Jerónimo Xavier

Jerónimo Xavier (geboren 1549 in Beire; gestorben am 27. Juni 1617 in Goa), ein Großneffe von Francisco Xavier, war ein spanischer jesuitischer Missionar, der zwanzig Jahre am Hof der Mogulherrscher Akbar und Dschahāngīr wirkte. Dort ging er nicht nur missionarischen Tätigkeiten nach, sondern setzte sich auch für die Interessen Portugals ein. Er hat zahlreiche christlich religiöse Schriften in persischer Sprache hinterlassen. Zu seinen bekanntesten Werken zählt das Mirʾāt al-quds (Spiegel der Heiligkeit), das am Mogulhof mehrfach illustriert wurde.
Jugend und Studium
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Jerónimo Xavier kam 1549 als Jerónimo de Ezpeleta y Goñi in dem herrschaftlichen Anwesen der Familie in Beire in Navarra zur Welt. Sein Vater war ein Neffe des jesuitischen Missionars Francisco de Xavier. Über seine Jugend ist lediglich bekannt, dass er mit 19 Jahren an der Universität Alcalá den akademischen Grad eines Bakkalaureus der Philosophie erlangte und am 7. Mai 1568 der Societas Jesu beitrat.[1.1] Im Zuge dessen nahm er den Namen seines Großonkels Xavier an.[1.2]
Sein nachfolgender Werdegang entspricht weitgehend der typischen Jesuitenausbildung seiner Zeit, in der viel Wert auf eine gute akademische Schulung gelegt wurde. Zunächst absolvierte er ein zweijähriges Noviziat in Toledo und vor allem in Alcalá de Henares, im 16. Jahrhundert das wichtigste Jesuitenkolleg in Spanien und direkt verbunden mit der Universität Alcalá. Diese Probezeit schloss er mit sogenannten einfachen Gelübden (Armut, Keuschheit, Gehorsam)[2.1] ab und studierte anschließend ein weiteres Jahr Philosophie und vier Jahre Theologie. 1575 erhielt er die Priesterweihe und war danach einige Jahre als Lehrer für Grundlagenfächer im Novizenkonvent[3] von Villarejo de Fuentes tätig.[1.2] Im Januar 1580 ging er nach Évora, um dort Portugiesisch zu lernen.[4] 1581 schiffte er sich nach Indien ein und verließ Lissabon am 8. April zusammen mit 14 Gefährten. Sie erreichten Goa am 24. September desselben Jahres.[5.1]
Erste Jahre in Indien
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]In Goa, die Hauptstadt von Portugiesisch-Indien, übernahm Xavier das Amt eines Novizenmeisters, musste aber schon nach einem Jahr aus gesundheitlichen Gründen von seinen Pflichten entbunden werden. Am 15. Januar 1584 wurde er zur feierlichen Profess der vier Gelübde zugelassen, bei der er sich ausdrücklich zum Gehorsam gegenüber dem Papst verpflichtete. Dieses letzte Gelübde stand keineswegs jedem Ordensbruder offen, sondern sollte nur diejenigen auszeichnen, die für eine Führungsschicht in Frage kamen.[2.2] Als "vollprofessierter" Jesuit wurde Pater Jerónimo nun zunächst Rektor der Jesuitenschule in Bassein. Das Klima setzte ihm jedoch sehr zu und er war erneut gezwungen, seinen Einsatz krankheitshalber zu beenden. In der Hoffnung auf verträglichere Wetterbedingungen wurde er 1586 nach Cochin versetzt, wo er die Leitung des Jesuitenkollegs übernahm. Dort bemühte er sich besonders, die Thomaschristen, einen Zweig der Assyrischen Kirche des Ostens, für die katholische Kirche zu gewinnen.[6.1] Im Jahr 1592 kehrte Pater Jerónimo wieder nach Goa zurück.[1.2]
Beschreibungen durch Zeitgenossen
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Aus seinen Briefen wird deutlich, dass Jerónimo Xavier höchste moralische Ansprüche an sich selbst hatte. Seine Qualitäten fielen den Zeitgenossen durchaus auf. So lobte ihn 1587 Pater Tristão da Costa, Konsultor des Provinzials von Cochin, in den höchsten Tönen:
„Mit seiner Klugheit und seinem Geschick sorgt er dafür, dass alle sehr glücklich und zufrieden sind und die Regeln und die religiöse Disziplin genauestens beachten. Und dies gilt sowohl für jene im Kolleg, um deren geistlichen Gewinn er sich sehr sorgfältig und gewissenhaft kümmert, als auch für die Außenstehenden, mit denen er sehr beschäftigt ist. Er erstaunt uns durch all die Arbeit, die er leistet, und gibt uns die moralische Kraft, im Dienst unseres Herrn fleißig und hingebungsvoll zu sein.“[6.2]
Zwei Jahre später schrieb der Superior in Travancore, er sei „tugendhaft, den Regeln zugetan, besonnen, gebildet und bei Jesuiten wie Außenstehenden beliebt“.[6.1] Pater Jerónimo setzte sich mit aller Kraft für die Gesellschaft Jesu ein und bemühte sich, die Arbeit seines Ordens zu optimieren. Das führte aber auch dazu, dass er in seinen Briefen an den Generaloberen, zu seiner Zeit Claudio Acquaviva, fortwährend seine Unzufriedenheit über die verschiedensten Dinge zum Ausdruck brachte, die seinen Anforderungen nicht genügten. Dazu gehörten nicht zuletzt einige seiner Mitbrüder. Beispielsweise missbilligte er, dass manche ihre angeblich schlechte Gesundheit als Ausrede nutzten, um Wochen und Monate in der Krankenstation des Kollegiums St. Paul in Goa zu verbringen. Er beklagte den Mangel an Eifer unter den Neubekehrten und konstatierte, dass es in Indien einigen schwerfalle, das Gelübde der Keuschheit einzuhalten, weshalb er für die Entlassung ungeeigneter Ordensmänner plädierte.[6.3]
Xaviers Auftreten brachte ihm nicht nur Sympathien ein. Als er 1592 zum Superior des Ordenshauses von Goa ernannt wurde, lehnten daher einige Jesuiten diese Wahl ab.[6.3] Der Protest wurde noch größer, als er 1593 für das Amt des Provinzials nominiert wurde. Aus diesem Jahr sind Briefe von Xaviers Mitbrüdern erhalten, die eine lange Liste an Beschwerden über seine Verhaltensweise enthalten. Beispielsweise werden seine cholerischen Ausbrüche und sein Wunsch, von anderen mit besonderer Hochachtung behandelt zu werden, beanstandet. Insbesondere warf man ihm vor, seine Tätigkeit als Beichtvater frommer Frauen ungebührlich ausgedehnt zu haben.[7.1] Als ein weiterer Grund für Vorbehalte ihm gegenüber wird sein Patriotismus genannt, der mit einer Bevorzugung seiner spanischen Landsleute einhergegangen sein soll.[6.3] Möglicherweise war aber auch Xaviers Bevorzugung seiner spanischen Muttersprache ein Auslöser für seine Ablehnung unter den portugiesischen Brüdern.[8.1] Die Mehrheit der Jesuiten in Indien bestand aus Portugiesen, die nicht weniger vaterlandsliebend als Pater Jeróme waren und keinen Spanier in der machtvollen Position des Provinzials dulden wollten. Obwohl Portugiesen und Spanier damals von demselben König, Philipp II., regiert wurden, blieb die Rivalität zwischen ihnen bestehen und wird in zeitgenössischen Briefen oft erwähnt.[6.4]
Um die Nominierung zum Provinzial zu verhindern, eröffnete sich für die Mitbrüder schließlich noch eine weitere Möglichkeit: Akbar hatte um die neuerliche Entsendung von Patres gebeten, und die Gemeinschaft wählte Xavier mit nur einer Gegenstimme zum Leiter der dritten Mission an den Mogulhof.[8.2] Der Provinzial von Goa, Francisco Cabral, hielt die Wahl jedoch für einen Fehler. In einem Brief an Acquaviva aus dem Jahr 1594 weist er darauf hin, dass man „unzufrieden mit ihm in Kochi und später in Goa“ war.[6.3]
Die erste und zweite Mission an den Mogulhof
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Auf Wunsch Akbars waren schon früher jesuitische Patres an den Mogulhof entsandt worden: Die erste Mission unter der Leitung von Pater Rodolfo Acquaviva dauerte von Februar 1580 bis Februar 1583, die zweite, unter der Führung von Pater Duarte Leitão, traf Anfang 1591 in der neuen Hauptstadt Lahore ein. Beide Missionen waren in der Hoffnung aufgebrochen, zunächst den Padischah und danach die gesamte Bevölkerung für den Katholizismus zu gewinnen. Doch trotz der Freundlichkeit und vielversprechenden Andeutungen Akbars mussten die Jesuiten am Ende feststellen, dass sich sein Interesse am Christentum in Grenzen hielt und keinerlei Konversionserfolge zu erwarten waren.
Die Abreise der zweiten Mission noch im Jahr ihrer Ankunft erfolgte nicht nur, weil es keine Aussicht auf eine Bekehrung gab, sondern auch, weil die Patres den Zorn der Bevölkerung fürchteten. Der Mogulkaiser hatte nämlich in den 1580er Jahren eine neue religiöse Legitimation für seine Herrschaft entwickeln lassen, die vom Islam unabhängig sein und den multireligiösen Gegebenheiten des Reiches besser entsprechen sollte. Diese Abkehr vom Islam führte bei der muslimischen Bevölkerung von Lahore jedoch zu Unzufriedenheit, für die sie die christlichen Patres am Mogulhof verantwortlich machten. Angesichts der Feindseligkeit, die man ihnen entgegenbrachte, fürchteten die Jesuiten schließlich, Opfer tätlicher Angriffe zu werden, und verließen Lahore, ohne auf Weisung aus Goa zu warten.[9] Dort war man von ihrer Eigenmächtigkeit wenig erfreut, glaubte man doch, Akbar habe kurz vor einer Konversion zum Christentum gestanden.[10.1]
Akbars Motive für seine Kontakte zu den Jesuiten
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Akbar war auch nach der religiösen Neuorientierung des Reiches von 1582 am Christentum interessiert. Er schätzte die Anwesenheit der Patres, die, wohlinformiert durch den Briefverkehr mit ihren Ordensbrüdern, Nachrichten aus aller Welt lieferten. Zugleich waren die Missionare selbst exotische Fremde, die von weit her kamen und damit für alle sichtbar vom Weltruhm des Mogulhofes kündeten.[11]
Es gab aber auch handfeste politische Gründe für den Kontakt mit den europäischen Missionaren: Die Präsenz der Portugiesen im Indischen Ozean stellte für das Mogulreich eine erhebliche Behinderung und finanzielle Belastung dar, von denen sowohl der Fernhandel als auch die Mekkapilger betroffen waren. Wer eine sichere Überfahrt zur arabischen Halbinsel oder nach Afrika wünschte, musste sich nach Diu begeben und die portugiesischen Behörden dort – freilich nicht kostenlos – um sicheres Geleit bitten. Schiffe, die ohne einen Passierschein, ein cartaz, unterwegs waren, wurden, wenn sie den Portugiesen in die Hände fielen, gekapert und wie Kriegsbeute behandelt. Um diesen für die Moguln höchst unbefriedigenden Zustand zu beenden, ließ Akbar Daman und Diu 1582 mehrfach angreifen. Es gelang aber nicht, die Hafenstädte aus dem Griff der Portugiesen zu befreien, so dass der Mogulkaiser es offenbar für das Beste hielt, den Weg der Diplomatie zu beschreiten. Er wünschte deshalb eine erneute Entsendung von Patres, die den Kontakt zu den portugiesischen Behörden in Goa sicherstellten.[12]
Die Entsendung der dritten Mission unter der Leitung von Jerónimo Xavier
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Akbars Anliegen bekam wirksame Unterstützung durch den Vizekönig von Portugiesisch-Indien, Matias de Albuquerque (reg. 1591–1597). Er begrüßte es, dass sich durch die Patres ein Kanal zum Mogulhof öffnete, mit dessen Hilfe er neben den religiösen auch die politischen und wirtschaftlichen Interessen seines Landes abzusichern hoffte. Der Vizekönig handelte ganz im Sinne Philipps II., der in einem Brief ausdrücklich forderte, dass ständig Jesuiten am Hof sein sollten, um ihm Nachrichten über den Padischah zukommen zu lassen.[13.1] Schon die erste Mission unter Rodolfo Acquaviva versorgte die Autoritäten in Goa mit politischen Informationen und setzte sich für die portugiesischen Interessen am Mogulhof ein, und so hielten es auch die Patres der dritten Mission. Maclagan hielt es sogar für möglich, dass die jesuitischen Vorgesetzten von Anfang an wenig Hoffnung auf eine Konversion des Kaisers hatten und die Mission unter Xavier vor allem aus politischen Gründen unternommen worden war.[13.2] De Albuquerque setzte also den Provinzialoberen unter Druck, dem Ersuchen des Mogulkaisers schleunigst zu entsprechen.[10.2]
