Prolog. Das Lied des Narren. Der Narr stellt dem Publikum den alten König Lear und dessen drei Töchter vor und weist auf den Inhalt seines Liedes hin, in dem ein König zum Narren werde.
Szene 1. Lears Palast. Um sein Erbe zu klären, teilt der alte König Lear noch zu Lebzeiten sein Reich unter seinen drei Töchtern Goneril, Regan und Cordelia auf. Diejenige, die ihn am meisten liebt, soll den größten Anteil erhalten. Der Reihe nach müssen sie über die Art ihrer töchterlichen Liebe Auskunft geben. Nachdem Goneril und Regan sich gegenseitig in geheuchelten Schmeicheleien überboten haben, bleibt die jüngste Tochter Cordelia ehrlich und erklärt, dass sie ihre Liebe nicht in Worte fassen könne. Sie liebe ihn wie ein Kind seinen Vater und werde ihm immer gehorchen, ihn lieben und ehren. Später werde sie aber ihre Liebe zwischen ihm und ihrem Ehemann aufteilen. Lear verstößt sie wütend und überantwortet ihren Erbteil den beiden älteren Töchtern. Anschließend verkündet er Gonerils und Regans Ehemännern Albany und Cornwall seine Entscheidung, ihnen das Reich zu überlassen. Er will lediglich ein Gefolge aus 100 Rittern behalten. Cordelias Verlobter, der König von Frankreich, trifft ein. Er steht trotz ihrer Enterbung weiterhin zu Cordelia und reist mit ihr zusammen ab. Die alleine zurückgebliebenen Schwestern unterhalten sich zynisch über ihren ihrer Meinung nach unzurechnungsfähigen Vater. Sie wollen seine verbliebene Macht weiter einschränken.
Szene 2. Gloucesters Schloss. Edmund, der illegitime Sohn des Earls von Gloucester, kann nicht akzeptieren, dass er im Vergleich mit seinem älteren und rechtmäßigen Bruder Edgar benachteiligt ist. Er beschließt, dessen Erbe durch eine Intrige an sich zu reißen. Mit einem gefälschten Brief überzeugt er seinen Vater davon, dass Edgar an einem Komplott gegen ihn beteiligt sei. Gloucester bezweifelt das zunächst und fordert Edmund auf, mehr über die Hintergründe herauszufinden. Edmund warnt Edgar nun vor dem Zorn des Vaters und überredet ihn zur Flucht. Anschließend fügt er sich selbst eine Verwundung zu und behauptet, dass Edgar ihn angegriffen habe, weil er sich nicht an dem Mordplan gegen ihren Vater beteiligen wollte. Gloucester lässt sofort nach Edgar suchen und erklärt Edmund zu seinem Erben.
Szene 3. Wald. Nachdem Edgar seinen Verfolgern entkommen ist, indem er sich in einem hohlen Baum versteckte, verkleidet er sich als Bettler. Er nennt sich fortan Tom Turlygood, der „arme Tom“.
Szene 4. Cornwalls Schloss. Lear lebt mit seinem Gefolge im Schloss seiner Tochter Regan und dessen Mann Cornwall. Regan ärgert sich immer mehr über sein Verhalten. Zudem schlägt sein Gefolge über die Stränge. Die Ritter wiederum weisen Lear darauf hin, wie respektlos ihn seine Tochter behandle. Auch der Narr gibt ihm zu verstehen, dass er sich selbst zum Narren gemacht habe. Regan fordert Lear nachdrücklich auf, sein Gefolge weiter zu reduzieren. Lear lehnt das ab. Er verflucht Regan und hofft, bei Goneril eine bessere Aufnahme zu finden. Diese jedoch hält zu ihrer Schwester und fordert ihren Vater auf, sich bei ihr zu entschuldigen. Sie ist auch nicht bereit, ihn mitsamt seinem Gefolge in ihrem Schloss aufzunehmen. Erst behauptet sie, sie habe nur Platz für 25 seiner Männer, dann will sie überhaupt keine Ritter mehr dulden. Lear verflucht beide Töchter und geht wütend hinaus. Da bricht ein Sturm aus, und die Schlosstore werden verschlossen.
Szene 5. Gloucesters Schloss. Gloucester beklagt sich bei Edmund darüber, dass er in seinem eigenen Schloss schikaniert wurde, nachdem er seine fortgesetzte Treue zu König Lear bekundet hatte. Er vertraut seinem Sohn einen Brief über die Landung der französischen Armee an. Edmund sieht daran eine Gelegenheit, seinen Vater endgültig zu vernichten. Er gibt den Brief an Cornwall weiter.
