Zum Inhalt springen

Joseph Piller

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Joseph Piller

Joseph Piller (* 31. Juli 1890 in Freiburg im Üechtland, Kanton Freiburg; † 13. Februar 1954 ebenda; heimatberechtigt in Bonnefontaine FR) war ein Schweizer Jurist, Hochschullehrer und Politiker der Konservativen Volkspartei (KVP), der unter anderem zwischen 1926 und 1933 Mitglied des Schweizer Bundesgerichts sowie von 1945 bis 1946 Präsident des Ständerats war.

Joseph Piller, Sohn des Kantonsbeamten Pierre-Athanase Piller und der Eugénie Clément, absolvierte nach dem Besuch des Kollegiums St. Michael in Freiburg und des Kollegiums Einsiedeln ein Studium der Rechtswissenschaften an der Universität Freiburg, das er 1913 mit dem Lizenziat beendete. Nach Weiterbildungen an der Universität von Paris sowie der Ludwig-Maximilians-Universität München erwarb er 1918 das Anwaltspatent. Im Anschluss wurde er 1919 zunächst ausserordentlicher Professor sowie 1924 ordentlicher Professor für allgemeines und schweizerisches öffentliches Recht an der Universität Freiburg. 1926 erfolgte für die Konservative Volkspartei (KVP) seine Wahl zum Mitglied des Schweizer Bundesgerichts, dem er bis 1933 angehörte.[1]

Als Nachfolger von Ernest Perrier erfolgte 1933 seine Wahl zum Mitglied des Staatsrates des Kantons Freiburg. Er genoss dabei als Bewunderer und geistiger Schüler Georges Pythons bei seiner Staatsratskandidatur 1933 die Unterstützung von Jean-Marie Musy,[2] zu dem er später auf Distanz ging. Als Staatsrat fungierte er vom 15. Januar 1933 bis zum 31. Dezember 1946 als Vorsteher der Erziehungsdirektion in der Freiburger Kantonsregierung. In seiner Amtszeit wurde an der Universität Freiburg die naturwissenschaftliche Fakultät mit den Instituten für Chemie, Botanik und Anatomie ausgebaut, und er liess trotz knappen Finanzen die 1941 eingeweihten Gebäude «Miséricorde» für die philosophisch-historische und die juristische Fakultät erstellen, was ihm den Ruf eines zweiten Universitätsgründers eintrug. Daneben unterstützte er die Hauswirtschaftslehre und brachte das Lehrerseminar von Hauterive nach Freiburg zurück. 1946 wurde er allerdings wegen seines autoritären Führungsstils und aus dem Umfeld von Maxime Quartenoud und Pierre Glasson lancierter Intrigen abgewählt, woraufhin er seine Lehrtätigkeit als ordentlicher Professor für allgemeines und schweizerisches öffentliches Recht an der Universität wieder aufnahm.

Bei den Parlamentswahlen am 27. Oktober 1935 wurde Piller, der auch Major der Infanterie war, für die KVP erstmals zum Mitglied des Ständerates gewählt und vertrat in diesem nach seinen Wiederwahlen 1939 und 1943 zwischen dem 25. März 1935 und dem 1. März 1947 den Kanton Freiburg. Er verfocht als einer der bedeutenden Freiburger Konservativen – unter anderem auch in 1932 und 1935 vorgelegten Studien – einen katholischen Korporativismus, und ihm schwebte eine christliche und föderalistische Schweiz vor, weshalb er beispielsweise das Strafgesetzbuch in der ursprünglichen Fassung vom 21. Dezember 1937 bekämpfte. Am 3. Dezember 1945 übernahm er von Paul Altwegg den Posten des Präsidenten des Ständerats und behielt dieses Amt bis zu seiner Ablösung durch Walter Ackermann am 2. Dezember 1946.[3] Er war ausserdem Präsident der Eidgenössischen Getreidekommission sowie Mitglied des Verwaltungsrates der Schweizerischen Bundesbahnen (SBB) und wurde 1938 Mitglied des Schweizerischen Studentenvereins (Schw. StV).

Am 13. März 1950 wurde Piller abermals Mitglied des Ständerates, dem er nach seiner Wiederwahl 1951 als Vertreter des Kantons Freiburg bis zu seinem Tod am 14. Februar 1954 angehörte. Er war mit Marie-Anne Wassmer verheiratet, Tochter des Kaufmanns Edouard Wassmer. Ihm zu Ehren wurde die Rue Joseph-Piller benannt, an der sich die Kantons- und Universitätsbibliothek Freiburg befindet.

Einzelnachweise

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
  1. Liste der ehemaligen Richterinnen und Richter des Bundesgerichts. Bundesgericht
  2. Musy, Jean-Marie. In: rulers.org. (englisch).
  3. Switzerland: Council of States Presidents. In: rulers.org. (englisch).