Kurt Matull

Kurt Matull (eigentlich Eduard Carl Otto Wangemann; * 25. Februar 1872 in Treptow an der Rega; † 18. Oktober 1919 in Bad Oeynhausen) war ein deutscher Schriftsteller, Journalist, Regisseur, Drehbuchautor und Filmproduzent beim Stummfilm.
Leben
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Matull war der älteste Sohn von Otto Wangemann und Agnes Charlotte Rosa, geborene Berns.[1] Er besuchte für einige Jahre das Gymnasium in Charlottenburg, ehe er sein Elternhaus wegen eines sich zuspitzenden Konflikts mit dem Vater im Alter von 16 Jahren verließ.
Matull-Wangemann war dreimal verheiratet. 1896 heiratete er Marie Matull.[2] Der erste Sohn aus der Beziehung war Kurt Fritz Matull (* 1896, † 1945).[3][4] Weitere Kinder aus dieser Ehe sind eine totgeborene Tochter († 1897)[5] sowie der zweite Sohn Hans Otto Wangemann (* 1901, † 1918).[6][7]
Bereits kurz vor der Scheidung von Marie Matull heiratete Kurt Matull 1908 in London Helene Sturm,[8] die 1909 im Alter von 27 Jahren starb.[9] Im Jahr darauf ging Matull mit der Sprachlehrerin Anna Maria Elsbeth „Else“ Szczodrowski (1884–1933)[10] seine dritte Ehe ein.[11] Kurz nach der Heirat erkannte er den 1904 geborenen Hans Otto Reinhold Szczodrowski als seinen leiblichen Sohn an.[12] Die Ehe wurde am 12. Mai 1912 durch Urteil des Königlichen Landgerichts III in Berlin für nichtig erklärt,[11] bestand aber anscheinend fort. Bei der Eintragung von Elsbeth Wangemann als Gesellschafterin der Phöbus-Film in das Berliner Handelsregister am 4. April 1916 wurde festgehalten: „Als Einlage auf das Stammkapital werden in die Gesellschaft eingebracht von der Gesellschafterin Frau Elsbeth Wangemann drei von ihrem Ehemann, Herrn Eduard Wangemann genannt Matull, herrührende Films...“.[13] Anzumerken ist, dass die Vornamen Kurt oder Eduard für Matull-Wangemann oft variierten.
Kurt Matull lebte viele Jahre in Berlin-Halensee am Kronprinzendamm 1. Er starb 1919 während eines Aufenthalts im westfälischen Kurort Bad Oeynhausen.[14]
Beruf und künstlerische Tätigkeit
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Nach dem frühen Auszug aus dem Elternhaus ermöglichte ihm sein malerisches Talent über einige Jahre ein karges Auskommen. Matull bereiste in jenen Jahren die Schweiz, Frankreich und Italien. Als der Versuch scheiterte, sich in München als Maler weiterzubilden, kehrte er nach Berlin zurück, wo er in ärmlichen Verhältnissen lebte und sich der Schriftstellerei zuwandte.[15] 1893 soll er sein erstes Theaterstück (Frauen von heute) geschrieben haben. Allmählich gewachsene Kontakte ermöglichten es ihm noch vor 1900, einige seiner dramatischen Werke wenigstens zum Vortrag zu bringen.[15] Überliefert sind aus dieser Zeit aber zwei andere Schriften, die er im Verlag Wilhelm R. Berndt veröffentlichen konnte: Einerseits die inhaltlich unbekannt gebliebene Broschüre Sensationell! Wird Dreyfus verurtheilt?,[16] andererseits eine mit dem Titel Licht. Kurze Schilderung des Lichtheilverfahrens und seiner Erfolge. Ein Mahnwort an Gesunde und Kranke.
