Lamanai
Lamanai ist eine Stätte der Maya-Kultur im Norden von Belize. Der Ort gilt mit seiner Besiedlung von 1600 v. u. Z. bis in die Gegenwart als einer der frühesten und am längsten durchgängig besiedelten Orte der Maya. Er überstand dabei sowohl den Kollaps der Maya-Zivilisation zwischen 800 und 900 wie die spanische Eroberung und die britische Kolonialzeit.
Es ist die zweitgrößte Mayastätte des Landes.
Lage
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Lamanai liegt im Norden Belizes im Distrikt Orange Walk und erstreckt sich über rund 2 km[1.1] entlang des westlichen Ufers der New River Lagoon, einer Inlandlagune und das größte Binnengewässer Belizes.[1.2] Es liegt 35 Kilometer südlich der heutigen Distriktshauptstadt Orange Walk Town.
Wie bei vielen Mayasiedlungen lassen sich die Grenzen der Stadt nicht eindeutig feststellen, da sie an den Rändern stattdessen nur allmählich an Dichte verlieren. Das zentrale Gelände erstreckt sich über 4,5 Quadratkilometer mit acht großen Plazas und enthält 718 Strukturen, von denen 2020 80 ergraben waren.[1.1] Im näheren Umfeld liegen mehrere kleine Stätten, die in enger Beziehung zu Lamanai standen oder Satelliten waren, neben mehreren einzelnen Gehöften[1.3] liegt fünf Kilometer nordwestlich Coco Chan, zehn Kilometer nordwestlich Ka'Kabish[2] und fünfundzwanzig Kilometer östlich das Mittelzentrum Chau Hiix.[3] Vierzig Kilometer östlich lag die bedeutende Mayastadt Altun Ha, 40 Kilometer nordwestlich La Milpa, von ähnlicher Größe wie Lamanai.
Die Ressourcen der Lagune bildeten gemeinsam mit Landwirtschaft die Lebensgrundlage des Ortes und gewährleisteten steten Zugang zu Frischwasser wie auch zu Transportwegen für den Handel. Sie machte Lamanai auch unabhängig von klimatischen Schwankungen wie Dürren und war so wahrscheinlich Voraussetzung für die durchgehende Besiedlung.[4]
Geschichte
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Der Ortsname entstammt dem Mayathan, sein Alter und seine Herkunft sind unbestimmt. Erstmals wird er erwähnt in einem spanischen Dokument des Jahres 1582, dort als Lamanay bzw. Lamayna. Die genaue Bedeutung ist ebenfalls nicht endgültig gesichert, höchstwahrscheinlich bedeutet er "untergetauchtes Krokodil".[1.4]
Älteste Siedlungsspuren datieren auf die Zeit um 1600 v. u. Z.,[4] damit ist Lamanai eine der ersten bekannten Siedlungen der südlichen Tieflandmaya.[5]
In der terminalen Klassik um 1000 wurde der Ort nicht verlassen, da die Lagune sein Überleben sicherte. Allerdings wandelte sich sein Profil, der Bau monumentaler Architekturen verringerte sich und zunehmend wurde Holz als Baumaterial eingesetzt. Keramikfunde aus der Postklassik belegen Beziehungen zur nördlichen Yucatan-Halbinsel und der belizischen Küste (Marco Gonzalez), ebenso wurden aus Oaxacan im heutigen Mexiko importierte Artefakte aus Metall gefunden. Im 16. Jahrhundert entstand eine lokale Metallverarbeitung.[5]
Weiterführende Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Elizabeth A. Graham: 17 Lamanai Reloaded: Alive and Well in the Early Postclassic. In: Archaeological Investigations in the Eastern Maya Lowlands: Papers of the 2003 Belize Archaeology Symposium. Institute of Archaeology National Institute of Culture and H, 2004. S. 223 (PDF). (englisch)
- David M. Pendergast: Stability through change: Lamanai, Belize, from the ninth to the seventeenth century. late lowland Maya civilization: Classic to Postclassic, 1986, S. 223–249. (englisch)
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ Alec McLellan: Settlement change, urbanism, and human and environment interaction at Lamanai and Ka'kabish: two Precolumbian Maya sites in Northern Belize (= BAR International Series. Nr. 3007). BAR Publishing, Oxford 2020, ISBN 978-1-4073-5756-0.
- ↑ Alec McLellan, Helen R. Haines: Equality in the Periphery of Lamanai: Assessing a Maya Community in the 10th and 11th Centuries a.d. In: Journal of Field Archaeology. Band 48, Nr. 5, 4. Juli 2023, S. 350–365, doi:10.1080/00934690.2023.2191420.
- ↑ Christopher R. Andres: Architecture and Sociopolitical Transformation at Chau Hiix, Belize. In: Journal of Field Archaeology. Band 34, Nr. 1, Januar 2009, S. 1–24, doi:10.1179/009346909791071096.
- ↑ a b Jonathan A Hanna, Elizabeth Graham, David M Pendergast, Julie A Hoggarth, David L Lentz, Douglas J Kennett: A New Radiocarbon Sequence from Lamanai, Belize: Two Bayesian Models from One of Mesoamerica’s Most Enduring Sites. In: Radiocarbon. Band 58, Nr. 4, Dezember 2016, S. 2, doi:10.1017/RDC.2016.44.
- ↑ a b David Pendergast: Lamanai. In: Susan T. Evans, David L. Webster (Hrsg.): Archaeology of Ancient Mexico and Central America: An Encyclopedia. Routledge, 2000, ISBN 978-0-8153-0887-4, S. 394.
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Koordinaten: 17° 45′ 9,2″ N, 88° 39′ 16,1″ W