Le Chenit
| Le Chenit | |
|---|---|
| Staat: | |
| Kanton: | |
| Bezirk: | Jura-Nord vaudois |
| BFS-Nr.: | 5872 |
| Postleitzahl: | 1348 Le Brassus 1341 L’Orient 1347 Le Sentier |
| Koordinaten: | 507427 / 162490 |
| Höhe: | 1013 m ü. M. |
| Höhenbereich: | 1003–1609 m ü. M.[1] |
| Fläche: | 99,19 km²[2] |
| Einwohner: | 4753 (31. Dezember 2024)[3] |
| Einwohnerdichte: | 48 Einw. pro km² |
| Ausländeranteil: (Einwohner ohne Schweizer Bürgerrecht) | 27,2 % (31. Dezember 2023)[4] |
| Website: | www.communeduchenit.ch |
Kirche von Le Sentier | |
| Lage der Gemeinde | |
| Bevölkerungsentwicklung | |
|---|---|
| Jahr | Einwohner |
| 1609 | 309 |
| 1764 | 1733 |
| 1850 | 2766 |
| 1900 | 3796 |
| 1950 | 4604 |
| 1960 | 5242 |
| 1970 | 5465 |
| 1980 | 4359 |
| 1990 | 4328 |
| 2000 | 4297 |
| 2023 | 4707 |
Mit 4753 Einwohnern (Stand 31. Dezember 2024) gehört Le Chenit zu den mittelgrossen Gemeinden des Kantons Waadt. Von den Bewohnern sind 88,6 % französischsprachig, 2,9 % italienischsprachig und 2,5 % deutschsprachig (Stand 2000). Die Bevölkerungszahl von Le Chenit nahm bis 1970 kontinuierlich zu. Die Auswirkungen der Wirtschaftskrise bewirkten danach bis 1980 einen markanten Rückgang. Danach pendelte die Einwohnerzahl um den Wert von 4300. Seit der Jahrtausendwende steigt die Einwohnerzahl wieder leicht an.
Wirtschaft
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Schon früh entwickelte sich in Le Chenit neben der Landwirtschaft auch die handwerkliche und industrielle Tätigkeit. Am Anfang der Entwicklung standen Mitte des 16. Jahrhunderts die Hochöfen in Le Brassus, eine Glashütte in Pré Rodet sowie Sägereien, Gerbereien und Mühlen. Im Laufe des 18. Jahrhunderts wurden diese Gewerbezweige durch die Uhrmacherei abgelöst, die zunächst in Heimarbeit, seit der Mitte des 19. Jahrhunderts in Fabriken ausgeübt wurde. Durch die Weltwirtschaftskrise in den 1930er-Jahren wurde Le Chenit schwer getroffen, die Zahl der Arbeitslosen stieg zeitweise bis 10 % an. Während des Zweiten Weltkrieges wurde in den Moorgebieten entlang der Orbe Torf gestochen. Die Krise in der Uhrenindustrie Mitte der 1970er-Jahre löste eine massive Abwanderung aus.
Heute ist die Bevölkerung in der Uhrenindustrie beschäftigt, die sich auf die Herstellung von Qualitätsuhren (Luxus- und Schmuckuhren) spezialisiert hat, z. B. in der Manufaktur Audemars Piguet. Dazu gehören auch die Edelsteinindustrie und weitere Zulieferbetriebe. Weitere Arbeitsplätze gibt es in der elektronischen Industrie, in der Feinmechanik, in Sägereien und in der Holzverarbeitung, im touristischen Bereich und im lokalen Gewerbe. Der Comptoir de la Vallée, eine Leistungsschau des Vallée de Joux, findet seit 1976 alljährlich in Le Chenit statt. Die Landwirtschaft besitzt nur noch eine geringe Bedeutung mit Viehzucht und Milchwirtschaft sowie Käseproduktion.
Tourismus
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Gegen Ende des 19. Jahrhunderts entwickelte sich mit dem Anschluss an den öffentlichen Verkehr der Tourismus in Le Chenit. Einen grösseren Aufschwung gab es aber erst seit etwa 1970. Von Bedeutung ist vor allem der Wintertourismus mit einigen Skiliften bei Le Brassus und L’Orient. Die Topographie der Jurahöhen eignet sich hervorragend für den Langlaufsport. In Le Brassus stand zwischen 1930 und 2002 eine Skisprungschanze, worauf internationale nordische Skiwettkämpfe stattfanden. Das Gebiet von Le Chenit dient auch im Sommer als beliebtes Ausflugsziel für ausgedehnte Wanderungen auf den Jurahöhen oder für Wassersport auf dem Lac de Joux.
Bildung und Kultur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Le Sentier ist Standort mehrerer regionaler Schulen, darunter der Sekundarschule (seit 1876) und einer Berufsschule für Uhrmacher und Mikromechaniker (seit 1902). Auch das 1934 gegründete Bezirksspital und ein grosses Sportzentrum stehen in dieser Teilgemeinde. In Le Sentier befinden sich ein Schulmuseum und die 1982 ins Leben gerufene Kunstgalerie L’essor.
Verkehr
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Le Chenit liegt an der Hauptstrasse von Vallorbe nach La Cure. Vom Genferseegebiet können Le Brassus und Le Sentier über den Col du Marchairuz erreicht werden. Am 21. August 1899 nahm die Gesellschaft Chemin de fer Pont–Brassus die Eisenbahnlinie von Le Pont nach Le Brassus in Betrieb. Bahnhöfe beziehungsweise Haltestellen gibt es in Le Sentier, Chez-le-Maître, La Golisse und Le Rocheray. Von Le Sentier verkehrt eine Buslinie via L’Orient nach Le Pont, und von Le Brassus fährt am Wochenende ein Bus nach Allaman.
