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Julien Duvivier

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Julien Duvivier (1932)

Julien Duvivier (* 8. Oktober 1896 in Lille; † 29. Oktober 1967 in Paris) war ein französischer Regisseur und Drehbuchautor, der in den 1930er Jahren den Poetischen Realismus mitprägte und auch in Hollywood tätig war.

Duviviers Schulausbildung begann am Collège des Jésuites in Lille, später wechselte er nach Paris. Gemeinsam mit einem Schulfreund besuchte er dort 1916 das Théâtre Odéon. Da in Kriegszeiten an den meisten Theatern Besetzungsnot herrschte, gab man dem unerfahrenen jungen Mann eine Chance. Sein Manko war, dass er sich Texte nur schlecht merken konnte. Als das während einer Aufführung offenbar wurde, bei der Duvivier einen völligen Aussetzer hatte, riet ihm ein Freund, sich lieber auf das Geschehen zu verlagern, das keine Bühnenpräsenz erforderte.[1]

So kam es, dass Duvivier sich auf die Regie verlegte und als Regisseur am Theater begann. Da er auch als Autor tätig war, stieß er bald darauf zum Film und schrieb Drehbücher und inszenierte Stummfilme. Er wurde in den 1930er Jahren einer der Hauptvertreter des Poetischen Realismus. Er fand im Gegensatz zu anderen Regisseuren, die Stummfilme bevorzugten, Tonfilme ansprechender, da sie die Möglichkeit für ihn erweiterten, dramatische Werke ausdrucksvoller darzustellen. Duvivier produzierte Filme über religiöse Themen, drehte Komödien und auch Krimis. In Paris war Herbert E. Meyer sein Ko-Regisseur.[2]

Duvivier war einer der routiniertesten Regisseure des französischen Films, bei dem Spitzenleistungen, wie sein 1937 erschienenes Filmdrama Pépé le Moko – Im Dunkel von Algier mit Jean Gabin, neben gekonnter Unterhaltung, wie die ersten beiden Don-Camillo-und-Peppone-Filme mit Fernandel und Gino Cervi (1952, 1953), und durchschnittlichem Gebrauchskino standen. Ab Ende der 1930er Jahre drehte er auch in Hollywood. Für MGM inszenierte er die aufwändige Johann-Strauss-Biografie Der große Walzer (1938), auf die in den Kriegsjahren das Filmdrama Ein Frauenherz vergißt nie (1941) mit Merle Oberon sowie die starbesetzten Episodenfilme Sechs Schicksale (1942) und Das zweite Gesicht (1943) folgten. In Zusammenarbeit mit Jean Anouilh schrieb er zudem das Drehbuch für seine 1948 erschienene gleichnamige Verfilmung des Tolstoi-Romans Anna Karenina mit Vivien Leigh in der Hauptrolle. Der dramatische Thriller Der Engel, der ein Teufel war mit Jean Gabin und Danièle Delorme kam 1956 in die Kinos, auch hier führte Duvivier Regie und schrieb die Geschichte.

Duviviers Grab

Julien Duvivier war 1959 Mitglied der Jury der Internationalen Filmfestspiele von Cannes. Zu den Bewunderern Duviviers gehörten Jean Renoir und Ingmar Bergman. Neben weiteren filmischen Tätigkeiten trat er bei sieben seiner Filme auch als Produzent in Erscheinung, etwa bei dem Abenteuerfilm Der schwarze Jack (1950) und dem Gruselthriller Das brennende Gericht (1962). Sein letzter Film, der Kriminalthriller Mit teuflischen Grüßen mit Alain Delon und Senta Berger, kam erst nach seinem Tod im Dezember 1967 in die Kinos.

Ende Oktober 1967 erlitt Duvivier in seinem Auto einen Herzinfarkt, wodurch es zu einem Verkehrsunfall kam, bei dem der 71-Jährige den Tod fand. Er hinterließ seinen Sohn Christian, seine Frau Olga war schon lange vor ihm verstorben. Sein Grab befindet sich auf dem Alten Friedhof in Rueil-Malmaison.

Filmografie (Auswahl)

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Als Regisseur

  • Sophie Albers: Julien Duvivier. In: Thomas Koebner (Hrsg.): Filmregisseure. Biographien, Werkbeschreibungen, Filmographien. 3. Auflage, Reclam, Stuttgart 2011, ISBN 978-3-15-010662-4, S. 197–200.
  • Eric Bonnefille: Julien Duvivier. Le mal aimant du cinéma français, volume 1, 1896–1940. L’Harmattan, collection Champs visuels, Paris 2002, 318 S.
  • Eric Bonnefille: Julien Duvivier. Le mal aimant du cinéma français, volume 2, 1940–1967. L’Harmattan, collection Champs visuels, Paris 2002, 326 S.
  • Ralph Eue et al.: Julien Duvivier. Virtuoses Kinohandwerk. Synema, Wien 2023, ISBN 978-3-901644-91-7.
  • Ben Mccann: Julien Duvivier. (French Film Directors), Manchester University Press, 2019.
Commons: Julien Duvivier – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise

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  1. Sophie Albers: Julien Duvivier. In: Thomas Koebner (Hrsg.): Filmregisseure. Biographien, Werkbeschreibungen, Filmographien. 3. Auflage, Reclam, Stuttgart 2011, ISBN 978-3-15-010662-4, S. 197–200.
  2. Walter Habel (Hrsg.): Wer ist wer? Das deutsche Who’s who. 24. Ausgabe. Schmidt-Römhild, Lübeck 1985, ISBN 3-7950-2005-0, S. 837.