Am 3. Dezember 1594 brach eine fünfköpfige Gruppe von Goa auf. Jerónimo Xavier, zu diesem Zeitpunkt 45 Jahre alt, war der Leiter der Mission. Seine Begleiter waren Pater Pinheiro, 1556 auf den Azoren geboren, Bruder Bento de Góis, ein Landsmann Pinheiros, der später durch seine China-Reise berühmt werden sollte, und ein portugiesischer Maler[13.3]. Akbars Dolmetscher Domingo Pires,[14] ein Armenier, der die Patres abholen sollte, war ebenfalls dabei.[10.3]

Zwei Briefe von Pater Pinheiro geben Auskunft über diese Reise. Darin berichtet er, dass die Gruppe per Schiff bis Cambay fuhr, wo sie auf Prinz Murād trafen. Der zweite Sohn Akbars war auf einem Feldzug und befand sich zufällig zu dieser Zeit in Cambay. Er hatte während der ersten Mission Portugiesischunterricht erhalten und Kenntnisse über das Alte und das Neue Testament erworben.[15] Prinz Murād bestellte die Patres zu sich, befragte sie zu verschiedenen Bräuchen in Europa und versorgte sie mit Geld und Transportmitteln. Dadurch konnten sie sich einer Karawane anschließen, die sich mit 400 Kamelen, 100 Pferden und ebensovielen Wagen über Ahmedabad und Patan nach Norden bewegte. Der Weg war beschwerlich und es gab streckenweise keine Lebensmittel, weil durch eine langdauernde Dürre eine Hungersnot herrschte und gleichzeitig eine Seuche grassierte, die das Land etwa drei Jahre lang im Griff hielten. Dadurch starben viele Menschen oder flüchteten, so dass ganze Gegenden entvölkert wurden.[16.1]
Die Reisenden erreichten Lahore am 5. Mai 1595.[10.4] Die Ankunft dieser großen Karawane mit „mit erlesenen Waren“ und „mehreren gelehrten christlichen Asketen, bekannt unter dem Namen Padri“ war ein großes Ereignis, das auch im Akbar-nāma Erwähnung findet.[17.1] Den Missionaren wurde ein Haus im kaiserlichen Palastareal zugewiesen,[10.5] und gleich am nächsten Tag erhielten sie einen festlichen Empfang beim Padischah. Akbar forderte sie auf, möglichst schnell Persisch zu lernen, damit sie ohne Zwischenschaltung Dritter über „Themen wie die Erlösung“ sprechen können. Bis dahin sollten religiöse Fragen nicht thematisiert werden.[10.6] Stattdessen wollte der Mogulherrscher gern mehr über die Waffen erfahren, die die Portugiesen in Indien zur Verfügung hatten. Die Patres sandten ausführliche Berichte ihrer Erlebnisse an ihren Vorgesetzten, der diese Informationen an den spanischen König weiterleitete. Philipp II. forderte seinerseits den Vizekönig in Goa auf, die Missionare am Mogulhof zu ermuntern und zu unterstützen, damit sie bei ihrer Mission „die guten Ergebnisse, die davon erwartet werden, erreichen“.[10.6]
Am Hof von Akbar in Lahore: 1595 bis 1598
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Akbar und sein Sohn Salīm, der spätere Dschahāngīr, zeigten sich den Missionaren gegenüber außerordentlich wohlwollend. In einem Brief vom 3. September 1595 schreibt Pinheiro: „Sowohl der Kaiser als auch der Prinz begünstigten uns und behandelten uns mit großer Freundlichkeit: Und ich bemerkte, dass er keinem seiner eigenen Leute so viel Aufmerksamkeit schenkte wie uns, denn er wünschte, dass wir abwechselnd auf dem Kissen Platz nahmen, auf dem sonst nur er und der Prinz zu sitzen pflegten.“[13.4] Wenn die Patres bei einer Durbar zugegen waren, begrüßte er sie mit einem kurzen Kopfnicken und wies ihnen bequeme Sitze zu – eine große Ehre, die er sonst niemandem gewährte. Außerdem überließ er den Ordensmännern zahlreiche Bücher, die ihm frühere Missionare mitgebracht hatten.[13.5]
Spracherwerb
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Das Erlernen der persischen Sprache gehörte nun zu den wichtigsten Aufgaben Xaviers. Er hatte schon auf der Reise an den Moguhof damit begonnen und sich in seinem ersten Jahr am Hof fast ausschließlich dem Spracherwerb gewidmet. In einem Brief vom September 1596 berichtet er, dass seine Kenntnisse zu diesem Zeitpunkt noch nicht ausreichend waren für eine Diskussion in höfischer Runde. Akbar hatte ihn bei einigen abendlichen Versammlungen (Madschlis, Plural maǧālis) zum Christentum befragt. An der dabei entstehenden Diskussion hatte sich der Pater aber wegen der vielen arabischen Begriffe, die dort verwendet wurden, nur eingeschränkt beteiligen können.[1.3]
Um das gegenseitige sprachliche Verständnis zu fördern, stellte Akbar ihnen den Gelehrten ʿAbd as-Sattār b. Qāsim Lahōrī (st. 1618/19) an die Seite. Er diente am Hof als Historiker und bekam nach der Ankunft Xaviers den Auftrag, die „fränkische Sprache“ (zabān-i firang) zu erlernen und die Geschichte und Religion der Europäer zu studieren. Er nahm deshalb bei Pater Jerónimo Portugiesischunterricht und eignete sich dort außerdem Kenntnisse im Lateinischen an.[18.1] Er war später bei der Übersetzung von Xaviers Werken aus dem Portugiesischen ins Persische behilflich.[10.7]
ʿAbd as-Sattār war nicht der einzige, den die Patres unterrichteten. Wie schon die Missionare vor ihnen eröffneten sie eine kleine Schule, in der jeder Interessierte Portugiesischunterricht erhalten konnte. Die Jesuiten hofften, auf diese Weise die christlichen Lehren leichter vermitteln zu können. Zu den Schülern gehörten auch die Kinder einiger Prinzen und Adliger.[16.2]
Reise nach Kaschmir
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Vom 15. Mai bis zum 13. November 1597 begleiteten Xavier und de Góis den Mogulherrscher nach Kaschmir. Sie waren aus freien Stücken mitgekommen, ohne Zweifel in der Hoffnung auf neue Gelegenheiten, mit dem Kaiser ins Gespräch über Glaubensfragen zu kommen. Der Reise vorausgegangen war ein verheerendes Feuer im Palastbereich, das während der Naurūz-Feierlichkeiten ausgebrochen war. Pater Jerónimo berichtet in einem Brief vom 1. September 1597, dass Akbar wegen der großen Zerstörungen durch den Brand die Reise nach Kaschmir befohlen habe.[5.2] Das Akbar-nāma erwähnt das Feuer ebenfalls, weist aber ausdrücklich darauf hin, dass die Reise nach Kaschmir schon vor dem Feuer beschlossen gewesen sei.[17.2]
Auf dem Hinweg schlossen sich die beiden Patres der gewaltigen Karawane aus rund 25.000 Personen an,[5.3] die über teils verschneite Berge zog, „die viel größer als unsere Pyrenäen“ waren. Die Reise erwies sich als sehr anstrengend und brachte sowohl Xavier als auch de Góis[5.3] eine fiebrige Erkrankung ein, die sich erst nach zwei Monaten allmählich besserte. Akbar schickte Xavier seinen eigenen Arzt und besuchte ihn sogar persönlich – ein Zeichen seiner hohen Wertschätzung. Gegen Ende des Sommers, als es Pater Jerónimo allmählich besser ging, wurde der Padischah selbst krank. Ein Gespräch über seine Konversion, auf das der Missionar gehofft hatte, ergab sich dadurch während der Zeit in Kaschmir nicht mehr.[16.3]
Jerónimo Xavier beschreibt Kaschmir als ein klimatisch angenehmes Land, das vor der Eroberung durch die Moguln 1586 auch ein fruchtbares Gebiet gewesen sei. Nun aber sei es durch den zurückliegenden Krieg und durch die Tyrannei von Akbars Gouverneuren entvölkert und vielfach unbewirtschaftet. Die Bevölkerung sei extrem arm und es herrsche große Not, so dass Eltern ihre Kinder verkaufen müssen. Xavier kaufte einige von ihnen, um sie zu taufen. Die Kinder waren jedoch schon so geschwächt, dass sie wenig später starben. Die Ankunft des Mogulherrschers mit seinem gewaltigen Tross vergrößerte die Hungersnot im Land noch weiter.[5.4] Für den Rückweg nach Lahore wollte Pater Jerónimo den Tumult der großen Karawane vermeiden und bat deshalb für sich und seinen Begleiter um Erlaubnis, vorausgehen zu dürfen – eine Bitte, die Akbar ihnen gewährte. Kälte, Hunger und schlechte Straßen, die zuweilen nicht mehr waren als schmale Pfade im Gebirge, machte den Patres und ihrem Lastelefanten schwer zu schaffen. Über ihre Ankunft in Lahore am 13. November 1597 berichtet Xavier voller Freude, dass die Leute in der Stadt freundlicher als gewohnt waren und keine Steine nach ihnen warfen oder Beleidigungen riefen.[16.4]
Missionsaktivitäten
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Auch für die dritte Mission blieb das wichtigste Ziel die Christianisierung „Mogors“. Man hatte sich jedoch von dem Plan einer Mission „von oben nach unten“ verabschiedet, bei der man hoffte, dass die Bekehrung des Herrschers die Konversion der gesamten Untertanen nach sich ziehen würde. Stattdessen wollte man nun zweigleisig fahren und bemühte sich, neben einer ständigen Anwesenheit am Hof zugleich einen verstärkten Kontakt zur Bevölkerung aufzubauen. Den Patres war es gestattet, öffentlich zu predigen, und bis September 1595 gab es bereits mehrere Konvertiten. Sehr hilfreich war auch, dass Akbar ihnen im selben Jahr die Erlaubnis erteilt hatte, in Lahore eine Kirche zu errichten.[16.5] Pater Pinheiro blieb deshalb vor Ort, um die Bauarbeiten zu überwachen, während sich Xavier und de Góis in Kaschmir aufhielten. Wegen der großen Brandschäden im kaiserlichen Wohnbereich waren in diesem Sommer neben der Wiederherstellung der Palastgebäude keine Bauaktivitäten erlaubt. Allein die Errichtung der Kirche durfte weiter vorangetrieben werden. Sie wurde am 7. September 1597 mit einer feierlichen Zeremonie eröffnet. Wahrscheinlich war mit dem Gotteshaus auch die Residenz der Patres verbunden, die somit spätestens 1597 aus ihrer Unterkunft auf dem Palastareal auszogen.[10.8]
Während der Padischah selbst ausführliche Diskussionen über religiöse Themen vermied, führten Xavier und Pinheiro lange Unterredungen mit muslimischen Höflingen, wenn Akbar nicht zugegen war. Gespräche im Kreis von Prinz Salīm gab es ebenfalls.[1.4] Einige Male hat Pater Jerónimo auch eine Moschee aufgesucht, um den Muslimen die katholische Lehrmeinung über Jesus und Maria nahezubringen. Er wählte dafür einen Freitag, an dem besonders viele Muslime zum Gebet kommen. Seine Vorträge trafen grundsätzlich auf Interesse, doch sobald er über die Trinität und die Göttlichkeit Jesu sprach und die Prophetie Mohammeds in Frage stellte, weigerten sich die Gelehrten, die Diskussion mit ihm fortzusetzen.[1.5]
De Castro, ein jesuitischer Pater, der seit 1610 der Mogulmission angehörte,[10.9] erwähnt viele Jahre später in einem Brief, dass Xavier im Haus der Missionare hochstehende Muslime empfangen habe. Sie seien vor allem gekommen, um die von ihm angefertigte Weltkugel, eine Drehscheibe, die den Sonnenlauf anzeigt, oder andere mathematisch-kalendarische Gebilde zu sehen. Bei diesen Gelegenheiten habe Pater Jerónimo versucht, bei seinen Besuchern Interesse für den katholischen Glauben zu wecken.[1.6]
Feldzug auf dem Dekkan, 1598 bis 1601
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Ende 1598 zog der Kaiser mit seinem Heer zunächst nach Agra, und von dort im Juli 1599 weiter auf den Dekkan, um das Mogulreich in Richtung Süden auszudehnen. Pater Pinheiro blieb in Lahore und widmete sich dort der christlichen Gemeinde, während Xavier und de Góis sich auf eigenen Wunsch dem Heereszug anschlossen, um sich selbst und ihr Anliegen beständig bei Akbar in Erinnerung zu halten. In einem Brief vom 1. August 1599 schildert Xavier, wie er Mitte Juli 1599 endlich die Gelegenheit erhielt, den Padischah unter vier Augen zu sprechen. Dabei bat er ihn um eine Erklärung, warum er den Patres nicht wie vereinbart bei ihren Ausführungen über wichtige Glaubensfragen zuhöre. Akbar vertröstete ihn, er sei gerade durch den Dekkan-Feldzug beschäftigt, man werde später Zeit finden, und wies außerdem darauf hin, dass er keinen Grund zur Klage habe, da die Christen unter ihm im Vergleich zu anderen islamischen Ländern außerordentliche Freiheiten genössen: „Als die Muslime die Herrscher waren, hätte da irgendjemand zu sagen gewagt, dass Christus Gott war? Er wäre sofort getötet worden. Jetzt ist er sicher.“ Der Pater stimmte zu und das Gespräch war damit beendet.[13.6]

