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Kapsid-Inhibitoren

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Kapsid-Inhibitoren richten sich bei der HIV-Therapie gegen das Kapsid von HIV-1 und zählen zu den sogenannten antiretroviralen Arzneimitteln (ARTs). Ziel der Behandlung ist es, den Replikationszyklus von HIV zu unterbrechen, indem sie die Stabilität des Viruskapsids beeinträchtigen.

3D-Modell des HIV-Kapsids

HIV enthält ein konisches Kapsid, das durch die Kapsidproteine p24 aufgebaut ist. Darin befinden sich das virale Genom und verschiedene Enzyme wie die reverse Transkriptase (RT) oder Integrase. Nach Eindringen des Virus in die Wirtszelle wird die Kapsel geöffnet bzw. „enthüllt“. Auch wenn nicht genau geklärt ist, wann dies geschieht, so ist der Vorgang für den frühen und späten Replikationszyklus von HIV essentiell.[1][2]

Therapeutika gegen diesen Prozess (bzw. die die Stabilität oder die Morphologie der Kapsidhülle beeinträchtigen) werden als Kapsid-Inhibitoren bezeichnet.[1]

Strukturformel von Lenacapavir

2022 wurde Lenacapavir als erste Substanz in dieser Klasse (first-in-class) in den USA, Kanada und Europa zugelassen für Erwachsene mit einer multiresistenten HIV-1-Infektion, bei denen kein anderes supprimierendes, antivirales Regime zusammengestellt werden kann. Es wird subkutan appliziert, wodurch sich über 6 Monate ein ausreichend hoher Wirkspiegel ausbilden kann.

Der genaue Wirkmechanismus ist nicht bekannt. Vermutlich werden verschiedene Schritte des Replikationszyklus in unterschiedlichem Ausmaß gehemmt.[3]

Strukturformel von GS-CA1

GS-CA1 ist ein in klinischer Prüfung befindlicher Kapsid-Inhibitor, der Lenacapavir stark ähnelt und als dessen Vorläufer gilt.[4]

Es bindet direkt am Kapsid und stabilisiert dessen Struktur so weit, dass ein Enthüllen inhibiert wird. Zudem unterdrückt er die Reifung neuer Kapside einer befallenen Wirtszelle.

Strukturformel von VH-280

Bei VH-280 (VH4004280)[5] handelt es sich um einen experimentellen Wirkstoff, der oral alle 2 Monate verabreicht wird.[4] Er befindet sich ebenfalls in klinischer Prüfung.

Einzelnachweise

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  1. a b Christian Hoffmann: ART 2023. In: Jürgen Rockstroh, Christian Hoffmann (Hrsg.): HIV 2023/2024. Medizin Fokus Verlag, Hamburg 2023, ISBN 978-3-941727-30-4, S. 92–93 (englisch, hivbuch.de [PDF]).
  2. William M. McFadden et al.: Rotten to the core: antivirals targeting the HIV-1 capsid core. In: Retrovirology. Band 18, Nr. 1, 22. Dezember 2021, S. 41, doi:10.1186/s12977-021-00583-z, PMID 34937567, PMC 8693499 (freier Volltext) – (englisch).
  3. Christian Hoffmann: ART 2023. In: Jürgen Rockstroh, Christian Hoffmann (Hrsg.): HIV 2023/2024. Medizin Fokus Verlag, Hamburg 2023, ISBN 978-3-941727-30-4, S. 45 (englisch, hivbuch.de [PDF]).
  4. a b Christian Hoffmann: ART 2024+: Beyond the horizon. In: Jürgen Rockstroh, Christian Hoffmann (Hrsg.): HIV 2023/2024. Medizin Fokus Verlag, Hamburg 2023, ISBN 978-3-941727-30-4, S. 95 (englisch, hivbuch.de [PDF]).
  5. Chunfu Wang et al.: Preclinical virology profiles of the HIV-1 capsid inhibitors VH4004280 and VH4011499. In: Antimicrobial Agents and Chemotherapy. Band 0, Nr. 0, 3. September 2025, S. e00309–25, doi:10.1128/aac.00309-25 (englisch).