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Longevity

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Durchschnittliche Lebensdauer bei der Geburt in den DACH Ländern im Vergleich inklusive USA, China, Spanien und Japan[1]

Longevity [ɫɔnˈdʒɛvəti] bedeutet Langlebigkeit. Der Begriff beinhaltet im deutschen Sprachgebrauch vor allem Erkenntnisse und Ratschläge zur Verlängerung der menschlichen Lebenszeit, wobei es das Ziel ist, den Alterungsprozess zu verlangsamen, altersbedingte Beschwerden zu vermeiden und vor allem die Lebensqualität bis ins hohe Alter zu bewahren oder gar zu erhöhen. Quantität und Qualität der Lebensjahre sollen gesteigert werden.[2] Longevity wird teilweise noch umfassender aufgefasst, so beinhaltet der Begriff nicht nur Maßnahmen zur Verlängerung der Lebenszeit im Alter, sondern er umfasst die gesamte menschliche Lebensspanne und gibt Hinweise, um Gesundheit und Vitalität zu bewahren oder zu verbessern.[3]

Der Begriff „Longevity“ ist ein Kofferwort, das aus den lateinischen Begriffen „longus“ (lang) und „vita“ (Leben) besteht und aus dem Englischen in das Deutsche übernommen worden ist.[4]

Alterungsprozess

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Der Alterungsprozess ist ein hochkomplexer und vielfach noch ungeklärter Vorgang, er ist Gegenstand vielfältiger Untersuchungen. Der Prozess wird beim gesunden Menschen durch zelluläre und molekulare Mechanismen hervorgerufen.[5] Diese Vorgänge unterliegen genetischen Gegebenheiten und biologischen Vorgängen.[6] Der Einfluss der Gene wird auf etwa 10–15 Prozent geschätzt. Im Vergleich zu den Genen spielen der individuelle Lebensstil und äußere Einflüsse eine viel entscheidendere Rolle beim Altern.[7] Wesentliche bekannte Mechanismen der Alterung sind:[5][8]

  • DNA Schädigung und Mutation,
  • ein Verschleiß der Schutzkappen an den Chromosomen (Telomere),
  • Veränderung des Epigenom,
  • eine Anhäufung von geschädigten und nicht funktionsfähigen Proteinen (Verlust der Proteostase),
  • Gestörte Wahrnehmung von Nährstoffen auf der Ebene der Zellen,
  • ein Nachlassen der Stoffwechselvorgänge in den Zellen (mitochondriale Fehlfunktionen),
  • Rückgang des Zellteilungsprozesses (zelluläre Seneszenz),
  • Erschöpfung der Stammzellen,
  • Veränderung der interzellulären Kommunikation,
  • ein Rückgang beim Abbau von nicht benötigten oder kranken Zellbestandteilen (Beeinträchtigung der Autophagie).
  • Zunahme chronischer Entzündungen (Inflammaging),
  • Gestörte Darmflora (Dysbiose).

Der deutsch-amerikanischer Forscher Steve Horvath beschäftigt sich mit dem biologischen Alter, das nicht mit dem kalendarischen Alter identisch seien muss. Er hat eine epigenetische Uhr entwickelt, die auf der Extraktion von DNA-Methylierungsstellen beruht und die Werte über einen Algorithmus auswertet. Er behauptet, dass er damit das biologische Alter eines Menschen bestimmen kann.[9]

Biologischen und biochemische Vorgänge sind beeinflussbar, sie sind deshalb Gegenstand von Untersuchungen im Rahmen von Longevity. In der Literatur werden vor allem folgende Hinweise genannt, um ein langes erfülltes Leben zu erreichen.[2]

Einflussgrößen, die nicht-genetisch vorbestimmt sind

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Ernährung und Lebensstil

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Laut einer Studie auf Basis von Meta-Analysen und Daten der Global Burden of Disease Study durchschnittlich zu erwartende zusätzliche Lebensjahre für 20-Jährige in den USA, die von einer "typischen westlichen Diät" zu einer "optimierten Diät" wechseln (Veränderungen pro Lebensmittelklasse werden links in Gramm angezeigt)[10]

Eine ausgewogene Ernährung wird als ein Kernelement gewertet, um ein gesundes und langes Leben zu erreichen. Die Ernährung sollte reich an pflanzlichen Lebensmitteln und arm an hochverarbeiteten Produkten sein.[11] Insgesamt sollte die Kalorienzufuhr in Maßen erfolgen und ein körperliches Übergewicht vermieden werden.

