MAN T4
| T4 / Baureihe 200 B4 / Baureihe 1500/1600 | ||
|---|---|---|
Tw 247 vor dem Nürnberger Hauptbahnhof, 1979 | ||
| Nummerierung: | Nürnberg 201–269, 212II (T4); 1501–1610 (B4) | |
| Anzahl: | 70 Triebwagen 110 Beiwagen | |
| Hersteller: | MAN, SSW | |
| Baujahr(e): | 1955–1966 | |
| Ausmusterung: | ab 1981 | |
| Achsfolge: | 4× | |
| Spurweite: | 1435 mm (Normalspur) | |
| Länge: | 14.100 mm | |
| Breite: | 2.340 mm | |
| Drehzapfenabstand: | 6.000 mm | |
| Drehgestellachsstand: | 1.800 mm | |
| Leermasse: | 18,2 t / 12,3 t (T4 / B4-Vorserie) 16,2 t / 10,3 t (T4 / B4-Serie) | |
| Höchstgeschwindigkeit: | 60 km/h | |
| Stundenleistung: | 2×103 kW | |
| Stromsystem: | 600 V = | |
| Stromübertragung: | Oberleitung (Scherenstromabnehmer) | |
| Fahrmotoren: | 2 | |
| Antrieb: | Tandemantrieb | |
| Kupplungstyp: | Schaku | |
| Sitzplätze: | 29 | |
| Stehplätze: | 67 (T4); 74 (B4) | |
| Betriebsart: | vierachsiger Einrichtungs-Großraumwagen | |
| Jahre | Anzahl | Stadt |
|---|---|---|
| 1989–2004 | 31 Tw, 54 Bw | Kraków |
| 1997–2002 | 10 Tw, 15 Bw | Brăila |
| 1998 | 3 Tw, 3 Bw | Antalya |
Ende der 1980er Jahre fand sich dann ein neues Aufgabengebiet für die Wagen. An die polnische Partnerstadt Kraków (deutsch: Krakau) wurden von 1989 bis 1996 insgesamt 30 Trieb- und 36 Beiwagen abgegeben, darunter auch der für Konya umlackierte Zug.[2][3] Nachdem die VAG ab 1999 auch ihre GT6 abgab, wurden bis 2004 weitere 18 Beiwagen sowie ein bis dahin in Nürnberg als Arbeitswagen genutzter Triebwagen in die polnische Stadt umgesetzt. Die zuletzt abgegebenen Wagen kamen nicht mehr zum Einsatz, sondern dienen dort als Ersatzteilspender. Einige Wagen erhielten in Kraków die dort übliche blau-weiße Lackierung, die meisten fuhren allerdings im alten Nürnberger Farbschema weiter. Teilweise wurden die Wagen mit Doppelscheinwerfern ausgerüstet.[1] Die T4 wurden bis 2002, die B4 bis 2009 ausgemustert.