1901 verließ er Berlin und arbeitete für ein halbes Jahr als Hausdiener in Hotels in Paris, ehe er noch im selben Jahr mit seiner Frau in die USA zog. Dort dauerte es eine Zeit lang, bis er ab etwa 1902/03 in New York City Beiträge für die Evening Post, die New York World, den New York Herald und für das Everybody’s Magazine liefern konnte. Zwischen August 1903 und April 1904 sicherte sich ein gewisser Charles Racine Tyler in USA das Copyright für insgesamt 13 Theaterstücke Matulls, die teilweise Jahre später in Berlin unter deutschem Titel verlegt wurden.[17]
1905 kehrte er nach Deutschland zurück, auch weil Ferdinand Bonn, den er in New York kennengelernt hatte, ihm eine Stelle als Dramaturg am Berliner Theater vermittelte. Er schrieb weiterhin zahlreiche Stücke, vor allem Lustspiele, aber auch Dramen. Zu seinen Werken zählen Der Fürst der Bretter, Der rote Pfarrer, Annemarie, Der große Unbekannte, Die arme Mieze und Die falsche Hochzeit. Darüber hinaus verfasste er ab 1908 Groschenheft-Sensationsgeschichten um Helden wie Nick Carter und Lord Lister, die auch im Ausland erfolgreich waren, beteiligte sich 1909 am Jugendroman John Workman – Der Zeitungsboy, verarbeitete seine USA-Erfahrungen in dem Roman Volldampf – Geschichte eines Jungen in Amerika und schrieb während des Ersten Weltkriegs auch patriotische Stoffe, wie etwa den 1915 erschienenen Roman Gott erhalte Franz den Kaiser!. Außerdem betätigte er sich als Operettenlibrettist für Giuseppe Becce.
In den frühen 1910er Jahren wechselte Matull zur Kinematographie, arbeitete als Regieassistent und begann Drehbücher zu verfassen. Mit dem fantastischen Stoff Der Schienenweg unterm Ozean debütierte er im Juli 1914, unmittelbar vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs, an der Seite von Siegfried Dessauer als Regisseur. Matull machte sich während des Krieges vor allem einen Namen mit schwerblütigen Melodramen, in denen zu dieser Zeit populäre Schauspielerinnen wie Fern Andra und Pola Negri die Hauptrollen übernahmen. Außerdem inszenierte und produzierte er mehrfach deutsch-nationale, hurrapatriotische Stoffe.[18] Im Februar 1916 beteiligte er sich an der Gründung der Phöbus-Film GmbH (1916–1917). Geschäftsführer war der Kaufmann Ismar Stern.[19]
Für seine letzten literarischen Werke (z. B. Das rotgetupfte Hemd) nutzte Wangemann den Mädchennamen seiner Mutter als Pseudonym, indem er diese unter dem Namen Kurt Berns veröffentlichte.
Filmografie
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]als Regisseur, Drehbuchautor oder Produzent[20]
- 1914: Das verräterische Wasserzeichen
- 1914: Der Schienenweg unterm Ozean
- 1915: Gesprengte Ketten
- 1915: Kaspar Hauser
- 1915: Der Zeitungsriese
- 1915: Der Intrigant
- 1915: Raffles, das Rätsel der Großstadt
- 1915: Als die Sabbatlichter erloschen
- 1915: Es fiel ein Reif in der Frühlingsnacht
- 1915: Eine Motte flog zum Licht
- 1916: Butter
- 1916: Es war einst ein Prinzeßchen
- 1916: Frau Lotte
- 1916: Die Glücksmäuse (Kurzfilm)
- 1916: Die lustige Geschichte des Raffles, zwanzigtausend Mark Belohnung
- 1916: Das Stärkste ist die Liebe
- 1916: Es lebe der Kaiser. Dem Mutigen gehört die Welt
- 1916: Das Gold im Westen (Kurzfilm)
- 1916: Wildwasser
- 1916: …und wer kein Kreuz und Leiden hat
- 1917: Hoch klingt das Lied vom U-Boot-Mann
- 1917: Zügelloses Blut
- 1917: Lachtorpedo Nr. 1
- 1917: Ben Kabara
- 1917: Die Ährenleserin
- 1917: Küsse, die man stiehlt im Dunkeln
- 1917: Nicht lange täuschte mich das Glück
- 1917: Die toten Augen
- 1917: Wenn das Herz in Haß erglüht
- 1917: Das verrufene Schloß Greifenstein
- 1917: Rosen, die der Sturm entblättert
- 1917: Das Geheimnis der Wetterfahne
- 1917: Die Spur im Schnee
- 1918: Suchomlinow
- 1918: Gefallene Blätter
- 1918: Falsches Geld
- 1919: Raffles
- 1919: Hiob
- 1919: Die Leibeigene
- 1919: Herbststürme
Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Franz Brümmer: Lexikon der deutschen Dichter und Prosaisten vom Beginn des 19. Jahrhunderts bis zur Gegenwart. Bd. 4, 6. Aufl., Leipzig 1913, S. 389 f. (online).
- Wilhelm Kosch (Hrsg.): Deutsches Theater-Lexikon. Band 2: Hurka–Pallenberg. Verlag Ferdinand Kleinmayr, Klagenfurt/Wien 1960, DNB 457278366, S. 1385 (online bei De Gruyter).