Ob eine spezielle Form des Fastens oder der Ernährung den Alterungsprozess beim Menschen verzögert, lässt sich nicht alleine aus kontrollierten Tierversuchen ableiten.[12][13][14]

Der Nutzen von regelmäßiger Bewegung geht über Gewichtsmanagement und Muskelaufbau hinaus, da körperliche Aktivität eine Vielzahl von positiven Effekten auf unseren gesamten Organismus hat. Bewegung setzt zudem Endorphine frei, die das emotionale Wohlbefinden steigern und Stress, Angstzustände sowie Depressionen reduzieren. Ziel sollte eine moderate, nicht-einseitige Aktivität sein, die regelmäßiges Konditions- und Krafttraining beinhaltet.[15]

Ausreichender Schlaf ist ein fundamentaler Prozess, der die Regeneration von Körper und Geist ermöglicht. Er unterstützt die Reparatur und Erneuerung von Zellen, die Stärkung des Immunsystems und die Konsolidierung von Gedächtnis und Lernen. Ein chronischer Schlafmangel hingegen wurde in Verbindung gebracht mit einem erhöhten Risiko für eine Reihe von Erkrankungen, darunter Herz-Kreislauf-Probleme, Diabetes und neurodegenerative Störungen.

Psychisches Wohlbefinden

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Psychisches Wohlbefinden, emotionale Stabilität, die Fähigkeit Stress zu managen, positives Denken und die Pflege von sozialen Kontakten tragen zur Langlebigkeit und zu einem erfüllten Leben bei. Ein aktiver Lebensstil, geistige Herausforderungen und soziale Interaktionen sind nicht nur in den früheren Lebensjahren essentiell, sondern spielen auch in der zweiten Lebenshälfte eine zentrale Rolle für die Gesundheit und das Wohlbefinden.

Im Zusammenhang mit Longevity wird oft von der sogenannten blauen Zonen gesprochen. Dies sind Regionen, in denen Menschen statistisch gesehen ganz besonders alt werden, wie z. B. die italienische Insel Sardinien, die griechische Insel Ikaria, das japanische Okinawa und die Nicoya-Halbinsel in Costa Rica. Es ist allerdings umstritten, ob diese statistisch signifikante Besonderheit auf Umwelteinflüsse oder auf andere Ursachen zurückzuführen ist.[16]

Schlechte Luftqualität aufgrund von Schadstoffen erhöht das Risiko einer ernsthaften Erkrankung. Eine Exposition gegenüber schädlichen Chemikalien oder Schwermetallen kann ebenfalls zu schweren Gesundheitsproblemen führen und die Lebenserwartung erheblich verkürzen.[17] Andererseits kann der regelmäßige Aufenthalt in der frischen Luft vor allem bei Sonnenschein sowie die Nähe zu Natur und grünen Bereichen zu einer besseren körperlichen und geistigen Gesundheit führen und insgesamt das Wohlbefinden steigern.

Von Bedeutung sind ebenfalls der Zugang zu einer guten medizinischen Versorgung und die Beachtung einer angemessenen Hygiene sowohl bei einem selbst als auch im persönlichen Umfeld.

Arzneistoffe und Nahrungsergänzungsmittel

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Derzeit sind keine Medikamente oder Behandlungen bekannt, die nachweislich die Lebensspanne von Menschen verlängern können. Klinische Studien sind aufgrund der Lebensspanne von Menschen schwierig durchzuführen. Bei Versuchstieren wie Würmern, Fliegen und Mäusen ist es jedoch bereits möglich, durch verschiedene Eingriffe die Lebensspanne zu verlängern und die Gesundheit zu verbessern. Das Angebot an Mitteln, Ratgebern und Veranstaltungen ist ein rasch wachsendes Geschäft.[18] Eine ganze Reihe von Wirkstoffen befinden sich in der Untersuchung, wie zum Beispiel:[19]

