Kenneth J. Gergen
Kenneth J. Gergen (* 1934 in North Carolina) ist ein US-amerikanischer Psychologe.
Leben und Leistungen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Gergen ist ein Sohn des Mathematikers John Jay Gergens (1903–1967) und dessen Ehefrau Ambigne Munger; der Journalist David Gergen (* 1942) ist sein jüngerer Bruder.
Kenneth Gergens universitäre Ausbildung brachte ihm folgende Abschlüsse: B.A. an der Universität Yale (1953–1957), Ph. D. der Duke University (1959–1962), DSS (Hon.) an der Universität Tilburg (1987) und DHL (Hon.) am Saybrook Institute (1991).
Derzeit hat er die Gil and Frank Mustin Professur für Psychologie am Institut für Psychologie des Swarthmore College inne. Zudem war er einer der Gründer des Taos Instituts, einer Non-Profit-Organisation, die sich mit der Weiterentwicklung des Sozialen Konstruktionismus und seinen gesellschaftlichen Anwendungsfeldern beschäftigt.
Werk
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Er vertritt die Theorierichtung des von ihm so genannten Sozialen Konstruktionismus, eine soziologisch orientierte Variante des Konstruktivismus. Bekannt wurde er durch seine Kritik an der Zulässigkeit von Kausalschlüssen aus psychologischen Experimenten. Wie er zeigte, hängen viele Effekte von der „kulturellen Einbettung“ ab, also von den jeweiligen komplexen Kontexten, in denen die Experimente durchgeführt wurden.[1]
Privates
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Er war seit 1969 mit Mary Gergen (1938–2020) verheiratet. Sie brachte zwei Kinder aus ihrer früheren Ehe mit. Sie hatte zwei Jahre lang als wissenschaftliche Mitarbeiterin bei ihm an der Harvard University gearbeitet, bevor sie heirateten. Mit ihm bekamen sie noch drei Kinder: Laura Pennington, Stan Gergen und Antonia Gergen. Gemeinsam mit ihm arbeitete sie an vielen Publikationsprojekten.
Schriften (Auswahl)
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Autor
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Aufsätze
- zusammen mit Lynn Hoffman und Harlene Anderson: Diagnose – ein Desaster? Ein konstruktionistischer Trialog. In: Zeitschrift für Systemische Therapie, 1997, Heft 4, S. 224–241, ISSN 0723-9505
- Beyond autonomy and community. Relational being. In: Klaus-Peter Köpping (Hrsg.): Die autonome Person. Eine europäische Erfindung? Fink, München 2002, ISBN 3-7705-3724-6, S. 177–192.
- Soziale Konstruktion und Bildung im Kontext globaler Konflikte. In: Rolf Balgo (Hrsg.): Theorie und Praxis systemischer Pädagogik. Carl-Auer-Systeme-Verlag, Heidelberg 2006, ISBN 978-3-89670-514-3, S. 24–44.
- Monographien
- Mit Mary Gergen: Paths to Positive Aging: Dog Days with a Bone and Other Essays. Taos Institute Publications, Chagrin Falls 2017, ISBN 978-1-938552-50-2.
- Mit Mary Gergen: Playing with Purpose: Adventures in Performative Social Science (Writing Lives: Ethnographic Narratives). Routledge, Abingdon 2016, ISBN 978-1-315-42243-5.
- Relational Being. Beyond Self and Community. Oxford University Press, Oxford 2011, ISBN 978-0-19-984626-9 (EA Oxford 2009).
- deutsche Übersetzung: Die Psychologie des Zusammenseins. dgvt-Verlag, Tübingen, 2021, ISBN 978-3-87159-113-6.
- Mit Mary M. Gergen: Einführung in den sozialen Konstruktionismus. Carl-Auer-Systeme-Verlag, Heidelberg 2009, ISBN 978-3-89670-681-2.
- Mit Mary Gergen: Social Construction: Entering the Dialogue. Taos Institute Publications, Chagrin Falls 2004, ISBN 978-0-7880-2127-5.
- Social Construction in Context. Sage, London 2001, ISBN 0-7619-6545-9.
- The Saturated Self. Dilemmas of Identity in Contemporary Life. Basic Books, New York 2000, ISBN 0-465-07186-4 (EA New York 1991).
- deutsche Übersetzung: Das übersättigte Selbst. Identitätsprobleme im heutigen Leben. Carl-Auer-Systeme-Verlag, Heidelberg 1996, ISBN 3-931574-30-X.
- Realities and Relationships. Sounding in Social Construction. 3. Aufl. Harvard University Press, Cambridge, Mass. 1999, ISBN 0-674-74930-8 (EA Cambridge 1994).
- An Invitation to Social Construction. Sage, London 1999, ISBN 0-8039-8377-8.
- deutsche Übersetzung: Konstruierte Wirklichkeiten. Eine Hinführung zum sozialen Konstruktionismus. Kohlhammer, Stuttgart 2002, ISBN 3-17-017102-X (mit einem Vorwort von Hans Westmeyer).
Herausgeber
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- zusammen mit Klaus G. Deissler: Die Wertschätzende Organisation. Transcript, Bielefeld 2004, ISBN 3-89942-223-6.
Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Susanne Jacob: Soziale Repräsentationen und relationale Realitäten. Theoretische Entwürfe der Sozialpsychologie bei Serge Moscovici und Kenneth J. Gergen. Deutscher Universitäts-Verlag, Wiesbaden 2004, ISBN 3-8244-4545-X (zugl. Dissertation, Universität Jena 2002).
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Literatur von und über Kenneth J. Gergen im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
- Lebenslauf auf der Swathmore-Seite
- Aufsatz mit Hoffmann, Lynn & Anderson, Harlene: „Diagnose – ein Desaster? Ein konstruktionistischer Trialog“, 44 Seiten, Swarthmore-University als Übers. von „Is Diagnosis a Desaster? A Constructionist Trialogue.“ in: Kaslow, Florence W. (ed.), 1996: Handbook of Relational Diagnosis and Dysfunctional Family Patterns. Chichester (PDF-Datei; 6 kB)
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ Vgl. Klaus Jonas, Wolfgang Stroebe, Miles Hewstone: Sozialpsychologie. Eine Einführung. 5. Aufl. Springer, Berlin 2007, ISBN 978-3-540-71632-7, S. 56 f.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Gergen, Kenneth J. |
| KURZBESCHREIBUNG | US-amerikanischer Psychologe und Hochschullehrer |
| GEBURTSDATUM | 1934 |
| GEBURTSORT | North Carolina |