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London Ambulance Service

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Vereinigtes KonigreichVereinigtes Königreich
London Ambulance Service
— LAS —
Logo des the London Ambulance Service
Staatliche Ebene Region
Stellung der Behörde Rettungsdienst
Aufsichts­behörde(n) Greater London Authority
Bestehen seit 1965
Entstanden aus City Councils Ambulance Service
(gegr. 1948)
Hauptsitz London, 220 Waterloo Road, SE1
Commissioner Jasons Killens KAM
Website https://www.londonambulance.nhs.uk/

Der London Ambulance Service (LAS) ist der Rettungsdienst der Britischen Hauptstadt London. Er ist Teil des NHS-Systems und alleinig für die prähospitale Medizinische Notfallversorgung in London verantwortlich. Er ist einer der am höchsten ausgelasteten Rettungsdienste der Welt und beschäftigt rund 8000 Mitarbeiter. 2024 wurden zwei Millionen Notrufe disponiert, dabei wurden eine Million Patienten behandelt.

In den 1890er Jahren wurde die erste Art von medizinischer Notfallhilfe eingeführt. Eine Gemeinschaft von Taxifahrern, Polizisten und Londoner Feuerwehrmännern besetzten im Notfall Handtragen mit Rädern, umgangssprachig „Litters“ genannt, und brachten damit Patienten in die Krankenhäuser. Später wurden die Tragen von Pferden gezogen. Der erste Rettungswagen wurde 1904 angekauft. 1930 wurde die Kompetenz der schnellen medizinischen Nothilfe auf die einzelnen City Councils in London übertragen.

Im Zweiten Weltkrieg wurde durch den britischen Zivilschutz ein Hilfsrettungsdienst, größtenteils durch Frauen, geformt. Dieser übernahm die Vermisstensuche bei Bombardierungen.

Mit der Einführung des NHS 1948 hatten alle Einwohner Londons das Recht auf einen Rettungswagen. Damit begann sich ein Rettungsdienst nach heutigem Vorbild zu entwickeln. 1950 wurde die erste Operationsbasis in der Waterloo Road in London eröffnet. 1965 wurde der Dienst von den einzelnen City Councils zum London Ambulance Service zusammengefasst. Er umfasste damals rund 1.000 Fahrzeuge und 2.500 Beschäftigte.[1]

Hauptquartier des London Ambulance Service in Waterloo

1970 wurde die heute noch bestehende Basis in Waterloo eröffnet. In den nachfolgenden Jahren gab es schnelle und große Veränderungen in der Technik. 1980 wurden die ersten Rettungswägen mit Defibrillatoren ausgestattet, 1989 wurde der Londons Air Ambulance Charity gegründet. 1999 war die Leitstelle in Waterloo mit 3.500 Notrufen täglich die Größte in Europa. Mit der Einführung von hochausgebildeten Notfallmedizinern und dem Berufstitel des Paramedics wurde die technisch-medizinische Entwicklung des Rettungsdienstes in den 2000er Jahren stark vorangetrieben.

Die 2022 neu eröffnete Leitstelle in Newham koordiniert 400 Rettungswägen und nimmt täglich bis zu 7.000 Anrufe entgegen.[2]

Führungsstruktur

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Keir Starmer bei einem Besuch des LAS im Oktober 2024

Der London Ambulance Service ist ein vollwertiger NHS-Dienstleister (NHS Trust) und hat damit einen Vorstand bestehend aus 13 Mitgliedern. Der Geschäftsführer ist seit Juli 2025 Jason Killens KAM, der Vorstandsvorsitzende ist seit 2022 Andrew Trotter.[3]

Der London Ambulance Service betreibt zwei Einsatzleitstellen, eine in Central London, eine in East-London. Bei Bedarf kann der ganze Betrieb von einer Leitstelle aus bewältigt werden. Zudem werden mehrere 111-Zentren (telefonischer medizinischer Beratungsdienst) betrieben.

