Lorem ipsum

„Lorem ipsum dolor sit amet, consectetur adipiscing elit …“ ist ein Blindtext, der nichts bedeuten soll, sondern als Platzhalter im Layout verwendet wird, um einen Eindruck vom fertigen Schriftstück zu erhalten.
Die Verteilung der Buchstaben und der Wortlängen des pseudo-lateinischen Textes entspricht in etwa der natürlichen lateinischen Sprache. Der Text ist absichtlich unverständlich, damit der Betrachter nicht durch den Inhalt abgelenkt wird.
Historische Herkunft
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Der Text selbst ist kein richtiges Latein, schon das erste Wort „Lorem“ existiert dort nicht. Dennoch erkennt man im Text eine Reihe lateinischer Wörter, die aus dem sehr ähnlichen Absatz 1.10.32 bis 1.10.33 aus Ciceros De finibus bonorum et malorum[1] stammen.[2]
“Neque porro quisquam est, qui dolorem ipsum, quia dolor sit, amet, consectetur, adipisci velit […].”
„Ferner gibt es auch niemanden, der den Schmerz um seiner selbst willen liebt, der ihn sucht und haben will, einfach, weil es Schmerz ist […].“
Es finden sich viele leicht voneinander abweichende Varianten dieses Textes. In der 1914 herausgegebenen lateinisch-englischen Cicero-Werkausgabe der Loeb Classical Library findet sich der Text auf Seite 36 oben beginnend mit lorem ipsum …, da das Wort dolorem nach der ersten Silbe getrennt und zwischen zwei Seiten umbrochen wurde.[3.1][4]
Versionen des Lorem-ipsum-Textes werden mindestens seit den 1960er Jahren im Satz verwendet, als er durch Anzeigen für Letraset-Transferfolien für Anreibebuchstaben populär wurde.[5] Infolge eines Marketing-Meetings 1966 bei Letraset suchte James Mosley, der leitende Bibliothekar bei der Saint Bride Printing Library in London und von Letraset damit beauftragt, einen Platzhaltertext. Er stellte fest, dass die meisten Designer lokale Varianten mit der eigenen Sprache verwendeten, weshalb er ein lateinisches Zitat suchte. Durch die vorige Popularität des Cicero-Zitats Quo usque tandem abutere, Catalina nahm er einige Textstellen aus dem oben genannten De finibus bonorum et malorum, die zusätzlich so verändert wurden, damit sie mehr nach der englischen Sprache aussehen (zum Beispiel -ing-Endungen oder Substitutionen von Buchstaben).[3.2]
Lorem ipsum wurde Mitte der 1980er Jahre in der digitalen Welt eingeführt, als Aldus es in Grafik- und Textverarbeitungsvorlagen für sein Desktop-Publishing-Programm PageMaker einsetzte.[2] Die an der Programmentwicklung beteiligte Designerin Laura Perry erinnerte sich an die Abreibebuchstaben von Letraset und sorgte dafür, dass eine Blindtextfunktion mit dieser Textfolge in das Progamm eingefügt wurde.[3.3] Andere beliebte Textverarbeitungsprogramme, einschließlich Pages, LibreOffice und Microsoft Word, haben seitdem Lorem ipsum übernommen.[6][7] Außerdem ist Lorem ipsum in einigen LaTeX-Paketen[8] und in der Standardbibliothek des Textsatzsystems Typst[9][10] sowie in Web-Content-Managern wie Joomla! und WordPress oder CSS-Bibliotheken wie Semantic UI enthalten. Derartige Blindtexte werden häufig von Webseitenentwicklern genutzt, um Kunden Prototypen ihrer in Auftrag gestellten Seiten zeigen zu können.
Wurden zunächst die wenigen Zeilen von „Lorem ipsum“ im Blindtext fortlaufend wiederholt, so dient heute der Cicero-Text als Basis vieler Lorem-ipsum-Generatoren, die darauf aufbauend längere Abschnitte erzeugen. Die Wortfolge ist so weithin üblich, dass viele Desktop-Publishing-Programme einen Menüpunkt für Blindtext haben, der eine Sequenz erzeugt, die mit „Lorem ipsum“ beginnt. Außerdem wird heute die Wortfolge „Lorem ipsum“ in der elektronischen Druckaufbereitung erkannt und eine Warnmeldung ausgegeben, damit eine Publikation mit verbliebenem Blindtext nicht versehentlich in den Druck geht.