- Frank O. Hrachowy: Der Autor als Agentur der Moderne. Hans Dominik und die Transformation populärer Literatur. München 2010, S. 121–124 (eingeschränkte Vorschau).
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Kurt Matull bei IMDb
- Kurt Matull bei filmportal.de
Anmerkungen und Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ Landesarchiv Greifswald, Taufregister St. Marien in Treptow an der Rega, Nr. 47/1872 (online bei Ancestry, kostenpflichtig).
- ↑ Landesarchiv Berlin, Heiratsregister Standesamt Charlottenburg, Nr. 728/1896 (online bei Ancestry, kostenpflichtig).
- ↑ Landesarchiv Berlin, Geburtsregister Standesamt Charlottenburg, Nr. 1771/1896 (online bei Ancestry, kostenpflichtig). Kurt Fritz wurde unehelich geboren, aber nach der Heirat seiner Eltern im August 1896 vom Vater als leibliches Kind anerkannt.
- ↑ Landesarchiv Berlin, Sterbebuch Standesamt Charlottenburg von Berlin, Nr. 389/1952 (online bei Ancestry, kostenpflichtig).
- ↑ Landesarchiv Berlin, Sterberegister Standesamt Charlottenburg, Nr. 1818/1897 (online bei Ancestry, kostenpflichtig).
- ↑ Landesarchiv Berlin, Geburtsregister Standesamt Charlottenburg I, Nr. 669/1901 (online bei Ancestry, kostenpflichtig).
- ↑ Landesarchiv Berlin, Sterberegister Standesamt Berlin XII b, Nr. 3218/1918 (online bei Ancestry, kostenpflichtig).
- ↑ General Register Office, Register of Marriages in the Registration District of Strand, Bd. 1 b, S. 691 (vgl. Index bei Ancestry, kostenpflichtig).
- ↑ Landesarchiv Berlin, Sterberegister Standesamt Berlin III, Nr. 1203/1909 (online bei Ancestry, kostenpflichtig).
- ↑ Landesarchiv Berlin, Sterberegister Standesamt Berlin-Friedenau, Nr. 85/1933 (online bei Ancestry, kostenpflichtig).
- 1 2 Landesarchiv Berlin, Heiratsregister Standesamt Deutsch-Wilmersdorf, Nr. 722/1910 (online bei Ancestry, kostenpflichtig).
- ↑ Landesarchiv Berlin, Geburtsregister Standesamt Schöneberg, Nr. 116/1905 (online bei Ancestry, kostenpflichtig).
- ↑ Lichtbild-Bühne, 9. Jahrgang, April 1916, Nr. 15, S. 60 (online).
- ↑ Personenstandsarchiv Westfalen-Lippe, Sterberegister Standesamt Bad Oeynhausen, Nr. 101/1919 (online).
- 1 2 Franz Brümmer: Lexikon der deutschen Dichter und Prosaisten vom Beginn des 19. Jahrhunderts bis zur Gegenwart. Bd. 4, 6. Aufl., Leipzig 1913, S. 389 f. (online).
- ↑ Judaica. A Short-Title Catalogue of the Books, Pamphlets and Manuscripts relating to the political, social and cultural History of the Jews and the Jewish Question. In the Library of Ludwig Rosenberger. Cincinnati 1979, S. 16 (online).
- ↑ Dramatic Compositions copyrighted in the United States 1870 to 1916. Library of Congress. Copyright Office, Bände 1 und 2, Washington 1918 (Band 1; Band 2).
- ↑ Als Beispiel die Anzeige zu seinem U-Boot-Film in: Lichtbild-Bühne, 10. Jahrgang, April 1917, Nr. 16, S. 68–70 (online).
- ↑ Handelsregister Berlin HRB Nr. 14041.
- ↑ Anzunehmen ist, dass Kurt Matull bei vielen seiner Filme sowohl als Regisseur wie auch als Drehbuchautor fungierte, allerdings ist dies aufgrund der schlechten Quellenlage nicht immer nachweisbar.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Matull, Kurt |
| ALTERNATIVNAMEN | Matull, Curt; Berns, Kurt (Pseudonym); Wangemann, Eduard Carl Otto (wirklicher Name) |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Schriftsteller, Journalist, Regisseur, Drehbuchautor und Filmproduzent |
| GEBURTSDATUM | 25. Februar 1872 |
| GEBURTSORT | Treptow an der Rega, Provinz Pommern, Königreich Preußen, Deutsches Reich |
| STERBEDATUM | 18. Oktober 1919 |
| STERBEORT | Bad Oeynhausen, Provinz Westfalen, Freistaat Preußen, Deutsches Reich |