr. Norris Joe Don Baker Roland Hemmo
Neville Williams Brandon Hammond Hannes Maurer
Marsmädchen Lisa Marie
Manager Willie Garson Uwe Jellinek

Tim Burton ließ sich von Sammelkarten inspirieren, die in seiner Kindheit Kaugummipackungen der Firma Topps beilagen. Aufgrund brutaler Darstellungen wurden sie nach kurzer Zeit vom Markt genommen.

Die Besetzungsliste verzeichnet eine Vielzahl von Hollywood-Größen wie Jack Nicholson (in einer Doppelrolle als US-amerikanischer Präsident und als Immobilienhai), Glenn Close als Präsidentengattin und Natalie Portman als ihre Tochter. Pierce Brosnan spielt einen Wissenschaftler, der sich von seinen positiven Vorurteilen blenden lässt, und Sarah Jessica Parker eine Journalistin.

Die Marsianer wurden teilweise durch Puppen dargestellt; teilweise handelt es sich um Computeranimationen. Für viele Schauspieler war es schwierig zu agieren, da es praktisch keine Anhaltspunkte für das Schauspielen mit digitalen Figuren gab. Allerdings sind alle am Ende des Films dargestellten toten Marsianer als Plastikpuppen zu sehen.

Das im Film von den Marsianern angegriffene Hotel, in dem sich Art Land befindet, wurde real zerstört. Es handelte sich um eines der vielen alten extravaganten Hotels in Las Vegas, die im Zuge einer Stadterneuerung eingeebnet werden sollten. Die Sprengung wurde so koordiniert, dass die Szenen aufgenommen und passend in den Film eingebaut werden konnten.

Danny Elfman reproduziert mit seinem Soundtrack die typische Filmmusik der alten B-Movies, insbesondere durch Einsatz des Instruments Theremin. Die deutschsprachige Synchronisation entstand bei der Rondo Film, Berlin nach einem Dialogbuch von Arne Elsholtz, der auch die Dialogregie übernahm.[1]

Quelle Bewertung
Rotten Tomatoes (Tomatometer) 55 %[2]
Metacritic (Metascore) 52/100[3]
Prädikat der FBW wertvoll[4]
AllMovie SternsymbolSternsymbolSternsymbolSternsymbolSternsymbol[5]
CinemaScore B[6]
James Berardinelli SternsymbolSternsymbolSternsymbolSternsymbol[7]

Mars Attacks! erhielt ein verhaltenes Presseecho, was sich auch in den Auswertungen US-amerikanischer Aggregatoren widerspiegelt. So erfasst Rotten Tomatoes ähnlich viele wohlwollende wie kritische Besprechungen und ordnet den Film damit als „Gammelig“ ein.[2] Laut Metacritic fallen die Bewertungen im Mittel „Durchwachsen oder Durchschnittlich“ aus.[3]

James Berardinelli kritisierte, es gäbe zu viele Figuren, die Handlung sei zu dünn und unlustig. Der Film sei mangelhaft geschnitten und in der ersten Hälfte „schmerzlich“ tempoarm. Berardinelli lobte allerdings die Darsteller Natalie Portman, Rod Steiger, Pierce Brosnan, Sarah Jessica Parker und Jim Brown.[7]

„Mit einer unglaublich verspielten Liebe zum Detail und seiner legendären Phantasie überhöht Tim Burton die Bilder der trashigen Sci-fi-Filme der 50er und 60er Jahre zu einer vergnüglichen Ufo-Satire, die mit einem grandios kitschigen Finale endet. Fazit: Abgefahrene, technisch perfekte Sci-fi-Satire.“

„Der Film wurde von Tim Burton als eine Art Independence Day auf Camp-Niveau erdacht. Die naiven Kultfilme des Genres stehen Pate bei einem zynischen Varieté-Programm amerikanischer Selbstgefälligkeiten, das dieselben Ideen und Scherze zu oft variiert, als daß es vor Gleichförmigkeit und Langeweile bewahrt bleiben könnte.“

Danny Elfman gewann 1997 für die Filmmusik den Saturn Award. Der Film wurde in sechs weiteren Kategorien für den gleichen Preis nominiert, darunter für die Regie, für das Drehbuch und als „Bester Science-Fiction-Film“. Der Film wurde in vier Kategorien für den Golden Satellite Award nominiert, darunter für Jack Nicholson und für Danny Elfman. Der Film wurde außerdem 1997 für den Hugo Award, den Art Directors Guild Award und den MTV Movie Award nominiert.

