Marius Winzeler

Marius Winzeler (* 1970 in Männedorf) ist ein schweizerisch-deutscher Kunsthistoriker und Museumsdirektor.
Leben
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Er absolvierte ein Studium der Kunstgeschichte, Mittelalterarchäologie und älteren deutschen Literatur an der Universität Zürich, sein Lizentiat schloss er bei Hans Rudolf Sennhauser ab. Während des Studiums und danach war er wissenschaftlich in einem Büro für Bauforschung und Inventarisierung in Winterthur sowie als Dokumentator in einem Restaurierungsbetrieb tätig. 1990 und 1992 machte er denkmalpflegerische Praktika in Dresden.
1994 erarbeitete er die Ausstellung „Burg und Kirche“ auf der Burg Gnandstein. Von 1996 bis 1998 war er wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Sächsischen Landesstelle für Museumswesen, dem Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst und dem Landesamt für Archäologie Sachsen zur Vorbereitung und Realisierung der Ersten Sächsischen Landesausstellung in Kloster St. Marienstern, die er zusammen mit Markus Bauer kuratierte. 1999 realisierte er die dortige Schatzkammer.
Zwischen 1999 und 2001 war er Kollegiat des Graduiertenkollegs „Kunstwissenschaft – Bauforschung – Denkmalpflege“ der Otto-Friedrich-Universität Bamberg und der Technischen Universität Berlin. 2000 und 2001 war er Stipendiat des Schweizerischen Nationalfonds. Anschließend war er ab 2001 im Kulturhistorischen Museum Görlitz als wissenschaftlicher Mitarbeiter tätig, wo er als Kurator für den Bereich Kunst und Wissenschaftsgeschichte zuständig war. Von 2008 bis 2015 war er Direktor der Städtischen Museen Zittau, wobei er grenzüberschreitende Ausstellungs- und Forschungsprojekte mit Partnern in Tschechien und Polen realisierte und mehrere Dauerausstellungen des Museums neu konzipierte (Zittauer Wunderkammer, Zittauer Lebensräume, Epitaphienschatz). Zudem war er als Dozent für Kunstgeschichte und Interkulturalität an der Hochschule Zittau/Görlitz tätig. 2009 wurde er an der TU Berlin bei Robert Suckale mit einer Dissertation zum Kloster St. Marienstern und dessen Stifter Bernhard von Kamenz mit dem Prädikat summa cum laude promoviert.[1]
Im Januar 2016 wurde Winzeler zum Direktor der Sammlung alter Kunst an der Nationalgalerie Prag berufen.[2] Dort realisierte er mit in- und ausländischen Partnern Ausstellungen, Forschungsprojekte, Publikationen und konzipierte die neue Dauerausstellung Alte Meister im Palais Schwarzenberg, die im November 2019 eröffnet wurde. Zwischen 2018 und 2020 war er wissenschaftlicher Mitarbeiter des Forschungsprojektes „Repräsentation der böhmischen Könige in den Lausitzen“ der Karls-Universität Prag.
Zum 1. Oktober 2021 hat Winzeler in der Nachfolge von Dirk Syndram als Direktor die Leitung des Grünen Gewölbes und der Rüstkammer der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden übernommen.[1] Er ist maßgeblich an der musealen Konzeption und Weiterentwicklung des Dresdner Residenzschlosses beteiligt und leitete die Vollendung der Festetage mit der Sammlungspräsentation der Rüstkammer zur „Festkultur und Repräsentation der Macht“ am Dresdner Hof. Seit September 2024 ist er stellvertretender Generaldirektor der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden.
Winzeler ist Kurator von musealen Sammlungspräsentation auf der Burg Gnandstein, in St. Marienstern, Görlitz, Zittau, Prag und Dresden sowie von zahlreichen kunst- und kulturgeschichtlichen Ausstellungen in Deutschland, Polen, der Schweiz und Tschechien. Er hat Lehraufträge inne an verschiedenen Hochschulen und Universitäten in Deutschland (Dresden, Leipzig, Zittau-Görlitz) und Tschechien (Olomouc, Prag). Daneben ist er Autor zahlreicher fach- und populärwissenschaftlicher Publikationen zu Themen der mitteleuropäischen Architektur-, Kunst- und Kulturgeschichte vom Mittelalter bis zur Gegenwart mit Schwerpunkten in den Bereichen Frauenklöster, Schatzkunst und Sammlungsgeschichte.
2018 wurde Winzeler mit dem Preis der Euroregion Neiße für das höchste persönliche Engagement in der grenzüberschreitenden Kooperation ausgezeichnet. Er ist ehrenamtlich in zahlreichen Vereinen, Stiftungen und Beiräten im Kunst- und Kulturbereich engagiert und wurde 2025 in den Sächsischen Kultursenat berufen.
