Der niederländische Blazer[7][8] Ebenhaëzer mit der Kennung ZK 14 (ex ZK 74) wurde von Betto und Maarten Bolt aus dem nordholländischen Zoutkamp (Schiffskennung ZK) betrieben. Der Name steht für die niederländische Schreibweise des biblischen Ortes Eben-Ezer (hebr. אבן העזר, Even HaʿEzer), an dem die Israeliten (hebr. בני ישראל Bnei Yisra'el) gegen die Philister (hebr. פְּלִשְׁתִּים, Plištim) kämpften. Zwischen 1911 und etwa dem Ende der 1920er Jahre fingen die Gebrüder Bolt insbesondere Garnelen, Muscheln, Schollen und in geringerem Umfang Heringe. Ihr Schiff wurde 1911 von einer niederländischen Werft auf Kiel gelegt.[9] Seine genaue Herkunft und frühe Geschichte sind jedoch auch in seinem Heimathafen nicht dokumentiert.[10]
Luserke, der bereits seit seiner Kinderzeit, konkret jedoch seit etwa 1929 mit dem Gedanken spielte, zur See zu gehen,[5] hatte 1931 im ostfriesischen Leer das Steuermannspatent auf kleiner Fahrt gemacht. Als er das Schiff am 25. Februar 1934 zum Preis von 400 niederländischen Gulden in Zoutkamp erwarb, hatte es wohl bereits seit mehreren Jahren aufgelegen und war trotz seiner soliden Bauweise aus Eichenholz in einem teilweise maroden Zustand.[11] Während der viertägigen Überführungsfahrt von Zoutkamp ins ostfriesische Oldersum brach die Kajüte zusammen.
Von der Werft in Oldersum ließ Luserke die künftige Krake umbauen, insgesamt restaurieren und zu einem bewohnbaren Schiff ausbauen.[12] Es erhielt unter anderem erstmals ein Ruderhaus, auf dem Vorschiff ein erhöhtes Kabinendach, um unter Deck Stehhöhe zu erreichen, und einen neuen Deutz-Zweizylindermotor für Dieselrohöl.[13] Die alte Kennung ZK 14, die auf den Heimathafen Zoutkamp verwies, beließ Luserke unverändert auf dem großen Gaffelsegel, während sie am Bug weiß überstrichen und durch den schwarzen Schriftzug Krake ersetzt wurde. Ausweislich der vorhandenen Fotos wurde der Name am Bug erst kleiner, später deutlich größer ausgeführt. Der Plattboden erhielt einen schwarzen Anstrich, Metallteile waren silberfarben.
Gemeinsam mit seinem anfänglich fünfzehnjährigen Sohn Dieter (1918–2005), der gemäß den Vorschriften der See-Berufsgenossenschaft zuerst als Decksjunge, dann als Jungmann, Leichtmatrose und schließlich als Matrose angeheuert hatte und in der Musterrolle verzeichnet war, befuhr er in den folgenden Jahren die flachen Küstengewässer der Nord- und Ostsee zwischen den niederländischen westfriesischen Inseln, den deutschen ostfriesischen und nordfriesischen Inseln, Dänemark, dem Süden Norwegens und Schwedens, Fehmarn, Hiddensee und Rügen, aber auch Kanäle, Flüsse, Ströme und Seen zwischen beiden Meeren. Sein Ziel war es, historische Seewege der Wikinger zu erkunden.[14]
Bis Ende 1938 setzte Martin Luserke das Schiff als seine schwimmende Dichterwerkstatt ein und verwirklichte auf diese Weise einen Teil seiner Vorstellungen von einem relativ ungebundenen Leben an den nordischen Küsten und auf See. Auch ein professioneller Seemann namens Willms wurde zeitweise dafür angeheuert.[13] Einschränkendes Hindernis dieser Segeltörns waren die Zoll- und Ausfuhrbestimmungen des Deutschen Reiches, nach denen jede Person der Schiffsbesatzung nur 10 Reichsmark in Münzen mitführen durfte.[15] Die mussten für den gesamten Trip genügen, so dass die von Beginn an mitgeführte Zuteilung an Betriebsstoffen und der Proviant im Wesentlichen ausreichen mussten, natürlich ergänzt durch Fischfang für den Eigenbedarf. Als ein winterlicher Ankerplatz ist beispielsweise der Schweriner See überliefert.[1]
Die erste Seefahrt mit nagelneuem Motor unter dem Namen Krake führte am Sonntag, dem 15. Juli 1934, von Oldersum nach Juist, von Luserke bis in den August 1934 als Heimathafen genutzt. Ab dem letzten Quartal 1934 wurde die Krake im Seeschifffahrtsregister Emden geführt, jedoch fälschlich als Tjalk.[16] Zurückzuführen ist das möglicherweise auf die hinzugefügten Aufbauten, über die ein Blazer typischerweise nicht verfügt. Durch das Hinzufügen eines Ruderhauses wird aus einem Blazer jedoch keine Tjalk.
Im Jahr 1935 kam u. v. a. der österreichische Pressefotograf Lothar Rübelt an Bord der Krake und fertigte eine Reihe von Aufnahmen an, die teils veröffentlicht wurden.[17] Bei den Weblinks dieses Artikels findet sich ein Verweis zu einem dieser Pressefotos, das Dieter Luserke 1935 an Bord der Krake am 13 Meter hohen Schiffsmast zeigt. Durch Homestories in überregionalen Zeitschriften, ausgelöst durch Luserkes erfolgreiche Buchveröffentlichungen, wurde die Krake vor allem im deutschen Sprachraum sehr bekannt.
Von der Stadt Emden war Luserke in besonderer Weise fasziniert. Zum Überwintern mietete er dort in der Nähe seiner Anlegestelle im Falderndelft eine Wohnung in der Beuljenstraße 4 an, die er mit seinem Sohn bewohnte, während das Schiff überholt wurde. Daher entstanden in Emden einige seiner literarischen Werke, die in den 1930er und 1940er Jahren zu Bestsellern wurden, darunter auch sein 1935 mit dem Literaturpreis der Reichshauptstadt Berlin prämierter Roman Hasko.[18]
Ein ganz spezielles Verhältnis entwickelte Luserke jedoch zu seinem Werk Obadjah und die ZK 14, in das er das Schiff ebenso integrierte wie in weitere seiner Werke.[19][20][21][22]
Ende 1938 legte Luserke unplanmäßig in Meldorf (Holstein) an und überwinterte dort, um sich dann gemäß eigener Aussage in einem NDR-Hörfunkinterview nach dem zweiten Überwintern 1940 fest dort anzusiedeln. Dort richtete er sich sein an eine Kajüte erinnerndes Arbeitszimmer als „Werkstatt“ ein und dekorierte es mit den Schnitzereien aus der Krake, deren Ankerlampe und dem einst am Schiffsmast bei besonderen Anlässen aufgezogenen Festtagswimpel.[12] 1939 wurden aufgrund der Devisenknappheit des Deutschen Reiches die Zuteilungen von Betriebsstoffen und des für den Zoll verplombten Proviants für private Schiffe gesperrt. Dabei dürfte auch der in Aussicht genommene Kriegsbeginn eine Rolle gespielt haben, als die Küstenregionen vermint wurden, so dass die Aufgabe der Segeltörns gezwungenermaßen zustande kam.[23]
Am 18. Juni 1944 wurde die Krake bei einem alliierten Bombenangriff auf der Werft in Hamburg-Finkenwerder durch Volltreffer vollständig zerstört.[3]