Ein bemerkenswerter Zwischenfall ist aus der Zeit überliefert, als die Mogultruppen die Festung von Asirgarh belagerten. Dort hatte Bahādur Schāh, der König von Khandesh, Zuflucht genommen. Weil Akbar Geschütze und Munition fehlten, forderte er Pater Jerónimo auf, die Portugiesen in Chaul brieflich um eine baldmögliche Übersendung des fehlenden Kriegsgeräts zu bitten. Denn schließlich, so der Padischah, seien „sie (die Portugiesen) doch seine (Akbars) sehr guten Freunde.“[19.1] Xavier weigerte sich jedoch unter dem Vorwand, er könne einen solchen Beitrag zum Krieg nicht mit seinem Glauben vereinbaren. Über seine mangelnde Kooperation war der Kaiser so wütend, dass er den Patres befahl, seinen Hof sofort zu verlassen. Einer der Adligen riet ihnen indessen, lieber zu bleiben und abzuwarten, bis sich der Sturm gelegt hat. Tatsächlich war der Groll des Mogulherrschers nach kurzer Zeit verflogen.[16.6]
Xaviers Ablehnung dürfte weniger von seiner christlichen Überzeugung als vielmehr von seinem Wissen um den kurz zuvor geschlossenen Friedensvertrag zwischen Bahādur Schāh und den Portugiesen beeinflusst gewesen sein.[19.2] Als die Festung am 17. Januar 1601 kapitulierte, gehörten zu den Gefangenen auch sieben Hauptleute, die entweder selbst Portugiesen waren oder von Portugiesen abstammten, sich allerdings zum Islam bekehrt hatten. Auf Betreiben Pater Jerónimos sah Akbar von ihrer Hinrichtung ab und gab sie stattessen in den Gewahrsam des Jesuiten, der „sich der Rettung ihrer Seelen widmete“.[19.2]
Am Mogulhof in Agra, 1601–1605
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Religionsfreiheit und Kirchenbau
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Nach dem Fall von Asirgarh am 17. Januar 1601 setzte Akbar den Dekkan-Feldzug nicht weiter fort, sondern begab sich wegen einer Rebellion seines Sohnes Salīm zurück in den Norden. Er erreichte Agra im Sommer 1601.[16.7] Dort fand sich auch Pater Pinheiro ein, der sich nach der Ankunft eines neuen Missionars in Lahore, Pater Francis Corsi (1573–1635),[10.10] auf den Weg gemacht hatte, um Xavier in Agra zu treffen. In Lahore hatte sich die Lage für die Christen inzwischen deutlich verschlechtert. Qulīdsch Chān, Schwiegervater von Akbars Sohn Danyāl, war als Gouverneur eingesetzt worden. Er war ein unerschütterlicher Sunnit,[20] der keinerlei Sympathien für das Christentum hegte. Außerdem versetzte sein Sohn Mīrzā Lahōrī die Stadt mit willkürlichen Hinrichtungen zu seiner persönlichen Belustigung in Angst und Schrecken.[13.7] Die Lage wurde so schlimm, dass die Christen begannen, aus Lahore zu fliehen. Pater Pinheiro war sich bewusst, dass allein die Angst vor dem König Qulīdsch Chān davon abhielt, ihn zu töten.[1.7] Um die Christen vor solchen Übergriffen zu schützen, bat Xavier den Padischah um die Ausstellung eines Fermans, der Religionsfreiheit gewährte. Dass der Kaiser tatsächlich der Bitte nachkam, war ein bedeutender Schritt, denn bis zu diesem Zeitpunkt hatte er eine schriftliche Bestätigung vermieden. Dieser Ferman von 1602 stärkte die Stellung der Missionare erheblich.[1.8]
Eine weitere Verbesserung für ihr Missionsanliegen war der Bau einer Kirche in Agra ab 1604. Die Patres hielten den Gottesdienst bis dahin in einem Raum ihres Hauses ab, den sie als Kapelle eingerichtet hatten und der sehr bald zu klein wurde. Die Kosten für den neuen Kirchenbau trug zum großen Teil ein Armenier, der in der Literatur im allgemeinen als Chwādscha Martinus bezeichnet wird. Prinz Salīm unterstützte das Unternehmen ebenfalls.[10.11] Während der Bauphase ergaben sich durch die Besitzansprüche des früheren Eigentümers auf das Bauland einige Verzögerungen, so dass die Fertigstellung erst 1613 erfolgte. 1635 ließ Shah Jahan die Kirche wieder abreißen.[10.12]
Auseinandersetzung mit John Mildenhall
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Eine der heftigsten Auseinandersetzungen erlebte Xavier durch das Auftreten des englischen Kaufmanns John Mildenhall, der 1603 den Mogulhof erreichte. Mildenhall war im Levantehandel tätig gewesen, entschied sich aber, als er von der Gründung der East India Company erfuhr, nach Indien zu reisen, um dort Kontakte für künftige Geschäftsverbindungen anzubahnen. Er hoffte, für seine Dienste in London eine Belohnung zu erhalten.[7.2] Obwohl er lediglich eine Art Lizenz (leave) für eine Handelsreise vom englischen Konsul in Aleppo besaß,[7.3] trat der Kaufmann selbstbewusst als Gesandter Königin Elisabeths I. auf und schlug Akbar die Aufnahme von Handelsbeziehungen und eine anglo-mogulische Allianz gegen die Portugiesen vor. Er informierte den Mogulkaiser über den Krieg zwischen England und Spanien und wünschte freie Hand für seine Landsleute, portugiesische Schiffe und Häfen in Indien anzugreifen und zu plündern.[7.4]
Die Patres waren höchst alarmiert: Die von dem „häretischen Engländer“[7.5] geforderte Zusage hätte die portugiesische Vormachtstellung in Indien massiv bedroht und damit zugleich die politische Basis der Jesuitenmission, die offiziell unter dem portugiesischen Padroado stand.[8.3] Xavier wollte deshalb um jeden Preis verhindern, dass Mildenhall bei Akbar Erfolg hat. Für den Mogulherrscher indessen kam das Angebot gelegen, passte es doch zu den strategischen Interessen seiner Außenpolitik und stellte ihm eine Möglichkeit in Aussicht, die Portugiesen unter Druck zu setzen. Laut Xavier kamen nach Mildenhalls Audienz bei Akbar Gerüchte auf, der Padischah habe die Forderungen des englischen Gesandten akzeptiert und sei bereit, einen Firman zu erlassen, der „seinem Volk die Erlaubnis erteilt, in die Häfen des Königs zu kommen“ und „alle Kontakte mit den Portugiesen zu beenden“.[7.6]
Trotz der ermutigenden Versprechungen des Mogulkaisers ließ die Unterzeichnung des Firmans auf sich warten – ein Rückschlag, den Mildenhall Xavier und Corsi zuschrieb. Er betrachtete die Jesuitenmissionare, „die dort in großer Ehre und Ansehen lebten“, als ernsthaftes Hindernis für die Engländer und war überzeugt, dass sie „Tag und Nacht nach Wegen suchten, meinen Verdruss zu erregen“.[7.7] Um die Jesuiten auszubooten, stiftete Mildenhall einen Portugiesen dazu an, unter den Armeniern Gerüchte über das skandalöse Verhalten der Patres, insbesondere gegenüber Frauen, zu verbreiten. Die Armenier, die zu den größten Geldgebern der christlichen Gemeinde gehörten und deshalb der Hauptpfeiler der Missionsarbeit waren, distanzierten sich von den Jesuiten und wollten nicht mehr in den Gottesdienst kommen, bis die Anschuldigungen geklärt waren.[7.8] Pater Jerónimo sah sich dadurch in einen Kampf hineingezogen, in dem er sich „so müde (...) und so entehrt und beleidigt fühlte“, dass er in seiner Verzweiflung schließlich Akbar um Intervention bat.[7.5]
Die Vorschläge des englischen Kaufmanns fanden die Unterstützung einiger Fraktionen am Mogulhof, die, nach den Worten Xaviers, zusammen mit Mildenhall „tausend Dinge gegen uns und die christliche Religion planten, um diesen Engländer zu begünstigen“.[7.6] All dies habe Mildenhall durch seine Lobbyarbeit bei den Mogul-Beamten erreicht und „auf tausendfache Weise mit hohen Bestechungsgeldern“ versucht, Firmane und andere valide Zusagen vom König zu erhalten. „Seit mehr als zwei Jahren arbeitet er daran, aber ich vertraue auf Gott, unseren Herrn, dass es noch viele weitere Jahre dauern wird, in denen der Engländer nicht bekommt, was er will, und es ist kein geringer Dienst an unserem Herrn, solch eine schädliche Sache für den Staat und die Religion zu verhindern.“[7.9]
Mildenhalls Bemühungen blieben letztlich erfolglos. Dem Bericht Xaviers lässt sich entnehmen, dass der Engländer in Ungnade fiel, weil er in Intrigen zwischen den verschiedenen Fraktionen um die Mogulprinzen verstrickt war.[7.6] Er verließ den Hof im Jahr 1605 oder 1606.[7.10] Zurück in London gelang es ihm nicht, sich in der East India Company für den Indienhandel zu qualifizieren. Er reiste dennoch ein weiteres Mal an den Mogulhof, erkrankte jedoch unterwegs und konnte Ajmer, den Aufenthaltsort Dschahāngīrs zu dieser Zeit, nur mit Mühe erreichen. Thomas Kerridge, einer der ersten Faktoristen der East India Company in Surat,[21] traf Mildenhall kurz vor dessen Tod. Aus seinen Briefen geht hervor, dass die Patres für die Unterbringung des Kranken gesorgt haben. Es dürfte die Annäherung von Jesuiten und Engländer erleichtert haben, dass letzterer zwischenzeitlich zum Katholizismus konvertiert war.[7.11] Mildenhall starb im Juni 1614 und wurde auf dem katholischen Friedhof in Agra beigesetzt.[22.1]
Bilder für den Mogulhof
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Schon im Jahr seiner Ankunft stellte Pater Jerónimo fest, dass sowohl Akbar als auch sein Sohn Salīm außerordentlich interessiert waren an Bildern aus Europa, von denen sie nicht selten Kopien anfertigen ließen. Der die Missionare begleitende Maler wurde gleich nach der Ankunft von dem Prinzen vereinnahmt, um zunächst eine Madonna,[1.9] später zahlreiche weitere Bilder, unter anderem auch das des Ordensgründers Ignatius Loyola, zu kopieren.[13.8] Mit einer solchen Begeisterung für Bilder mit christlichen Themen an einem muslimischen Königshof hatten die Patres nicht gerechnet. Im Jahre 1598 schreibt Xavier an den General der Societas, dass Akbars Sohn Salīm „so begierig war nach (...) Bildern unseres Heilandes und der gesegneten Jungfrau, der Königin der Engel (deren Schutz er sich, wie er sagt, selbst anvertraut), dass es unsere Verwunderung erregt.“[13.9] Es wurde ein fester Bestandteil in Xaviers Briefen an den Generaloberen in Rom, um die Zusendung von Christus-, Marien- und Heiligenbildern zu bitten und vor allem immer wieder Drucke anzufordern, „weil diese in Europa so billig und am Mogulhof so nützlich“ sind.[1.10]
Der Nutzen der Bilder bestand darin, dass sie das beste – und manchmal das einzige – Mittel waren, um mit dem Mogulherrscher ins Gespräch zu kommen, der genauestens über das Dargestellte Bescheid wissen wollte. Sowohl Akbar als auch sein Sohn besaßen Bilder und Drucke, zu denen sie den Patres Fragen stellten. Diese Gelegenheiten nutzte der Missionar, um ausführlich über die christliche Religion zu sprechen – immer in der Hoffnung, doch noch den einen oder anderen zu bekehren.[1.11]
Einer der Höhepunkte solcher durch Bilder ausgelöste Kontakte war 1602 die Präsentation der Kopie einer Marienikone aus der Kirche Santa Maria Maggiore in Rom, die im 19. Jahrhundert den Namen Salus populi Romani erhielt. 1603 bekamen die Patres eine Kopie des Bildes, die für ihre Kirche in Agra gedacht war. Die Ikone zog zahlreiche Schaulustige an und bald bat auch Akbar, ihm das Kunstwerk zu zeigen. Er lieh sich das Bild mehrmals aus[10.13] und zeigte es auch anderen Adligen. Die Patres nutzten die Gelegenheit, das dort versammelte Publikum ausführlich über Jesus und Maria im Christentum zu informieren.[10.14] Die Ikone wurde mehrfach von den Malern des kaiserlichen Ateliers kopiert.[23]
Auch nach der Thronbesteigung Salīms als Dschahāngīr blieb sein Interesse an europäischen Bildern bestehen. Einige Buchillustrationen[24] und waren die Grundlage von abendlichen Diskussionen im Jahr 1608. Etwa einen Monat lang gingen die Patres Jerónimo und Corsi jeden Abend zu den Versammlungen und sprachen dort über verschiedene Aspekte der christlichen Religion. Es gab Kontroversen beispielsweise über die Zulässigkeit von Bildern Gottes und der Kreuzigung Jesu[1.12] – eine Vorstellung, die von den Muslimen, die Jesus als den Propheten ʿĪsā ibn Maryam verehren, strikt abgelehnt wird.