Schriften (Auswahl)
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- mit János Stekovics: Burg und Kirche. Christliche Kunst in Gnandstein. 1994
- mit Günther Hauff: Die Kreuzkirche in Zürich-Hottingen . GSK, Bern, 1994, ISBN 3-85782-547-2
- mit Flurina Pescatore: Die katholische Pfarrkirche Liebfrauen in Zürich. GSK, Bern, 1997, ISBN 3-85782-612-6
- Zeit und Ewigkeit. 128 Tage in St. Marienstern. Katalog der ersten sächsischen Landesausstellung im Kloster St. Marienstern 13. Juni 1998 bis 18. Oktober 1998, hrsg. von Judith Oexle, Markus Bauer, Marius Winzeler. Verlag Janos Stekovics, Halle (Saale) 1998, ISBN 3-932863-06-2
- Mit Heinrich Magirius: Im Glanz der Ewigkeit. Kunstwerke im Kloster St. Marienstern. Halle/Saale 1999
- Mit Annerose Klammt: Die Moderne deutsche Kunst musste zur Geltung gebracht werden – Zur Erwerbung von Kunstwerken aus jüdischem Eigentum für die Kunstsammlungen in Görlitz. In: Beiträge öffentlicher Einrichtungen der Bundesrepublik Deutschland zum Umgang mit Kulturgütern aus ehemaligen jüdischen Besitz. hrsg. von Ulf Häder, Magdeburg 2001, S. 119–141
- Kunst in Görlitz – Jetzt!. Städtische Sammlungen für Geschichte und Kultur, Görlitz, 2002
- Zusammen mit Kai Wenzel: Zum Maler geboren. Franz Gareis (1775–1803). Gemälde, Zeichnungen und Druckgrafik eines Wegbereiters der Romantik. Ausstellungskatalog: Görlitz, Kulturhistorisches Museum, Görlitz/Zittau 2003
- Zusammen mit Ines Anders: Lausitzer Jerusalem. 500 Jahre Heiliges Grab zu Görlitz, Ausstellungskatalog: Kulturhistorisches Museum Görlitz, Görlitz/Zittau 2004
- Zusammen mit Christina Bogusz: Im Reich der schönen, wilden Natur. Der Landschaftszeichner Heinrich Theodor Wehle (1778‒1805). Aus Anlass des 200. Todestages. Ausstellungskatalog: Bautzen, Sorbisches Museum; Dessau, Anhaltische Gemäldegalerie; Görlitz, Kulturhistorisches Museum, Bautzen 2005
- Jüdische Sammler und Mäzene in Breslau – von der Donation zur „Verwertung“ ihres Kunstbesitzes, In: Sammeln. Stiften. Fördern. Jüdische Mäzene in der deutschen Gesellschaft, red. Andrea Baresel-Brand, Peter Müller, Magdeburg 2006, S. 131–150
- Mit Stefan Bürger: Die Stadtkirche St. Peter und Paul in Görlitz. Architektur und Kunst. Dößel 2006
- Mit Norbert Michels: Mit der Natur innig vertraut. Christoph Nathe – Landschaftszeichner der Vorromantik. Ausstellungspublikation Kulturhistorisches Museum Görlitz und Anhaltische Gemäldegalerie Dessau, Dessau 2007
- Mit Ophelia Rehor: Siegfried Schreiber (1928–1988). Bildhauer und Maler. Bautzen 2008
- Lausitzer Madonnen zwischen Mystik und Reformation. (Zittauer Geschichtsblätter 36), Zittau/Görlitz 2008
- Weises Geschenk. 300 Jahre Bibliotheksaal und Wunderkammer in Zittau. (Zittauer Geschichtsblätter 40), Zittau/Görlitz 2009
- Christa-Luise Riedel, Retrospektive 1983–2009: Skulptur, Malerei, Installation, Assemblage. Kunsthaus, Frankenthal, 2009
- St. Marienstern. Der Stifter, sein Kloster und die Kunst Mitteleuropas im 13. Jahrhundert. Janos Stekovics, ettin-Löbejün 2011. ISBN 978-3-89923-287-5. (= Dissertation)
- Mit Uwe Kahl: Für Krone, Salz und Kelch. Wege von Prag nach Zittau. (Zittauer Geschichtsblätter 45), Zittau/Görlitz 2011
- Georg Grulich: Zittau – Düsseldorf. Oettel, Zittau, 2011, ISBN 978-3-938583-62-3
- Zittauer Zimelien. Der große Prager Bücherschatz. (10 Stationen zur mitteleuropäischen Buchmalerei des 15. Jahrhunderts 10), Luzern 2015
- Jan Hus. Wege der Wahrheit – Der böhmische Reformator und sein Erbe in der Oberlausitz und in Nordböhmen. (Zittauer Geschichtsblätter 52), Zittau/Görlitz 2015
- Mit Zuzana Štepanovičová: Philipp Leubner. Spätbarock an der Lausitzer Neiße. / Filip Leubner. Pozdní baroko na Lužické Nise, Liberec/Zittau 2015
