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Kientzheim

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Kientzheim
Kientzheim (Frankreich)
Kientzheim (Frankreich)
Staat Frankreich
Region Grand Est
Département Haut-Rhin
Arrondissement Colmar-Ribeauvillé
Gemeinde Kaysersberg Vignoble
Koordinaten 48° 8′ N,  17′ OKoordinaten: 48° 8′ N,  17′ O
Postleitzahl 68240
Ehemaliger INSEE-Code 68164
Eingemeindung 1. Januar 2016
Status Commune déléguée

Kientzheim (deutsch Kienzheim) ist eine ehemalige französische Gemeinde mit 670 Einwohnern (Stand: 1. Januar 2023) im Département Haut-Rhin in der Region Grand Est. Sie gehörte zum Colmar-Ribeauvillé (Rappoltsweiler) und zum Kanton Sainte-Marie-aux-Mines.

Mit Wirkung vom 1. Januar 2016 wurden die früheren Gemeinden Kaysersberg, Kientzheim und Sigolsheim zu einer Commune nouvelle mit dem Namen Kaysersberg Vignoble zusammengelegt.

Kientzheim liegt am Rand der Vogesen, am Austritt des Flusses Weiss aus dem Gebirge in die Oberrheinische Tiefebene. Das Gebiet gehört zum Regionalen Naturpark Ballons des Vosges. Das Dorf liegt ungefähr zehn Kilometer nordwestlich des Stadtzentrums von Colmar.

Unmittelbar östlich von Kientzheim trennt eine N-S-verlaufende Verwerfung die aus einem Bruchschollenfeld mesozoischer und tertiärer Sedimente bestehende Vorbergzone von den Granithängen des Vogesengrundgebirges. Die Vorbergzone, hier ein Mosaik von Muschelkalk-, Keuper-, Jura- und Oligozänschollen, wird von der Weiss durchschnitten. Der Ort Kientzheim liegt auf den Schottern dieses hier in die Rheinebene austretenden Flusses.   

Kientzheim wurde schon 785 als Chonesheim zwei Mal in einem Güterverzeichnis der Abtei Fulda, der hier Ländereien gehörten, erwähnt (Regnum Francorum online FUB 163f.). Auch hatte die Zürcher Abtei St. Felix und Regula hier Besitz. Auch in kaiserlichen Schenkungen taucht Kientzheim auf, so 878 durch Karl III. und 952 durch Otto III (Regnum Francorum online D_Karl 008, D_O_1 146). Die Herren der Ortschaft wechselten häufig. Zu ihnen gehörten zeitweise die Herren von Egisheim, die Herren von Pfirt oder die von Hohlandsberg. 1347 erhielt der Ort durch Erzherzog Leopold von Österreich das Stadtrecht. Im 16. Jahrhundert war Lazarus von Schwendi Stadtherr, der die Burg zum Schloss ausbauen und die Stadt weiter befestigen ließ. Im Westfälischen Frieden kam der Ort mit dem ganzen habsburgischen Besitz im Elsass an die französische Krone, endgültig 1681 unter Ludwig XIV. Nach dem deutsch-französischen Krieg von 1870/71 gehörte Kientzheim von 1871 bis 1918 zum Reichsland Elsass-Lothringen.

Zwischen 1845 und 1861 residierte hier der aus dem Elsass stammende bayerische Diplomat Johann Franz Anton von Olry (1769–1863) und war der Mittelpunkt eines katholisch-aristokratischen Gesellschaftskreises. Es ist u. a. überliefert, dass er noch mit über 80 Jahren in der Kirche von Kientzheim als Ministrant am Altar diente.[1]

Während der Kämpfe am Ende des Zweiten Weltkriegs wurde 1944 das Städtchen zu etwa 70 % zerstört, wertvolle Archivbestände wurden vernichtet. An der Kirche erinnert eine Gedenktafel an die Malgré-nous, zwangsweise von den Deutschen während des Krieges eingezogene Elsässer. Zum Ende des Zweiten Weltkriegs wurde Kientzheim am 17. Dezember 1944 von der 5. französischen Panzerbrigade, unterstützt durch amerikanische Infanterie, von der Naziherrschaft befreit. Dies geschah im Zuge der alliierten Offensive gegen den von den Deutschen hartnäckig verteidigten Brückenkopf Elsass. Nach der Befreiung litt der Ort bis Ende Januar 1945 noch unter deutschem Beschuss. Ein Sherman-Panzer („Renard“) am westlichen Ortsausgang erinnert an die Kämpfe.

