Die kommunalen Interessen nimmt ein Ortsteilbürgermeister auf dem Weg des Ehrenamtes wahr. Sein Zuständigkeitsbereich umfasst den gesamten Ort Lichte mit den vier ehemaligen Lichtener Ortsteilen und den zugehörigen Wohnplätzen sowie Ansiedlungen (Siehe Ortsgliederung). Der Ortsteilbürgermeister hat seine Sprechstunde im ehemaligen Rathaus in Wallendorf.
Der Ortsteil besteht aus den vier Gemarkungen Bock und Teich, Lichte, Geiersthal und Wallendorf. Die Gemarkung Lichte hat eine Fläche von 5,586km².[3]
Der Ort erstreckt sich weit in den Tälern der Lichte und der Piesau. Beide Flüsse und die Gebirgsbäche der umliegenden Täler speisen eine der größten Trinkwassertalsperren Deutschlands, die Talsperre Leibis-Lichte mit der Vorsperre Deesbach, gelegen unmittelbar am nördlichen Ortsausgang von Lichte (Geiersthal).
Piesau und Lichte formten in Jahrmillionen tief eingeschnittene Täler mit steil abfallenden Berghängen. Vor allem im Unterlauf der Lichte betragen die Unterschiede zwischen Talsohle und Höhenzug bis zu 200 Meter, was für Mittelgebirgsregionen als durchaus beachtlich gilt.
Die Gebirgsbäche in der Umgebung gelten als die goldreichsten Deutschlands.
Lichte wurde erstmals 1414 im Erbteilungsvertrag der Grafen von Orlamünde urkundlich erwähnt.[4.1]
Der Ort bestand 1726 aus weit auseinanderliegenden Einzelansiedlungen mit elf Häusern.[4.2] Die Gemeinde gehörte zum Fürstentum Schwarzburg-Rudolstadt, ab 1850 zum Verwaltungsbezirk Landratsamt Königsee und führte bis 1950 die Bezeichnung Lichte bei Wallendorf (kurz: Lichte b/W). Bis 1920 trennte der Grenzfluss Lichte
die im Westen liegende Gemeinde von der östlichen Nachbargemeinde Wallendorf, die zum Sachsen-MeiningischenKreis Saalfeld gehörte.
Bereits 1764 wurde in Wallendorf Porzellan hergestellt, die Wallendorfer Porzellanmanufaktur gehörte somit zu den ältesten Europas. Wallendorfer Porzellan erlangte schnell Zuspruch weit über die damaligen Landesgrenzen hinaus. So wurde bereits 1822 durch Johann Heinrich Leder in Lichte eine weitere Porzellanmanufaktur, die spätere Lichte Porzellan GmbH, gegründet. Obwohl das neue Unternehmen im Wettbewerb zu Wallendorf stand, gelang rasch die Erschließung eigener Märkte, die lange gehalten werden konnten, obwohl auch hier die beiden Weltkriege und die Abschottung zu DDR-Zeiten kaum förderlich waren.
Während des Zweiten Weltkrieges mussten Arbeitskräfte aus Polen in Wallendorf Zwangsarbeit verrichten, woran vier Gräber auf dem dortigen Friedhof erinnern. An zwei Opfer des Todesmarsches von Häftlingen des KZ Buchenwald im April 1945, die im Finsteren Grund am Eisenbahnviadukt gefunden wurden, erinnert eine Gedenktafel auf dem Friedhof von Lichte.[5]
Am 1. Juli 1950 wurden die bis dahin eigenständigen Gemeinden Bock und Teich, Geiersthal und Wallendorf nach Lichte eingegliedert. Die neue Gemeinde hatte den Namen der einwohnerstärksten Gemeinde. Am 18. Juni 1994 wurde die Verwaltungsgemeinschaft Lichte-Piesau-Schmiedefeld gegründet, die nach dem Beitritt von Reichmannsdorf Ende 2004 in Verwaltungsgemeinschaft Lichtetal am Rennsteig umbenannt wurde. Zuvor hatten die Gemeinden jeweils eine eigene Gemeindeverwaltung.
