Der Lamasee liegt rund 330km nördlich des nördlichen Polarkreises im Westteil des Putorana-Gebirges (max. 1701m). Er erstreckt sich durchschnittlich knapp 100km ostnordöstlich von Norilsk. Weder am See noch in seiner Umgebung gibt es Siedlungen, aber an seinem Ufer stehen mancherorts Isbas, traditionelle russische Holzhütten.
Die umliegenden Berge sind in den nordwestlichen Charaelachbergen bis 956m hoch, in den nördlichen Miktschangdabergen bis 1167m, in den nordöstlichen Butscharamabergen bis 1297m und in den südlichen Lamskiebergen bis 1267m[2]; südöstlich seines Ostendes erreichen sie maximal 1582m Höhe. Während der See von der Miktschangda und anderen Bächen, wie Kaptschuk, Kygam und Neralach gespeist wird, ist die Lama sein einziger Abfluss; letztere entwässert über die kurze Talaja in den Melkojesee, dessen Wasser letztlich über die Pjassina in die Karasee fließt.
Der etwa 45m[2] hoch gelegene See ist rund 80km lang und bis 7km breit. Seine maximale Tiefe im Seebecken tektonischer Herkunft liegt bei etwa 300m; es wird vermutet, dass der wenig erforschte See sogar bis zu 600m tief ist. Sein Einzugsgebiet ist etwa 6210km²[1] groß.
Benachbart ist der nördliche Kaptschuksee, der zum Einzugsgebiet des Sees gehört, und außerhalb dieses Gebiets liegen südsüdöstlich der Sobatschjesee, südwestlich der Glubokojesee und westsüdwestlich der Melkojesee.
Auf der 1911 vom russischen Generalstab veröffentlichten Karte des asiatischen Russlands trägt der darauf entfernt von seiner realen Form verzeichnete See den Namen Dawydowosee. Das heutige HydronymLama stammt vom tungusischen Wort Laamu, das See, Ozean oder Großes Wasser bedeutet.
Der Lamasee wurde erstmals durch den russisch-sowjetischen Geologen und Polarforscher Nikolai Urwanzew und seinem Kollegen Basanow während einer Expedition von 1921 erforscht und beschrieben.
Nach der Annexion der baltischen Staaten in die Sowjetunion wurden am 28.Juni 1941 insgesamt 42[3] baltische Offiziere von Estland (15[3]), Lettland (13[3]) und Litauen (14[3]) als Feinde des neuen stalinistischen Staatssystems verhaftet und ohne Anklage in einen Gulag (Straflager) am Lamasee geschickt. Mit einem Zug wurden sie nach Krasnojarsk, danach weiter per Schiff auf dem Jenissei nach Dudinka, dann mit einem Zug nach Norilsk und schließlich per Boot in das Lager deportiert. Einer von ihnen starb bereits in Norilsk, die restlichen 41Personen wurden im Lager in nur einer großen Hütte interniert. Bis 1945 starben alle aufgrund von Hunger, Kälte und Krankheiten. Es sind weder Anlagen noch Hütten erhalten, doch am See befinden sich mehrere Gedenkstätten mit Denkmälern und Gedenktafeln.[4]
Die Region des Lamasees liegt im Bereich des Permafrostbodens. Der See ist alljährlich von Oktober oder November bis Juni von Eis (ca.80 bis 100cm) bedeckt. An seinen Ufern gedeihen boreale Nadelwälder (Taiga) und auf den Bergen seiner Umgebung herrscht die Tundra mit Moosen und Flechten. Im fischreichen See leben zum Beispiel Barschfische, Hechte und Lachsfische.
Der abseitige Lamasee ist attraktives Touristenziel. Im Sommer bringen Ausflugsboote viele Besucher zum See. Dorthin fahren sie von der zwischen Norilsk und dessen nordöstlichen Stadtteil Talnach gelegenen Anlegestelle bei der Ansiedlung Waljok über die Flüsse Norilka und Talaja, durch den Melkojesee und über den Fluss Lama. Die Hinfahrt, flussaufwärts, dauert etwa fünf und der Weg zurück zirka drei Stunden.
123Lamaseeim Staatlichen Gewässerverzeichnis der Russischen Föderation (russisch)
12Topographische Karte (1:1.000.000, Bl. R-45,46, Ausg. 1990), u.a. mit gesamtem See (mittig) auf mapr46.narod.ru (mit Höhe über Meer) siehe hierzu auch (Detailkarten): –Topographische Karte (1:200.000, Bl. R-45-XXIII,XXIV, Ausg. 1989), u.a. mit Seewestteil (rechts unten) auf mapr45.narod.ru, –Topographische Karte (1:200.000, Bl. R-46-XIX,XX, Ausg. 1984), u.a. mit Seehauptteil (unten) auf mapr46.narod.ru