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Licostomo

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Licostomo (auch Licostoma, griechisch Lykostomion; lateinisch unter anderem castrum Licostomi) war eine mittelalterliche Festung, Hafen- und Handelsniederlassung an den Mündungen der Donau, im Bereich des heutigen Kilijaarms. Licostomo gehörte im 14. Jahrhundert zur Republik Genua und dort zu den wichtigsten genuesischen Stützpunkten im nördlichen Donaudelta.[1]

Der Name Licostomo verbindet die griechischen Begriffe lykos („Wolf“) mit stoma („Mund“, „Mündung“) und kann sinngemäß als „Wolfsmündung“ verstanden werden. Die Bezeichnung bezog sich ursprünglich wohl auf einen Donauarm beziehungsweise auf die Mündungslandschaft des nördlichen Donaudeltas. In lateinischen und genuesischen Quellen erscheinen unter anderem die Formen Licostomo, Licostoma und castrum Licostomi.[2]

Licostomo lag im Bereich des nördlichen Donaudeltas am Chiliaarm, einer strategisch wichtigen Verbindung zwischen dem Binnenraum der unteren Donau und dem Schwarzen Meer. Die genaue Lage ist nicht abschließend geklärt. Licostomo befand sich nahe der rumänischen Gemeinde Chilia Veche und der ukrainischen Städte Kilija und Wylkowe in der Oblast Odessa.[1][3]

Frühere Belege und byzantinisch-genuesischer Kontext

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Der Raum an den Donaumündungen gehörte im Mittelalter zu einer Kontaktzone zwischen byzantinischen, bulgarischen, tatarischen, walachischen, moldauischen, genuesischen und später osmanischen Machtinteressen. Die nördliche Donaumündung ist unter dem Namen Licostoma seit dem späten 13. Jahrhundert in nautischen Quellen bezeugt. Das Toponym Licostomo erscheint zudem auf Karten des genuesischen Kartographen Pietro Vesconte im frühen 14. Jahrhundert.[1]

Eine Liste von Besitzungen des Patriarchats von Konstantinopel aus den Jahren 1318–1321 nennt Chilia beziehungsweise Lykostomion in enger Verbindung.[1]

Genuesische Festung und Handelsplatz

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Im 14. Jahrhundert bildete Licostomo einen bedeutenden genuesischen Stützpunkt im unteren Donauraum. Die wichtigsten Nachrichten stammen aus genuesischen Notariatsakten, die 1373 sowie 1383/1384 in Licostomo ausgestellt wurden. Sie nennen eine Insel insulla Licostomi, auf der sich ein befestigter Siedlungsbereich, das castrum Licostomi, befand. Erwähnt werden außerdem ein Tor, ein Graben, eine öffentliche Straße, Häuser, eine kommunale Loggia, die Kanzlei der Gouverneure, der Wohnsitz des Konsuls sowie Kirchen der Dominikaner und Franziskaner.[2]

Licostomo hatte damit sowohl militärische als auch wirtschaftliche Funktionen. Die Quellen nennen eine Galeere zum Schutz der Insel; dies spricht für die Bedeutung des Ortes als militärisch gesicherter Hafen. Zugleich war Licostomo in das genuesische Handelsnetz im Schwarzmeerraum eingebunden. Über die Donaumündungen wurden unter anderem Getreide, Wachs, Honig, Fisch und weitere Produkte aus dem nördlichen Schwarzmeer- und Donauraum gehandelt.[2]

Ende der genuesischen Herrschaft

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Das castrum Licostomi blieb nach der Forschung bis zum Beginn des 15. Jahrhunderts unter genuesischer Kontrolle. Danach wird der Ort in den Quellen weniger deutlich fassbar. Der byzantinische Historiker Dukas erwähnt im Zusammenhang mit den politischen Verhältnissen des 15. Jahrhunderts Bewohner von Lykostomion, die als Walachen bezeichnet werden.[2]

Im 15. Jahrhundert wurde Chilia/Kilia zu einem Streitobjekt zwischen der Moldau, der Walachei, Ungarn, Polen-Litauen und dem Osmanischen Reich. 1484 eroberten die Osmanen Chilia und Cetatea Albă/Akkerman. Damit brachten sie zentrale Hafenplätze an den Donaumündungen und am nordwestlichen Schwarzen Meer unter ihre Kontrolle.[1]

Osmanische und neuzeitliche Überformung

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Nach der osmanischen Eroberung wurde der Raum von Chilia/Kilia neu organisiert. In osmanischer und neuzeitlicher Zeit verlor der Ort allmählich seine frühere Bedeutung als genuesischer Handels- und Militärstützpunkt, blieb aber Teil der strategisch wichtigen Grenz- und Mündungslandschaft der unteren Donau.[3]

  • Marco Cassioli: Une ville marchande aux bouches du Danube: Kilia, de la domination génoise à la conquête ottomane (XIVe–XVe siècle). In: New Europe College Yearbook 2014–2015. Bukarest 2015, S. 87–123.
  • Ernest Oberländer-Târnoveanu: The coinage of the Genoese settlements of the Western Black Sea shore and on the Danube. In: Peuce. Serie nouă. Band 2, 2004, S. 285–296.
  • Luminița Preoteasa, Alfred Vespremeanu-Stroe, Anca Dan u. a.: Late-Holocene landscape evolution and human presence in the northern Danube delta (Chilia distributary lobes). In: The Holocene. Band 31, Nr. 9, 2021. DOI: 10.1177/09596836211019121.
  • Luminița Preoteasa, Diana Hanganu, Anca Dan, Gabriela Florescu u. a.: Paleoecological data complete historical and archaeological archives: Human–environment nexus at the fluvio-maritime city port of Chilia (Licostomo; Northern Danube delta) since the 14th century. In: Geoarchaeology. 2023, S. 786–803. DOI: 10.1002/gea.21975.
  • Petre Diaconu: Kilia et Licostomo ou Kilia = Licostomo? In: Revue Roumaine d’Histoire. Band 25, Nr. 4, 1986, S. 301–317.
  • Ştefan Andreescu: Note despre cetatea Chilia. In: Pontica. Band 32, 1999, S. 285–292.

Einzelnachweise

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  1. 1 2 3 4 5 Luminița Preoteasa, Alfred Vespremeanu-Stroe, Anca Dan, Laurențiu Țuțuianu, Cristian Panaiotu, Marius Stoica, Tiberiu Sava, Liviu Mihail Iancu, Aurel-Daniel Stănică, Florin Zăinescu, Dragoș Alexandru Mirea, Dan Cristian Olteanu, Fabiano N. Pupim, Sorin Ailincăi: Late-Holocene landscape evolution and human presence in the northern Danube delta (Chilia distributary lobes). In: The Holocene. Band 31, Nr. 9, 2021, doi:10.1177/09596836211019121.
  2. 1 2 3 4 Marco Cassioli: Une ville marchande aux bouches du Danube: Kilia, de la domination génoise à la conquête ottomane (XIVe–XVe siècle). In: New Europe College Yearbook 2014–2015. Bukarest 2015, S. 87–123.
  3. 1 2 Luminița Preoteasa, Diana Hanganu, Anca Dan, Gabriela Florescu u. a.: Paleoecological data complete historical and archaeological archives: Human–environment nexus at the fluvio-maritime city port of Chilia (Licostomo; Northern Danube delta) since the 14th century. In: Geoarchaeology. 2023, S. 786–803, doi:10.1002/gea.21975.