Zum Inhalt springen

Kargowa

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Kargowa
Wappen von Kargowa
Kargowa (Polen)
Kargowa (Polen)
Kargowa
Basisdaten
Staat: Polen Polen
Woiwodschaft: Lebus
Powiat: Zielonogórski
Gmina: Kargowa
Geographische Lage: 52° 4′ N, 15° 52′ OKoordinaten: 52° 4′ 0″ N, 15° 52′ 0″ O
Einwohner: 3753 (31. Dez. 2016)
Postleitzahl: 66-120
Telefonvorwahl: (+48) 68
Kfz-Kennzeichen: FZI
Wirtschaft und Verkehr
Straße: PosenZielona Góra
Eisenbahn: PosenZielona Góra
Nächster int. Flughafen: Poznań-Ławica
Rathaus
Rathausvorplatz
Parkanlage
Ehemaliges Schloss Unruhstadt
Bahnhofsgebäude

Kargowa [kargˈɔva] (deutsch bis 1655 Karge, ab dann/1661 Unruhstadt, fälschlich teils noch weiter Karge[1]', poln. früher Unrugowo[1]) ist eine Stadt mit aktuell 3600 Einwohnern im Powiat Zielonogórski der polnischen Woiwodschaft Lebus. Sie ist Sitz der gleichnamigen Stadt-und-Land-Gemeinde (gmina miejsko-wiejska) mit etwa 5800 Einwohnern.

Geographische Lage

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Stadt liegt in der historischen Region Großpolen, etwa 40 Kilometer nordöstlich der Stadt Zielona Góra (Grünberg in Schlesien) an der Obrzyca (Raule Obra).

Unruhstadt, südwestlich der Stadt Posen und östlich der Stadt Züllichau, auf einer Landkarte von 1905 (gelb markierte Flächen kennzeichnen Gebiete mit seinerzeit mehrheitlich polnischsprachiger Bevölkerung).

Die erste Erwähnung des Ortes Cargowo stammt aus dem Jahre 1360. Karge entwickelte sich zu einem Zentrum des bäuerlichen Handels und erhielt 1630 das Marktrecht verliehen. Der Marktflecken erhielt das Privileg zur Abhaltung von sechs Jahrmärkten. Die bekannten Karger Schweinemärkte brachten dem Ort im Volksmund den Namen Schweine-Karge ein.

1641 erwarb der Starost von Gniezno, Christoph von Unruh, den Marktflecken Karge und gründete in unmittelbarer Nachbarschaft eine Siedlung für evangelische Glaubensflüchtlinge aus Schlesien, die seinen Namen erhielt. 1655 gilt als Gründungsjahr der neuen Ortschaft.[2]

Die beiden Orte verschmolzen schnell, und 1661 erhielt Unruhstadt Stadtrecht. Der Mutterort Karge blieb dessen ungeachtet weiter bestehen und bildete bis 1945 eine selbständige Gemeinde im Kreis Bomst bzw. im Kreis Züllichau-Schwiebus.

1793 kam Unruhstadt zusammen mit der Neuerwerbung Südpreußen zu Preußen,[3][4] war dann zwischen 1807 und 1815 kurzzeitig Teil des Herzogtums Warschau.

1818 wurde die Stadt Teil des preußischen Kreises Bomst und trat 1938 zum Kreis Züllichau-Schwiebus. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts war Unruhstadt ein Zentrum der Tuchmacherei. Die Hänge zwischen Obra und Fauler Obra wurden für den Weinbau genutzt. Die Evangelische Kirche unterhielt in Unruhstadt ein Hospital.[5] Um 1935 hatte Unruhstadt unter anderem zwei Hotels, drei Gasthöfe und Restaurants, eine Sparkasse, eine Zweigstelle der Wirtschaftsbank, eine Bierbrauerei, zwei Branntweinbrennereien, ein Holzsägewerk, eine Korbfabrik, einen Maschinenbauer, sechs Mühlen, eine Schokoladen- und Kakaofabrik, einen Zweitungsverlag und eine zahlreiche Gemischtwaren- und Einzelhändler, Dienstleister sowie Handwerks- und Dienstleistungsbetriebe.[6]

Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs kam es beim Vormarsch der Roten Armee im Frühjahr 1945 zu großen Zerstörungen in der Stadt und in deren Umgebung. Im selben Jahr wurde die Stadt von der Siegermacht Sowjetunion der Volksrepublik Polen zur Verwaltung überlassen und von der polnischen Administration in Kargowa umbenannt. Die deutsche Bevölkerung wurde größtenteils unter Missachtung der Atlantik-Charta von der polnischen Administration aus Unruhstdt vertrieben.