  • Rapamycin ist ursprünglich ein Immunsuppressivum, das die Organabstoßung nach Transplantationen vermindern soll. Es enthält einen mTOR-Inhibitor und aktiviert damit den Prozess der Autophagie, was den Zellwachstums- und Alterungsprozess günstig beeinflusst. Tierversuche waren bisher vielversprechend.
  • Metformin wird zur Behandlung von Diabetes eingesetzt und hemmt u. a. die Neubildung von Glukose in der Leber. Es wird auch gegen Adipositas verwendet. Es ist ein seit Jahren eingesetztes Medikament. Es hat sich gezeigt, dass mit Metformin gefütterte Mäuse länger leben. Eine klinische Studie bei Menschen ist geplant.
  • Senolytika sind Wirkstoffe, die die Zellseneszenz positiv beeinflussen können. Studien an Tieren waren bisher vielversprechend. Fisetin etwa ist ein Flavonoid, das in Früchten und Gemüsen vorkommt. Es soll die Zellseneszenz positiv beeinflussen. Auch Quercetin, das in geringer Dosis etwa in Zwiebeln enthalten ist, wird untersucht.[20][21][22][23][24][25]
  • Curcumin ist der aktive Bestandteil der Kurkuma Pflanze, das beispielsweise zusammen mit anderen Gewürzen im Currypulver verwendet wird. Dem Produkt wird eine entzündungshemmende und antioxidative Wirkung nachgesagt.
Commons: Longevity – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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  1. Life expectancy. In: ourworldindata.org. Our World in Data, abgerufen am 17. Dezember 2025.
  2. a b Deutschen Longevity Gesellschaft e.V. Verein, abgerufen am 8. März 2025.
  3. Claudia Wendt: Longevity – lange gesund leben. Claudia Wendt, 10. Januar 2024, abgerufen am 17. April 2025.
  4. Longevity. Buchinger Wilhelmi, abgerufen am 16. März 2025.
  5. a b Wie altern wir? Die Kennzeichen des Alterns. Max-Planck-Institut, abgerufen am 10. März 2025.
  6. Longevity. In: doccheck. Abgerufen am 9. März 2025.
  7. Bestimmen unsere Gene wie alt wir werden? Max-Planck-Institut, abgerufen am 12. März 2025.
  8. Alterungsprozess. Dr-Gumpert.de, abgerufen am 9. März 2025.
  9. Was ist die epigenetische Uhr? Max-Planck-Institut, abgerufen am 2. September 2025.
  10. Fadnes LT, Økland JM, Haaland ØA, Johansson KA: Estimating impact of food choices on life expectancy: A modeling study. In: PLOS Medicine. 19. Jahrgang, Nr. 2, Februar 2022, doi:10.1371/journal.pmed.1003889, PMID 35134067, PMC 8824353 (freier Volltext) – (englisch).
  11. Miguel A. Martínez-González, Carmen Sayón-Orea, Vanessa Bullón-Vela, Maira Bes-Rastrollo, Fernando Rodríguez-Artalejo, María José Yusta-Boyo, Marta García-Solano: Effect of olive oil consumption on cardiovascular disease, cancer, type 2 diabetes, and all-cause mortality: A systematic review and meta-analysis. In: Clinical Nutrition. Band 41, Nr. 12, 2022, ISSN 0261-5614, S. 2659–2682, doi:10.1016/j.clnu.2022.10.001, PMID 36343558 (clinicalnutritionjournal.com).
  12. Mitchell B. Lee et al.: Antiaging diets: Separating fact from fiction. In: Science (New York, N.Y.). Band 374, Nr. 6570, 19. November 2021, S. eabe7365, doi:10.1126/science.abe7365, PMID 34793210, PMC 8841109 (freier Volltext) – (englisch).