Von 1922 bis 1952 gehörte die Gemeinde Lichte zum Landkreis Saalfeld, zwischen 1952 und 1994 zum Kreis Neuhaus und zwischen 1994 und 2018 zum Landkreis Saalfeld-Rudolstadt. Zum 1. Januar 2019 wurde die Gemeinde Lichte als Ortsteil in die Stadt Neuhaus am Rennweg eingegliedert und wechselte hierdurch vom Landkreis Saalfeld-Rudolstadt in den Landkreis Sonneberg.
Der Rat der Gemeinde Lichte bestand aus zwölf Ratsfrauen und -herren einschließlich des Bürgermeisters, der erste Ortsteilrat besteht aus 9 Mitgliedern.
Lichte fiel durch die landesweit geringste Wahlbeteiligung aller Thüringer Gemeinden auf. Von 1369 Wahlberechtigten gingen 392 (28,6%) zur Wahl. Sie gaben 379 gültige Zweitstimmen ab. Bemerkenswert war der hohe Stimmenanteil der AfD mit 24,4%.
„In Grün mit goldenem Winkelschildfuß ein silberner Leuchter mit goldener Flamme und ständerförmig angeordneten Strahlen im Schildhaupt, beseitet von vier silbernen Ahornblättern.“
Grundfarbe: grün – in Anlehnung an die Lage von Lichte, in Thüringen, dem „grünen Herzen Deutschlands“.
Schildfuß: goldener Kompakt-Keil, Keilspitze Mitte Schildfuß – Symbol für das bis 100 m tiefe Lichtetel, wobei goldfarben für klare Wasser von Lichte-Fluss und Kleiner-Lichte stehen, die letztlich Namensgeber der Gesamtansiedlung wurden.
Hauptmotiv: weißer Leuchter feinem Porzellans mit goldener Flamme – Symbol für jahrhundertelange Tradition der Manufaktur feinem Porzellans im Tal von Piesau-Fluss und Lichte-Fluss.
Wappen-Ort: Wappenfigur/Hauptmotiv (Leuchter), flankiert von vier Weiß-Porzellan-Ahornblättern – Symbol sowohl für die vier Ortsteile Bock und Teich, Geiersthal, Lichte und Wallendorf, als auch an Teilhabe, Herstellung und Veredlung feinem Porzellans.
Schildhaupt: von goldener Flamme (Leuchter) ständerförmig ausgehende Strahlen im Schildhaupt – Symbol für Weltoffenheit und Export feinem Porzellans in alle Welt.
Dekor: Gerhard Nussmann (Steinheid TH).
Urheber: BildhauerGottfried Stöhr (Lichte TH) 1995, nach historischer Siegelmarke (4 × 4 cm) der Gemeinde Lichte / Wallendorf (1850–1923). Motivgeber“
Wappenbegründung: Das Wappen von Lichte[13] greift ein älteres Siegelmotiv auf, führt damit eine örtliche Darstellungstradition fort und steht für die jahrhundertelange Tradition der Porzellanherstellung im Tal der Piesau und Lichte. Die Ahornblätter symbolisieren die vier Ortsteile und eine für die Gemeindefluren charakteristische Baumart. Sie verweisen gemeinsam mit der Schildfarbe Grün auf die Lage der Gemeinde im Thüringer Wald, dem „grünen Herzen Deutschlands“.