1997 konnte die VAG weitere nicht mehr benötigte Großraumwagen an die rumänische Stadt Brăila abgeben. Der Betrieb erhielt zehn Trieb- und 16 Beiwagen. Die Fahrzeuge behielten ihre ursprünglichen Nummern bei. Dies führte dazu, dass die Wagennummer 1601 zweimal vergeben war, neben dem Nürnberger B4 trägt auch ein ehemals Rotterdamer GT8 die Nummer. 2011 waren über die Hälfte der vorhandenen Fahrzeuge abgestellt.[4]
1998 erhielt die türkische Stadt Antalya als dritte Stadt die in Nürnberg ausgemusterten Großraumwagen. Anlässlich der Neueröffnung der Straßenbahn erhielt die Stadt drei Großraumzüge. Die neu lackierten Wagen tragen die Nummern 1 bis 6, wobei Triebwagen die ungeraden und Beiwagen die geraden besetzen.[1]
Die letzten in Nürnberg verbliebenen Großraumbeiwagen waren bis September 2003 im Einsatz. Jeweils 21 Trieb- und Beiwagen wurden in Nürnberg verschrottet.[1]
Historische Fahrzeuge
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Die Triebwagen 201, 208 (Erprobungsträger für halbautomatische Fahrsteuerung)[5] und 250 sind zusammen mit den Beiwagen 1501, 1521 (Erprobungsträger für Drehstromantrieb),[5] 1556 und 1581 als historische Fahrzeuge in Nürnberg erhalten geblieben, Tw 250 und Bw 1556 befinden sich im fahrfähigen Zustand. Beiwagen 1540 ist ebenfalls erhalten und dient als Lagerwagen im Historischen Straßenbahndepot St. Peter. Beiwagen 1541 wurde im Jahr 1998 zusammen mit dem GT6-Triebwagen 314 zum Schienentransportzug A15 umgebaut, aber inzwischen verschrottet.[6]
In Kraków wurden Triebwagen 127 (ex Nürnberg 206) und Beiwagen 527 (ex Nürnberg 1557) im Jahr 2002 in den historischen Fahrzeugbestand aufgenommen.[2][3]
Fahrzeugbeschreibung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Bei den Fahrzeugen handelt es sich um Großraumtrieb- beziehungsweise -beiwagen in Einrichtungsbauweise. Die Abmessungen orientieren sich an den Duewag-Großraumwagen; einzelne Bauteile wie der Tandemantrieb und die Drehgestelle wurden dort eingekauft. Auffälligster Unterschied zu den Duewag-Wagen ist die Anordnung der Frontscheiben. Die Wagen sind cremefarben lackiert, das Fensterband ist in Graugrün gehalten und wird darüber und darunter mit einem cremefarbenen Zierstreifen abgesetzt. Die Tonnendächer sind grau gehalten. Jeder Wagen verfügt über drei Türen, die hinteren sind als zweiflügelige Doppelfalttüren ausgebildet, die vordere als einflügelige. Jeder Türflügel ließ sich vom Fahrer separat öffnen und schließen. Zur Belüftung des Wageninnern können die Seitenfenster im oberen Drittel herabgelassen werden. Für die Fahrerkabine verfügten die Prototypen über separate Belüftungsfenster seitlich der Zugzielanzeiger, bei den Serienwagen wurden diese verblecht und durch Klappfenster in den Seitenfenstern ersetzt. Trieb- und Beiwagen verfügen über elektrische Scharfenbergkupplungen.[7]
Die Sitze sind in Abteilform 2+1 angeordnet, jeder Wagen hat 29 Sitzplätze. Der Triebwagen verfügt über 67, der Beiwagen über 74 Stehplätze, ein Großraumzug bietet also knapp 200 Personen Platz. Der Schaffnersitz ist vor der hinteren Tür installiert, der Fahrgastfluss war von hinten nach vorne eingerichtet. Die Fahrerkabine ist separat, der Zugang erfolgt vom Fahrgastraum aus.[1]
Für die Umstellung auf schaffnerlosen Betrieb wurde der Fahrgastfluss Mitte der 1960er Jahre von den Wagenenden hin zur Fahrzeugmitte geändert. Die Ausstiegstüren erhielten nach außen öffnende Klappschranken. An den Einstiegstüren wurden Trittkontakte und Fahrkartenentwerter installiert. Über Druckknöpfe konnten die Fahrgäste die Türen von außen und innen öffnen. Mit Einführung des Ein-Mann-Betriebs ab 1969 wurden an den Fahrerplätzen zusätzlich Kassen installiert. Anstelle des Schaffnerplatzes wurde eine zusätzliche Doppelbank eingebaut, gleichzeitig wurde das erste Abteil auf der rechten Wagenseite ausgebaut um Abstellplätze für Kinderwagen und ähnliches zu schaffen.[1][7]
