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Kambojas

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Die Bilinguale Kandahar-Felsinschrift von Ashoka, in der die Kambojas erwähnt werden

Die Kambojas waren ein antikes iranisches Volk, das den nordöstlichsten Teil des Iranischen Hochlands an der Grenze zu Indien bewohnte. Sie tauchen nur in indoarischen Inschriften und Literatur auf und sind erstmals in der Spätvedischen Zeit (ca. 800 v. Chr. bis 600 v. Chr.) bezeugt.

Kamboja- (spätere Form Kāmboja-) war der Name ihres Territoriums und identisch mit dem altiranischen Namen *Kambauǰa-, dessen Bedeutung ungewiss ist. J. Charpentier schlug 1923 vor, dass der Name Kamboja mit dem Namen Kambyses I. und Kambyses II. (Kambū̌jiya oder Kambauj auf Altpersisch) verbunden sei, beide Könige aus der Achämeniden-Dynastie. Die Theorie wurde mehrfach diskutiert, aber die damit verbundenen Probleme konnten nie überzeugend gelöst werden.[1] Im selben Jahr schlug Sylvain Lévi einen austroasiatischen Ursprung vor, was aber keine Unterstützung fand.[1]

Die Kambojas tauchen in den Schriften der spätvedische Zeit auf. Die Naighaṇṭukas, ein Glossar und älteste erhaltene Schrift zur indischen Lexikographie, ist die erste Quelle. In seinem Buch über Etymologie – dem Nirukta – erwähnt der altindische Autor Yaska, dass „das Wort śavati als Bewegungsverb nur von den Kambojas verwendet wird“, eine Aussage, die von späteren Autoren in genau der gleichen Weise wiederholt wurde, wie zum Beispiel vom Grammatiker Patanjali (2. Jahrhundert v. Chr.) in seinem Mahabhashya (Großer Kommentar). Das Wort śavati ist im jüngeren Avesta gleichbedeutend mit š́iiauua-, was zeigt, dass die Kambojas eine iranische Sprache sprachen, die eng mit Sanskrit verbunden war. Historiker Michael Witzel vermutete, dass Grammatiker und Lexikographen erstmals um 500 v. Chr. oder vielleicht früher mit dem Wort vertraut geworden sein müssen, da Yaska und Patanjali beide dasselbe Beispiel verwendeten.[1]

Die Ashoka-Edikte des Maurya-Kaisers Ashoka enthalten die ersten Zeugnisse der Kambojas, die genau datiert werden können. Im dreizehnten Edikt heißt es „unter Griechen und Kambojas“ und im fünften Edikt heißt es „von Griechen, Kambojas und Gandhariern“. Es ist ungewiss, ob Ashoka sich nur auf die Kambojas oder alle iranischen Stämme in seinem Reich bezog. Unabhängig davon waren die genannten Personengruppen Teil des Maurya-Reiches, wurden von dessen Politik, Kultur und religiösen Traditionen beeinflusst und hielten auch an der von Ashoka festgelegten Ideologie der „Gerechtigkeit“ fest.[1]

Im großen indischen Epos Mahabharata werden neben den Griechen, Gandharier, Baktriern und Indoskythen auch die Kambojas erwähnt. Geografische Texte in Sanskrit und im Anguttara-Nikaya zählen die Kambojas zu den sechzehn Königreiche des indischen Subkontinents zu Lebzeiten Buddhas. Verschiedene Merkmale der Kambojas werden auch in verschiedenen Arten der Sanskrit- und Pali-Literatur beschrieben; sie rasierten sich die Glatze; sie hatten einen König; Rāja-pura- (bedeutet „Königsstadt“) war der Name ihrer Hauptstadt, der Standort ist jedoch unbekannt. Wie es für Iraner typisch ist, waren die Kambojas für ihre Fähigkeiten in der Pferdezucht bekannt, und es wird angenommen, dass die von ihnen gezüchteten Pferde am besten für den Einsatz im Kampf geeignet waren. Diese Pferde wurden in großen Mengen nach Indien gebracht und auch als Tribut den indischen Herrschern gegeben.[1][2][3]

Nach dem Tod von Ashoka verfiel das Maurya-Reich. Zu Beginn des 2. Jahrhunderts v. Chr. verloren sie ihre indoiranischen Grenzgebiete (einschließlich Gandhara und Arachosien) an die Streitkräfte von Demetrios I., dem König des griechisch-baktrischen Königreichs. Infolgedessen stand die griechische Bevölkerung dieser Gebiete wieder unter der Herrschaft ihrer griechischen Landsleute, während die Kambojas auf andere Iraner trafen, da die Baktrier wahrscheinlich neben den Griechen ein wichtiger Bestandteil der Eroberungsarmee waren.[4]

