Chinesischer Flussdelfin
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Qiqi (淇淇, Qíqí), der letzte in Gefangenschaft lebende, im Institut für Hydrobiologie der Chinesischen Akademie der Wissenschaften in Wuhan gehaltene Chinesische Flussdelfin starb 2002 | ||||||||||||
| Systematik | ||||||||||||
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| Wissenschaftlicher Name der Familie | ||||||||||||
| Lipotidae | ||||||||||||
| Zhou, Qian & Li, 1978 | ||||||||||||
| Wissenschaftlicher Name der Gattung | ||||||||||||
| Lipotes | ||||||||||||
| Miller, 1918 | ||||||||||||
| Wissenschaftlicher Name der Art | ||||||||||||
| Lipotes vexillifer | ||||||||||||
| Miller, 1918 |
Der Chinesische Flussdelfin (Lipotes vexillifer), auch als Jangtse-Flussdelfin oder Baiji (chinesisch 白鱀豚, Pinyin báijìtún) bekannt, ist ein ausschließlich im mittleren und unteren Einzugsgebiet des Jangtsekiang beheimateter Flussdelfin. Er gilt seit den 1980er Jahren als eines der seltensten Säugetiere der Welt und wird inzwischen als vermutlich ausgestorben betrachtet, mit der letzten gesicherten Sichtung im Jahr 2002. Damit handelt es sich um das erste Aussterben eines großen Säugetiers seit dem Verschwinden der Karibischen Mönchsrobbe im Jahr 1952 und die erste Walart, die durch den Einfluss des Menschen ausgestorben wäre.
Der Baiji erreicht eine Länge von bis zu 2,50 Metern und ein Gewicht von bis zu 160 Kilogramm, wobei Weibchen oft größer sind als die Männchen. Er ist an das Leben im trüben Flusswasser angepasst, mit einer langen, schmalen Schnauze und einer kleinen Rückenfinne sowie breiten Flippern, die ihn von Meeressäugern unterscheiden. Historisch lebte der Baiji auf einer etwa 1700 Kilometer langen Strecke des Jangtsekiang und bevorzugte Bereiche in der Nähe von Sandbänken und Inseln. Sein Bestand nahm im 20. Jahrhundert infolge menschlicher Einflüsse durch Umweltverschmutzung, intensivem Schiffsverkehr, Überfischung, Elektrofischerei und dem Bau großer Staudämme wie der Drei-Schluchten-Talsperre rapide ab und trotz Schutzbemühungen konnte das Aussterben nicht aufgehalten werden.
Merkmale
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Allgemeine Merkmale
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Der Chinesische Flussdelfin wird 2,30 bis über 2,50 Meter lang und bis zu 160 Kilogramm schwer. Er entspricht damit in Größe und Gewicht anderen Flussdelfinen. Die Tiere besitzen einen Sexualdimorphismus, wobei die Männchen mit einer maximalen Größe von etwa 2,30 Metern und einem Gewicht von 125 Kilogramm etwas kleiner als die Weibchen bleiben, die bis über 2,50 Meter lang werden. Bei den Weibchen sind zudem die Schädel und vor allem die Kiefer größer und kräftiger ausgebildet.[1.1]
Die Tiere sind oberseits blassgrau bis bläulich und unterseits weiß gefärbt. Die helle Bauchfärbung reicht im Wangenbereich und an der Schwanzwurzel weit nach oben. Auch die Fluken und die Flipper tragen oberseits eine graue und unterseits eine weiße Färbung. Sie haben eine kleine dreieckige Rückenfinne mit abgestumpfter Spitze. Die Flipper sind breit, abgerundet und paddelartig ausgebildet und unterscheiden sich darin von den eher schmalen und spitz zulaufenden Flippern meereslebender Delfine.[1.1][2]
Die fast schnabelartige Schnauze ist deutlich vom Kopf abgesetzt und zur Spitze leicht aufwärts gebogen. Der Kopf besitzt auf der Oberseite eine große und gerundete, fettgefüllte Melone, die eine wichtige Funktion als Schallempfänger für die Echolokation der Tiere hat. Am höchsten Punkt des Kopfes befindet sich ein oval geformtes Blasloch, das gegenüber der Mittellinie leicht nach links verschoben ist. Im Vergleich zu denen meereslebender Delfine befinden sich beim Chinesischen Flussdelfin die Augen etwas höher am Kopf und sie sind deutlich kleiner ausgebildet.[3] Aufgrund des Lebens im trüben Wasser spielen sie für die Tiere eine untergeordnete Rolle, anders als bei den Gangesdelfinen (Platanista) besitzen die Augen allerdings eine funktionierende Linse und sind entsprechend voll funktionsfähig.[1.1]
Schädel und Skelett
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Der Schädel hat mit den langgezogenen Kiefern eine Länge von etwa 25 bis 32 % der Körperlänge. Der Hirnschädel ist groß und hat ein Volumen von 430 bis 590 cm3. Im Vergleich zu dem der Amazonas-Flussdelfine unterscheidet sich der Schädel des Baiji vor allem durch eine nach oben gebogene Schnauzenregion. Das vordere, proximale, Ende des Zwischenkieferknochens ist dünn und plattenförmig und bildet keinen erhöhten vorderen Rand zum freien Teil der Nasenöffnung.[2] Am vorderen Rand des Blaslochs befindet sich ein Paar einzelner Knochen, die wahrscheinlich das Öffnen und Schließen unterstützen.[2] Die Schnauze selbst ist sehr schmal und vom Schädel abgesetzt, sie hat pro Kieferhälfte sowohl im Ober- wie im Unterkiefer zwischen 31 und 36 gleichartig geformte, kegelförmige Zähne.[3] Wie bei anderen Zahnwalen gibt es also keine unterschiedlichen Zahntypen und alle Zähne bilden gemeinsam eine leicht nach innen gewendete Reuse, mit der Beutetiere im Wasser gegriffen werden können.[1.1] Anders als bei den südamerikanischen Arten sind die Zahnwurzeln allerdings nicht verdickt.[2]
