Zum Inhalt springen

Jeremy Goss

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie

Jeremy Goss
Personalia
Voller Name Jeremy Goss
Geburtstag 11. Mai 1965
Geburtsort Dekelia, Zypern
Größe 175 cm
Position Mittelfeld (zentral)
Junioren
Jahre Station
Norwich City
Herren
Jahre Station Spiele (Tore)1
1983–1996 Norwich City 188 (14)
1996–1997 Heart of Midlothian 10 0(0)
1997–1998 Colchester United 0 0(0)
1998–1999 FC King’s Lynn 21 0(0)
Nationalmannschaft
Jahre Auswahl Spiele (Tore)
1991–1996 Wales 9 0(0)
1 Angegeben sind nur Ligaspiele.

Jeremy Goss (* 11. Mai 1965 in Dekelia) ist ein ehemaliger walisischer Fußballspieler. Als zentraler Mittelfeldspieler verbrachte er seine nahezu gesamte aktive Karriere bei Norwich City. Dort war er Teil der Mannschaft, die in der ersten Premier-League-Saison überraschend den dritten Platz belegte. Größter persönlicher Erfolg war in der Folgesaison der Sieg in der zweiten Runde des UEFA-Pokals gegen den FC Bayern München, als Goss jeweils ein Tor in Hin- und Rückspiel gelang. Darüber hinaus absolvierte er neun A-Länderspiele für die walisische Nationalmannschaft.

Sportlicher Werdegang

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Goss wurde auf Zypern im britischen Hoheitsgebiet Dekelia geboren. Grund dafür war, dass sein walisischer Vater dort als Soldat stationiert war und sich die Familie zum Zeitpunkt seiner Geburt dort aufhielt. Bald darauf zog die Familie nach Folkestone in der englischen Grafschaft Kent, wo Goss seine Kindheit verbrachte und mit Disziplin an seinen fußballerischen Fertigkeiten feilte. Im Jahr 1982, im Alter von 17 Jahren, trat Goss der Jugendakademie von Norwich City bei und als zählte als ehemaliger Auswahlspieler der englischen Schulnationalmannschaft zu den größten Talenten seines Jahrgangs. Ein früher Höhepunkt war die Saison 1982/83, in der er maßgeblich zu einem „Double“-Erfolg beitrug: dem Gewinn der Meisterschaft in der „South East Counties League“ mit der Reseveauswahl sowie des FA Youth Cups.[1] Im Finale des FA Youth Cup setzte sich Norwich nach Hin- und Rückspiel mit insgesamt 6:5 gegen den FC Everton durch und Goss gehörte dabei im zentralen Mittelfeld neben späteren Profikollegen wie Tony Spearing und Louie Donowa zu den Leistungsträgern der Mannschaft. Unter der Leitung von Jugendtrainer Dave Stringer, der seit 1980 in Norwich wirkte, etablierte sich Goss als fleißiger und zweikampfstarker Mittelfeldspieler, der sich durch hohe Einsatzbereitschaft und Mannschaftsdienlichkeit auszeichnete. Als er einen Tag nach seinem 19. Geburtstag erstmals in der höchsten englischen Spielklasse gegen Coventry City eingewechselt wurde, waren die Hoffnungen auf einen baldigen sportlichen Durchbruch groß. Letztlich tat er sich aber lange Jahre schwer, einen Stammplatz zu erkämpfen und bis zum Ende der 1980er-Jahre verbrachte er seine Zeit zumeist in der Reservemannschaft oder als Ergänzungsspieler. Die jahrelange Wartezeit belastete ihn stark. Zwischenzeitlich dachte er sogar daran, den Fußball aufzugeben und stattdessen als Läufer Karriere zu machen. Auch Möglichkeiten zu einem Wechsel zu Manchester City oder zum FC Barnsley standen im Raum. Sein „Mentor“ Dave Stringer überzeugte ihn jedoch, bei Norwich geduldig zu bleiben. Goss unterschrieb daraufhin einen neuen Dreijahresvertrag.