Im Jahr 2024 wurden 2.097.150 Notrufe und 2.006.609 111-Telefonate beantwortet. In beiden Leitstellen werden 1.655 Mitarbeiter beschäftigt.[4]

Der LAS beschäftigt folgende Rollen im prähospitalen Bereich:

  • Consultant Paramedic: Consultant Paramedics sind im LAS die am höchsten qualifizierten nicht-ärztlichen Mitarbeiter. Sie besitzen einen M.Sc. sowie einen Ph.D. und sind vor allem in der Überwachung und der klinischen Delegation tätig. Gelegentlich sind sie auch auf der Straße unterwegs.
  • Advanced Paramedic Practitioner in Critical Care (APP-CC): APP-CC besitzen einen M.Sc. und sind auf Rapid Response Cars (vergleichbar mit Notarzteinsatzfahrzeugen) alleine unterwegs. Sie dürfen erweiterte invasive Maßnahmen durchführen.
  • Advanced Paramedic Practitioner in Urgend Care (APP-UC): APP-UC besitzen ebenfalls einen M.Sc. und sind für die Behandlung von Nicht-Notfallpatienten zuständig. Sie geben medizinische Ratschläge, verschreiben Medikamente und sind für die Behandlung zuhause zuständig.
  • HART Paramedic: HART(=Hazardous Area Response Team) Paramedics sind Paramedics mit einer spezieller Weiterbildung in gefährlichen Schadenslagen. Sie sind ausgebildet, um in Schadenslagen wie Gefahrgut oder Terrorlagen zu handeln.
  • Paramedic: Paramedics sind registrierte Kliniker, sie dürfen vereinbarte erweiterte Maßnahmen selbstständig durchführen und sind die am meisten auf einem Rettungswagen anzutreffenden Mitarbeiter. Sie arbeiten meist mit EMTs oder AAPs, sind aber auch des Öfteren alleine in Rapid Response Cars unterwegs.
  • Emergency medical technician: EMTs sind nicht-registrierte Kliniker und durchlaufen ein 15-monatiges Training sowie ein Jahr Praktikum. Sie unterstützen registrierte Kliniker, dürfen selbstständig aber keine weiterführenden Behandlungen vornehmen.
  • Assistant ambulance practitioner: AAPs arbeiten mit registrierten Klinikern und unterstützen diese bei ihrer Arbeit. Sie haben ein Training von mehreren Wochen und dürfen selbstständig keine klinischen Maßnahmen durchführen.[5]
    Paramedic auf einem Einsatzmotorrad im Londoner Zentrum

Der London Ambulance Service greift bei lebensbedrohlichen Notfällen selten auf Freiwillige First Responder zurück. Diese werden über die App GoodSam alarmiert und sollen bei Notfällen wie Herzstillständen die Überlebenschancen des Patienten verbessern. Zudem werden manche Sanitätsdienste auf größeren Events mit Freiwilligen besetzt.[6]

Rettungswagen des LAS

Insgesamt unterhält der LAS eine Flotte von 1.151 Fahrzeugen, davon werden täglich etwa 425 Notfallrettungswägen und 100 Rapid-Response-Vehicles besetzt. Zudem unterhält der LAS eine Flotte von 195 Krankentransportfahrzeugen, hat in diesem Bereich aber keine Monopolstellung wie im prähospitalen Rettungsdienst. Im Londoner Zentrum und am Flughafen Heathrow werden Sanitäter auf Fahrrädern und Motorrädern eingesetzt. Bei großen Events sind Mitarbeiter des LAS in Fußtrupps unterwegs.[7]

Die allermeisten Rettungswägen besitzen einen Kastenaufbau auf Basis eines Mercedes- oder Ford-Fahrgestelles und haben automatische Tragesysteme des Herstellers Stryker. Der Zugang zum Patienten ist in allen Rettungswägen nur von der linken Seite aus möglich.

