Kuzelit kristallisiert im trigonalen Kristallsystem, entwickelt jedoch nur sehr kleine, tafelige Kristalle bis etwa 2mm Größe mit hexagonalem oder rhomboedrischemHabitus und glasähnlichem Glanz auf den Oberflächen. In reiner Form ist Kuzelit farblos und durchsichtig. Durch vielfache Lichtbrechung aufgrund von Gitterbaufehlern oder polykristalliner Ausbildung kann er aber auch weiß erscheinen und durch Fremdbeimengungen eine blassgelbe Farbe annehmen, wobei die Transparenz entsprechend abnimmt. Seine Strichfarbe ist dagegen immer weiß.
Erstmals gefunden wurde Kuzelit 1996 am Zeilberg bei Maroldsweisach im bayerischen Bezirk Unterfranken. Wissenschaftlich beschrieben wurde das Mineral durch Herbert Pöllmann, Thomas Witzke und H. Kohler, die es nach Hans-Jürgen Kuzel (1932–1997) benannten. Dieser war Mineraloge und Hochschullehrer am Mineralogischen Institut in Erlangen und stellte die chemische Verbindung des Kuzelit erstmals synthetisch her.
Die vollständige Mineralbeschreibung und der gewählte Name wurden bei der International Mineralogical Association zur Prüfung eingereicht (Eingangs-Nr. der IMA: 1996-053), die das Mineral noch im gleichen Jahr als eigenständige Mineralart anerkannte. Die Publikation der Erstbeschreibung erfolgte im Jahr darauf im Wissenschaftsmagazin Neues Jahrbuch für Mineralogie, Monatshefte.
Da der Kuzelit erst 1998 als eigenständiges Mineral anerkannt wurde, ist er in der letztmalig 1977 überarbeiteten 8. Auflage der Mineralsystematik nach Strunz noch nicht verzeichnet.
In der vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchlichen Systematik der Minerale nach Dana hat Kuzelit die System- und Mineralnummer 06.04.12.01. Auch dies entspricht der Klasse der „Oxide und Hydroxide“ und dort der Abteilung „Hydroxide und hydroxyhaltige Oxide“, wo das Mineral als einziges Mitglied in einer unbenannte Gruppe mit der Systemnummer 06.04.12 innerhalb der Unterabteilung „Hydroxide und hydroxyhaltige Oxide mit verschiedenen Kationen“ zu finden ist.
Die Elektronenstrahlmikroanalyse sowie die nasschemische Analyse ergaben einen durchschnittlichen Gehalt von 34,5Gew.-% CaO, 19,6Gew.-% Al2O3, 12,9Gew.-% SO3 und 33,45Gew.-% H2O, was bei einem Anteil von einem Molekül SO4 der empirischen Formel Ca3,83Al2,40(OH)12,86(SO4)·6H2O entspricht.[8]
Weltweit sind für Kuzelit bisher nur vier Vorkommen dokumentiert, die alle in Deutschland liegen (Stand 2024). Neben seiner Typlokalität Zeilberg in Bayern sind dies noch der Steinbruch Caspar und die Seekante (Begriff für den östlichen Teil eines Lavastroms) am Ettringer Bellerberg bei Ettringen (Eifel) sowie der Steinbruch am Rothenberg bei Bell in Rheinland-Pfalz.[11]
Kuzelit kann auch synthetisch beim Abbinden von Zementen entstehen.
Herbert Pöllmann, Thomas Witzke, H. Kohler:Kuzelite, [Ca4Al2(OH)12][(SO4)3·6H2O], a new mineral from Maroldsweisach/Bavaria, Germany. In: Neues Jahrbuch für Mineralogie, Monatshefte. Januar 1997, S.423–432 (englisch).
John Leslie Jambor, Nikolai N. Pertsev, Andrew C. Roberts:New Mineral Names. In: American Mineralogist. Band83, 1998, S.907–910 (rruff.info[PDF; 69kB; abgerufen am 18.Oktober 2024] Kuzelite ab S. 909).
123Stefan Weiß:Das große Lapis Mineralienverzeichnis. Alle Mineralien von A – Z und ihre Eigenschaften. Stand 03/2018. 7., vollkommen neu bearbeitete und ergänzte Auflage. Weise, München 2018, ISBN 978-3-921656-83-9.
↑David Barthelmy:Kuzelite Mineral Data.In:webmineral.com.Abgerufen am 18.Oktober 2024(englisch).
1234Hugo Strunz, Ernest H. Nickel:Strunz Mineralogical Tables. Chemical-structural Mineral Classification System. 9. Auflage. E. Schweizerbart’sche Verlagsbuchhandlung (Nägele u. Obermiller), Stuttgart 2001, ISBN 3-510-65188-X, S.244 (englisch).
123
Kuzelite. In: John W. Anthony, Richard A. Bideaux, Kenneth W. Bladh, Monte C. Nichols (Hrsg.): Handbook of Mineralogy, Mineralogical Society of America. 2001 (englisch, handbookofmineralogy.org[PDF; 53kB; abgerufen am 18.Oktober 2024]).
123Kuzelite.In:mindat.org.Hudson Institute of Mineralogy,abgerufen am 18.Oktober 2024(englisch).
12John Leslie Jambor, Nikolai N. Pertsev, Andrew C. Roberts:New Mineral Names. In: American Mineralogist. Band83, 1998, S.907–910 (rruff.info[PDF; 69kB; abgerufen am 18.Oktober 2024] Kuzelite ab S. 909).