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Katrin Amunts

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Katrin Amunts (* 5. September 1962 in Potsdam) ist eine deutsche Medizinerin und Neurowissenschaftlerin. Sie leitet das Institut für Neurowissenschaften und Medizin, Bereich Strukturelle und funktionelle Organisation des Gehirns (INM-1), am Forschungszentrum Jülich[1] sowie das Cécile und Oskar Vogt-Institut für Hirnforschung[2] am Universitätsklinikum der Heinrich Heine-Universität Düsseldorf. Ihre Forschungsschwerpunkte liegen in der Kartierung und Modellierung der Struktur und Funktion des menschlichen Gehirns.

Amunts war von 2016 bis 2023 wissenschaftliche Leiterin des europäischen Flagship-Projekts Human Brain Project[3]. Seit 2024 ist sie gemeinsame Geschäftsführerin (Joint CEO) der daraus hervorgegangenen Forschungsinfrastruktur EBRAINS, die den Aufbau einer digitalen Plattform für die Neurowissenschaften in Europa koordiniert.

Leben und Wirken

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Von 1981 bis 1987 studierte Katrin Amunts Medizin mit dem Schwerpunkt Biophysik am II. Medizinischen Institut der Russischen Staatlichen Medizinischen Universität[4] in Moskau. Nach ihrer Promotion in Moskau war Amunts zunächst wissenschaftliche Assistentin am Fraunhofer-Institut für Produktionsanlagen und Konstruktionstechnik[4] in Berlin, bevor sie 1992 an das Cécile und Oskar Vogt-Institut für Hirnforschung[2] der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf wechselte. 1999 schloss sie ihre Facharztausbildung im Fach Anatomie ab, in dem sie sich im folgenden Jahr auch habilitierte. Von 1999 an war Katrin Amunts als Arbeitsgruppenleiterin im Institut für Medizin des Forschungszentrums Jülich beschäftigt. Von 2004 bis 2006 war Amunts Leiterin einer von der Helmholtz-Gesellschaft geförderten Nachwuchsgruppe[4].

Von 2004 bis 2013 war Amunts Professorin für strukturell-funktionelles Brain Mapping[3] an der Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik des Universitätsklinikums Aachen,[4] wo sie ab 2008 auch die Sektion für strukturell-funktionelles Brain Mapping leitete. Seit 2013 ist sie Professorin für Hirnforschung an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf und Direktorin des Cécile und Oskar Vogt-Instituts für Hirnforschung[2] des Universitätsklinikums Düsseldorf. Seit 2008 ist sie außerdem Direktorin des Instituts für Neurowissenschaften und Medizin (INM-1) am Forschungszentrum Jülich.

Von 2013 bis 2023 war Amunts wissenschaftliche Leiterin des Human Brain Project (HBP), eines der ersten Flaggschiff-Projekte der Europäischen Union. Das HBP vereinte 155 Institutionen aus 19 Ländern und verfügte über ein Gesamtbudget von 607 Millionen Euro. Ziel des Projekts war es, die Funktionsweise des menschlichen Gehirns durch interdisziplinäre Forschung besser zu verstehen und neue Methoden in den Bereichen Hochleistungsrechnen, Datenanalyse und künstliche Intelligenz zu entwickeln.

Aus dem Human Brain Project ging die Forschungsinfrastruktur EBRAINS[3](European Brain Research Infrastructures) hervor, eine europäische digitale Plattform für die Neurowissenschaften. Sie ermöglicht die Verknüpfung von Gehirnatlanten mit klinischen und experimentellen Daten und unterstützt europäische Forschungskooperationen. Amunts ist seit 2024 gemeinsame Geschäftsführerin (Joint CEO) von EBRAINS.

Darüber hinaus arbeitet sie im Rahmen des deutsch-kanadischen Projekts HIBALL[5] (Helmholtz International BigBrain Analytics Learning Laboratory) an der Weiterentwicklung des BigBrain-Modells. Dabei werden neue, hochaufgelöste Hirnmodelle entwickelt, die Makro- und Mikrostrukturen integrieren und zur Analyse der Konnektivität des Gehirns beitragen.

Zum April 2012 wurde sie in den Deutschen Ethikrat berufen, dem sie bis April 2020 angehörte, von 2016 an als stellvertretende Vorsitzende.[6]

Amunts arbeitet im Bereich der Hirnforschung an der Schnittstelle von Neurowissenschaften, Medizin und rechnergestützter Modellierung. Am Forschungszentrum Jülich entwickelte sie gemeinsam mit ihrem Team den Julich Brain Atlas[7], den ersten dreidimensionalen Atlas des menschlichen Gehirns. Dieser umfasst über 260 Karten (Stand: 2026) einzelner Hirnregionen und steht der wissenschaftlichen Gemeinschaft frei zur Verfügung.

In Zusammenarbeit mit dem kanadischen Neurowissenschaftler Alan Evans entstand 2013 das Projekt „BigBrain“[8], ein ultrahochauflösendes, dreidimensionales Modell des menschlichen Gehirns mit Detailtiefe bis auf zellulärer Ebene. Die darin abgebildeten Verteilungen und Dichten von Nervenzellen werden unter anderem zur mathematischen Modellierung von Patientengehirnen genutzt und dienen als Grundlage für Ansätze in der personalisierten Medizin.