Die europäischen Bilder waren auch die Vorbilder für Wandmalereien, die Dschahāngīr in seinen Palästen anbringen ließ. Xavier beschreibt 1608:
„Im Inneren des Palastes (von Agra) ließ der König die Wände und Decken verschiedener Hallen mit Bildern des Mysteriums von Christus unserem Herrn, mit Szenen aus der Apostelgeschichte, die der Vitensammlung (der Apostel) entlehnt waren, die wir ihm gegeben hatten, sowie mit den Geschichten der Heiligen Anna, Susanna und anderen (Heiligen) ausmalen. Alles das tat der König aus eigenem Antrieb, ohne dass irgendwer auf ihn einwirkte. Er hat seine Maler beauftragt, die Patres bezüglich der Farben für die Kleidung zu konsultieren und sich streng an das zu halten, was wir ihnen sagen. Die zu malenden Figuren wurden vom König selbst aus seiner Sammlung von Drucken ausgesucht und er entschied, wo sie zu platzieren waren. Von all den Drucken, die er gemalt haben wollte, ließ er seine Maler großformatige Skizzen auf Papier anfertigen, und die Patres legten dar, wie die Bilder ausgeführt werden sollten. Über diese ganze Dekoration sind die Muslime[25] sehr verdrossen, da sie keine Portraits dulden, selbst von denjenigen nicht, die sie für Heilige halten, und noch weniger von solchen, die einem Glauben angehören, dem sie so sehr feindlich gegenüberstehen.“[1.13]
Als im selben Jahr ein Bild der Anbetung der Könige aus Rom für Dschahāngīr eintraf, waren die Kenntnisse der Patres erneut gefragt.[1.14]ref>
Xavier war also für die Einführung vieler Bilder und Drucke am Mogulhof verantwortlich und er spielte eine aktive Rolle bei der Anfertigung von Kopien dieser Werke. Die Fülle an Informationen in seinen Briefen zeigt, dass ein beachtlicher Teil seiner Aktivitäten diesen Angelegenheiten gewidmet waren. Neben der Abfassung persischer Werke war der Einsatz von Bildern eines von Xaviers wichtigsten Mitteln, um gute Beziehungen zu Akbar und Dschahāngīr zu pflegen.[1.15]
Am Hof von Dschahāngīr, 1605–1615
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Gespräche über Religion
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Als Dschahāngīr 1608 nach längerer Abwesenheit nach Agra zurückkehrte, nahm er die Madschālis wieder auf, zu denen auch die Patres etwa einen Monat lang jeden Abend eingeladen waren.[1.16] Xavier hoffte dabei auf eine Gelegenheit, den einen oder anderen, womöglich sogar den Mogulherrscher selbst, für das Christentum zu gewinnen, und schrieb an einen befreundeten Pater, er habe „den Haken ins Wasser geworfen, in der Hoffnung, dass der Fisch anbeißt“.[1.17]

Pater Jerónimo ging nicht unvorbereitet in die Gesprächsrunden. Er hatte bereits 1597 mit der Arbeit an dem apologetischen Traktat Fuente de Vida begonnen, den er später unter dem Namen Āʾīna-yi ḥaqq-numā (Spiegel, der die Wahrheit zeigt) ins Persische übersetzte. In einem Brief an den Generaloberen Acquaviva erklärt er, er wolle damit systematisch die Wahrheit des Christentums und die Falschheit des Islams darlegen. Die solchermaßen ausgearbeitete Strategie für Disputationen war als Leitfaden nicht nur für ihn, sondern auch für andere Missionare gedacht.[1.18] Die Muslime sollten erkennen, dass das Christentum die einzige von Gott zum Nutzen der Menschheit geoffenbarte Religion ist.[1.19]
Die Schrift behandelt verschiedene Fragestellungen, seit Jahrhunderten zu den Standardthemen muslimisch-christlicher Kontroversen gehören und auch am Mogulhof zur Sprache kamen. Dazu gehören die Trinität, die Fälschung des Evangeliums (Tahrīf), die Göttlichkeit Jesu und seine Kreuzigung. Einen prominenten Platz nimmt in dem Werk auch der Vergleich von Mohammed und Jesus ein.[1.20] Gerade bei Diskussionen über Mohammed schlugen die Wellen besonders hoch, da die Patres ihm allerhand Laster und Verbrechen vorwarfen. Schon unter Akbar mahnte ein wohlmeinender Muslim die Missionare zur Vorsicht, weil ihre abfälligen Reden über den Propheten des Islam ihnen zum Verhängnis werden könnten.[1.21] Im Fuente de Vida und seiner persischen Übersetzung erklärt Xavier in diesem Zusammenhang:
„Da jeder Vergleich unerquicklich ist und zudem schmerzhaft, bitte ich euch, mir das, was ich über euer (religiöses) Gesetz und euren Propheten sagen werde, nicht übel zu nehmen; ebenso werde auch ich niemandem von euch übel nehmen, was er über das meine sagen wird. Da ich weiß, dass euer Herz danach verlangt, die Wahrheit zu sagen, erkläre ich euch ebenso, dass allein der Eifer für diese mich zum Sprechen bewegt – nicht Hass noch irgendeine Feindseligkeit, die ich gegen Mohammed oder das Gesetz, das er gebracht hat, hegen könnte.“[1.22]
Dass ihm die Muslime seine Äußerungen sehr wohl übelgenommen haben, wird in dem Werk von ʿAbd as-Sattār Lahōrī deutlich, dem Gelehrten, der Xaviers Übersetzungen ins Persische lektorierte. Er schreibt in seinen Maǧālis-i Ǧahāngīrī über die Gespräche am Mogulhof aus der Zeit von 1608 bis 1611. Im Zusammenhang mit einer Madschlis am 21. Mai 1610 erwähnt er, dass Pādrī Zīrō (Pater Jerónimo) sein – im Text nicht namentlich genanntes – Werk Āʾīna-yi ḥaqq-numā vorgestellt hat und damit die Wahrheit seiner Religion zu beweisen suchte.[18.2] Der Gelehrte bezeichnet Xavier zwar als einen „vortrefflichen Wissenschaftler aus dem Land der Franken“,[18.2] der „ein gelehrter Mann und in allen Dingen bewandert“ ist,[18.3] hält aber seine Kenntnis und Urteilskraft in religiösen Angelegenheiten für völlig unterentwickelt.[18.3] Ihm missfällt das Auftreten des Paters, der sich, wie er schreibt, durch Unverschämtheit und Jähzorn auszeichnet und in seinem religiösen Eifer den muslimischen Glauben schmäht, während er seine eigene Religion mit höchstem Lob bedenkt.[18.4]
Respektlose Aussagen über den Religionsstifter wurden allerdings auch von Dschahāngīr selbst provoziert, indem er Xavier fragte: „Was sagen die Christen von Mohammed?“ „Sie sagen, dass er ein Mann war, der die Rolle eines Propheten auf sich nahm.“ „Dann war er also kein Prophet?“ „So ist es, Majestät.“ „Mit anderen Worten, er war ein falscher Prophet?“ „Ja, Majestät, er war ein falscher Prophet.“ Einige Tage später stellte Dschahāngīr dieselbe Frage bezüglich Mohammed, erhielt dieselbe Antwort und amüsierte sich über seinen wütenden Vorleser, Naqīb Chān, der der Ansicht war, es wäre besser, die Patres zu töten als ihnen zuzuhören.[1.23]
Da diese Diskussionen über Mohammed in der ganzen Stadt bekannt waren, begegneten viele Muslime den Missionaren mit größter Feindseligkeit. Allein die Angst vor Dschahāngīr soll sie davon abgehalten haben, sich an den Patres zu rächen.[1.24] Xaviers Hoffnung, durch seine Argumentationen in den höfischen Gesprächsrunden einige der Anwesenden für das Christentum gewinnen zu können, erfüllte sich nicht. Er vermochte keine Sympathie für das Christentum zu wecken.
Die Taufe von Dschahāngīrs drei Neffen
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Zu den größten Erfolgen Xaviers während seiner Zeit am Mogulhof gehörte die Erlaubnis – oder womöglich auch der Befehl – Dschahāngīrs, dass die drei Söhne seines verstorbenen Bruders Danyal in der christlichen Religion unterwiesen und danach getauft werden sollten. Es gab dafür innen- und außenpolitische Gründe und die Jesuiten waren zunächst skeptisch, ob es sich bei der Taufe nicht um einen Schachzug handelte, der allein dazu diente, die portugiesische Regierung positiv zu stimmen. Aber nach genauer Abwägung kamen sie zu dem Schluss, dass er diese Maßnahme aus aufrichtigem gutem Willen für den christlichen Glauben unternahm und als einen Schritt hin zu seiner eigenen künftigen Konversion. Die Knaben wurden zur Unterweisung an Pater Corsi übergeben, und einige Wochen später drang der Herrscher auf eine baldige Taufe. Entzückt von diesem ungeheuren Konversionserfolg fielen die Patres auf die Knie und küssten Dschahāngīr die Füße.[1.25] Dieser bat Xavier ausdrücklich darum, dass er den Vizekönig und den König von Spanien und Portugal – inzwischen Philipp III. – über diesen Schritt informieren möge. Damit Pater Pinheiro die frohe Kunde nach Goa mitnehmen konnte, sollte die Taufe dringend noch vor seiner Abreise dorthin erfolgen. Der König, sein Sohn Carlos und Kardinal Henriques, der letzte König Portugals vor der Vereinigung mit Spanien, waren die Namenspatrone, als am 5. September 1610 die drei Prinzen Tahmūras, Bāysunqūr und Huschang, der älteste gerade zehn Jahre alt, auf die Namen Don Philippe, Don Carlos und Don Henrico getauft wurden. Philipp III. ließ Dschahāngīr daraufhin ein Dankesschreiben zukommen, in dem er bekundete, die drei genannten Prinzen als seine Patenkinder zu betrachten.[10.15]
Die Taufe wurde mit großem Pomp gefeiert. Dabei ritten die Prinzen, in portugiesischer Kleidung und mit einem goldenen Kreuz an ihren Halsketten, auf Elefanten durch die Straßen zur Kirche. Ein großes Gefolge vom Hof und etwa sechzig Christen begleiteten sie zu Pferd. Der Engländer Sir William Hawkins, ein Repräsentant der Englischen East India Gesellschaft und selbst Protestant, ritt der Prozession mit der St. Georgs Flagge voran. Es gab viele Zuschauer, die den Umzug der Prinzen und ihrer Begleiter verfolgten.[1.26]
Zumindest zwei der drei Neffen Dschahāngīrs blieben dem Christentum indessen nicht allzu lange verbunden. Einige Jahre nach ihrer Taufe erschienen die Kinder bei Pater Corsi, gaben ihre Kreuze zurück und erklärten ihm, sie wollten nicht länger Christen sein, weil der portugiesische König ihnen niemals Geschenke und vor allem keine Frauen geschickt habe. Es stellte sich bald heraus, dass der Padischah selbst ihnen so zu handeln befohlen hatte. Das war ein schwerer Rückschlag für die jesuitischen Missionshoffnungen. Thomas Roe, ein Botschafter des englischen Königs, resümmiert später: „Und so verschwand die Frucht all dieser Hoffnungen. Und ich kann beim besten Willen keinen Christen finden, der wirklich und ordnungsgemäß konvertiert ist oder sich zum Glauben bekennt, außer einigen wenigen, die für Geld getauft wurden, und deren Unterhalt von den Jesuiten bezahlt wird.“[27]
Rückkehr nach Goa und Tod