Geschichte
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die erste urkundliche Erwähnung von Le Chenit erfolgte 1489 unter dem Namen Chinit als Sommerweidegebiet. Eine dauerhafte Siedlung existiert vermutlich erst seit etwa 1547. Das gesamte Gebiet gehörte unter der von 1536 bis 1798 dauernden Berner Herrschaft über die Waadt zunächst zur Kastlanei Les Clées unter der Landvogtei Yverdon. 1566 kam es an die Landvogtei Romainmôtier. Erst ab 1646 bildete Le Chenit nach der Abtrennung von der Gemeinde Le Lieu eine selbständige Gemeinde.
Nach dem Zusammenbruch des Ancien Régime gehörte Le Chenit von 1798 bis 1803 während der Helvetik zum Kanton Léman, der anschliessend mit der Inkraftsetzung der Mediationsverfassung im Kanton Waadt aufging. 1798 wurde die Gemeinde dem Bezirk La Vallée zugeteilt. Aufgrund von Spannungen und Rivalitäten Ende des 19. Jahrhunderts innerhalb der Gemeinde wurden auf Beschluss des Waadtländer Grossen Rates (Grand Conseil) nacheinander die drei autonomen Teilgemeinden gebildet: Le Sentier (1900), L’Orient (1904) und Le Brassus (1908).
Im Zweiten Weltkrieg gelang es dem vom Schweizer Nachrichtendienst angeworbenen Uhrmacher Fred Reymond[6] mit falschen französischen Papieren ausgestattet ab 1941 ein Flucht- und Schmuggelnetzwerk über die französisch-schweizerische Grenze aufzubauen, um Menschen im deutsch besetzten Frankreich zu helfen. Über 300[6] Missionen in Frankreich führte er erfolgreich aus. Nach dem Krieg ernannte ihn die Gemeinde Le Chenit zum Ehrenbürger.
Sehenswürdigkeiten
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In Le Sentier wurde 1612 die erste Kirche erbaut. Heute besitzt Le Sentier ein reformiertes und ein katholisches Gotteshaus. Auch in Le Brassus stehen eine reformierte Kirche (1835–1837 erbaut) und eine katholische Kirche, die vom Ende des 19. Jahrhunderts stammt.
Persönlichkeiten
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die französische Skirennläuferin Françoise Macchi (* 1951) wurde im Ortsteil Le Sentier geboren. Der Radrennfahrer, Flugpionier und Unternehmer Edmond Audemars (1882–1970) stammte aus dem Ortsteil Le Brassus. Der Koch Philippe Rochat (1953–2015) kam ebenfalls aus Le Chenit. Weiterhin stammt die Politikerin Josiane Aubert (* 1949) aus der Gemeinde.
Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Germain Hausmann: Chenit, Le. In: Historisches Lexikon der Schweiz.
- Germain Hausmann: Brassus, Le. In: Historisches Lexikon der Schweiz.
- Germain Hausmann: Orient, L’. In: Historisches Lexikon der Schweiz.
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Offizielle Website der Gemeinde Le Chenit (französisch)
- Offizielle Website der Fraktion Le Brassus (französisch)
- Bundesamt für Kultur: Chez-les-Aubert (Le Chenit) im Inventar der schützenswerten Ortsbilder der Schweiz (französisch)
- Luftaufnahmen von Le Sentier
- Luftaufnahmen von Le Brassus
- Luftaufnahmen von L’Orient
- Vallée de Joux (französisch)
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ Geographische Kennzahlen – Suche. Gemeindestand 06.04.2025. In: Applikation der Schweizer Gemeinden (admin.ch). Bundesamt für Statistik (BFS), abgerufen am 29. August 2025 (bei späteren Gemeindefusionen wurden die Flächen zum Stand 1. Januar 2025 zusammengefasst).
- ↑ Geographische Kennzahlen – Suche. Gemeindestand 06.04.2025. In: Applikation der Schweizer Gemeinden (admin.ch). Bundesamt für Statistik (BFS), abgerufen am 29. August 2025 (bei späteren Gemeindefusionen wurden die Flächen zum Stand 1. Januar 2025 zusammengefasst).
- ↑ Bilanz der ständigen Wohnbevölkerung nach Bezirken und Gemeinden, 1991–2024. In: bfs.admin.ch. Bundesamt für Statistik, abgerufen am 28. August 2025 (bei späteren Gemeindefusionen Einwohnerzahlen aufgrund Stand 2024 zusammengefasst).
- ↑ Ständige Wohnbevölkerung nach Staatsangehörigkeitskategorie, Geschlecht und Gemeinde, definitive Jahresergebnisse, 2023. Bei späteren Gemeindefusionen Ausländeranteil aufgrund Stand 2024 zusammengefasst. Abruf am 22. August 2024
- ↑ Lexikon der schweizerischen Gemeindenamen. Hrsg. vom Centre de Dialectologie an der Universität Neuchâtel unter der Leitung von Andres Kristol. Verlag Huber, Frauenfeld/Stuttgart/Wien 2005, ISBN 3-7193-1308-5 und Éditions Payot, Lausanne 2005, ISBN 2-601-03336-3, S. 516.
- 1 2 Georges Andrey: La Suisse Romande: Une histoire à nulle autre pareille! Éditions du Belvédère, Pontarlier 2012, ISBN 978-2-88419-227-9, S. 332.