Das Körperskelett entspricht weitgehend dem der Delfine. Wie bei anderen Süßwasserdelfinen sind die sieben Halswirbel nicht miteinander verwachsen, wodurch der Hals und der Nacken im Vergleich zu den meereslebenden Arten sehr beweglich sind.[1.1] Es folgen 10 Brustwirbel, sieben bis acht Lendenwirbel und 19 bis 20 Schwanzwirbel mit zwölf verbindenden Chevronknochen.[2] Die ersten sechs Rippen sind am oberen und am vorderen Rand verbunden.[2]
Das Handskelett des Chinesischen Flussdelfins unterscheidet sich zudem von dem anderer Delfine einschließlich der Flussdelfine durch einen zusätzlichen kleinen Knochen am Ende der Ulna zwischen dem Erbsenbein und dem fünften Mittelhandknochen.[1.1]
Weichteilanatomie
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die Blutversorgung der Unterhautregionen erfolgt wie bei anderen Walen durch ein enges Netz von kleinen kapillaren Venen und Arterien, die zusammen mit stark verästelten Nerven ein Netz vor allem im Brust- und Bauchraum, am Rücken entlang der Wirbelsäule und im Unterleib bilden. Gemeinsam mit Bündeln von Blutgefäßen mit einer zentralen Arterie und jeweils fünf bis sieben Venen, die in die Brust- und Schwanzflossen ragen und einen Wärmeaustausch ermöglichen, stellt dieses Blutgefäßsystem einen zentralen Teil der Thermoregulation für die Tiere dar.[1.1] Der Blubber, die Fettschicht unter der Haut, hatte beim Typusexemplar eine Dicke von etwa 38 Millimeter am gesamten Körper.[2]
Der Chinesische Flussdelfin ist die einzige Art der Wale, die keinen Vormagen besitzt, in der Nahrung vor der Verdauung vorbereitet und gelagert wird.[1.1] Zudem besitzen die Männchen bei dieser Art als einzige Walart einen kurzen und direkten, nicht aufgerollten Samenleiter (Ductus deferens), der in den flach angelegten Penis mündet.[1.1]
Das Gehirn des Chinesischen Flussdelfins erreicht ein Gewicht von bis zu etwa 590 Gramm, was etwa der Hälfte des Gehirngewichts eines vergleichbar großen Meeresdelfins entspricht. Der vierte Hirnnerv, der bei anderen Tieren den äußeren Augenmuskel steuernde Nervus trochlearis, fehlt den Tieren, und die weiteren für die Augenmuskulatur zuständigen Nerven sind nur rudimentär ausgebildet. Die Gesichtsnerven (Nervus facialis) und die Hör- und Gleichgewichtsnerven (Nervus vestibulocochlearis) sind dagegen sehr gut ausgebildet.[1.1]
Genetik und Molekularbiologie
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Der Karyotyp des Chinesischen Flussdelfins besteht aus 2n=44 Chromosomen, also 22 Chromosomenpaaren. Zwei dieser Chromosomen sind Geschlechtschromosomen X und Y, der Rest Autosomen. Von diesen sind 12 mit einem etwa mittig liegenden Centromer (metazentrisch), 18 mit einem gegen die Mitte leicht verschobenen Centromer (submetazentrisch), vier mit einem deutlich Richtung Ende verschobenen Centromer (subtelozentrisch) und acht mit einem ganz am Ende liegenden Centromer und praktisch nur einem langen Chromosomenarm (telozentrisch). Das größte Autosom gehört dabei zu den subtelozentrischen Chromosomen, das kürzeste zu den telozentrischen. Zudem ist das X-Chromosom das größte der metazentrischen und das Y-Chromosom das kleinste der telozentrischen Chromosomen.[4] Das Heterochromatin bildet deutlich erkennbare Blöcke (C-Bänderung) entlang der Chromosomenarme, die Bereiche direkt an der Centromer-Region sind nur schwach gefärbt. In der gemessenen Leukozyten macht das C-band-sichtbare Heterochromatin ungefähr 12 Prozent der gesamten Chromosomen-DNA aus.[4]
Bei Untersuchungen des Genoms mehrerer Individuen wurde eine sehr geringe genetische Vielfalt anhand der heterozygoten Einzelnukleotid-Varianten (SNPs) festgestellt, die deutlich niedriger war als bei allen anderen bisher untersuchten Säugetier-Genomen.[5] Dies wurde zum einen auf die zum Zeitpunkt der Probennahme bereits stark zurückgegangenen Bestände und auf einen starken genetischen Flaschenhals mit drastischer Verkleinerung der Population gegen Ende der letzten Eiszeit zurückgeführt.[5] Die Genomgröße wurde auf der Grundlage der Häufigkeitsverteilung von 17-Basen-Oligonukleotiden in den nutzbaren Sequenzierungsproben auf 2,8 Gigabasen (Gb) geschätzt, was etwa vergleichbar ist mit der Genomgröße einer Kuh oder eines Pferdes. Etwa 43 % des Baiji-Genoms bestehen aus sich wiederholenden DNA-Abschnitten, die von Transposons stammen, die Gesamtzahl der Gene wurde auf 22.168 geschätzt, von denen über 98 % eine erkennbare Ähnlichkeit zu bekannten Genen in fünf häufig verwendeten Gendatenbanken haben und somit zu bekannten Säugetiergenen homolog sind.[5]