Das von Amunts entwickelte Konzept eines multimodalen Gehirnatlas integriert neben der zytoarchitektonischen Organisation auch Daten zur Verbindungsstruktur, Genexpression und Rezeptorverteilung[7]. Dabei kommen unter anderem Verfahren wie Autoradiographie zur Darstellung von Rezeptordichten und Polarized Light Imaging (3D-PLI)[9] zur Untersuchung der axonalen Architektur zum Einsatz.

Auszeichnungen (Auswahl)

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  • 2025: Ehrendoktorwürde der Universität Maastricht (UM), Maastricht, Niederlande[10]
  • 2023: Justine and Yves Sergent Award, Justine and Yves Sergent Fund, University of Montreal, Kanada[11]
  • 2022: Bundesverdienstorden 1. Klasse, Bundesrepublik Deutschland[12]
  • 2022: Hector Wissenschaftspreis[13], Hector Stiftungen, Weinheim

Mitgliedschaften und Funktionen (Auswahl)

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Publikationen (Auswahl)

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  • K. Amunts, A. Schleicher, U. Bürgel, H. Mohlberg, H. B. Uylings, K. Zilles: Broca's region revisited: cytoarchitecture and intersubject variability. In: J Comp Neurol. Band 412, Nr. 2, 20. Sep 1999, S. 319–341.
  • J. Mazziotta, A. Toga, A. Evans, P. Fox, J. Lancaster, K. Zilles, R. Woods, T. Paus, G. Simpson, B. Pike, C. Holmes, L. Collins, P. Thompson, D. MacDonald, M. Iacoboni, T. Schormann, K. Amunts, N. Palomero-Gallagher, S. Geyer, L. Parsons, K. Narr, N. Kabani, G. Le Goualher, D. Boomsma, T. Cannon, R. Kawashima, B. Mazoyer: A probabilistic atlas and reference system for the human brain: International Consortium for Brain Mapping (ICBM). In: Philos Trans R Soc Lond B Biol Sci. Band 356, Nr. 1412, 29. Aug 2001, S. 1293–1322. doi:10.1098/rstb.2001.0915.
  • S. Genon, A. Reid, R. Langner, K. Amunts, S. B. Eickhoff: How to Characterize the Function of a Brain Region. In: Trends Cogn Sci. Band 22, Nr. 4, Apr 2018, S. 350–364. doi:10.1016/j.tics.2018.01.010.
  • C. Paquola, K. Amunts, A. Evans, J. Smallwood, B. Bernhardt: Closing the mechanistic gap: the value of microarchitecture in understanding cognitive networks. In: Trends Cogn Sci. Band 26, Nr. 10, Oct 2022, S. 873–886. doi:10.1016/j.tics.2022.07.001.
  • Amunts, Katrin et al.: The coming decade of digital brain research: A vision for neuroscience at the intersection of technology and computing. Imaging Neuroscience 2 (2024): 1-35.

Einzelnachweise

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  1. Institut für Neurowissenschaften und Medizin (INM) Strukturelle und funktionelle Organisation des Gehirns (INM-1). In: fz-juelich.de. Abgerufen am 29. April 2026.
  2. 1 2 3 Univ.-Prof. Dr. med. Dr. h.c. Katrin Amunts. In: uniklinik-duesseldorf.de. Abgerufen am 29. April 2026.
  3. 1 2 3 Erfolgreiche Pionierarbeit: Wissenschaftlicher Expertenbericht zum europäischen Flaggschiff Human Brain Project vorgestellt. Abgerufen am 28. Mai 2026.
  4. 1 2 3 4 5 Leopoldina. Abgerufen am 29. April 2026.
  5. Projekt Hiball. Abgerufen am 29. April 2026.
  6. Katrin Amunts neue stellvertretende Vorsitzende des Ethikrats. In: Forschungszentrum Jülich - Pressemitteilungen. 10. Mai 2016, abgerufen am 29. April 2026.
  7. 1 2 Julich Brain Atlas. Abgerufen am 29. April 2026.
  8. Big Brain. Abgerufen am 29. April 2026.
  9. 3D-PLI. Abgerufen am 29. April 2026.
  10. Katrin Amunts Ehrendoktorin der Universität Maastricht. Abgerufen am 29. April 2026.
  11. Katrin Amunts mit internationalem Justine and Yves Sergent Award ausgezeichnet. Abgerufen am 29. April 2026.
  12. Hirnforscherin Katrin Amunts mit Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet. Abgerufen am 29. April 2026.
  13. 1 2 Hector Wissenschaftspreisträgerin ist Prof. Dr. Katrin Amunts. Abgerufen am 29. April 2026.
  14. Nordrhein-Westfälische Akademie. Abgerufen am 29. April 2026.
  15. SMHB. Abgerufen am 29. April 2026.
  16. Max Planck School of Cognition. Abgerufen am 29. April 2026.
  17. acatech. Abgerufen am 29. April 2026.