Einwohnerentwicklung

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
Bevölkerungsentwicklung bis 1945
Jahr Einwohner Anmerkungen
18001518darunter 323 Juden; Stadt mit 259 Wohnhäusern, einer evangelischen Kirche (in Karge) und einer Synagoge, 36 Mühlen und einem öffentlichen Gebäude[3]
18161928Stadt[7]
18362060Stadt mit 300 Häusern und einer evangelischen Kirche, bedeutende Viehmärkte, adlige Besitzung[8]
18522165Stadt (Karge)[9]
18642111am 3. Dezember[10]
18672056am 3. Dezember;[11] nach anderen Angaben 1734 Einwohner, ohne die Garnison: 3. und 4. Eskadron des Posener Ulanen-Regiments Nr. 10[12]
18711959am 1. Dezember, davon 1537 Evangelische, 289 Katholiken un 133 Juden[11]
18751954[13]
18851604am 1. Dezember, davon 1289 Evangelische, 230 Katholiken, eine sonstige christliche Person und 84 Juden[14]
18901724am 1. Dezember[15]
19051695am 1. Dezember, davon 1222 Evangelische (darunter 1218 mit deutscher Muttersprache, zwei mit polnischer Muttersprache), 409 Katholiken (181 mit deutscher, 228 mit polnischer Muttersprache), drei andere Christen und 61 Juden;[16] Stadt mit einer evangelischen Kirche, einer katholischen Kirche und einer Synagoge, viele Windmühlen, Weinbau[1]
19101612am 1. Dezember, darunter 1388 mit deutscher Muttersprache (1150 Evangelische, 202 Katholiken und drei Juden) und 220 mit polnischer Muttersprache ,(sämtlich Katholiken)[17][18]
18251462[13]
19331733[13]
19391715[13]

Im 19. Jahrhundert gab es in Unruhstadt eine evangelische Kirche und eine katholische Kirche.[12] Die Stadtbevölkerung war vor 1945 mehrheitlich evangelischer Konfession. Die Evangelischen hatten früher die alte evangelische Kirche in Karge besucht. 1805 wurde eine neue evangelische Kirche in Unruhstadt fertiggestellt.[19]

Das Gotteshaus der Evangelischen wurde nach 1945 zugunsten der Römisch-katholischen Kirche in Polen zwangsenteignet und nach dem katholischen Priester Maximilian Kolbe umbenannt.

Die seit 1945 und Vertreibung der Einheimischen anwesende polnische Stadtbevölkerung ist größtenteils katholischer Konfession.

Sehenswürdigkeiten

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
  • Rathaus aus dem 17. Jahrhundert
  • Marktplatz und Neuer Marktplatz
  • Ehemalige evangelische Kirche aus dem 19. Jahrhundert, heute St.-Maksymilian-Kolbe-Kirche
  • Giebelhäuschen aus dem 19. Jahrhundert
  • Spätbarockes Palais von 1732
  • Neogotische St.-Adalbert-Kirche von 1902, Turm und Erweiterung von 1932

Zur Stadt-und-Land-Gemeinde (gmina miejsko-wiejska) Kargowa gehören neben der Stadt eine Reihe von Dörfern.

Partnergemeinden

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Persönlichkeiten, Töchter und Söhne