In der Kategorie Beste visuelle Effekte stand der Film 1997 in der Vorrunde bei der Oscar-Verleihung, wurde jedoch nicht nominiert.[10]

Der Film ist eine Hommage an die US-amerikanischen Alien- und Science-Fiction-Comics und B-Movies der 1950er-Jahre. Insbesondere erkennt man deutlich den Einfluss von Ed Wood und dessen Film Plan 9 from Outer Space. Vor allem aber nimmt er den ersten Krieg-der-Welten-Film auf: Die zunächst arglose Neugier der Menschen sowie die wundersame Rettung, nachdem alle irdischen Waffen versagt haben (die originalen Marsianer sterben gemäß H. G. Wells durch irdische Bakterien, was hier humorvoll durch die jodelnde Country-Musik persifliert wird), sind eindeutig die Leitmotive aus diesem Film. Das Design der Raumschiffe sowie die Schlusssequenz in Washington sind Ray Harryhausens Fliegende Untertassen greifen an nachempfunden. Er persifliert darüber hinaus neuere Science-Fiction-Filme wie Independence Day (der wiederum ebenfalls Motive aus Krieg der Welten verwendet).

Die Idee, Außerirdische mit Musik zu vernichten, verwendet schon der italoamerikanische Komponist Gian Carlo Menotti in seiner 1968 uraufgeführten Kinderoper Hilfe, Hilfe, die Globolinks.

Es gibt eine ganze Reihe skurril-humoristischer Einlagen durch comicartige Szenen, in denen beispielsweise eine Friedenstaube mit einer Strahlenwaffe erlegt wird, die Marsianer das Helium einer explodierenden Wasserstoffbombe inhalieren, um ihre Stimme eine Oktave höher klingen zu lassen, oder ihnen bei Country-Musik (von Country-Legende Slim Whitman) das grüne Gehirn platzt – eine Idee aus dem Film Angriff der Killertomaten sowie dem Godzilla-Film Befehl aus dem Dunkel.

Die Godzilla-Szene, die im Film zu sehen ist, stammt ursprünglich aus dem Film Godzilla, der Urgigant aus dem Jahr 1989.

Der Junge Richie Norris, gespielt von Lukas Haas, trägt unter seinem offenen rot-karierten Baumwollhemd ein schwarzes T-Shirt mit dem Albumcover Acid Bath der englischen Gothic-Rock-Band Alien Sex Fiend von 1984.

Einzelnachweise

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
  1. Mars Attacks! In: Deutsche Synchronkartei. Abgerufen am 17. Februar 2020.
  2. a b Mars Attacks! In: Rotten Tomatoes. Fandango, abgerufen am 16. Januar 2026 (englisch, aggregiert aus 87 Kritiken).
  3. a b Mars Attacks! In: Metacritic. Abgerufen am 30. August 2025 (englisch, aggregiert aus 19 Kritiken).
  4. Mars Attacks! auf fbw-filmbewertung.com
  5. Perry Seibert: Kritik zu Mars Attacks! (Memento vom 1. August 2016 im Internet Archive) bei AllMovie (englisch)
  6. Datenbankabfrage bei cinemascore.com
  7. a b Kritik von James Berardinelli: “painfully”
  8. Mars Attacks! In: TV Spielfilm. Abgerufen am 20. Januar 2022.
  9. Mars Attacks! In: Lexikon des internationalen Films. Filmdienst, abgerufen am 2. März 2017.
  10. 7 pix set to vie for 3 Oscar f/x noms