- Mit Annegret Gehrmann und Dirk Schumann: Die Bettelorden in den beiden Lausitzen – Geschichte, Architektur und Kunst im Spiegel überregionaler Verbindungen. Berlin 2016
- Mit Sabine Wolfram, Jiří Fajt, Doreen Mölders: Sachsen – Böhmen 7000. Liebe, Leid und Luftschlösser. Chemnitz 2018
- Die Prager Palais Schwarzenberg und Salm. Nationalgalerie Prag, Prag 2018 / auch tschechisch: Schwarzenberský a Salmovský palác, Národní galerie Praha, Praha 2018
- Mit Susan Marti und Richard Němec: Pražská pieta v Bernu / Die Prager Pieta in Bern. Hg. von Marius Winzeler (Schriftenreihe des Bernischen Historischen Museums 14), Praha/Bern 2018
- Staří mistři – Alte Meister – Old Masters. Národní galerie Praha – Nationalgalerie Prag – National Gallery Prague, Praha 2019
- Mit Ivo Hlobil, Hermann Mayrhofer, Štěpánka Chlumská: Krásné Madony ze Salcburku. Lití kamen kolem 1400 / Schöne Madonnen aus Salzburg. Gussstein um 1400, katalog výstavy / Ausstellungskatalog, Bergbau- und Gotikmuseum Leogang / Národní galerie Praha, Praha 2019
- Mit Jiří Fajt, Markus Hörsch: Nürnbergs Glanz. Studien zu Architektur und Ausstattung seiner Kirchen in Mittelalter und Früher Neuzeit. (Studia Jagellonica Lipsiensia 20), hg. von, Marius Winzeler, Weimar 2019
- Mit Norbert Schmidt: Staří mistři ve Schwarzenberském paláci. Průvodce. Národní galerie Praha, Praha 2020 / auch englisch: Old Masters in the Schwarzenberg Palace. Exhibition Guidebook. National Gallery Prague, Praha 2020
- Das Kloster St. Marienstern. Ein leuchtender Stern im Kamenzer Land. St. Marienstern 2021
- Mit Claudia Brink und Susanne Jäger: Bellum et Artes. Mitteleuropa im Dreißigjährigen Krieg. Dresden 2021 / auch englisch: Bellum et Artes. Central Europe in the Thirty Years´ War, Dresden 2021
- Mit Lenka Bobková, Mlada Holá, Tomáš Velička und Jan Zdichynec: Královská Horní Lužice. Panovnická reprezentace — mechanismy vlády — komunikace. (Korunní země v dějinách českého státu VIII), Praha 2021
- Mit Ivan Hartmann: O vidění. Jak prozumět starému umění. Brno 2023
- Mit Christine Nagel und Dirk Syndram: Kunstkammer – Weltsicht und Wissen um 1600. Residenzschloss, Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Berlin 2023
- Rüstkammer Dresden. Kurfürstliche Garderobe, Berlin 2023
- Schach-Matt. Das barocke Prunkschach im Grünen Gewölbe, Dresden 2024
- Mit Andreas Rutz und Joachim Schneider: Kurfürst Johann Georg I. und der Dreißigjährige Krieg in Sachsen. (Spurensuche. Geschichte und Kultur Sachsens 2), Dresden 2024
- Mit Dušan Buran und Andreas Herzog: Rotes Gold. Das Wunder von Herrengrund. Ausst.-Kat. Bergbau- und Gotikmuseum Leogang, Slowakische Nationalgalerie Pressburg, Grünes Gewölbe Dresden, Dresden 2024
- Mit Agnieszka Gąsior: Handbuch zur Geschichte der Kunst Ostmitteleuropas, Band 5: 1570–1670, Berlin 2025
- Rüstkammer Dresden. Gewehrgalerie im Langen Gang. Berlin 2025
- Rüstkammer Dresden. Masken und Kronen. Festkultur und Repräsentation der Macht. Berlin 2026
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Literatur von und über Marius Winzeler im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
- Tschechischsprachige Literatur von Marius Winzeler in der Bibliografie des Historischen Instituts der tschechischen Akademie der Wissenschaften
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- 1 2 Dr. Marius Winzeler wird neuer Direktor des Grünen Gewölbes und der Rüstkammer an den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden (SKD). Gemeinsame Pressemitteilung von SMKT und SKD vom 31. August 2021, abgerufen am 31. August 2021
- ↑ Abschied vom Zittauer Museum. In: saechsische.de. 12. Dezember 2015, abgerufen am 13. April 2020.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Winzeler, Marius |
| KURZBESCHREIBUNG | Schweizer Kunsthistoriker und Museumsdirektor |
| GEBURTSDATUM | 1970 |
| GEBURTSORT | Männedorf |