Die Prototypen verfügten über einen etwas abweichenden Aufbau, der bis 1967 weitgehend an die Serie angepasst wurde. So hatten die vier Fahrzeuge Falt- statt Schiebetüren, die Lackierung war cremefarben mit einem schwarzen Zierstreifen. Lediglich die Triebwagen hatten vorne einen Liniennummeranzeiger installiert. Die Drehgestelle entsprachen ebenfalls einer anderen Bauart als der der Serienwagen.[1]
Eine besondere Rolle kam den beiden Wagen 208 und 1521 zu. Ersterer diente ab 1960 als Versuchsträger für Simatic. Er erhielt dazu anstelle des Fahrschalters eine Anzahl elektromagnetischer Schaltschütze, die ihre Schaltbefehle von einem elektronischen Steuergerät erhielten. Der Fahrer gab seine Befehle über einen Sollwertgeber ein, die Schaltstufen regelten sich automatisch. 1965 erhielt der Triebwagen einen elektromotorisch angetriebenen Fahrschalter.[7] Beiwagen 1521 diente ab 1975 ebenfalls als Versuchsfahrzeug für Thyristoren und die darauf aufbauende Gleichstromsteller-Steuerung. Da diese am effizientesten unter Drehstrom arbeiten, erhielt der Wagen im hinteren Drehgestell einen Drehstrom-Asynchronmotor eingebaut. Steuerung und Wechselrichter waren in einem Schrank anstelle des Schaffnerplatzes untergebracht. Um allein für Versuchsfahrten einsetzbar zu sein, erhielt der Wagen zusätzlich einen Stromabnehmer über dem hinteren Drehgestell.[8] Trieb- und Beiwagen liefen ab 1976 meist im Verband auf der Linie 6 (Westfriedhof – Luitpoldhain), wobei die Steuerung des Beiwagens an die des Triebwagens angepasst wurde. Zur Übertragung des Fahrstroms und der Steuerbefehle waren zusätzliche Kabelverbindungen zwischen beiden Wagen installiert. Die bei den Versuchsfahrten gewonnenen Erfahrungen waren überwiegend positiv. Die Nürnberger U-Bahn setzt seitdem ausschließlich Fahrzeuge mit Drehstromantrieb ein.[1]
Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Axel Reuther: Der fränkische Sonderweg. Die MAN-Großraumwagen für Nürnberg. In: Straßenbahn Magazin. Juli 2011.
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Dirk Sombrutzki: Die Nürnberger Straßenbahn. Die Großraumtriebwagen T4 (TW 201 – TW 269). In: nahverkehr-franken.de. 4. Dezember 2008, abgerufen am 10. März 2013.
- Dirk Sombrutzki: Die Nürnberger Straßenbahn. Die Großraumbeiwagen B4 (BW 1501 – BW 1610). In: nahverkehr-franken.de. 9. März 2009, abgerufen am 10. März 2013.
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 Axel Reuther: Der fränkische Sonderweg. Die MAN-Großraumwagen für Nürnberg. In: Straßenbahn Magazin. Juli 2011, S. 34–45.
- 1 2 3 T4 Großraumtriebwagen – TW-201 bis TW-269. In: tram2000.com. 21. September 2010, abgerufen am 10. März 2013.
- 1 2 3 B4 Großraumbeiwagen – BW-1501 bis BW-1610. In: tram2000.com. 20. September 2010, abgerufen am 10. März 2013.
- ↑ Josef Pospichal: Straßenbahn Braila. Aus dem Ausland übernommene Fahrzeuge. Abgerufen am 10. März 2013.
- 1 2 Drehstrom-Pionier. In: Straßenbahn Magazin. Februar 2018, S. 42 f.
- ↑ Wagenparkliste Verkehrs-Aktiengesellschaft Nürnberg. In: tram-info.de. 12. Juni 2012, abgerufen am 10. März 2013.
- 1 2 3 Dirk Sombrutzki: Die Nürnberger Straßenbahn. Die Großraumtriebwagen T4 (TW 201 – TW 269). In: nahverkehr-franken.de. 4. Dezember 2008, abgerufen am 10. März 2013.
- ↑ Dirk Sombrutzki: Die Nürnberger Straßenbahn. Die Großraumbeiwagen B4 (BW 1501 – BW 1610). In: nahverkehr-franken.de. 9. März 2009, abgerufen am 10. März 2013.