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
  • Unruhstadt, Kreis Bomst, Regierungsbezirk Posen, Provinz Posen, in: Meyers Gazetteer, mit Eintrag aus Meyers Orts- und Verkehrslexikon, Ausgabe 1912, sowie einer historischen Landkarte der Umgebung von Unruhstadt (meyersgaz.org).
  • Heinrich Wuttke: Städtebuch des Landes Posen. Codex diplomaticus: Allgemeine Geschichte der Städte im Lande Posen. Geschichtliche Nachrichten von 149 einzelnen Städten. Leipzig 1864, S. 463 (Google Books).
Commons: Kargowa – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
  1. 1 2 3 Meyers Großes Konversations-Lexikon. 6. Auflage, Band 19. Leipzig/Wien 1909, S. 932 (Google Books).
  2. Julius Kohte: Verzeichnis der Kunstdenkmäler der Provinz Posen, Band I: Politische, kulturgeschichtliche und kunstgeschichtliche Entwicklung des Landes nebst einer Denkmalkarte, Verlag Julius Springer, Berlin 1898, S. 24 (Google Books).
  3. 1 2 Heinrich Wuttke: Städtebuch des Landes Posen. Codex diplomaticus: Allgemeine Geschichte der Städte im Lande Posen. Geschichtliche Nachrichten von 149 einzelnen Städten. Leipzig 1864, S. 463–465.
  4. Julius Kohte: Verzeichnis der Kunstdenkmäler der Provinz Posen, Band I: Politische, kulturgeschichtliche und kunstgeschichtliche Entwicklung des Landes nebst einer Denkmalkarte, Verlag Julius Springer, Berlin 1898, S. 31 (Google Books).
  5. Johannes Schlecht: Der Anteil der Evangelischen Kirche Posens an den Arbeiten der Inneren Mission. Posen 1875, S. 124.
  6. Klockhaus' kaufmännisches Handels- und Gewerbe-Adressbuch des Deutschen Reichs für Industrie, Handwerk, Handel und Gewerbe, Band 1 B, Berlin 1935, 2. Teil, Provinz Ober-Schlesien, S. 1938–1939 (Google Books).
  7. Alexander August Mützell und Leopold Krug: Neues topographisch-statistisch-geographisches Wörterbuch des preussischen Staats. Band 5: T–Z, Halle 1823, S. 57, Ziffer 298 (Google Books).
  8. Leopold von Zedlitz-Neukirch (Hrsg.): Der Preußische Staat in allen seinen Beziehungen. Band 3, Berlin 1837, S. 155, Ziffer 3) (Google Books).
  9. Topographisch-statistisches Handbuch des Preußischen Staats (Kraatz, Hrsg.). Berlin 1856, S. 641 (Google Books).
  10. Königliches Finanzministerium: Die Ergebnisse der Grund- und Gebäudesteuerveranlagung im Regierungsbezirk Posen. Berlin 1867, S. 18–25, Ziffer 131 (Google Books).
  11. 1 2 Königliches Statistisches Bureau: Die Gemeinden und Gutsbezirke des Preussischen Staates und ihre Bevölkerung. Nach den Urmaterialien der allgemeinen Volkszählung vom 1. Dezember 1871 bearbeitet und zusammengestellt. Teil IV: Die Provinz Posen. Berlin 1874. XIII. Kreis Bomst , S. 96–97, Ziffer 6 (kpbc.umk.pl).
  12. 1 2 J. C. Reinecke: Preussisches Staatshandbuch – Mit einer statistisch-topographischen Uebersicht, Verlag F. Berggold, Berlin 1870, S. 388 (Google Books).
  13. 1 2 3 4 Michael Rademacher: Zuellichau. Online-Material zur Dissertation, Osnabrück 2006. In: eirenicon.com.
  14. Königliches statistisches Bureau: Gemeindelexikon für das Königreich Preußen. Auf Grund der Materialien der Volkszählung vom 1. Dezember 1885 und anderer amtlicher Quellen. Band V: Provinz Posen, Berlin 1888, S. 94–95, Ziffer 5 (Google Books).
  15. Königliches statistisches Bureau: Viehstandslexikon für den preußischen Staat – III. Stadtkreis Berlin und Provinz Brandenburg – Auf Grund der Materialien der Viehzählung vom 1. Dezember 1892 und anderer amtlicher Quellen. Berlin 1894, S. 37, Ziffer 5 (Google Books).
  16. Königlich Preußisches Statistisches Landesamt: Gemeindelexikon für das Königreich Preußen. Auf Grund der Materialien der Volkszählung vom 1. Dezember 1905 und anderer amtlicher Quellen. Band V: Provinz Posen, Berlin 1908, S. 8–9 (Google Books).
  17. Königlich Preußisches Statistisches Landesamt: Gemeindelexikon der Regierungsbezirke Allenstein, Danzig, Marienwerder, Posen, Bromberg und Oppeln. Auf Grund der Volkszählung vom 1. Dezember 1910 und anderer amtlicher Quellen. Berlin 1912, Heft IV: Regierungsbezirk Posen, 3. Kreis Bomst, S. 8–9 (Google Books)
  18. Unruhstadt, Kreis Bomst, Regierungsbezirk Posen, Provinz Posen, in: Meyers Gazetteer, mit Eintrag aus Meyers Orts- und Verkehrslexikon, Ausgabe 1912, sowie einer historischen Landkarte der Umgebung von Unruhstadt (meyersgaz.org).
  19. Deutsche Zeitschrift für Kirchenrecht, Band 4, Freiburg i. B. und Tübingen 1884, S. 331–334 (Google Books).