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Laurens Hammond

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Laurens Hammond (* 11. Januar 1895 in Evanston, Illinois, USA; † 1. Juli 1973[1] in Cornwall, Connecticut) war ein US-amerikanischer Erfinder, der insgesamt 110 Patente erhielt. Seine bekannteste Erfindung ist die Hammond-Orgel.

Leben und Wirken

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Die ersten drei Jahre wuchs Hammond in Evanston, im Norden des US-Bundesstaat Illinois, auf. Dann beging sein Vater, ein Bankdirektor, Suizid. Seine Mutter zog daraufhin weg, und sie lebten von 1898 bis 1909 in Genf, Dresden und Paris. 1907, mit zwölf Jahren, hatte der technisch versierte Junge eine Idee für einen neuen Automobilantrieb auf Papier gebracht. Er reichte es bei Renault ein, doch sie konnte nicht umgesetzt werden, weil es damals technisch noch nicht möglich war. Viele Jahre später wurde die Idee dann doch realisiert.[2]

Zum Zeitpunkt der Rücksiedlung nach Amerika sprach Hammond neben Englisch auch fließend Deutsch und Französisch. Er studierte an der Cornell University und machte dort 1916 seinen Abschluss in Maschinenbau.

1919 zog er nach Detroit und arbeitete für die Gray Marine Motor Company, eine Firma für Schiffsmotoren. 1920 erfand er eine Uhr mit ruhigem Federrückzug. Dies brachte ihm so viel Geld ein, dass er die Firma verlassen konnte. Er forschte dann privat in New York weiter an elektrischen Präzisionsmotoren und weiteren technischen Geräten. Er perfektionierte seine Hammond-Uhr, die elektrisch betriebenen Synchron-Uhren wurden in größeren Mengen produziert, als er 1928 die Hammond Clock Company gründete. Die Firma wurde 1937 in Hammond Instrument Company und 1953 Hammond Organ Company umbenannt. Er entwickelte auch ein Teleview-System, das später das 3D-Kino möglich machte, und einen elektromechanischen Spielkartentisch, (englisch: Electric Bridge Table) der Spielkarten an die Spieler nach dem Zufallsprinzip verteilte.

1933 kaufte Hammond ein altes Klavier und versuchte aus mechanischen und elektronischen Teilen ein neues Tasteninstrument zu entwickeln. Es war für den Einsatz in Kirchengemeinden, die sich keine große Orgel leisten konnten, vorgesehen. Der Organist aus seiner Kirchengemeinde beriet ihn, da Hammond selbst kein Musiker war, und wurde später sein Prokurist. Am 19. Januar 1934 reichte er das Patent für eine elektromechanische Orgel ein (US-Patent 1,956,350), das bereits am 2. April 1934 erteilt wurde. Die Besonderheiten waren 91 kleine, synchrone Tonradgeneratoren, ein Lautstärkepedal und ein System mit Zugriegeln, was bis zu 253 Millionen Klangeinstellungen möglich machte. Seine erste Orgel, das Model A, wurde der Öffentlichkeit am 24. April 1935 mit der 1. Sinfonie von Johannes Brahms vorgestellt. Im Juni 1935 wurden die ersten Hammond-Orgeln ausgeliefert, sechs gingen an Autobauer Henry Ford, je eine an George Gershwin, Count Basie und wahrscheinlich an Dwight D. Eisenhower. Bis 1960, als er sich aus seiner Firma zurückzog, entwickelte er seine Orgel weiter, 1936 kam Modell B und 1938 BA auf den Markt. Zusammen mit Alan Young und John M. Hanert schuf er 1940 die Solovox-Orgel, einen ersten Synthesizer,[3][4] und 1950 eine Akkord-Orgel.[5] Im 21. Jahrhundert ist die Hammond-Orgel zwar technisch überholt, jedoch im differenzierten, warmen und unverwechselbaren Klang unübertroffen.[6] Die traditionellen Orgelbauer klagten gegen Hammond, weil er seine Musikinstrumente ohne Pfeifen als Orgeln bezeichnete, doch die Federal Trade Commission entschied 1937 zu seinen Gunsten.[7] Im gleichen Jahr wurde erstmals das Kundenmagazin Hammond-Times herausgegeben.

Im Zweiten Weltkrieg wurden seine Orgeln als einzige zugelassen, die musikalische Betreuung der US-Armee zu übernehmen.[8] Hammond stellte seine Kreativität in den Dienst der amerikanischen Rüstungsindustrie, und er entwickelte einen Vorgänger modernen Marschflugkörper. Er starb am 1. Juli 1973 im Alter von 78 Jahren in Cornwall, Connecticut.[9]

Axel Schulz betreibt in Greifswald ein Hammond-Orgel-Museum.[10]

Commons: Laurens Hammond – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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  1. britannica.com Laurens Hammond in der Encyclopedia Britannica
  2. Alfried Schmitz: Vor 125 Jahren geboren: Laurens Hammond – Erfinder der Hammond-Orgel (Sendung des Deutschlandfunks vom 11. Januar 2020, abgerufen am 30. November 2025)
  3. Michael Falkenstein: Geschichte Firma Hammond − The Sound of the Century, Website hammond.de (2025, abgerufen am 30. November 2025)
  4. The ‘Solovox’, Hammond Organ Co, USA, 1940, Website 120years.net (englisch, abgerufen am 30. November 2025)
  5. Laurens Hammond. American inventor. In: Encyclopædia Britannica. Abgerufen am 30. November 2025 (englisch).
  6. Jochen Eichner: Laurens Hammond wird geboren. Er erfand die Hammond-Orgel, Website br-klassik.de (11. Januar 2024, abgerufen am 30. November 2025)
  7. Laurens Hammond. American inventor. In: Encyclopædia Britannica. Abgerufen am 30. November 2025 (englisch).
  8. Michael Falkenstein: Geschichte Firma Hammond − The Sound of the Century, Website hammond.de (2025, abgerufen am 30. November 2025)
  9. Alfried Schmitz: Vor 125 Jahren geboren: Laurens Hammond – Erfinder der Hammond-Orgel (Sendung des Deutschlandfunks vom 11. Januar 2020, abgerufen am 30. November 2025)
  10. Alfried Schmitz: Vor 125 Jahren geboren: Laurens Hammond – Erfinder der Hammond-Orgel (Sendung des Deutschlandfunks vom 11. Januar 2020, abgerufen am 30. November 2025)