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Josef Kauper

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie

Josef Kauper (geboren am 21. Juni 1899 in Bayreuth; gestorben am 5. November 1945 bei Amberg)[1] war ein deutscher Rechtsanwalt in Nürnberg. 1945 war er von der amerikanischen Militärregierung eingesetzter Oberbürgermeister von Bayreuth.

Kauper studierte an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen Rechtswissenschaft. Er nahm als Freiwilliger am Ersten Weltkrieg teil und wurde 1917 zum Unteroffizier ernannt.[2] 1919 wurde er im Corps Onoldia recipiert;[3] in jenem Jahr kämpfte er im Freikorps Epp gegen die Münchner Räterepublik. Im Erlanger Studentenbataillon stellte er sich im März 1920 in Nürnberg gegen die Spartakisten.[2] 1922 wurde er in Erlangen zum Dr. iur. promoviert.[4]

1925 ließ er sich in Nürnberg als Rechtsanwalt nieder. In der Zeit des Nationalsozialismus schrumpfte seine Mandantschaft. Seine Mutter war Jüdin. Obwohl er Frontkämpfer war, wurde er wegen seiner Abstammung angefeindet und aus Vereinen ausgeschlossen. Aus seinem Beruf gedrängt wurde er nicht. Als 2. Vorsitzender von Onoldias Philisterverein gehörte er zu den vier Ansbachern, die ihr Band unter dem Druck des Arierparagraphen „freiwillig“ niederlegten; dem Corps blieb er aber zeitlebens eng verbunden. Er entging 1944 der Kommandierung in ein Arbeitsbataillon, musste aber einige Monate Zwangsarbeit verrichten.

Die Militärregierung in der Amerikanischen Besatzungszone ernannte ihn beim Beantragen eines Passierscheins nach Nürnberg am 24. April 1945 kurzerhand zum Oberbürgermeister seiner Heimatstadt ab dem folgenden Tag. Als politisch unbelasteter Mann, der zudem fließend Englisch sprach, kam er der amerikanischen Militärregierung wie gerufen. Am 25. April trafen sich Kauper und der Militärgouverneur Caroll J. Reilly zum ersten Mal. Es wurde festgelegt, dass alle männlichen Personen zwischen 16 und 55 Jahren zur Arbeitsleistung bei öffentlichen Arbeiten heranzuziehen seien. Ferner wurde angeordnet, dass die nach NS-Personen benannten Straßen und Plätze umgehend ihre alten oder neue Namen erhalten müssten. Generäle aus der Zeit des Dritten Reichs seien ebenfalls aus Straßennamen zu streichen.[5]

Kauper erwies sich als zielstrebiger und umsichtiger Nothelfer, der die Auseinandersetzung mit der Militärregierung nicht scheute. Ein zentrales Anliegen war ihm die Ansiedlung von Industrie. Am 3. November 1945 gründete er in Bayreuth die Liberal-Demokratische Partei (LDP), einen Vorläufer der FDP. Zwei Tage später kam er bei einem Verkehrsunfall auf einer Dienstfahrt nach Regensburg ums Leben.[6][7] Am Steuer seines Dienstwagens kollidierte er bei Amberg frontal mit einem Pferdefuhrwerk und erlag seinen Verletzungen; seine beiden Begleiter – der Stadtbaurat und der Leiter des Tiefbauamts – überlebten.[1]

Kauper hinterließ seine Frau und drei Kinder. Für die Wiederaufnahme des Ansbacherbandes starb er zu früh.

Einzelnachweise

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  1. 1 2 Bernd Mayer: Wie glücklich kann ein Stadtoberhaupt werden? in: Heimatkurier 1/2006 des Nordbayerischen Kuriers, S. 14 ff.
  2. 1 2 Hans Peter Hümmer: Einst und Jetzt, Bd. 65 (2020)
  3. Kösener Corpslisten 1996, 111/1009.
  4. Dissertation: Die Fernwirkung der Tarifverträge durch Allgemeinverbindlichkeitserklärung nach geltendem Rechte und unter Berücksichtigung des Entwurfs zu einem Arbeitstarifgesetz.
  5. Dünnbier und Freudenmädchen in: Nordbayerischer Kurier vom 9. Mai 2025, S. 13.
  6. Sie geleiteten Bayreuth durch fast zwei Jahrhunderte in: Heimatkurier 1/2005 (Beilage des Nordbayerischen Kuriers), S. 12 f.
  7. Reinhard Weber: Das Schicksal der jüdischen Rechtsanwälte in Bayern nach 1933 (2006)