  13. Regula Furrer, Christoph Handschin: Drugs, clocks and exercise in ageing: hype and hope, fact and fiction. In: The Journal of Physiology. Band 601, Nr. 11, Juni 2023, S. 2057–2068, doi:10.1113/JP282887, PMID 36114675, PMC 7617581 (freier Volltext) – (englisch).
  14. Pouneh K. Fazeli, Matthew L. Steinhauser: A Critical Assessment of Fasting to Promote Metabolic Health and Longevity. In: Endocrine Reviews. Band 46, Nr. 6, 24. November 2025, S. 856–876, doi:10.1210/endrev/bnaf021, PMID 40700575, PMC 12606574 (freier Volltext) – (englisch).
  15. WHO guidelines on physical activity and sedentary behaviour. WHO, 25. November 2020, abgerufen am 11. März 2025 (englisch).
  16. A. Baum, S. Kallnitz-Kunz: Longevity: Wie realistisch ist der Traum vom langen, gesunden Leben? In: Apotheken Umschau. 7. März 2025, abgerufen am 9. März 2025.
  17. Luftverschmutzung in Städten kostet drei Lebensjahre. Spiegel, 4. März 2020, abgerufen am 12. März 2025.
  18. Das Multi-Milliarden-Geschäft mit dem ewigen Leben. Handelsblatt, 28. März 2025, abgerufen am 28. März 2025.
  19. Lässt sich das Altern bremsen? Max-Planck-Institut, abgerufen am 12. März 2025.
  20. Hernandez-Segura A, Nehme J, Demaria M: Hallmarks of Cellular Senescence. In: Trends in Cell Biology. 28. Jahrgang, Nr. 6, Juni 2018, S. 436–453, doi:10.1016/j.tcb.2018.02.001, PMID 29477613 (englisch, rug.nl [PDF]).
  21. Li W, Qin L, Feng R, Hu G, Sun H, He Y, Zhang R: Emerging senolytic agents derived from natural products. In: Mechanisms of Ageing and Development. 181. Jahrgang, Juli 2019, S. 1–6, doi:10.1016/j.mad.2019.05.001, PMID 31077707 (englisch).
  22. Palmer AK, Gustafson B, Kirkland JL, Smith U: Cellular senescence: at the nexus between ageing and diabetes. In: Diabetologia. 62. Jahrgang, Nr. 10, Oktober 2019, S. 1835–1841, doi:10.1007/s00125-019-4934-x, PMID 31451866, PMC 6731336 (freier Volltext) – (englisch).
  23. Di Micco R, Krizhanovsky V, Baker D, d'Adda di Fagagna F: Cellular senescence in ageing: from mechanisms to therapeutic opportunities. In: Nature Reviews. Molecular Cell Biology. 22. Jahrgang, Nr. 2, Februar 2021, S. 75–95, doi:10.1038/s41580-020-00314-w, PMID 33328614, PMC 8344376 (freier Volltext) – (englisch).
  24. Hickson LJ, Langhi Prata LG, Bobart SA, Evans TK, Giorgadze N, Hashmi SK, Herrmann SM, Jensen MD, Jia Q, Jordan KL, Kellogg TA, Khosla S, Koerber DM, Lagnado AB, Lawson DK, LeBrasseur NK, Lerman LO, McDonald KM, McKenzie TJ, Passos JF, Pignolo RJ, Pirtskhalava T, Saadiq IM, Schaefer KK, Textor SC, Victorelli SG, Volkman TL, Xue A, Wentworth MA, Wissler Gerdes EO, Zhu Y, Tchkonia T, Kirkland JL: Senolytics decrease senescent cells in humans: Preliminary report from a clinical trial of Dasatinib plus Quercetin in individuals with diabetic kidney disease. In: eBioMedicine. 47. Jahrgang, September 2019, S. 446–456, doi:10.1016/j.ebiom.2019.08.069, PMID 31542391, PMC 6796530 (freier Volltext) – (englisch).
  25. Justice JN, Nambiar AM, Tchkonia T, LeBrasseur NK, Pascual R, Hashmi SK, Prata L, Masternak MM, Kritchevsky SB, Musi N, Kirkland JL: Senolytics in idiopathic pulmonary fibrosis: Results from a first-in-human, open-label, pilot study. In: eBioMedicine. 40. Jahrgang, Februar 2019, S. 554–563, doi:10.1016/j.ebiom.2018.12.052, PMID 30616998, PMC 6412088 (freier Volltext) – (englisch).