In Kientzheim wurde 1986 der Lazarus-von-Schwendi-Städtebund gegründet, dem neben Kientzheim und anderen elsässischen Gemeinden auch Orte in Deutschland und in Belgien angehören. Die Gebeine der Herren von Schwendi ruhen in der Kirche.

Bevölkerungsentwicklung

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Jahr19621968197519821990199920072013
Einwohner850896864811933827786738
Quelle: Cassini und INSEE

Kultur und Sehenswürdigkeiten

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  • Die Stadtbefestigung mit Mauern und Türmen aus dem 14. Jahrhundert. Am Untertor eine große Maulscharte vom Ende des 16. Jahrhunderts mit beweglicher eiserner Zunge („Lallakenig“ genannt) zur Verhöhnung der Angreifer.
  • Das Schloss des Lazarus von Schwendi aus dem späten 16. Jahrhundert. Hier übernachtete 1473 Karl der Kühne als Gast des damaligen Besitzers, des Grafen Lupfen. Seit 1973 im Besitz der Confrérie de St. Étienne (Stefansbruderschaft). Im Schloss befindet sich ein Weinbaumuseum (Musée du Vignoble et des Vins d' Alsace)
  • Die Kirche Notre-Dame-des-Sept-Douleurs (Sieben Schmerzen Mariens) von 1722. Von der mittelalterlichen Kirche hat sich der Chorturm aus dem 15. Jahrhundert erhalten. Im Innern die Grabmale des kaiserlichen Feldhauptmanns Lazarus von Schwendi (gest. 1584) und dessen Sohn (1609). Die qualitätvolle Kreuzigungsgruppe des 15. Jahrhunderts stammt aus Sigolsheim. Gotisches Beinhaus. Gedenktafel für die Malgré-nous.
  • Die Untere Kirche (Chapelle Saints-Félix-et-Régula), 1470 als Wallfahrtskirche geweiht. Nach Beschädigungen 1944 in den Sechzigerjahren neu errichtet. Der Chorraum des ehemaligen Chorturms noch mittelalterlich (spätes 13. Jahrhundert). Beachtenswerte Statuen aus der Zeit um 1600 (die Heiligen Rochus, Felix mit Schreibzeug und Märtyrerpalme, Regula mit Buch und Märtyrerpalme) und eine Heiliggrab-Gruppe von 1490. Einmaligen Sammlung von Votivbildern hauptsächlich aus dem 18. und 19. Jahrhundert. Das älteste Bild von 1612.
  • Das Türckheim-Schlösschen, im späten 16. Jahrhundert erbaut, im 18. Jahrhundert verändert, 1944 zerstört und nach dem Krieg wieder aufgebaut. An der Straße ein Erker auf einer Säule, die Fensterbrüstung mit Renaissancedekor.
  • Alter Zugbrunnen auf der Place Schwendi unter konkav geschwungenem Kegeldach.

Der Ort ist wie die meisten Orte der Vogesen-Vorbergzone ein Weinort und liegt daher an der Elsässer Weinstraße. Die Weinlagen Furstentum (mit Sigolsheim) und Schlossberg (mit Kaysersberg) sind besonders wertvolle Alsace-Grand-Cru-Lagen. Die Weinbruderschaft St. Étienne, die sich um die Erhaltung der traditionellen Weinherstellung und die Weinqualität der Elsässer Weine bemüht, hat im Kientzheimer Schloss Schwendi ihren Sitz. Das elsässische Weinbaumuseum zeigt alles rund um den für das Elsass so wichtigen und charakteristischen Weinbau. Das örtliche Weinfest findet am letzten Juliwochenende statt.

Söhne und Töchter

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  • Le Patrimoine des Communes du Haut-Rhin. Flohic Editions, Band 1, Paris 1998, ISBN 2-84234-036-1, S. 682–685.
Commons: Kientzheim – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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  1. Franz Binder (Hrsg.): Aus dem Leben des Ritters von Olry. Historisch-politische Blätter für das katholische Deutschland, Band 52 (1863, 2. Band), S. 642, Scan aus der Quelle