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Konfabulation

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Klassifikation nach ICD-11
MB21.3 Konfabulation
ICD-11: Englisch • Deutsch (Vorabversion)

Unter Konfabulation bzw. konfabulieren (wie lat. confabulatio, ‚Erzählung‘, von fabula, ‚Fabel‘, ‚Geschichte‘, ‚Märchen‘) versteht man in der Psychopathologie die Produktion objektiv falscher Erinnerungen. Diese beruhen auf falschen Wahrnehmungen oder Fehlfunktionen des Gedächtnisses, z. B. wenn jemand mehr Informationen aus seinem Gedächtnis abzurufen versucht, als tatsächlich gespeichert sind (sog. provozierte Konfabulationen).

Davon abzugrenzen ist Fabulieren, das nicht im Zusammenhang mit Störungen gebraucht wird. Es beschreibt das „normale“ phantasievolle Erzählen, Geschichten erfinden und ausschmücken.[1]

Formen und Ursachen

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Eine spezielle Variation beruht auf dem Versagen eines vorbewussten Filters, das die kortikale Repräsentation eines aufkommenden Gedankens je nach seinem Bezug zur aktuellen Gegenwart anpasst. Ein Versagen dieses Mechanismus führt zu spontanen Konfabulationen und Desorientiertheit mit einem Verkennen der aktuellen Gegenwart. Nur diese Form hat eine klare anatomische Bedeutung: Sie beruht auf einer Schädigung des sogenannten orbitofrontalen Kortex, einer Region unten am Gehirn, oberhalb der Augen. Besondere Aufmerksamkeit hat sie bei organisch bedingten Prozessen bekommen, z. B. beim amnestischen Korsakow-Syndrom. Synonyme Bezeichnung auch Expansiv-konfabulatorisches Syndrom.[2]

Konfabulationen werden geprüft durch mehrmaliges Erfragen desselben Ereignisses. Der Konfabulierende füllt die Gedächtnislücken mit immer wieder neuen Inhalten, die er für Erinnerungen hält.[3]

Eine besondere Rolle spielen Konfabulationen auch im Bereich der forensischen Psychologie, besonders im Zusammenhang mit dem Problem der Glaubhaftigkeit von Zeugenaussagen (Aussagepsychologie). In diesem Zusammenhang wird eine anhaltende Kontroverse um Suggestibilität und das False-Memory-Syndrom geführt.

  • Der Schweizer Schriftsteller Benjamin Wilkomirski veröffentlichte 1995 ein autobiografisches Werk über seine angeblichen Holocaust-Erfahrungen, das sich 1998 als Konfabulation erwies (siehe Wilkomirski-Syndrom).
  • Mandela-Effekt ist ein Begriff, der sich als Internetphänomen für von mehreren Individuen kollektiv angenommene falsche Erinnerung etablierte. Der Begriff wurde von der Bloggerin Fiona Broome geprägt und baut auf einem Erlebnis auf, bei dem sich mehrere Personen während einer Gesprächsrunde zu erinnern meinten, Nelson Mandela sei bereits während seiner Haftzeit in den 1980er Jahren verstorben. Einige gaben sogar an, sie könnten sich an seine Beerdigung erinnern, welche im Fernsehen übertragen worden sein soll.[4] Die Encyclopædia Britannica definiert den Effekt als kollektive falsche Erinnerungen an Ereignisse, die nie stattgefunden haben.[5]
  • Daniel Schacter: The Seven Sins of Memory: How the Mind Forgets and Remembers. Mariner Books, Boston 2002, ISBN 0-618-21919-6.
Wiktionary: Konfabulation – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise

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  1. ↑ Duden | fabulieren | Rechtschreibung, Bedeutung, Definition, Herkunft. Abgerufen am 12. Juli 2024.
  2. ↑ KONFABULATIONEN: Überspielen von Gedächtnislücken durch Erzählen zufälliger Einfälle. Abgerufen am 12. Juli 2024.
  3. ↑ Michael Rentrop, Rupert Müller, Hans Willner: Klinikleitfaden Psychiatrie Psychotherapie. 5. Aufl. Elsevier, Urban & Fischer, München 2013, ISBN 978-3-437-23147-6.
  4. ↑ Helmut Stapel: Mandela-Effekt: Weshalb wir uns an Dinge erinnern, die in Wirklichkeit gar nicht passiert sind. In: Geo. 14. April 2022, abgerufen am 24. September 2026.
  5. ↑ Michael McDonough: Mandela-Effekt. In: Encyclopædia Britannica. Abgerufen am 24. September 2026 (englisch).