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Nach John Mildenhall kamen weitere Vertreter Englands an den Mogulhof, um dort eine Genehmigung für freien Handel und die Errichtung einer Faktorei zu erhalten. Der erste offizielle Unterhändler der East India Company, Kapitän William Hawkins, erreichte Agra im April 1609 und verließ die Stadt unverrichteter Dinge wieder Anfang November 1611. Er beschreibt die Jesuiten als entschlossene Widersacher, die in erster Linie die Geschäftsinteressen der Portugiesen und einiger Höflinge vertraten, anstatt sich den Kirchenangelegenheiten zu widmen.[22.2] Zwei Jahre nach Hawkinsʾ Abreise sprach Thomas Kerridge, ebenfalls ein Kaufmann der East India Company, bei Dschahāngīr vor. Wie seine Vorgänger klagt er über die – letztlich erfolgreichen – Bemühungen der Jesuiten in Agra, zu dieser Zeit Xavier und Corsi, ihn und die Engländer im Allgemeinen zu diskreditieren.[7.12] Die Patres genossen also ein genügend hohes Ansehen am Mogulhof, um Dschahāngīrs Meinung zu beeinflussen.[7.13]
Während die englischen Gesandten die Jesuiten und insbesondere Xavier als machtvolle Gegenspieler betrachteten, waren sie selbst bereits die Vorboten für das Ende von Pater Jerónimos Mission: Verärgert über den vergeblichen Einsatz langwieriger und kostspieliger Diplomatie, beschlossen die Händler der East India Company, ihre Ansprüche gewaltsam durchzusetzen, und demonstrierten ihre Überlegenheit durch mehrere Überfälle auf mogulische und später auch auf portugiesische Schiffe.[22.3] Besondere Bedeutung kam dem Seegefecht vor Suvali zu, bei dem die Engländer den Sieg über die Portugiesen davontrugen. Angesichts des sich anbahnenden neuen Kräfteverhältnisses im Indischen Ozean erschien es Dschahāngīr ratsam, sich die Engländer nicht zum Feind zu machen. Daher wurde Anfang Januar 1613 endlich der kaiserliche Firman an Kapitän Thomas Best, den Sieger der Schlacht von Suvali, übergeben.[22.4]

Die Annäherung zwischen Moguln und Engländern, denen nun der Zugang zu den indischen Häfen gestattet war, löste bei den Portugiesen heftigen Widerstand aus. Sie versuchten gleichfalls, die Moguln durch gewaltsame Übergriffe auf ihre Schiffe unter Druck zu setzen, damit diese die Konzessionen an die East India Company wieder zurückziehen. Im September 1613 überfielen sie, ungeachtet ihrer cartaz, die Rahīmī der Königin-Mutter, die soeben mit wertvollen Waren aus dem Hedschas zurückgekehrt war. Das Schiff wurde verbrannt, die Ladung konfisziert[7.14] und die 700 Insassen, größtenteils Mekkapilger auf der Heimreise, wurden nach Goa verschleppt.[22.5] Die Strategie ging jedoch nicht auf. Dschahāngīr sah seine Autorität und sein Ansehen durch diesen Übergriff in Frage gestellt und fühlte sich genötig, Vergeltungsmaßnahmen zu ergreifen.[7.15] Seine erste Aktion war eher symbolischer Natur: Er veranlasste die Abkehr seiner drei getauften Neffen vom Christentum und beendete auf diese Weise die Verbindung zwischen dem Mogulhaus, der Katholischen Kirche und Philipp III., dem Taufpaten der Prinzen.[7.16] Außerdem ließ er allen Handelsverkehr mit den Portugiesen unterbinden, Daman belagern und das Umland verwüsten.[28] Im Juli 1614 verfügte er, dass die Kirchen in Agra und Lahore schließen, ihre Türen zugemauert und die Unterhaltszahlungen an die Patres eingestellt werden sollten. Xavier wurde kurzzeitig sogar eingesperrt.[10.16]
In einem Brief vom 4. Dezember 1615 erklärt der Pater, dass der Mogulherrscher ihn nach Goa geschickt habe, damit er dem Vizekönig vor Augen führt, wie sehr die Jesuiten durch seine feindlichen Handlungen leiden. Vor allem aber wünschte Dschahāngīr, dass Xavier mit dem Vizekönig in aller Diskretion einen Friedensschluss aushandeln möge.[5.5] Der Missionar traf bereits in Surat auf den Vizekönig. Sie erreichten bald eine vorläufige Übereinkunft, von der heute noch eine Kopie mit der Unterschrift Xaviers in Goa verwahrt wird.[29] Der Vertrag wurde von Dschahāngīr allerdings nicht akzeptiert. Da aber keine Seite die Feindseligkeiten fortsetzen wollte, kam es allmählich dennoch zum Frieden. Die guten Beziehungen zu den Patres wurden wiederhergestellt und sie erhielten ihre Kirchen zurück.[10.17]
Pater Jerónimo kehrte nicht an den Mogulhof zurück. Er war nun 65 Jahre alt und gesundheitlich angeschlagen: Er litt an Nierensteinen und anderen schweren Krankheiten und fühlte sich kraftlos. Selbst das Schreiben von Briefen fiel ihm schwer. Als er 1615 in Goa ankam, wurde er zum Rektor des St. Paul Kollegiums ernannt, empfand diese Aufgabe aber als sehr große Last. Er hätte einen Posten vorgezogen, bei dem er den Märtyrertod hätte erleiden können. Stattdessen kam er am 27. Juni 1617 bei einem großen Brand[30] im Kollegium ums Leben.[10.18] Sein Begräbnisort ist unbekannt.
Kurz vor seinem Tod war Xavier zum Koadjutor-Erzbischof von Cranganore, heute Kodungallur, ernannt worden. Das bedeutet, er wäre ein Gehilfe und Vertreter, möglicherweise auch Nachfolger[31] des seinerzeit amtierenden Erzbischofs Francisco Roz (gest. 1624) geworden. Die Nachricht von seiner Einsetzung erreichte ihn jedoch nicht mehr.[1.27]
Koranübersetzung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die Mitglieder der Ersten Mission kannten sich bestens mit dem Inhalt des Korans aus. Wie aus den Aufzeichnungen der Patres hervorgeht, besaßen sie die Druckausgabe eines lateinischen Korans,[32] die 1543 von Theodor Bibliander in Basel herausgegeben worden war.[33] Die Dritte Mission verfügte weder über eine lateinische noch über eine andere ihnen verständliche Übersetzung – ein Umstand, der Pater Jerónimos Missionstätigkeit unter Muslimen erheblich erschwerte. Er ersuchte daher den General der Jesuiten in einem Brief vom 1. August 1598, ihm „einen Koran in lateinischer oder italienischer Sprache zu schicken, denn in Indien haben wir keinen. Wir haben ihn nur auf Arabisch, aber wir verstehen ihn nicht, sondern nur Persisch“.[6.5] Sicherheitshalber schickte er am nächsten Tag je ein Schreiben an zwei spanische Freunde, die Patres Tomás de Ituren (1555–1630) und Pedro Páez, und bat sie ebenfalls um die Übersendung einer Koranübersetzung: „Besorgt mir bitte unbedingt einen Koran in lateinischer oder einer anderen Sprache und schickt ihn mir zu, denn hier finde ich nur Exemplare in arabischer Sprache, die ich nicht verstehe. In Murcia muss es welche geben; die Herren Inquisitoren dürften welche besitzen.“[6.6] Und noch vor Ende desselben Monats schrieb er erneut an den General in Rom und bat um einen „Koran auf Italienisch, Latein oder Spanisch“.[6.7]
Doch weder der Generalobere noch die Freunde konnten oder wollten ihm das Gewünschte zuschicken. Grund für diese Zurückhaltung war eine Maßnahme aus dem Jahr 1547, die zur Zeit der dritten Mission offenbar strenger gehandhabt wurde, als während der ersten: der Koran war von der Inquisition in den Index der verbotenen Bücher aufgenommen worden – zunächst in Portugal, später auch in Spanien, Vendig und Rom. Dabei dürfte es eine Rolle gespielt haben, dass die erste Auflage ein Vorwort von Martin Luther, die zweite eines von Philipp Melanchthon besaß.[10.19] Die Beschaffung eines lateinischen oder italienischen Korans, letzterer war 1547 erstmals in Venedig als Druckwerk erschienen,[10.20] gestaltete sich daher nicht nur als schwierig, sondern auch als riskant.[6.7] Die Indizierung des Korans war Pater Jerónimo grundsätzlich bewusst. Deshalb gab er de Ituren und Páez den Rat, sich an „die Herren Inquisitoren“ zu wenden. Dass das Verbot selbst für ihn, einen Missionar am Mogulhof, gelten sollte, hat ihn aber offenbar erstaunt. In einem Brief vom 14. September 1609 an Tomás de Ituren amüsiert er sich über die Ängstlichkeit in Europa, ihm das gewünschte Werk zukommen zu lassen:
„Was das Buch des Korans betrifft, so schätze ich es sehr, obwohl ich es hier vom Arabischen ins Persische und vom Persischen ins Portugiesische übersetzen ließ. Ihre Bedenken, uns ein solches Buch zukommen zu lassen, sind amüsant, da wir uns von morgens bis abends mit diesen Mauren und ihren Angelegenheiten beschäftigen, und zwar so sehr, dass sogar das Brot, das wir essen, mit dem Wasser von Mohammeds Koran geknetet zu sein scheint. Zu unserer größeren Zufriedenheit würde ich jedoch einen alten Koran vorziehen, da ein solcher besser übersetzt sein dürfte; daher ziehe ich meine Bitte nicht zurück.“[5.6]
Kurz bevor Pater Jerónimo den Mogulhof verließ, erhielt er von Pater de Ituren endlich, nach fast zwanzigjähriger Wartezeit, einen Koran – allerdings auf Arabisch. Sein Dank fällt entsprechend knapp aus: „Ich danke Ihnen sehr für Ihre Mühen, aber ich habe nicht um einen Koran auf Arabisch gebeten, weil wir davon unendlich viele hier haben.“[5.7]
Von der Koranübersetzung, die Xavier in seinen Briefen erwähnt, ist keine Handschrift erhalten. Deshalb ist auch unklar, ob tatsächlich das gesamte Buch ins Portugiesische übertragen wurde oder nur ausgewählte Passagen.[10.21] Im Übrigen geht aus Pater Jerónimos Schreiben eindeutig hervor, dass er die Übertragung ins Portugiesische hat ausführen lassen; Xavier hat die Übersetzung nicht selbst angefertigt.[1.28]
Werke
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die Patres der ersten Mission hatten bereits kurze persische Texte für den Mogulherrscher verfasst, nämlich eine Kurzdarstellung der Evangelien zusammen mit einer Erörterung von strittigen Punkten.[10.22] Xavier verfolgte die Erstellung persischer Texte jedoch in einer deutlich umfangreicheren und planmäßigeren Weise, um dadurch den katholischen Glauben nicht nur mündlich, sondern vor allem schriftlich zu verbreiten. Seine Werke und Übersetzungen, mit Hilfe des Gelehrten ʿAbd as-Sattār angefertigt, bilden die Grundlage einer christlich-religiösen Literatur in persischer Sprache.[34.1] Spätere Generationen von jesuitischen Missionaren hielten die Erinnerung an seine Schriften wach. 1649, rund dreißig Jahre nach dem Tod Jerónimo Xaviers, verfasste Francesco Morandi in Agra die erste von drei frühen Werklisten.[1.29] Die zweite stammt von Aimé Chézaud, der in den 1650er Jahren als jesuitischer Missionar in Isfahan tätig war.[35.1] In den 1720er Jahren erstellte Pater Ippolito Desideri während seines Aufenthaltes im Mogulreich ein drittes Verzeichnis, in dem allerdings nur diejenigen Werke Aufnahme fanden, die er selbst gesehen hat.[1.29]
Neuere Untersuchungen, wie die von Edward Maclagan (1932), Arnulf Camps (1957) und Cappello (2025), haben diesen drei Listen nach und nach weiteres Material hinzugefügt oder Zuschreibungen an Xavier kritisch hinterfragt.