Bis Mai 2026 war die Entstehungsgeschichte des Lorem-Ipsum-Textes in der Öffentlichkeit unbekannt. Richard McClintock, Latinist und leitender Verantwortlicher für alle Veröffentlichungen am Hampden–Sydney College in Hampden Sydney, Prince Edward County, Virginia, hatte in den 1980er Jahren herausgefunden, dass der Originaltext aus Ciceros De finibus bonorum et malorum stammen musste und schrieb darüber 1994 in einem Leserbrief an die Zeitschrift Before & After als Reaktion auf einen Artikel.[2][5][3.4] Teil seiner Antwort war auch die irrtümliche Aussage, dass Lorem ipsum seit dem 16. Jahrhundert als Platzhaltertext benutzt werde; er wiederholte dies auch später.[2][3.5] Im Lauf der Zeit verbreitete sich diese Fehlinformation – auch, weil sie über populäre Lorem-ipsum-Generatoren verbreitet wurde.[3.6] Später identifizierte er auch die Cicero-Werkausgabe von 1914 als Vorlage.[3.1] Am 30. Mai 2026 veröffentlichte die Youtuberin Emily Zhang jedoch ihre Recherchen zum Ursprung, die eine Nutzung seit den 1500er Jahren widerlegen, stattdessen auf Letraset verweisen, die Werkausgabe von 1914 als Quelle aber mit weiteren Indizien stützen. Sie hatte dazu unter anderem Gespräche mit Laura Perry und vor allem Richerd McClintock geführt sowie E-Mail-Kontakt mit dem ehemaligen Letraset-Designer Dave Farey, der die entscheidende Information zum internen Entscheidungsprozess bei Letraset lieferte.[3]
Beispiel
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Der erste Absatz besteht in einer gängigen Form aus folgenden Wörtern:
“Lorem ipsum dolor sit amet, consectetur adipiscing elit, sed eiusmod tempor incidunt ut labore et dolore magna aliqua.
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Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Ciceros Originaltext De finibus bonorum et malorum, Erstes Buch
- Rabbit Hole (Emily Zhang): The Unsolved Mystery of Lorem Ipsum auf YouTube, 30. Mai 2026, abgerufen am 1. Juni 2026 (amerikanisches Englisch; der Geprächspartner ist Richard McClintock, der Ciceros Werk für die Öffentlichkeit als Quelle entdeckt hat; Laufzeit: 26:57 min).
- Vertonte Fassung – Im Podcast »Die Esel und Teddy Show« wurde der Lorem-ipsum-Text als Hörspiel vertont
- Lorem-Ipsum-Generator, bei dem die genaue Anzahl von Zeichen vor dem Kopieren und Einfügen eingestellt werden kann.
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ Cicero: De finibus bonorum et malorum („Vom höchsten Gut und vom größten Übel“), Liber primus, 10,32–33 (lateinische Wikisource).
- 1 2 3 4 Cecil Adams: What does the filler text ‘lorem ipsum’ mean? In: The Straight Dope. 16. Februar 2001, abgerufen am 7. November 2024 (englisch).
- ↑ Rabbit Hole (Emily Zhang): The Unsolved Mystery of Lorem Ipsum auf YouTube, 30. Mai 2026, abgerufen am 1. Juni 2026 (amerikanisches Englisch; ihr bürgerlicher Name steht am Ende in den Credits; Laufzeit: 26:57 min).
- 1 2 ab 7:03 min (“The Rackham Book”)
- ↑ ab 20:12 min (“An emailed answer”)
- ↑ ab 10:37 min (“From print to digital”)
- ↑ ab 2:09 min (“The professor’s discovery”)
- ↑ ab 4:31 min (im Kapitel “45 BCE to 1500 CE. Or not.”)
- ↑ ab 22:42 min (“Rewriting the mistake”)
- ↑ Cicero: De finibus bonorum et malorum. With an English translation by H[arris] Rackham M. A. London, William Heinemann. New York, The Macmillan Co. 1914, S. 36 (Digitalisat – Internet Archive). Die erste Silbe ist auf S. 34 unten zu finden, auf S. 35 steht die englische Übersetzung des Textes von S. 34.
- 1 2 Philippe Cibois: Lorem ipsum: nouvel état de la question. In: Hypothèses.org. Institut français, 3. Juni 2012, abgerufen am 7. November 2024 (französisch).
- ↑ Wie kann ich Blindtext in LibreOffice Writer einfügen? The Document Foundation, abgerufen am 24. Mai 2023.
- ↑ Einfügen von Beispieltext in Microsoft Office Word. Abschnitt Methode 2: Verwenden Sie lorem(). Microsoft-Support, abgerufen am 1. Juni 2026.
- ↑ Vor allem zwei Pakete: Patrick Happel, Phelype Oleinik: lipsum; Knut Lickert: blindtext. Abgerufen am 1. Juni 2026.
- ↑ Laurenz Mädje, Martin Haug, The Typst Project Developers: Typst. In: GitHub. 31. Juli 2025, abgerufen am 31. Juli 2025.
- ↑ Lorem Function – Typst Documentation. Abgerufen am 31. Juli 2025 (englisch).