Einige Historiker gehen davon aus, dass die Kambojas die Kamboja-Pala-Dynastie in Bengalen gegründet haben, aber dies bleibt ungewiss. Diese Theorie könnte durch die Bescheinigung eines Kambojadeśa in den Lushai-Bergen im tibetischen Buch Pag Sam Jon Zang gestützt werden. Der indische Historiker Hem Chandra Raychaudhuri schlug vor, dass die Kambojas im Zuge der Eroberungen der Gurjara-Pratihara zu Lebzeiten von König Narayanapala von der nordwestlichen Grenze nach Bengalen gereist sein könnten. Er fügt hinzu, dass diese Kambojas möglicherweise Positionen im Staat erlangten und zu gegebener Zeit die Macht ergriffen.[5]

Sprache und Lokation

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Die Kambojas bewohnten den nordöstlichsten Teil des von iranischen Stämmen bevölkerten Territoriums.[1] 1918 schlug Lévi vor, es sei Kafiristan, zog es jedoch später im Jahr 1923 zurück; B. Liebich vermutete, dass sie im Kabul-Tal lebten; J. Bloch vermutete, dass sie nordöstlich von Kabul lebten; Lamotte glaubte, sie würden von Kafiristan bis zum südwestlichen Teil Kaschmirs leben.[6][7]

Im Jahr 1958 brachte der französische Linguist Émile Benveniste einen neuen Vorschlag vor: Die iranische Sprache in der zweisprachigen Felsinschrift von Kandahar sei die Sprache der Kambojas.[1][8] Ashoka wollte diese beiden Sprachen nutzen, um den Bewohnern des heutigen Ostafghanistans, rund um das Gandhara-Gebiet, etwa zwischen Kabul und Kandahar, seine religiöse Botschaft zu übermitteln. Die Iranologen Mary Boyce und Frantz Grenet unterstützen diese Ansicht ebenfalls und sagen: „Die Tatsache, dass es eine irano-aramäische Version der Inschrift gab zeigt, dass die Kambojas ein gewisses Maß an Autonomie genossen, und dass sie nicht nur ihre iranische Identität bewahrten, sondern bis zu einem gewissen Grad von Mitgliedern ihrer eigenen Gemeinschaft regiert wurden, denen die Verantwortung übertragen wurde, ihnen die Worte des Königs zu übermitteln und diese in Stein eingravieren zu lassen.“[9]

Gérard Fussman vermutete, dass die nicht identifizierte iranische Sprache der beiden Felsinschriften (IDN 3 und 5) in Dasht-e Nawar von den Kambojas gesprochen wurde, möglicherweise einer frühen Stufe der Ormuri-Sprache. Laut Rüdiger Schmitt könne man das Land der Kambojas genauer in den Bergen um Ghazni und am Oberen Arghandāb lokalisieren.[1]

Die Indo-Arier betrachteten die Kambojas als „nichtarische“ (Anariya-)Fremde mit ihren eigenen besonderen Traditionen, wie in einem Teil der buddhistischen Jataka-Geschichten gezeigt wird. Demnach zum Beispiel töteten die Kambojas Insekten, Schlangen, Würmer, Frösche und andere Kleintiere.[1][10] Diese Praxis wurde von Wissenschaftlern mit den Gesetzen der Videvdad in Verbindung gebracht, was sie zu dem Schluss führte, dass die Kambojas Anhänger des Zoroastrismus waren.[1] Diese Überzeugungen basieren auf dem zoroastrischen Dualismus, dass giftige oder abstoßende Kreaturen dem bösen Geist dienten und deswegen vernichtet werden müssen.[11]

Einzelnachweise

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  1. 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 Rüdiger Schmitt, Encyclopædia Iranica.
  2. Ram Sharan Sharma: India’s Ancient Past; S. 145–152
  3. Mary Boyce & Franzt Grenet: A History of Zoroastrianism, Zoroastrianism under Macedonian and Roman Rule, S. 129–130
  4. Mary Boyce & Franzt Grenet: A History of Zoroastrianism, Zoroastrianism under Macedonian and Roman Rule, S. 149
  5. Ābadula Mamina Caudhurī: Dynastic History of Bengal, S. 73
  6. Etienne Lamotte: History of Indian Buddhism, S. 100
  7. Harold Walter Bailey: Iran and Islam, S. 66
  8. Harold Walter Bailey: Iran and Islam, S. 66
  9. Mary Boyce & Franzt Grenet: A History of Zoroastrianism, Zoroastrianism under Macedonian and Roman Rule, S. 136
  10. Mary Boyce & Franzt Grenet: A History of Zoroastrianism, Zoroastrianism under Macedonian and Roman Rule, S. 129–130
  11. Mary Boyce & Franzt Grenet: A History of Zoroastrianism, Zoroastrianism under Macedonian and Roman Rule, S. 130