Mirʾāt al-quds (arab. Spiegel der Heiligkeit)
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Pater Jerónimo hat dieses Werk, das auch als Dāstān-i masīḥ (pers. Geschichte des Messias) bezeichnet wird, ursprünglich auf Portugiesisch verfasst. Die persische Übersetzung wurde im Jahre 1602 fertiggestellt. Seine vier Kapitel lauten: Geburt und Kindheit Christi; Seine Wunder und Lehren; Sein Tod und Leiden; Seine Auferstehung und Himmelfahrt. Sowohl Akbar als auch Dschahāngīr haben das Buch sehr geschätzt und illustrierte Handschriften davon anfertigen lassen. Insgesamt 19 Kopien sind bekannt, von denen drei bebildert sind.[6.8]
Xavier greift in diesem Werk nicht nur auf die Evangelien zurück, sondern auch auf diverse außerkanonische Schriften.[6.9] Gerade letztere bieten zahlreiche Informationen, ohne die verschiedene Lebensstadien Jesu nicht hätten abgedeckt werden können.[6.10] Eine Kopie des Mirʾāt al-quds gelangte nach Leiden in die Hände des Orientalisten Jacobus Golius, der es wiederum seinem ehemaligen Schüler, dem Orientalisten und Theologen Ludovico de Dieu (1590–1642) weiterreichte. De Dieu veröffentlichte 1638 den persischen Text zusammen mit einer lateinischen Übersetzung unter dem Titel Dāstān-i Masīh Historia Christi Persice conscripta simulque multis modis contaminata a P. Hieronymo Xavier, Soc. Jesu. Latine reddita et animadversionibus notata a Ludovico de Dieu (Dāstān-i Masīh - Eine auf Persisch verfasste Lebensgeschichte Christi, zugleich auf vielerlei Weise verfälscht, von P. Hieronymus Xavier aus der Gesellschaft Jesu. Ins Lateinische übertragen und mit Anmerkungen versehen von Ludovicus de Dieu.)[10.23]
Der protestantische Gelehrte de Dieu stand dem Werk des katholischen Missionars mit größter Ablehnung gegenüber. Für ihn galt das Prinzip sola scriptura – allein die Bibel war maßgeblich für den Gläubigen. Die Einbeziehung nicht-kanonischer Texte wies er heftig und mit einer gehörigen Portion Polemik zurück, die sich nicht allein gegen die Arbeitsweise Xaviers, sondern letztlich auch gegen die katholische Kirche insgesamt richtete. Infolge dieser Angriffe erhielt das Buch bereits 1660–1661 einen Platz auf dem Index librorum prohibitorum.[10.24]
Āʾīna-yi ḥaqq-numā
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Pater Jerónimo hielt das Āʾīna-yi ḥaqq-numā (pers. Spiegel der Wahrheit, wörtlich: Der Wahrheit zeigende Spiegel) für seine wichtigste Schrift, die er wiederholt in seinen Briefen erwähnt hat. Es handelt sich im Wesentlichen um ein apologetisches Werk, in dem er die Stärke des Christentums und die Schwäche des Islams demonstrieren wollte.[1.30] Die Gründe für die Titelwahl erklärt er in der Einleitung selbst:
„Dieses Buch trägt den Namen Āʾīna-yi ḥaqq-numā (wörtlich: ‚Der die Wahrheit offenbarende Spiegel‘), weil der Weise und der Religionssuchende es prüfen kann und darin – als blickte er in einen polierten Spiegel – die Schönheit oder Hässlichkeit seiner eigenen Religion (gespiegelt) sieht. Und es ist unsere Hoffnung, dass so wie der Spiegel gegenüber der Rede einen Vorzug besitzt – insofern niemand je darüber verärgert oder verdrossen ist, dass der Spiegel seine Fehler und Mängel offenlegt –, auf die gleiche Weise niemand betrübt sein wird, wenn er mithilfe dieses Buches die Fehler seiner eigenen Religion wahrnimmt; vielmehr wird eine solche Einsicht seine Zuneigung zu dem Buch und seinem Verfasser noch vermehren.“[36.1]
Der Traktak reiht sich in die westliche Tradition von Abhandlungen über den Islam ein[1.31] und greift dabei auf zahlreiche Zitate von Ramon Llull zurück.[8.4] Zugleich folgt sie dessen Strategie, Muslimen durch theologische und philosophische Argumente die Überlegenheit des Christentums nahezubringen.[1.32] In Anlehnung an die von Llull gewählte Form im „Llibre del gentil i los tres savis“ (Das Buch vom Heiden und den drei Weisen) (1276) hat Xavier seinen Traktat in Form eines Dialogs verfasst.[36.2] Die Gesprächspartner sind ein „Padre“, der „das wahre Gesetz des Evangeliums“ lehrt, und ein Philosoph, der sich in der „wissenschaftlichen Philosophie“ (ḥikmat-i ʿilmī) auskennt. Letzterer ist eine Personifikation Akbars.[36.3] Wenn es in der Diskussion um die Unterschiede zwischen Christen und Muslimen geht, tritt ein muslimischer Gelehrter als dritter Dialogpartner hinzu.[1.33] Das Buch besteht aus fünf Hauptabschnitten (bāb), denen ein langes mystisches Gebet, eine Widmung an Dschahāngīr und die muslimischen Leser sowie ein Inhaltsverzeichnis vorangestellt sind.[1.34] Die ersten drei Teile gehören zum apologetischen Genre. Sie behandeln zentrale christliche Lehren und die Frage, warum die römisch-katholische Kirche der einzige Weg zur Erlösung ist. Die letzten beiden Teile sind eher polemischer Art. Darin versucht Xavier, die Grundsätze des Islams und des Hinduismus systematisch zu widerlegen. Am Ende des Buches bietet der Autor nochmals einen kurzen Überblick über die Hauptthemen.[36.2]
Entstehungszeit
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Vor der Abfassung des Āʾīna-yi ḥaqq-numā hat Xavier das Werk zunächst auf Portugiesisch verfasst, um auf dieser Grundlage die persische Übersetzung anzugehen.[8.4] Schon im August 1597 benachrichtigte er den General der Jesuiten, dass er die portugiesische Schrift mit dem Titel Fonte de Vida abgeschlossen und mit Hilfe eines persischen Gelehrten, wahrscheinlich ʿAbd as-Sattār, mit der Übertragung ins Persische begonnen habe. Während seines Aufenthaltes in Kaschmir wurden ihm sowohl der portugiesische Text als auch die noch unvollendete persische Übersetzung gestohlen, Ersterer aber in der folgenden Nacht zurückgegeben. Pater Jerónimo nahm die Arbeit an der Übersetzung erst wieder im Juli oder August 1598 auf, als er das Mogulheer auf den Dekkan begleitete.[1.35] Bis zum Abschluss der persischen Version vergingen insgesamt zwölf Jahre.[18.5] Alle Handschriften des Āʾīna-yi ḥaqq-numā nennen 1609 als Jahr der Fertigstellung im Kolophon.[36.4] Es sind insgesamt acht persische Handschriften bekannt.[36.5]
Eine spanische Übersetzung des Āʾīna-yi ḥaqq-numā
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Zwar ist keine portugiesische Fassung des Āʾīna-yi ḥaqq-numā erhalten geblieben, es gibt jedoch eine spanische Handschrift mit dem Titel Fuente de Vida, die im Generalarchiv des Jesuitenordens in Rom verwahrt wird. Sie ist ausweislich des Kolophons im Jahre 1600 in Indien vollendet worden und trägt eine Widmung an Akbar. Ihr Text entspricht dem der persischen Fassung,[1.36] außer dass die persischen Manuskripte nicht Akbar, sondern Dschahāngīr gewidmet sind.[36.6]
Auf der Grundlage einer linguistischen Analyse ist Hugues Didier zu dem Ergebnis gekommen, dass der spanische Text keine bloße Übersetzung einer früheren portugiesischen Version sein kann, sondern dass die spanische Fassung neben der portugiesischen aus einem ursprünglich zweisprachigen Entwurf entstanden sein dürfte. Didier vermutet, dass Xavier das Fuente de Vida als praktisches Handbuch für Missionare in Europa veröffentlichen wollte; dafür spricht auch, dass er dem Werk ein Inhaltsverzeichnis und einen Index hinzugefügt hat.[8.4]
Kurzfassung des Āʾīna-yi ḥaqq-numā
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]In einem Brief vom 20. Oktober 1609 erwähnt Xavier, dass er eine Zusammenfassung des Āʾīna-yi ḥaqq-numā angefertigt hat. Der Titel des Werkes wird unterschiedlich angegeben. Eine Handschrift im British Museum nennt sich Muntaḫab-i Āʾīna-yi ḥaqq-numā (Auswahl aus dem Spiegel der Wahrheit), während ein Manuskript in der Bibliothèque Nationale als Ḫulāṣa-yi kitāb-i kirāmī-yi Āʾīna-yi ḥaqq-numā (Die Essenz des wertvollen Buches Āʾīna-yi ḥaqq-numā) bezeichnet ist. Weitere Handschriften in der Biblioteca Vaticana und der Russischen Nationalbibliothek werden teils als Chulāsa, teils als Muntachab bezeichnet.[1.37] Dem Titel entsprechend umfasst die Handschrift, beispielsweise die im British Museum, nur 55 Folios, während die Langfassungen gewöhnlich zwischen 338 und 527 Folios enthalten.[36.7]
Die Kurzform ist nicht in Dialogform verfasst und umfasst nur vier Kapitel: Die Erkenntnis des Wesens Gottes; Der wahre Gott Jesus, unser Herr; Die Gebote des Evangeliums; Die göttlichen Hilfen. Am Ende der Handschrift im British Museum sind außerdem das Vaterunser und das Apostolische Glaubensbekenntnis hinzugefügt. Im Vorwort erklärt Xavier, dass er diese Kurzfassung für Dschahāngīr angefertigt hat, weil dieser aufgrund seiner kaiserlichen Verpflichtungen keine Zeit für die Lektüre der ausführlichen Version des Spiegels der Wahrheit habe.[1.37]
Die Kontroverse um das Buch
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Ob Dschahāngīr wenigstens diese Kurzfassung gelesen hat, ist nicht überliefert. Sicher ist dagegen, dass ihr große Aufmerksamkeit in Isfahan zuteilwurde, der Hauptstadt des Safawidenreiches und zugleich das intellektuelle Zentrum des Landes.[35.2]
In Isfahan hatte der schiitische Geistliche Sayyid Ahmad ibn Zain al-ʿĀbidīn al-ʿAlavī (gest. ca. 1644–51) eine Abschrift von Xaviers Muntaḫab-i Āʾīna-yi ḥaqq-numā erhalten und verfasste dazu eine Replik mit dem Titel Miṣqal-i ṣafā dar taǧliya va taṣfiya-yi Āʾīna-yi ḥaqq-numā dar radd-i mazhab-i naṣāra (pers. Poliermittel der Reinheit, zur Offenlegung und Klärung des wahrheitszeigenden Spiegels zur Widerlegung der Religion der Christen). Auf dieses Werk gab es wiederum drei Gegenrepliken.[35.3]
Ahmad ʿAlavī, der die Stelle des Vorbeters am Safawidenhof innehatte,[35.4] war Schüler von Mir Damad und Bahauddin Amili gewesen und inzwischen selbst ein bedeutendes Mitglied der damaligen philosophischen Schule von Isfahan.[37] Von seinem Miṣqāl schickten einige Patres der in Isfahan wirkenden Unbeschuhten Karmeliten eine Übersetzung nach Rom an die Congregatio de Propaganda Fide (Kongregation für die Verbreitung des Glaubens), die wiederum den Minoriten-Pater Bonaventura Malvasia (gest. 1666) anwies, darauf eine Replik zu verfassen. Malvasia legte 1628 die gewünschte Verteidigungsschrift sowohl in arabischer als auch in lateinischer Sprache vor, die die Propaganda Fide aber als unzureichend erachtete und deshalb einen anderen Geistlichen auswählte, der eine passendere Antwort schreiben sollte: Pater Filippo Guadagnoli (gest. 1656) veröffentlichte 1631 die bekannte Apologia pro christiana religione (...), der er 1637 eine arabische Ausgabe folgen ließ.[1.38] Die Apologia begann jedoch mit so heftigen Verwünschungen des Propheten Muhammad, dass sie kaum von Muslimen gelesen wurde. Guadagnoli sollte daher seinen Traktat überarbeiten und den Ton entschärfen. Diese Aufgabe erfüllte er mit solcher Gründlichkeit, dass seine neue Fassung, die Considerationes ad Mahomettanos (1649), von der Propaganda Fide und dem Heiligen Offizium zensiert wurde.[35.5]
Mit Jerónimo Xaviers Āʾīna-yi ḥaqq-numā war auch der in Isfahan tätige jesuitische Missionar Aimé Chézaud (1604–1664) bekannt. Weil er sah, dass die persischen Geistlichen das Werk von Guadagnoli kaum zur Kenntnis genommen hatten, verfasste er 1656 eine eigene, persische Widerlegung von Ahmad Alavīs Miṣqal-i ṣafā mit dem Titel Māsiḥ-i Miṣqal-i ṣafā-yi Āʾīna-yi ḥaqq-numā (Der Reiniger des Poliermittels des Spiegels, der die Wahrheit zeigt).[35.3]
Apostelviten
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Der vollständige Titel dieser Schrift lautet Dāstān-i aḥwāl-i ḥavārīyān-i ḥaẓrat-i ʿĪsa va zikr-i manāqib-i īšān (pers. Erzählung über die Lebensumstände der Jünger Jesu und Bericht über ihre Verdienste). Sie entstand auf Bitten Akbars: Als Xavier dem Mogulherrscher 1602 das Dastān-i masīḥ überreichte, bat dieser den Pater, ein Buch über das Leben der Apostel zu schreiben. Diesem Wunsch kam der Missionar gerne nach, konnte vor dem Tod des Kaisers aber offenbar nur ein unvollendetes Werk vorlegen. Es existieren zwei persische Handschriften, die Akbars Siegel tragen, aber nur vier Apostelleben beinhalten: Diejenigen von Andreas, Jakob, Petrus und Paulus.[38.1] Erst 1607 schloss Pater Jerónimo das Werk ab. Die Übersetzung aus dem Portugiesischen ins Persische erfolgte mit Hilfe von Maulana ʿAbd as-Sattār.[38.2] Wichtigstes Ziel des Autors war es, die friedliche Verbreitung des Christentums durch die Apostel und ihre Anhänger zu zeigen.[34.2] Die Version mit zwölf Apostelviten widmete er Dschahāngīr, der zwischenzeitlich den Thron bestiegen hatte.[1.39] Dieser soll darüber sehr erfreut gewesen sein und es auch gelesen haben.[1.40]