Verbreitung
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Der Chinesische Flussdelfin ist eine endemische Art im mittleren und unteren Einzugsgebiet des Jangtsekiang.[6] Ursprünglich glaubte man, dass der Chinesische Flussdelfin auf den Dongting-See beschränkt sei, ehe man in den 1970er Jahren erkannte, dass er auf einer Länge von 1600 Kilometern von der Mündung des Jangtsekiang aufwärts bis etwa auf die Höhe von Yichang[3] auftritt. Nach einer großen Flut im Jahr 1955 wurden einige Exemplare im Qiantang, unmittelbar südlich des Jangtsekiang, gesichtet, die jedoch nach dem Bau eines Wasserkraftwerks im Jahr 1957 wieder verschwanden.[6] Im Dongting- und auch im Poyang-See verschwanden die Tiere in den 1990er Jahren und ihre Verbreitungsgrenze flussaufwärts im Jangtsekiang verschob sich von der Drei-Schluchten-Region etwa 35 km oberhalb des Gezhouba-Staudamms in der Nähe von Yichang in den 1940er Jahren auf etwa 170 km unterhalb des Staudamms in der Nähe von Jingzhou in den 1990er Jahren; die ursprüngliche Verbreitung reichte sogar flussabwärts bis an die Flussmündung bei Shanghai, bei Untersuchungen in den Jahren 1997 bis 1999 wurden jedoch keine Delfine unterhalb von Jiangyin gefunden, das 256 Kilometer flussaufwärts von der Mündung liegt.[6] Ende der 1990er Jahre wurden die Tiere hauptsächlich in mehreren Abschnitten des Jangtsekiang zwischen Tongling und dem Dongting-See gefunden, vor allem bei Tongling, im Mündungsgebiet des Poyang-Sees und im Bereich von Honghu.[6]
Lebensweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Über die Lebensweise des Chinesischen Flussdelfins ist wenig bekannt. Er lebt als Einzelgänger, früher war er allerdings eher in Paaren oder Kleingruppen von drei bis sechs Tieren anzutreffen und gelegentlich wurden auch Gruppen bis zu zehn Tieren gesichtet. Die meiste Zeit hält sich der Flussdelfin knapp unter der Wasseroberfläche auf. Beim Auftauchen kommt zuerst der Kopf zum Vorschein, und das Tier taucht mit einer buckelförmigen Krümmung wieder ab. Die Fluke taucht dabei nicht auf.
Ernährung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Wegen der verkümmerten Augen und der schlechten Sichtverhältnisse in sedimentreichen Flüssen sind Chinesische Flussdelfine auf Echoortung beim Beutefang angewiesen. Ihre Nahrung sind ausschließlich Fische, die sie auf nur 20 Sekunden währenden Tauchgängen erbeuten. Das Spektrum der Beutefische ist sehr groß, die Hauptbeute stellen dabei aalartig langgestreckte Welsarten dar, die sie am Gewässerboden jagen. Daneben jagen sie opportunistisch und erbeuten vor allem kleine Fische mit bis zu 250 Gramm Gewicht und einer Breite von bis zu sechs Zentimetern, die sie dann im ganzen schlucken können.[1.2] Die Gesamtmenge der benötigten Nahrung beträgt etwa 10 bis 11 % des Körpergewichts pro Tag.[1.2]
Früher konnten Chinesische Flussdelfine bei der gemeinsamen Jagd mit dem ebenfalls im Süßwasser lebenden Jangtse-Glattschweinswal (Neophocaena asiaeorientalis asiaeorientalis) beobachtet werden.[1.2]
Fortpflanzung und Entwicklung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Über das Fortpflanzungsverhalten der Chinesischen Flussdelfine liegen nur sehr wenig Informationen vor. Die Tragzeit dauert zehn bis elf Monate. Die Jungtiere werden im Januar während der Zeit des Niedrigwassers[1.3] mit bis zu 100 Zentimetern Körperlänge und etwa zehn Kilogramm Körpergewicht geboren. Sie besitzen im Bereich beidseitig der Schnauze drei bis fünf kurze, borstenartige Haare.[1.1] Die Geschlechtsreife erlangen die Tiere nach etwa vier bis sechs Jahren.[1.3] 1921 wurde ein laktierendes Weibchen mit einer Körperlänge von 228 Zentimetern gefangen und auch das Typusexemplar, ein Männchen von 208 Zentimetern Körperlänge, war geschlechtsreif.[2]
In Gefangenschaft wurden nur drei Tiere gehalten. Dabei handelte es sich um das männliche Tier Qiqi, das von einem Fischer verletzt und danach von 1980 bis 2002 im Wuhan Institute of Hydrobiology gehalten wurde, sowie um ein weiteres Tier, das ein Jahr lang (1996 bis 1997) im Shishou Semi-natural Baiji Dolphin Sanctuary lebte und dann verstarb. 1998 wurde außerdem ein Weibchen nahe Shanghai eingefangen, es verweigerte allerdings die Nahrung und starb einen Monat später.