Szene 6. Wald. Lear hat inzwischen den Verstand verloren. Er wandert zusammen mit dem Narren ziellos im Wald umher, wo er auf den Armen Tom, d. h. den als Bettler verkleideten Edgar, trifft. Lear will gerichtlich gegen seine Töchter vorgehen.
Szene 7. Albanys Schloss. Gonerils Mann Albany ist entsetzt über das Verhalten der Schwestern Lear gegenüber. Er versteht nicht, warum sein Schwager Cornwall das zugelassen hat. Goneril, die längst ein heimliches Verhältnis mit Edmund hat, wirft ihrem Mann Schwäche gegenüber der französischen Bedrohung vor. Da berichten Boten, dass Cornwall von seinem eigenen Diener erschlagen wurde, als er und Regan Gloucester blendeten, dem sie Spionage für Frankreich vorwarfen. Albany beschließt, Gloucester zu unterstützen und zu rächen. Goneril hingegen befürchtet, dass Regan, die nun Witwe ist, ihr Edmund ausspannen könnte.
Szene 8. Wald. Auch der geblendete Gloucester irrt durch die Gegend. Er begegnet seinem verkleideten Sohn Edgar, den er nicht erkennt, und bittet ihn um Geleit nach den Klippen von Dover. Edgar ahnt, dass sein Vater sich in den Tod stürzen will, und führt ihn zu einer flachen Gegend, die er dem Blinden als tiefen Abgrund beschreibt. Da erscheint der wahnsinnige König Lear. Die beiden alten Männer klagen einander ihr schlimmes Schicksal. Ritter treffen ein, um Lear zu seiner Tochter Cordelia zu bringen. Gloucester würde Lears Wahnsinn seiner eigenen Situation vorziehen.
Szene 9. Das Britische Lager bei Dover. Vor der Schlacht mit den Franzosen versucht Regan, Edmund an sich zu binden. Edmund beruhigt sie damit, dass Goneril gemeinsam mit ihrem Mann gekommen sei. Albany hat erfahren, dass sich Lear ebenso wie viele unzufriedene Briten auf die Seite Cordelias geschlagen habe. Er selbst betrachtet sie und die anderen nicht als Feinde, sorgt sich aber wegen der Franzosen. Es kommt zum Streit zwischen den Schwestern. Edmund ist sich unschlüssig, welche der beiden seinen Plänen mehr nützen könne. Er liest einen Brief, in dem Goneril ihn auffordert, ihren Mann nach der Schlacht zu beseitigen und seine Stelle an ihrer Seite einzunehmen. Im Gegensatz zu Albany will er Lear und Cordelia keine Gnade zeigen. Wenig später beginnt die Schlacht.
Szene 10. Das Britische Lager. Die Briten haben gesiegt und Lear und Cordelia gefangen genommen. Die beiden sind wieder versöhnt, und Lear hat seinen Verstand wiedergefunden. Trotz ihrer Gefangenschaft sehen sie zuversichtlich in die Zukunft. Edmund und Albany streiten über den Umgang mit Lear und seiner Tochter. Regan ergreift Partei für „ihren Repräsentanten“ Edmund. Goneril wendet sich gegen sie. Nach einem Schwächeanfall zieht sich Regan zurück. Da erscheint ein Ritter, der seinen Namen nicht nennen will, und fordert den „Verräter“ Edmund zum Duell. Der kann nicht ablehnen und wird von dem Ritter geschlagen. Edmund zeigt für einen Moment Reue und gibt Albany Gonerils Brief mit dem Mordauftrag. Der Ritter gibt sich als sein Bruder Edgar zu erkennen. Beide sind bereit, sich zu versöhnen. Als sich Goneril jedoch auf Edmunds Seite stellt, um den Konflikt fortzusetzen, offenbart Albany ihre eigene Schuld anhand des Briefes. Sie flieht. Edgar informiert die anderen über den Tod seines Vaters Gloucester. Kurz darauf trifft die Nachricht von Gonerils Selbstmord ein, die vor ihrem Tod noch gestanden habe, ihre Schwester Regan vergiftet zu haben. Im Angesicht seines nahenden Todes gesteht Edmund, dass er Befehl gegeben habe, Lear und Cordelia zu töten. Er schickt seine Leute zum Schloss, um das zu verhindern. Dazu ist es jedoch zu spät. Lear betrauert bereits die tote Cordelia und stirbt anschließend gebrochenen Herzens an ihrer Seite. Der Narr kommentiert: „The weight of this sad time we must obey. Speak what we feel, not what we ought to say.“ (‚Laßt uns, der trüben Zeit gehorchend, klagen, nicht, was sich ziemt, nur, was wir fühlen, sagen.‘)