Der vollständige Text umfasst die Lebensbeschreibungen von Petrus, Paulus, Andreas, Jakobus dem Älteren, Johannes, Thomas, Jakobus dem Jüngeren, Philippus, Bartholomäus, Matthäus, Simon, Judas Iskariot und Matthias. Dass auch Paulus hier eingeschlossen ist, erklärt Xavier im Vorwort folgendermaßen:
„Es waren ihrer zwölf, und einer von ihnen war Judas Iskariot. Obwohl er (dadurch) verdammt war, lieferte er seinen Herrn den Juden aus, wie im Mirʾāt al-Quds berichtet. Nachdem der Ehrwürdige (= Jesus) in den Himmel aufgefahren war, wurde auf seinen Befehl ein anderer an seiner (= Judasʾ) Stelle ausgewählt, damit die Zahl vollständig ist. Ein Jahr nachdem unser Herr in den Himmel aufgefahren war, stieg er eines Tages herab und erhob (einen) namens Saulus, der als St. Paul bezeichnet wird, durch diese Anrede zum Apostel, wie in Kürze berichtet werden wird. Und dieser Mann wurde so bedeutend, dass sein Name in unseren Büchern überall nach dem des heiligen Petrus genannt wird.“[38.3]
Für die Abfassung griff Xavier nicht nur auf die Apostelgeschichte des Lukas zurück, sondern auch auf verschiedene Apokryphen.[10.7] Insgesamt sind rund zehn Manuskripte der Apostelviten erhalten.[1.41] Eine davon, die des heiligen Petrus, gelangte als einzelne Abschrift durch einen niederländischen Reisenden wiederum in die Hände von Ludovico de Dieu. Dieser veröffentlichte 1639 den persischen Text mit einer lateinischen Übersetzung und Anmerkungen unter dem Titel Historia S. Petri sed contaminata. Darin verspottet er die von Xavier verwendeten Legenden und die – aus katholischer Sicht erfolgte – Interpretation des Bibelverses „Tu es Petrus“ Mt 16,18 EU, der als Grundlage für den Anspruch des Papstes auf die Nachfolge Petri dargestellt wird. Infolgedessen wurde die Historia S. Petri mit ihren kritischen Anmerkungen, ebenso wie das gleichzeitig publizierte Mirʾāt al-quds, auf den Index gesetzt.[10.25]
Weniger bedeutende Werke Xaviers
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Ādāb as-salṭanat (Die Pflichten der Herrschaft); im Jahr 1609 überreichte Pater Jerónimo Dschahāngīr eine Kopie seines Werkes. Die vier Kapitel in diesem Fürstenspiegel behandeln a) Ehrfurcht und Gehorsam der Untertanen gegenüber dem König, b) die Tugenden eines Königs, c) die Unterweisung, die ein König den Großen seines Reiches zu geben hat, und d) Liebe, Schutz und Fürsorge des Herrschers für sein Volk. Es sind zwei Manuskripte des Textes bekannt.[34.3]
- Bayān-i Īmān-i ʿĪsaviyān – Erklärung des Glaubens der Christen. Es existiert nur ein unvollständiges Manuskript dieses Werkes mit 59 Folios im Generalarchiv des Jesuitenordens in Rom (ARSI), das laut Kolophon aus dem Jahr 1007 d.H. (1599 u. Z.) stammt. Aus dem Inhalt geht hervor, dass es sich um einen Kommentar zu den zwölf Artikeln des Apostolischen Glaubensbekenntnisses handelt. Der Titel der Schrift lässt sich aus der von Pater Morandi erstellten Werkliste ableiten.[34.4]
- Pater Jerónimo hat mehrere persische Abschriften der Evangelien nach Europa gesandt, von denen zwei noch erhalten sind: eine in der Biblioteca Casanatense, die andere in der Bibliothek der Päpstlichen Universität Gregoriana. Die Übersetzung stammt nicht von ihm, sondern es existierte bereits eine persische Fassung, die er allerdings überarbeitet hat. Eine solche überarbeitete Fassung überreichte er Dschahāngīr 1607.[34.4]
- In der Zeit Dschahāngīrs übersetzte Xavier die Psalmen Davids aus dem Lateinischen ins Persische. Zwei Handschriften des Textes sind erhalten.[34.5]
Schriften, die als verloren gelten
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]In den Werklisten von Morandi und Desideri sowie in den Briefen von Xavier werden einige Titel erwähnt, die entweder verloren sind oder mit den Namen noch existierender Manuskripte nicht in Einklang zu bringen waren:
- Weitere Lebensgeschichten von Heiligen;
- einige aus dem Lateinischen oder Portugiesischen übersetzte nicht-religiöse Geschichten, die Xavier 1596 dem Mogulkaiser überreicht hat;
- ein Buch mit Aussprüchen von Philosophen und Beschreibungen kurioser Dinge, das er 1604 auf Wunsch Akbars verfasst hat und das dieser mit Vergnügen gelesen haben soll;
- eine Übersetzung von Ciceros De officiis, für die ihn der Generalobere Claudio Acquaviva in einem Brief von 1608 sehr getadelt hat, weil es nicht seine Aufgabe sei, seine Zeit mit persischen Übersetzungen von Cicero zu verbringen. Es ist unbekannt, ob der Pater das gesamte Werk übersetzt hat.
- Bücher mit Gebeten und frommen Übungen;
- ein Großer und ein Kleiner Katechismus – möglicherweise identisch mit dem Bayān-i Īmān-i ʿĪsaviyān
- Intikhāb-i ʿaqāʾid-i dīn-i ʿīsāviyān (Auswahl der grundlegenden Glaubensartikel der Christen), womöglich identisch mit dem Katechismus
- eine Lebensbeschreibung der seligen Jungfrau[34.6]
Persische Werke, die von Jerónimo Xavier stammen könnten
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]In der von Morandi erstellten Liste findet sich eine Reihe von Titeln, bei denen unklar ist, von welchem der im Mogulreich lebende Patres sie verfasst wurden und in wieweit sie mit bereits genannten identisch sind. Es handelt sich um Übersetzungen von Aussprüchen und Werken Plutarchs und Ciceros, der Geschichte der Gründung Roms und seiner Könige, von philosophischen Grundbegriffen und einer Zusammenfassung der christlichen Glaubenslehren.[34.7]
Briefe
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Von großer historischer Bedeutung sind auch Xaviers Briefe mit Bezug zum Mogulreich. Sie entstanden nicht zufällig, sondern gehörten zum Teil zu der üblichen Korrespondenz der Missionare mit ihren Oberen und zum Teil zu den obligatorischen jährlichen Berichten über ihre Aktivitäten.[6.11] Camps führt in seiner Liste mit Kurzbeschreibung insgesamt 53 Briefe auf.[1.42]
Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Abu'l-Fazl: The History of Akbar. Edited and Translated by Wheeler M. Thackston. Volume 1-8. Murty Classical Library of India. Harvard University Press, Cambridge, Massachusetts und London 2015–2022.
- Muzaffar Alam und Sanjay Subrahmanyam: Frank disputations: Catholics and Muslims in the court of Jahangir (1608–11). In: The Indian Economic and Social History Review, Band 46, Ausgabe 4 (2009) S. 457–511. doi:10.1177/001946460904600401
- Gauvin Alexander Bailey: Architectural Relics of the Catholic Missionary Era in Mughal India. In: Rosemary Crill, Susan Stronge and Andrew Topsfiel (Hrsg.): Arts of Mughal india. Studies in Honour of Robert Skelton. Victoria and Albert Museum, Mapin Publishing 2004, ISBN 81-88204-34-X, S. 141–151. Digitalisat
- Arnulf Camps: Jerome Xavier S.J. and the Muslims of the Mogul Empire: Controversial Works and Missionary Activity. Schöneck-Beckenried 1957. (Neue Zeitschrift für Missionswissenschaft, Supplementa VI) Digitalisat
- Arnulf Camps: Persian Works of Jerome Xavier, a Jesuit at the Mogul Court . In Arnulf Camps: Studies in Asian Mission History 1956–1998. Brill, Leiden 2000. S. 33–46. ISBN 978-90-04-11572-9. Ursprünglich veröffentlicht in: Islamic Culture Band 35, Hyderabad (Deccan) 1961, S. 166–176.
- Giuseppe Cappello: Speaking to a Muslim Adversary. Intertextuality and Polemical Strategies in the Māsiḥ-i Miṣqal-i ṣafā-yi Āyina-yi ḥaqq-numā by Jesuit Father Aimé Chézaud. In: Mission Studies, Band 42, 2025, S. 405–425.
- Pedro Moura Carvalho: Mir’āt al-quds (Mirror of Holiness): a Life of Christ for Empror Akbar. A Commentary on Father Jerome Xavierʾs Text and the Miniatures of Cleveland Museum of Art, Acc. No. 2005.145. Mit einer Übersetzung von Wheeler M. Thackston. Brill, Leiden und Boston 2012. (Studies and Sources in Islamic Art and Archiecture. Supplements to Muqarnas.)
- Hugues Didier: De Ramon Llull a Jerónimo Javier. In N. Fernández Rodríguez and M. Fernández Rerreiro (Hrsg.): Literatura medieval y renacentista en España. Líneas y pautas. Salamanca, La Semyr 2012, S. 507–515. ISBN 978-84-937765-4-1.
- Hugues Didier: Jerome Xavier. In: Christian Muslim Relations Online II, (Leiden 2018) doi:10.1163/2451-9537_cmrii_COM_27433.
- Hugues Didier: Was Fuente de Vida a Spanish Draft of Āyina-yi ḥaqq-namā? Many Open Questions. In: Mission Studies, Band 42, 2025, S. 372–386.
- Jorge Flores: The Mughal "Padshah": A Jesuit Treatise on Emperor Jahangir's Court and Household. (Reihe: Rulers & Elites Band 6) Brill, Leiden 2015. ISBN 978-90-04-30752-0.
- Sir William Foster: Early Travels in India, 1583–1619. Oxford University Press, London u. a. 1921. S. 48–59
- Fernão Guerreiro: Jahangir and the Jesuits. From the Relations of Father Fernão Guerreiro, S.J. Translated by C. H. Payne. George Routledge & Sons, London 1930. Digitalisat
- Norbert Hintersteiner und Haila Manthegi (Hrsg.): Indo-Persian Missions and Their Interreligious Challenge. In: Mission Studies, Journal of the International Association for Mission Studies. Band 42, Ausgabe 3, Dezember 2025 (Special Issue) eISSN 1573-3831 Print-ISSN 0168-9789.
- Henri Hosten: Father Jerome Xavier’s Persian Lives of the Apostles, in: Journal of the Asiatic Society of Bengal, New Series Band 10, 1914, S. 65–84
- Henri Hosten: Eulogy of Father Xavier, S.J., a Missionary in Mogor. Journal and Proceedings of the Asiatic Society of Bengal (Calcutta) New Series 23, 1927 (gedruckt 1929) S. 109–130
- Pierre du Jarric: Akbar and the Jesuits.Übersetzt, mit einer Einleitung und Anmerkungen von C.H. Payne. London 1926. Digitalisat
- Anna Kollatz: Inspiration und Tradition. Strategien zur Beherrschung von Diversität am Mogulhof und ihre Darstellung in Maǧālis-i Ǧahāngīrī (ca. 1608–1611) von ʿAbd al-Sattār b. Qāsim Lāhorī. EB-Verlag, Berlin 2016. (Narratio Aliena? Band 8) Digitalisat
- E.D. Maclagan: The Jesuit Missions to the Emperor Akbar, from notes recorded by R. Maclagan. In: Journal of the Asiatic Society of Bengal (Calcutta), Nr. 65, 1896, S. 38–113. (Fuat Sezgin (Hrsg.): The Islamic World in Foreign Travel Accounts, Band 77, S.122–197. Frankfurt a. M. 1997.)
- Sir Edward Maclagan: The Jesuits and the Great Mogul. Burns Oates & Washbourne, London 1932. Digitalisat
- Haila Manteghi: Jerome Xavier’s Āyina-yi ḥaqq-namā: Criticism of Islam in the Indo-Muslim Context. In: Mission Studies Band 42, 2025, S. 352–371.
- João Vicente Melo: Jesuit and English Experiences at the Mughal Court, c. 1580–1615. Palgrave Macmillan, Springer Nature, Cham 2022. doi:10.1007/978-3-030-96588-4
- Samsam-ud-daula Shāh Nawāz Khān und sein Sohn Abdul Hayy: The Maāthir-ul-umara. 2 Bände. Translated by H. Beveridge. Low Price Publications, Delhi 1999. (Repr. 1952) ISBN 81-7536-159-X. Band I Band II
- Christian Windler: Missionaries in Persia: Cultural Diversity and Competing Norms in Global Catholicism. I.B. Tauris, London 2024. (Bloomsbury Open Access)
- Christian Windler: Missionare in Persien. Kulturelle Diversität und Normenkonkurrenz im globalen Katholizismus (17.–18. Jahrhundert) Böhlau Verlag, Köln, Weimar, Wien 2018. (Geschichte der Außenbeziehungen in neuen Perspektiven Band 12) ISBN 978-3-412-51122-7. doi:10.7788/9783412512163
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Belege
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Arnulf Camps: Jerome Xavier S.J. and the Muslims of the Mogul Empire. Controversial Works and Missionary Activity. Schöneck-Beckenried 1957 (Neue Zeitschrift für Missionswissenschaft, Supplementa VI)
- ↑ S. 2.
- 1 2 3 S. 3.
- ↑ S. 211.
- ↑ S. 211–212, Xaviers Brief vom 1. August 1598.
- ↑ S. 222 mit Verweis auf einen Brief Xaviers vom 28.8.1607.
- ↑ S. 196–197 und S. 222, aus einem Brief von de Castro vom 1. Januar 1642.
- ↑ S. 199.
- ↑ S. 6–7 und S. 200–202.
- ↑ S. 205, aus einem Brief Xaviers vom 20.8.1595.
- ↑ S. 206, Brief vom 16. September 1603. Es gab weitere Briefe mit solchen Anfragen, z. B. vom 18. August 1597, vom 1. und 26. August 1598 und vom 24. September 1607, S. 205 und S. 209.
- ↑ S. 205, Brief vom 1. August 1598 und vom 26. August 1598.
- ↑ S. 208 und S. 213.