Erwähnenswerte Einsätze

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Im Laufe der Zeit ereigneten sich im Ballungsraum London, in welchem sich täglich gut 15 Millionen Menschen aufhalten, viele größere Zwischenfälle. Als Rettungsdienst der Hauptstadt spielt der LAS bei Großschadenslagen eine wichtige Rolle. Eine Auflistung einiger signifikanter Unfälle:

LAS Einsatz beim 7/7 Anschlag
  • Brand im Bahnhof King’s Cross St. Pancras: Bei einem Feuer im Eingangsbereich der U-Bahn-Station King's Cross St. Pancras 1987 kamen 31 Menschen ums Leben. Dutzende wurden schwer verletzt.
  • Eisenbahnunfall von Clapham Junction: Bei einem Zugunfall 1988 kamen 35 Menschen ums Leben, hunderte Menschen wurden verletzt.
  • Cannon Street Crash: Bei einem Zugunfall 1991 kamen 2 Menschen ums Leben, über 500 wurden teils schwer verletzt.
  • Terroranschläge am 7. Juli 2005: Bei einem Selbstmordattentat 2005 im Zentrum Londons kamen 56 Menschen ums Leben, mehr als 700 wurden verletzt. Der LAS musste aufgrund der Masse der Verletzten Unterstützung von Freiwilligenorganisationen anfordern, um den Dienst aufrechtzuerhalten.
  • Brand des Grenfell Tower: Bei einem Großbrand 2017 in einem Hochhaus in London kamen 72 Menschen ums Leben, mehr als 70 wurden verletzt.

Die Nummer von Notfalleinsätzen nimmt in London jährlich drastisch zu. Dadurch und durch den schlechten Zustand des NHS steht der Rettungsdienst in London immer wieder stark unter Druck. Dadurch kann es bei nicht lebensbedrohlichen Notfällen zu starken Verzögerungen kommen. Zudem fiel das seit 1990 eingesetzte computerbasierte Leitstellensystem bereits mehrmals aus.

Bei den 7/7 Anschlägen wurden zudem Versäumnisse im Kommunikationssystem sichtbar. Dieses brach unter der Menge der Einsatzkräfte zusammen und die Rettungsdienste mussten über ihre Mobiltelefone kommunizieren. Zudem funktionierte der Notrufknopf auf vielen Funkgeräten nicht. Daraufhin wurde 2009 ein neues Funksystem eingeführt.

Dokumentationen

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Der London Ambulance Service wurde im Laufe der Zeit von vielen Fernsehdokumentationen begleitet, eine Auswahl davon:

  • Men in the Ambulance 1974
  • Bloomsbury 1986
  • Red Base One Four 1996
  • Critical Condition 2000
  • 999: What's Your Emergency? 2013[8]
  • An Hour To Save Your Life 2014–2016[9]
  • BBC Ambulance 2016–2025[10]
Commons: London Ambulance Service – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
  • Website des London Ambulance Service

Einzelnachweise

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  1. Our history. In: London Ambulance Service NHS Trust. Abgerufen am 19. Dezember 2025 (englisch).
  2. David Chitty: New high tech control room to receive and answer London’s 999 calls. In: London Ambulance Service NHS Trust. 22. Juni 2022, abgerufen am 19. Dezember 2025 (englisch).
  3. Trust Board. In: London Ambulance Service NHS Trust. Abgerufen am 19. Dezember 2025 (englisch).
  4. Annual Reports Archives. In: London Ambulance Service NHS Trust. Abgerufen am 19. Dezember 2025 (englisch).
  5. Career Opportunities. In: London Ambulance Service NHS Trust. Abgerufen am 7. Januar 2026 (englisch).
  6. Volunteering with us. In: London Ambulance Service NHS Trust. Abgerufen am 7. Januar 2026 (englisch).
  7. Annual Reports Archives. In: London Ambulance Service NHS Trust. Abgerufen am 7. Januar 2026 (englisch).
  8. Hugo Speer, Julian Barratt, Holly Goodhall: 999: What's Your Emergency? Blast! Films, Channel 4 Television Corporation, 10. September 2012, abgerufen am 9. Januar 2026.
  9. BBC Two - An Hour To Save Your Life. Abgerufen am 9. Januar 2026 (britisches Englisch).
  10. BBC One - Ambulance. Abgerufen am 9. Januar 2026 (britisches Englisch).