Parasiten und Fressfeinde
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Studien zu Parasitenbefall und Predation an Chinesischen Flussdelfinen liegen nur sehr begrenzt vor, bis 1972 gab es keine Nachweise von Endo- oder Ektoparasiten an den Tieren.[2] Bei einer molekularbiologischen Untersuchung der Diversität am DRB-Genlocus der Haupthistokompatibilitätskomplex (MHC, von „major histocompatibility complex“) wurden neun stark divergierende Allele identifiziert, mit einem vergleichsweise großem durchschnittlichen Unterschied von 28,4 (13,2 %) Nukleotiden und 16,7 (23,5 %) Aminosäuren zwischen den Allelen. Dies wurde teilweise zurückgeführt auf seine evolutionäre Anpassung an die Süßwasserumgebung, die im Vergleich zum Meereslebensraum eine höhere Parasitenvielfalt aufweist.[7]
Eine Studie von 2020 hat gezeigt, dass der Chinesische Flussdelfin einem sehr hohen Risiko einer Infektion mit SARS-CoV-2-Virus ausgesetzt sei. Dabei wurden vor allem ihre geringe Anzahl, die hohe Abwasserbelastung in ihrem Lebensraum und die geografische Lage ihres Verbreitungsgebietes genannt. Aufgrund der geringen potenziellen Anzahl der Tiere, die wahrscheinlich ausgestorben sind, ist die Wahrscheinlichkeit einer Infektion allerdings äußerst gering.[8]
Es gibt keine Berichte über Raubtiere, die den Chinesischen Flussdelfin jagen. Damit ist der Mensch der einzige nachgewiesene Fressfeind der Art.[9][2]
Fossilbefund
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Fossilien der Gattung Lipotes sind nicht bekannt und aufgrund der unsicheren Systematik ist auch die Zuordnung von Fossilien anderer Flussdelfine in die Verwandtschaft des Baiji schwierig. 1969 wurde die Art Kampholophus serrulus als neue Art von Flussdelfinen aus Kalifornien mit dem Hinweis beschrieben, dass die Art aufgrund zahlreicher gemeinsamer Merkmale wahrscheinlich näher verwandt mit dem Chinesischen Flussdelfin als mit den südamerikanischen Arten sei.[2][10] Mittlerweile (2025) gilt Kampholophus allerdings als eine Art, die sich sehr früh von anderen Delfinarten abgespalten hat und keine nähere Verwandtschaft mit den Lipotidae aufweist.[11]
Verwandtschaft fossiler und rezenter Lipotidae[11]
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Auf der Basis von molekularbiologischen Daten wird angenommen, dass sich die Stammformen der Lipotidae mit dem Baiji als einziger rezenter Form bereits im späten Oligozän oder im frühen Miozän von anderen Delfinen abgespalten haben,[12] allerdings liegt nur ein sehr begrenzter Fossilbefund vor.[11] So wurde 1984 die Gattung Parapontoporia mit Parapontoporia pacifica als erste fossile Art der Lipotidae von der Isla de Cedros vor der Küste des mexikanischen Bundesstaates Baja California[13] und nachfolgend auch aus Kalifornien beschrieben. Im Gegensatz zum Baiji deuteten die Fossilbefunde von Parapontoporia allerdings darauf hin, dass es sich bei ihm um ein Meereslebewesen handelte; ein Fund aus dem San-Joaquin-Becken in Kalifornien aus dem Jahr 2015 zeigte jedoch, dass die Art zumindest süßwasserverträglich war und sowohl in marinen als auch in süßwasserreichen Umgebungen lebte.[14]
2024 wurden mit Eolipotes japonicus zwei Exemplare fossiler Flussdelfine aus dem Oberen Miozän aus den Präfekturen Gunma und Tochigi in Japan als neue Gattung und Art innerhalb der Lipotidae beschrieben und damit der Verwandtschaft des Baiji zugeordnet. Die Fossilien stammen dabei von marinen Fundstellen, sodass angenommen wird, dass E. japonicus im Meereswasser lebte. Auf der Basis einer vergleichenden Analyse wurde E. japonicus als näher verwandt mit Parapontoporia spp. als mit dem Chinesischen Flussdelfin eingestuft. Daher wird vermutet, dass die ursprünglichen Lipotidae meereslebend waren und es innerhalb der Lipotidae mindestens zwei Mal unabhängig zur Besiedlung von Süßwasserlebensräumen in Asien und Nordamerika kam.[11]
Systematik