- ↑ S. 208, Brief Xaviers vom 24. September 1608.
- ↑ S. 209.
- ↑ S. 210.
- ↑ S. 213.
- ↑ S. 8, Brief Xaviers an Thomas de Ituren vom 14. September 1609.
- ↑ S. 92, Brief Xaviers an Acquaviva vom 18. August 1597.
- ↑ S. 97.
- ↑ S. 105, S. 108, S. 117, S. 139-148 und weitere Stellen.
- ↑ S. 212, Brief von Xavier von 1598.
- ↑ S. 127, Xavier in Fuente de Vida
- ↑ S. 214.
- ↑ S. 216, Xavier in einem Brief vom 24. September 1608.
- ↑ S. 9.
- ↑ S. 8–9.
- ↑ S. 12-13.
- ↑ S. 35.
- 1 2 S. 13.
- ↑ S. 16 und Brief von Xavier an Acquaviva vom 18. August 1597, Camps S. 92.
- ↑ S. 175.
- ↑ S. 96.
- ↑ S. 20–21.
- ↑ S. 20.
- ↑ S. 17, Brief vom 1. Dezember 1600.
- ↑ S. 18 und S. 20.
- 1 2 S. 21.
- ↑ S. 176–177.
- ↑ S. 22, Brief Xaviers vom 24. September 1608.
- ↑ S. 22, Brief Xaviers vom 20. Oktober 1609.
- ↑ S. 22–23.
- ↑ S. 40–48.
- Markus Friedrich: Die Jesuiten. Aufstieg, Niedergang, Neubeginn. Piper, München 2016, ISBN 978-3-492-05539-0.
- ↑ Fotos davon bei Old Jesuit Convent
- ↑ Hugues Didier: Jerome Xavier. In: Christian Muslim Relations Online II, (Leiden 2018) doi:10.1163/2451-9537_cmrii_COM_27433.
- Henri Hosten: Eulogy of Father Xavier, S.J., a Missionary in Mogor, in: Journal and Proceedings of the Asiatic Society of Bengal, (Calcutta) New Series 23, 1927 (gedruckt 1929) S. 109–130
- Pedro Moura Carvalho: Mir’āt al-quds (Mirror of Holiness): a Life of Christ for Empror Akbar. A Commentary on Father Jerome Xavierʾs Text and the Miniatures of Cleveland Museum of Art, Acc. No. 2005.145. Mit einer Übersetzung von Wheeler M. Thackston. Brill, Leiden und Boston 2012. (Studies and Sources in Islamic Art and Archiecture. Supplements to Muqarnas.)
- João Vicente Melo: Jesuit and English Experiences at the Mughal Court, c. 1580–1615. Palgrave Macmillan, Springer Nature, Cham 2022. doi:10.1007/978-3-030-96588-4
- ↑ S.76–77, Brief von Jorge Gomes an Claudio Acquaviva vom 26. November 1593 und ein Brief von André Fernandes an Acquaviva vom 29 November 1593.
- ↑ S. 108–109.
- ↑ S. 114.
- ↑ S. 116.
- 1 2 S. 107, Brief von Xavier an den Provinzial vom 6. September 1604.
- 1 2 3 S. 118, Brief Xaviers an den Provinzial vom 6. September 1604.
- ↑ S. 120.
- ↑ S. 107–108.
- ↑ S. 122–123, Brief von Xavier an den Provinzial vom 6. September 1604.
- ↑ S. 123.
- ↑ S. 126–127.
- ↑ S. 193–195.
- ↑ S. 197 und 201.
- ↑ S. 209.
- ↑ S. 210.
- ↑ S. 211–212.
- Hugues Didier: Was Fuente de Vida a Spanish Draft of Āyina-yi ḥaqq-namā? Many Open Questions. In: Mission Studies, Band 42, 2025, S. 372–386.
- ↑ Arnulf Camps: An unpublished letter of Father Christoval de Vega S.J.: Its importance for the history of the second mission to the Mughal Court and for the knowledge of the religion of the Emperor Akbar, in: Studia Orientalia Band 1, Kairo 1956, S. 185–186.
- Sir Edward Maclagan: The Jesuits and the Great Mogul. Burns Oates & Washbourne, London 1932. Digitalisat
- ↑ Heike Franke: Akbar und Ǧahāngīr. Untersuchungen zur politischen und religiösen Legitimation in Text und Bild (= Bonner Islamstudien. Band 12). EB-Verlag, Schenefeld 2005, ISBN 3-936912-34-3. S. 100–101.
- ↑ The Commentary of Father Monserrate, S.J. on his Journey to the Court of Akbar. Aus dem Lateinischen ins Englische übersetzt von J. S. Hoyland. Anmerkungen von S.N. Banerjee. Oxford University Press, London, Bombay, Calcutta u. a. 1922, S. 166–167.
- E.D. Maclagan: The Jesuit Missions to the Emperor Akbar, from notes recorded by R. Maclagan, in: Journal of the Asiatic Society of Bengal (Calcutta), Nr. 65, 1896, S. 38–113.
- ↑ Domingo Pirez war schon 1579 als Dolmetscher zusammen mit Akbars Gesandtem in Goa, um die Jesuiten an seinen Hof in Fatehpur Sikri einzuladen. Henri Hosten: Mīrzā Zū-l-Qarnain, a Christian Grandee of Three Great Moghuls, in: Memoirs of the Asiatic Society of Bengal, Band 5, Nr. 4, 1916, S. 115–194, S. 173
- ↑ Brief von Monserrate an Fr. Rui Vicente vom 9.9.1580, in: John Correia-Afonso: Letters from the Mughal Court. The First Jesuit Mission to Akbar (1580–1583). Heras Institute of Indian History and Culture, Bombay 1980, S. 83–84.
- Pierre du Jarric: Akbar and the Jesuits.Übersetzt, mit einer Einleitung und Anmerkungen von C.H. Payne. London 1926. Digitalisat
- Abu'l-Fazl: The History of Akbar. Ediert und übersetzt von Wheeler M. Thackston. Band 1-8. Murty Classical Library of India. Harvard University Press, Cambridge, Massachusetts und London 2015–2022.
- Anna Kollatz: Inspiration und Tradition. Strategien zur Beherrschung von Diversität am Mogulhof und ihre Darstellung in Maǧālis-i Ǧahāngīrī (ca. 1608–1611) von ʿAbd al-Sattār b. Qāsim Lāhōrī. EB-Verlag, Berlin 2016. (Narratio Aliena? Band 8) Digitalisat.
- ↑ S. 74 und S. 82; ʿAbd as-Sattār berichtet davon in seinem Werk Ṯamrat al-falāsifa (Ertrag der Philosophen) aus dem Jahr 1603.
- 1 2 S. 324; Maǧālis-i Ǧahāngīrī, S. 29.
- 1 2 S. 329; Maǧālis-i Ǧahāngīrī, S. 33.
- ↑ S. 366; Maǧālis-i Ǧahāngīrī, S. 70, Madschlis vom Juni/Juli 1610.
- ↑ S. 324; Maǧālis-i Ǧahāngīrī, S. 29, as-Sattār zitiert eine Aussage von Xavier.
- H. Heras: The Siege and Conquest of the Fort of Asirgarh by the Emperor Akbar, in: The Indian Antiquary Band 53, 1924, S. 33–41.
- ↑ Samsam-ud-daula Shāh Nawāz Khān und sein Sohn Abdul Hayy: The Maāthir-ul-umara. 2 Bände. Translated by H. Beveridge. Low Price Publications, Delhi 1999. (Repr. 1952) ISBN 81-7536-159-X. Band I Band II, Band II, S. 537.
- ↑ William Foster: The English Factories In India 1618-1621. Clarendon Press, Oxford 1906. S. V–VI.
- Sir William Foster: Early Travels in India, 1583–1619. Oxford University Press, London u. a. 1921. Digitalisat
- ↑ Eine dieser Kopien findet sich im Gulschan-Album; Abbildung bei Asok Kumar Das: Mughal Painting During Jahangir’s Time. Calcutta 1978, Abb. 69.
- ↑ Muzaffar Alam übersetzt den portugiesischen Begriff „registro“ nicht als „Druck“, sondern als „Buch“: Muzaffar Alam und Sanjay Subrahmanyam: Frank disputations: Catholics and Muslims in the court of Jahangir (1608–11). In: The Indian Economic and Social History Review, Band 46, Ausgabe 4 (2009) S. 457–511. doi:10.1177/001946460904600401. S. 477 und S. 478, Fußnote 56.
- ↑ In der englischen Übersetzung wird der Begriff Moors verwendet.
- ↑ Das Bild ist eine Variante einer Illustration aus dem Chester-Beatty Akbar-nāma, Bild 112 (CBL 03.147)
- ↑ William Foster (Hrsg.): The Embassy of Sir Thomas Roe to India, 1615–1619. London 1926. S. 278.
- ↑ Frederick Charles Danvers: The Portuguese in India. Being a History of the Rise and Decline of their Eastern Empire. Frank Cass & Co., London 1966, Band 2, S. 162.
- ↑ Abschrift und Übersetzung des Vertragsentwurfs in Henri Hosten: Jahangir and the Portuguese, in: Indian Historical Records Commission. Proceeding of Meetings, Vol. IX. Ninth Meeting held at Lucknow, December 1926. Calcutta 1927, S. 78–80.
- ↑ Mehr über die verschiedenen Brände im St. Paul Kolleg in O Heraldo vom 16. Oktober 2015.
- ↑ Johannes Neumann: Bischof I, in: Theologische Realenzyklopädie. Band VI, Studienausgabe. Walter de Gruyter, Berlin, New York 1993, S. 676, Zeile 1-5. ISBN 3-11-013898-0.
- ↑ So erwähnt in dem gemeinsamen Brief der Missionare an den Provinzial vom 13. Juli 1580, in: John Correia-Afonso: Letters from the Mughal Court. The First Jesuit Mission to Akbar (1590–1583). Bombay, Heras Institute of Indian History and Culture 1980, S. 43 (6); Antonio Monserrate: The Commentary of Father Monserrate, S.J. on his Journey to the Court of Akbar. Übersetzt aus dem Lateinischen von J.S. Hoyland, mit Anmerkungen von S.N. Banerjee. New Delhi, Madras 1992, S. 38.
- ↑ Hartmut Bobzin: Der Koran im Zeitalter der Reformation. Beirut 1995, S. 274, Fußnote 650. (Beiruter Texte und Studien Band 42).
- Arnulf Camps: Persian Works of Jerome Xavier, a Jesuit at the Mogul Court . In Arnulf Camps: Studies in Asian Mission History 1956–1998. Brill, Leiden 2000. S. 33–46. ISBN 978-90-04-11572-9. Ursprünglich veröffentlicht in: Islamic Culture Band 35, Hyderabad (Deccan) 1961, S. 166–176.
- Giuseppe Cappello: Speaking to a Muslim Adversary. Intertextuality and Polemical Strategies in the Māsiḥ-i Miṣqal-i ṣafā-yi Āyina-yi ḥaqq-numā by Jesuit Father Aimé Chézaud. In: Mission Studies, Band 42, 2025, S. 405–425.
- Haila Manteghi: Jerome Xavier’s Āyina-yi ḥaqq-namā: Criticism of Islam in the Indo-Muslim Context, in: Mission Studies Band 42, 2025, S. 352–371.
- ↑ S. 356; aus dem Ā'īna-yi ḥaqq-namā, Rom, Casanatense Library Ms. Pers. 2014, Fol. 9v.
- 1 2 S. 358.
- ↑ S. 357; Casanatense Ms. Pers. 2014, fol. 9v.
- ↑ S. 359.
- ↑ S. 359 und S. 369; Camps, Jerome Xavier and the Muslims of the Mogul Empire (1957) erwähnt auf S. 17-18 noch eine Handschrift in Cambridge.
- ↑ Die einzige Ausnahme bildet eine persische Handschrift im Institut für Orientalische Handschriften in St. Petersburg, s.S. 359–360.
- ↑ S. 369.
- ↑ Henri Corbin: Aḥmad ʿAlawī, in: Ehsan Yarshater (Hrsg.): Encyclopædia Iranica. London, Routledge and Kegan Paul, 1982–. Band I, S. 644–6. Veröffentlicht 1984.
- Henri Hosten: Father Jerome Xavier’s Persian Lives of the Apostles, in: Journal of the Asiatic Society of Bengal, New Series Band 10, 1914, S. 65-84. Digitalisat
- ↑ S. 71; Hosten erwähnt eine Handschrift im Besitz des Kolonialbeamten und Orientalisten George Ranking, deren späterer Verbleib von Camps (1957) nicht geklärt wird. Ein weiteres Manuskript befindet sich laut Camps in der Jesuitischen Bibliothek von Löwen, Camps, Jerome Xavier S.J. and the Muslims of the Mogul Empire, (1957) S. 22.
- ↑ S. 78; Erklärung von Xavier im Vorwort.
- ↑ S. 83.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Xavier, Jerónimo |
| KURZBESCHREIBUNG | spanischer jesuitischer Missionar |
| GEBURTSDATUM | 1549 |
| GEBURTSORT | Beire |
| STERBEDATUM | 27. Juni 1617 |
| STERBEORT | Goa |