Kirche zu Wallendorf – erbaut 1733 im Stil des Bauernbarocks
Piesau-Viadukt im Bereich der Hammerwiesen zu Lichte, zehn Gewölbebögen, L = 258m, H = 34m – überspannt das Tal, die Bundesstraße 281 und die Piesau im Bereich der Hammerwiesen am ehemaligen Lipfertshammer
Finstergrund-Viadukt[14] über die Kleine Lichte, Ortsausgang Lichte (Waschdorf)
Zeichen- und Modellierschule, Gründung 1862 (Ortsteil Geiersthal in der Ferienanlage Lichte-Geiersthal neben dem Waldhotel Feldbachtal)
Friedhof Lichte: Gedenktafel an zwei Opfer des Todesmarsches im April 1945 aus dem KZ Buchenwald (Fundort Finstern Grund unter dem Eisenbahnviadukt).[5]
Lichte (Wallendorf), Porzellanprinzessin mit 3.000 Kaffee- und Teekannen (2010)
Porzellanmarkt, am letzten Wochenende im Juli mit Krönung der Porzellanprinzessin
Porzellanweihnacht am 1. Advent
Lichtner Kirmes – geht auf eine Genehmigung des Landesfürsten (1825) zurück, vor Michaeli (29. September) Jahrmärkte halten zu dürfen (Thür.St.Archiv Rudolstadt: A/XVII,C.1.Nr.49; F/LXXII, Nr.21)
Der Ort liegt an der B 281 (Saalfeld/Saale–Eisfeld), deren Anstieg auf den Rennsteig (850m ü. NHN) hier beginnt. Weitere Straßen führen nach Oberweißbach und Gräfenthal. 1899 erhielt der Ort einen Eisenbahnanschluss zur Frankenwaldbahn bei Probstzella und 1913 nach Neuhaus am Rennweg. Die Bahnstrecke Probstzella–Neuhaus am Rennweg ist im durch Lichte führenden Abschnitt Probstzella–Ernstthal seit 1998 außer Betrieb und seit Juni 2006 endgültig stillgelegt. Im Ort liegen die Bahnhöfe Lichte (Thür) Ost und Lichte (Thür). Die größten Bauwerke der Eisenbahnstrecke durch das Lichtetal sind das Piesau-Viadukt in Bock und Teich sowie das Viadukt Finsterer Grund am Ortsausgang von Waschdorf Richtung Ernstthal.
In Lichte gibt es einen Regelschulstandort, dessen Schulbezirk die Ortsteile Lichte und Piesau sowie die im Landkreis Saalfeld-Rudolstadt, zur Stadt Saalfeld gehörenden Ortsteile Schmiedefeld und Reichmannsdorf umfasst.
Die Regelschule in Lichte ist die einzige Schule im Landkreis Sonneberg, an der Schülerlotsen ausgebildet werden und zur Sicherstellung der Verkehrssicherheit an der B 281 im Einsatz sind.
Paul Lattermann: Lichte in Thüringen. Wallendorf, Bock und Teich, Lichte bei Wallendorf, Geiersthal. Entstehung und Entwicklung. Verwaltungsgemeinschaft Lichtetal am Rennsteig, Lichte 1996.
12Thüringer Verband der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschisten und Studienkreis deutscher Widerstand 1933–1945 (Hrsg.): Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des Widerstandes und der Verfolgung 1933–1945. Band 8: Thüringen. VAS – Verlag für Akademische Schriften, Frankfurt am Main 2003, ISBN 3-88864-343-0, S. 237.
↑Heiko Haine (Hrsg.): Alte Meister en miniature – Thüringer Porzellanplattenmalerei (= Schriften und Kataloge des Museums Otto Ludwig Eisfeld. 1, ZDB-ID2635991-1). Museum Otto Ludwig, Eisfeld 2011.
Albert Brödel, Von der Köhlerhütte zum Industriestandort (… Geschichte des Ortes Lichte (Thür.) … nach amtlichen Quellen 1937–1939), Herausgeber W. Brödel 1997
Markus Schade: Gold in Thüringen. Thüringer Wald, Schiefergebirge, Frankenwald. Herkunft – Entstehung – Fundorte. Thüringer Landesanstalt für Geologie, Weimar 2001, ISBN 3-9806811-3-0.