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Der Chinesische Flussdelfin wurde 1918 durch den US-amerikanischen Zoologen Gerrit Smith Miller aus dem Dongting-See in der chinesischen Proving Hunan am Jangtsekiang wissenschaftlich erstbeschrieben.[15][2][16][1.4] Miller nutzte den Schädel und die Halswirbel eines vom National Museum of Natural History von Charles M. Hoy erworbenen Tieres, das in dem See gefangen wurde. Nach der Schilderung von Hoy habe er dieses Tier bislang nur im Dongting-See und um dessen Mündung herum gesehen. Die Einheimischen gäben ihm den Namen Peh Ch'i, was ihm zufolge „weiße Flagge“ bedeute und sich auf die Rückenflosse bezieht, die sie mit einer Flagge verglichen. Er schrieb zudem, dass die Tiere vor allem im Winter, wenn der Wasserstand des Sees niedrig ist, leicht zu sehen seien und in großer Zahl in Gruppen von meist drei oder vier, gelegentlich aber auch von bis zu 10 oder 12 Individuen vorkämen.[15] Er ist der einzige Vertreter der Gattung Lipotes, die ebenfalls von Miller 1918 beschrieben wurde,[15][2][16] sowie der einzige Vertreter der damit monotypischen Familie Lipotidae innerhalb der Zahnwale.[1.4] Unterarten sind für den Chinesischen Flussdelfin nicht beschrieben.[2][16]
Die Systematik der Flussdelfine ist noch nicht vollständig geklärt. Während früher alle im Süßwasser lebenden Arten als konvergent an den Lebensraum angepasste und nicht miteinander verwandte Arten betrachtet wurden, ging man später davon aus, dass der Amazonasdelfin (Inia geoffrensis) und der La-Plata-Delfin (Pontoporia blainvillei) näher miteinander verwandt sind, während der Chinesische Flussdelfin die Schwestergruppe einer gemeinsamen Klade dieser beiden Flussdelfinarten mit den Delfinartigen (Delphinoidea) ist.[17][18][11]
Weitere molekulargenetische Untersuchungen zeigen jedoch, dass der Chinesische Flussdelfin näher mit den südamerikanischen Flussdelfinen verwandt ist als mit den Delfinartigen.[19][20] Wilson & Reeder (2005) klassifizierten sie deshalb in die gemeinsamen Familie Iniidae, die heute nur noch die Amazonas-Flussdelfine enthält,[21][22] während modernere Systematiken den Chinesischen Flussdelfin dagegen als einzige Art der eigenständigen Familie Lipotidae klassifizieren.[1.4] Nach einer molekularbiologischen Analyse im Kontext der Erstbeschreibung des Araguaia-Delfins (Inia araguaiaensis) stellt der Chinesische Flussdelfin tatsächlich die Schwesterart zu den südamerikanischen Flussdelfinen dar.[23]
Der Name Lipotes leitet sich von dem griechischen Wort lipos für „Fett“ und dem lateinischen tes für „Handlung“ ab. Vexillifer leitet sich ab von den Silben vexillum für Fahne und fer für tragen, bedeutet also fahnentragend.[2]
Bestand und Bedrohung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Der Chinesische Flussdelfin wird in der Roten Liste gefährdeter Arten der Weltnaturschutzunion IUCN seit 1996 als vom Aussterben bedroht (Critically Endangered) und seit 2007 mit dem Zusatz „wahrscheinlich ausgestorben“ geführt. Die letzte dokumentierte und gesicherte Sichtung eines der Tiere stammt aus dem Jahr 2002. Da das Verbreitungsgebiet des Baiji auf ein einziges, wenn auch großes, Flussgebiet beschränkt war, gilt er zudem angesichts der massiven menschlichen Präsenz dort als „prädisponiert“ für das Aussterben und wenn noch einzelne Tiere übrig geblieben wären, wäre ihre Anwesenheit aufgrund dessen mit ziemlicher Sicherheit dokumentiert worden.[6] Der Lebensraum des Flussdelfins ist nach wie vor stark beeinträchtigt und degradiert, was ihn auch für andere Arten der Flussmegafauna unsicher macht. Dies gilt auch für den Jangtse-Glattschweinswal (Neophocaena asiaeorientalis asiaeorientalis), der mit dem Baiji sympatrisch war, und der ebenfalls als vom Aussterben bedroht eingestuft wird. Weitere bedrohte Großtierarten des Flusssystems sind der Jangtse-Stör (Sinosturio dabryanus) und der chinesische Schwertstör (Psephurus gladius) sowie der China-Alligator (Alligator sinensis) und die Jangtse-Riesenweichschildkröte (Rafetus swinhoei).[6]
Bestandsentwicklung
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Nach Fossilfunden besiedelte der Flussdelfin den Jangtsekiang vor etwa 20 Millionen Jahren aus dem Pazifik.[24] Die erste Beschreibung der Tiere stammt aus der Naturenzyklopädie Erya aus der Han-Dynastie (206 v. Chr. bis 220 n. Chr.). Biologen schätzen, dass zu dieser Zeit noch etwa 5.000 Flussdelfine im Jangtsekiang lebten. 1978 wurde zur Erforschung der Tiere das Süßwasserdelfin-Forschungszentrum (淡水海豚研究中心) der chinesischen Akademie der Wissenschaften gegründet.