Im Verlauf der Saison 1990/91 unter dem zum Cheftrainer beförderten Stringer sowie besonders ab 1992 unter Mike Walker nahm seine Karriere Fahrt auf. Er kam nun regelmäßiger im Mittelfeld zum Einsatz und war Stammspieler in der neu gegründeten Premier League. In der UEFA-Cup-Saison 1993/94 – Norwichs erster Teilnahme an einem europäischen Wettbewerb nach dem dritten Platz in der Premier-League-Debütsaison 1992/93 – spielte Goss eine entscheidende Rolle und verhalf der Mannschaft zum Einzug in die dritte Runde. Der herausragende Moment war das Duell der zweiten Runde gegen den FC Bayern München, das weithin als einer der größten Erfolge in der Geschichte von Norwich City gilt. Im Hinspiel im Münchner Olympiastadion erzielte Goss früh mit einem Volleyschuss aus rund 18 Metern den Führungstreffer und ebnete so den Weg zum 2:1-Auswärtssieg. Im Rückspiel an der heimischen Carrow Road erzielte er nach der Halbzeit den Ausgleich zum 1:1, indem er den Ball aus kurzer Distanz über die Linie drückte. Dieser Treffer sicherte den 3:2-Gesamtsieg und katapultierte Norwich am deutschen Spitzenklub vorbei in die nächste Runde. In der dritten Runde traf Norwich auf Inter Mailand und schied mit 0:2 Toren nach Hin- und Rückspiel aus. Die sportliche Hochphase, als „Gossa“ (als Anspielung auf Paul Gascoigne als „Gazza“) in der Saison 1993/94 sechs Tore in 34 Premier-League-Partien erzielte, mündete danach in eine Abwärtsspirale. Bereits in dieser Spielzeit rutschte Norwich auf den zwölften Rang ab und verlor darüber hinaus den Torjäger Chris Sutton. Mit nur 37 Toren in 42 Premier-League-Spielen der Saison 1994/95 ging es für die „Canaries“ als Tabellenvorletzter in die zweite Liga. Nach einem weiteren Jahr verabschiedete sich Goss im Sommer 2006 von dem finanziell zunehmend klammen Klub aus Norwich in Richtung Schottland.[2][3][4]

Karriereausklang

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ablösefrei schloss sich Goss im August 1996 Heart of Midlothian in Edinburgh an. Die Zeit bei den „Hearts“ war von Verletzungen überschattet und er kam in der Saison 1996/97 auf lediglich zehn Ligaeinsätze. Im Januar 1998 kehrte Goss nach England zurück, um sich beim Viertligisten Colchester United kurzfristig zu engagieren. Er kam jedoch zu keinem Einsatz in der ersten Mannschaft der „U’s“ und erst im März 1999 fand er im semiprofessionellen Bereich mit dem FC King’s Lynn einen neuen Klub. Dort beendete er nach 21 Ligaeinsätzen für die „Linnets“ im Oktober 1999 seine aktive Karriere.[2]

Walisische Nationalmannschaft

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Goss absolvierte zwischen 1991 und 1996 neun Länderspiele für die walisische Nationalmannschaft und war dort im zentralen Mittelfeld unterwegs. Sein Debüt gab er am 1. Mai 1991 in der Startelf bei einem 1:0-Sieg im Freundschaftsspiel daheim gegen Island. In der Folgezeit wurde er nur sporadisch eingesetzt, dazu zählte jedoch sein fünfter Auftritt am 17. November 1993 im wichtigen letzten Qualifikationsspiel zur WM-Endrunde 1994 in den USA daheim gegen Rumänien. Sieben Minuten nach seiner Einwechslung in der 53. Minute für Kit Symons besorgte Dean Saunders den 1:1-Ausgleichstreffer. In der Folgezeit trieb Goss gemeinsam mit Gary Speed das Offensivspiel an, aber den hochdekorierten walisischen Stürmern wie Ian Rush und Ryan Giggs gelang kein weiterer Torerfolg mehr, bevor Florin Răducioiu in der Schlussphase mit dem Siegtreffer für Rumänien für den endgültigen K. o. sorgte.[5] Seine letzten beiden Länderspiele datierten aus dem Jahr 1996, mit seinem Abschied beim 5:0-Auswärtssieg gegen San Marino am 2. Juni des Jahres. Das Ende seiner Karriere in der walisischen Nationalmannschaft fiel mit seinem Abschied von Norwich City in jenem Sommer zusammen; danach wurde er im Alter von 31 Jahren nicht mehr berufen.[6]

Nach der aktiven Karriere

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nachdem er seine aktive Spielerkarriere 1999 beendet hatte, kehrte Goss zu Norwich City zurück und arbeitete in der dortigen Nachwuchsakademie. Unter der Leitung des stellvertretenden Akademie-Leiters Dave Stringer förderte er Spieler im Alter von 12 bis 16 Jahren und betreute unter anderem die U12-Mannschaft. Später erwarb er die UEFA-B-Trainerlizenz. Im März 2010 begann er als Assistent von Reserveteam-Trainer Ian Crook zu unterstützen.[1]

Im Jahr 2014 veröffentlichte Goss seine gemeinsam mit Edward Couzens-Lake verfasste Autobiografie „Gossy: The Autobiography“. Darin schilderte er die Höhepunkte seiner Karriere, darunter seine Tore gegen den FC Bayern München und allgemein seinen Werdegang vom Nachwuchstalent zum Profispieler in der Premier League und im Europapokal.

Titel/Auszeichnungen

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
  • Jeremy Goss & Edward Couzens-Lake: Gossy The Autobiography. Amberley Publishing, 2014, ISBN 978-1-4456-1901-9 (englisch).
  • Jeremy Goss in der Datenbank von soccerbase.com (englisch)
  • Jeremy Goss in der Datenbank von National-Football-Teams.com (englisch)
  • Jeremy Goss in der Datenbank von weltfussball.de

Einzelnachweise

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]