Im ostchinesischen Fluss Qiantang war der Flussdelfin schon seit den 1950er Jahren nicht mehr gesehen worden.[6] Um 1980 wurde der Bestand im Jangtsekiang auf rund 400 Tiere geschätzt. 1986 wurden die Schätzungen auf noch etwa 300 Baijis korrigiert und Erhebungen zwischen 1982 und 1986 ergaben, dass es in einem 770 km langen Abschnitt des unteren Jangtsekiang von Hukou bis zur Mündung noch etwa 100 Baiji gab, verglichen mit 78–79 Delfinen von 1985 bis 1986 im gleichen Abschnitt gezählt wurden. Wiederholte Erhebungen in einem 500 Kilometer langen Abschnitt des unteren Jangtsekiang (Nanjing-Hukou) in den Jahren 1989 bis 1991 ergaben eine maximale Anzahl von 12 Individuen, woraus auf eine Gesamtpopulation von etwa 30 Baiji in diesem Flussabschnitt geschlossen wurde.[6] Die Autoren argumentierten zudem, dass, wenn die Art noch immer ihr historisches Verbreitungsgebiet von etwa 1.700 linearen Kilometern Fluss mit einer ähnlichen Dichte wie in ihrem Untersuchungsgebiet bewohnen würde, die Gesamtpopulation Anfang der 1990er Jahre nur etwa 100 Tiere betragen hätte. Umfassende Erhebungen im gesamten Verbreitungsgebiet in den Jahren 1997 bis 1999 ergaben eine maximale Anzahl im November 1997 von 13 Delfinen, darunter ein Kalb. Zugleich ging die Sichtungsrate in den drei Jahren der Erhebungen jährlich um etwa 10 % zurück.[6] 2001 wurde ein gestrandetes Weibchen gefunden, und 2002 wurde letztmals ein lebendes Tier fotografiert.[6]
In den Jahren 2006 bis 2010 wurden durch eine umfassende visuelle und akustische Untersuchung des gesamten Flussgebietes mehrere Versuche unternommen, lebende Exemplare des Chinesischen Flussdelfins zu finden. Zwei Forschungsschiffe durchkämmten den bekannten Lebensraum der Baiji von Yichang bis Shanghai sowohl flussaufwärts als auch flussabwärts, um beide Seiten des Flusses doppelt abzudecken. Darüber hinaus schleppte ein Schiff während der Untersuchung flussabwärts ein Hydrophon, um Pfeiftönen und Klicklauten von Baiji aufzunehmen.[25] Obwohl der Dongting- und der Poyang-See bei der Untersuchung des Hauptstroms des Jangtsekiang nicht erfasst wurden, wurden seit 2000 von Forschern, die in diesen Seen Schweinswale untersuchen, keine Baiji mehr gesichtet.[26]
Diese Versuche blieben jedoch erfolglos, weshalb die beteiligten Wissenschaftler davon ausgingen, der Flussdelfin sei endgültig ausgestorben.[25][27][28][29] Der Baiji-Delfin wäre damit die erste in historischer Zeit ausgestorbene Walart und das erste Aussterben eines großen Säugetiers seit dem Verschwinden der Karibischen Mönchsrobbe (Neomonachus tropicalis) im Jahr 1952.[30]
Allerdings tauchten 2007 in der Presse auch Berichte auf, dass der Flussdelfin weiterhin von Einheimischen gesehen und sogar gefilmt worden sei.[31] 2013 wurde über eine Sichtung im Tongling-Naturreservat für Süßwasserdelfine in der Provinz Anhui berichtet.[32] 2016 vermeldete ein Team chinesischer Amateur-Naturschützer die Sichtung eines Flussdelfins in der Nähe der Stadt Wuhu. Der Zoologe Samuel T. Turvey wies jedoch darauf hin, dass bereits eine Sichtung von 2007 sich als Verwechslung mit einem Glattschweinswal herausgestellt habe und es keine sichere Artenidentifizierung gäbe.[25] Angesichts der anhaltenden unbestätigten Berichte wurde die Einstufung der Art durch die IUCN als „vom Aussterben bedroht“ und durch den Zusatz „(möglicherweise ausgestorben)“ ergänzt, statt ihn auf ausgestorben zu ändern.[6]
Bedrohungsfaktoren
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Der Rückgang der Population des Chinesischen Flussdelfins wurde durch eine Kombination verschiedener Faktoren verursacht, die neben den Interaktionen mit der Fischerei und der Verschlechterung des Lebensraums durch Wasserbau und die Bewirtschaftung auch die Nutzung der Tiere, Kollisionen mit Schiffen, Hafenbau, Sedimentation aufgrund schlechter Landnutzungspraktiken und Umweltverschmutzung umfasste.[6][33]
Vor allem die chinesische Industrialisierung hatte dem Bestand dieser Tiere sehr zugesetzt. Die Verschmutzung des Jangtsekiang, der übermäßige Schiffsverkehr sowie häufiges Verfangen in Fischernetzen („Beifang“) hatten die Art an den Rand des Aussterbens gebracht. In den 1970er und 1980er Jahren wurde geschätzt, dass das Verfangen in Fischereigeräten für mindestens die Hälfte der beobachteten Todesfälle bei Chinesischen Flussdelfinen verantwortlich waren. Sie werden der Leinen- und Hakenfischerei auf Störe (Chinesischer Stör, Jangtse-Stör und Schwertstör) zugeschrieben. Langleinen mit Tausenden von unköderten Rollhaken, die zum Fangen der Grundfische verwendet wurden, waren für sieben von 13 Todesfällen im unteren Jangtsekiang zwischen 1978 und 1985 und für 15 von 28 Todesfällen im mittleren Flusslauf zwischen 1973 und 1983 verantwortlich; in den 1990er Jahren wurden weitere Todesfälle an Langleinen dokumentiert, zudem wiesen die Tiere häufig Narben und offene Wunden durch Rollhaken auf, und manchmal wurden Hakenreste im Magen toter Tiere gefunden. Auch der Einsatz von Kiemennetzen und Reusen führten zu Todesfällen.[6] Sowohl Rollhaken als auch Reusen wurden im Jangtsekiang verboten, weil sie für die Fischereiressourcen schädlich sind und zum unbeabsichtigten Tod von Baiji führen, aber die Durchsetzung der Verbote war „sehr schwierig“.[6] Ebenfalls verboten ist das Elektrofischen, bei dem die Baiji durch Elektroschocks sofort getötet werden, ist jedoch insbesondere im Zentrum des Verbreitungsgebiets des Baiji weit verbreitet. Anfang der 2000er Jahre galt diese Fangmethode als die wichtigste und unmittelbarste direkte Bedrohung für das Überleben der Baiji.[6]

Hinzu kamen häufige Kollisionen mit Motorbooten, deren Anzahl sich auf dem Jangtsekiang massiv vermehrte. Propeller- und Schiffskollisionen haben zahlreiche Delfine getötet und verletzt und gelten als erhebliche Bedrohung für die Art, insbesondere angesichts des raschen industriellen und wirtschaftlichen Wachstums Chinas und der damit verbundenen Zunahme des Verkehrs auf dem Jangtsekiang. Während der Baiji-Erhebung im Jahr 2006 wurden mindestens 19.830 große Schiffe gezählt, mehr als ein Schiff pro 100 Metern des untersuchten Flussabschnitts.[25][6] Zum Vertiefen oder Verbreitern der Fahrrinnen und auch zum Fischen wurden zudem Sprengstoffe eingesetzt, die eine weitere Ursache für die Sterblichkeit der Baiji wurden.[6]

Die Wassererschließung vor allem durch Dämme und Staustufen hat den Lebensraum der Baiji und die Bewegungsfreiheit der Tiere besonders verändert. Nebenflüsse und am Flusssystem angeschlossene Seen waren nicht mehr zugänglich und die Fischproduktivität der Gewässer als Nahrungsquelle nahm weiter ab. Der umstrittene Drei-Schluchten-Damm, der Anfang der 2000er Jahre fertiggestellt wurde, hat nach Schätzungen von Wissenschaftlern den Lebensraum gegen den Strom für die Tiere für etwa 200 Kilometer flussabwärts zerstört und die bestehenden Systeme gegen den Strom für weitere 160 km flussabwärts beeinträchtigt. Zudem ist das unterhalb des Damms freigesetzte Wasser kühler als zuvor, was sich wahrscheinlich auf die Baiji und ihre Beute auswirkte. Die Auswirkungen des Gezhouba-Staudamms flussabwärts waren nicht so extrem, da es sich bei diesem um eine Niedrigdruck-Laufwasserkraftanlage mit Sedimentdurchfluss handelt und sich kein Stausee bildet.[6]
Die Expansion und die Intensivierung der Landwirtschaft, begünstigt durch die Wassererschließung, führten zu weiteren erheblichen ökologischen Problemen im Jangtsekiang-System. Der Dongting-See und der Poyang-See sind aufgrund der Verschlammung durch die Entwaldung der Ufer und die landwirtschaftliche Entwicklung deutlich flacher geworden und man geht davon aus, dass der Dongting-See vollständig verschwinden könnte.[6] Hinzu kommt die Schadstoffbelastung des Jangtsekiang, die durch die Industrialisierung und die Verbreitung moderner landwirtschaftlicher Praktiken zugenommen hat. In den 1990er Jahren stammten etwa 40 % der industriellen und landwirtschaftlichen Produktion Chinas aus dem Jangtsekiang-Becken, wobei jährlich mehr als 16 Milliarden Kubikmeter Abwasser in den Fluss eingeleitet wurden, von denen mehr als 12 Milliarden Kubikmeter industriell verschmutzt und weitgehend unbehandelt waren.[6]
Der Chinesische Flussdelfin in der Kultur
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Der chinesischen Folklore zufolge galt der Baiji als „Göttin des Jangtse“ als Schutzgöttin von Fischern und Bootsleuten auf dem Jangtsekiang. Der Sage nach war er die Reinkarnation einer jungen Frau, die in den Jangtsekiang sprang, um ihrem bösen Stiefvater zu entkommen. Er war ein böser, gieriger Mann und nahm sie mit auf ein Boot, um sie auf dem Markt zu verkaufen. Auf dem Fluss versuchte er, sich an ihr zu vergehen, sie befreite sich jedoch, indem sie sich in den Fluss stürzte, woraufhin ein großer Sturm aufkam und das Boot versenkte. Nachdem sich der Sturm gelegt hatte, sahen die Menschen einen wunderschönen Delphin im Wasser des Jangtsekiang schwimmen, von dem sie glaubten, dass es das Mädchen sei.[30]
Der Baiji wurde entsprechend respektiert und nicht aktiv gejagt, während der finnenlose Schweinswal, der den Stiefvater repräsentierte, gejagt und verzehrt wurde. Es ist bekannt, dass der Baiji nur dann verzehrt oder auch in der traditionellen chinesischen Medizin (TCM) verwendet wurde, wenn einzelne Tiere gestrandet waren oder versehentlich getötet wurden.[34] Zur Zeit des Langen Marsches unter dem Machthaber Mao Zedong, als auch der traditionelle Status als Flussgöttin angeprangert wurde, begann allerdings auch die Jagd nach dem Baiji als Nahrungsquelle[34] und seine Haut wurde genutzt, um Handtaschen und Handschuhe herzustellen.[6]
In ihrem Buch und der Radiosendung Die Letzten ihrer Art (Originaltitel: Last Chance to See) aus dem Jahr 1990 beschreiben der englische Schriftsteller Douglas Adams und der Zoologe und Fotograf Mark Carwardine neben weiteren von Aussterben bedrohten Arten auch ihre erfolglose Suche nach dem Chinesischen Flussdelfin im Jangtsekiang[35] und Carwardine konnte nur Bilder des letzten in Gefangenschaft gehaltenen Qiqi (淇淇, Qíqí) machen. Nachdem 2006 das Aussterben des Baiji verkündet wurde, schrieb auch Carwardine einen Nachruf auf die Art im New Scientist und verband diesen im Titel mit seiner Reise mit dem 2001 verstorbenen Douglas Adams als The baiji: So long and thanks for all the fish,[36] womit er sich auf Adams Roman Macht’s gut, und danke für den Fisch bezieht, in dem die Delfine die Erde verlassen.
Belege
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- ↑ a b The Dolphin im Projekt „Asian Bestiary“ der Université Paris, abgerufen am 30. Januar 2026.
- ↑ Douglas Adams, Mark Carwardine: Die Letzten ihrer Art. Heyne, München 1992, ISBN 3-453-06115-2.
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Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- B.D. Smith: Family Lipotidae (Baiji) In: Don E. Wilson, Russell A. Mittermeier: Handbook of the Mammals of the World. 4. Sea Mammals. Lynx Edicions, Barcelona 2014; S. 380–385, ISBN 978-84-96553-93-4.
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- Mark Carwardine: Wale und Delphine. Delius Klasing, Bielefeld 1996, ISBN 3-7688-0949-8 (hochwertiger Führer).
- Mark Carwardine: Delphine. Biologie, Verbreitung, Beobachtung in freier Wildbahn. Naturbuch, Augsburg 1996, ISBN 3-89440-226-1 (informativer Bildband).
- Ralf Kiefner: Wale und Delphine weltweit. Pazifischer Ozean, Indischer Ozean, Rotes Meer, Atlantischer Ozean, Karibik, Arktis, Antarktis. Jahr Top Special, Hamburg 2002, ISBN 3-86132-620-5 (Führer der Zeitschrift „tauchen“, sehr detailliert).
- R. R. Reeves, B. S. Stewart, P. J. Clapham, J. A. Powell: Sea Mammals of the World. A Complete Guide to Whales, Dolphins, Seals, Sea Lions and Sea Cows. Black, London 2002, ISBN 0-7136-6334-0 (Führer mit zahlreichen Bildern).
- Maurizio Würtz, Nadia Repetto: Underwater world. Dolphins and Whales. White Star Guides, Vercelli 2003, ISBN 88-8095-943-3 (Bestimmungsbuch).
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Lipotes vexillifer in der Roten Liste gefährdeter Arten der IUCN 2023. Eingestellt von: B.D. Smith, D. Wang, G.T. Braulik, R. Reeves, K. Zhou, J. Barlow, R.L. Pitman, 2017. Abgerufen am 30. Januar 2026.
- Spiegel Online: Forscher finden keine Spur von Chinesischem Flussdelfin (mit Video).
- Convention on Migrating Species (englisch).
- Artikel zum Flussdelfin in der Süddeutschen Zeitung.