Ivan Eklind

Ivan Henning Hjalmar Eklind (* 15. Oktober 1905 in Stockholm; † 23. Juli 1981) war ein schwedischer Fußballschiedsrichter und Kaufhausdirektor, der besonders durch seine Tätigkeit bei der Weltmeisterschaft 1934 in Italien, seiner ersten von drei WM-Teilnahmen, ins Blickfeld der Öffentlichkeit geriet. In Schweden wurde er später unter dem Spitznamen „Greven av Rom“ (Der Graf von Rom) bekannt.[1]
Weltmeisterschaft 1934
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Mussolini soll die WM 1934 von Beginn an systematisch auf einen italienischen Titelgewinn ausgerichtet haben. Laut der BBC-Dokumentation „Fascism and Football“ wählte er die Schiedsrichter für Italiens Spiele persönlich aus: den Belgier Louis Baert, den Schweizer René Mercet und den Schweden Eklind – allesamt Unparteiische, die die italienische Nationalmannschaft bereits in den Jahren zuvor bei Länderspielen geleitet hatten. Vor dem Halbfinale lud Mussolini alle drei als Ehrengäste ein.[2] Der Sporthistoriker Marco Impiglia stellte fest, dass Mussolini dabei eine Allianz zwischen schwedischen und italienischen Sportfunktionären nutzte, um Einfluss auf die Schiedsrichterbesetzung zu nehmen.[3]
Bei der Fußball-Weltmeisterschaft 1934 pfiff Eklind zunächst das Achtelfinale zwischen der Schweiz und den Niederlanden, das 3:2 endete.
Halbfinale Italien – Österreich
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Im Halbfinale wurde Eklind im Spiel Italiens gegen Österreich eingesetzt, gemeinsam mit den Linienrichtern Louis Baert (Belgien) und Bohumil Ženíšek (Tschechoslowakei). Berichten zufolge hatte Eklind vor dem Spiel persönlich von Benito Mussolini detaillierte Anweisungen erhalten.[4] Das Spiel im Mailänder San Siro endete 1:0 für die WM-Gastgeber. Das entscheidende Tor erzielte Enrique Guaita; dem Siegtreffer war allerdings ein von Eklind nicht geahndetes Foul von Giuseppe Meazza an Torhüter Peter Platzer vorausgegangen: er bugsierte den Tormann samt dem bereits gefangenen Ball mit einem Körperstoß über die Torlinie. Eine Torchance der Österreicher verhinderte Eklind, indem er selbst den Ball wegköpfte.[5]
Finale Italien – Tschechoslowakei
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Dass Eklind das Finale leiten durfte, stand nach Einschätzung des Sporthistorikers Marco Impiglia auch damit in Zusammenhang, dass der ursprünglich für das Finale vorgesehene Schweizer Schiedsrichter René Mercet im Viertelfinale durch noch auffälligere Entscheidungen zugunsten Italiens in die Kritik geraten war – so sehr, dass sogar Schweizer Zeitungen ihn öffentlich kritisierten.[6]
Im Finale in Rom zwischen Italien und der Tschechoslowakei war erneut der Belgier Baert an einer der Linien; an der anderen Seite stand der Ungar Mihály Iváncsics. Vor dem Anpfiff zeigten Eklind und seine beiden Linienrichter auf dem Spielfeld den faschistischen Gruß vor Mussolini.[7] Auch in diesem Endspiel soll Eklind einige fragwürdige Entscheidungen getroffen haben; so erhielten die Tschechoslowaken keinen Strafstoß, nachdem Eraldo Monzeglio Antonín Puč im Strafraum gefoult hatte. Italien gewann nach Verlängerung mit 2:1 und war erstmals Weltmeister.
Vorwürfe der Bestechung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Nach der WM 1934 gab es Vorwürfe, Eklind sei von den italienischen Gastgebern bestochen worden. Die Vorwürfe trafen allerdings nicht nur Eklind, sondern auch andere WM-Schiedsrichter wie den Belgier Louis Baert und den Schweizer René Mercet.[8]
Weitere Karriere
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Auch 1938 bei der Weltmeisterschaft in Frankreich war Eklind im Einsatz. Hier leitete er in der ersten Runde die Begegnung Brasilien gegen Polen (6:5 nach Verlängerung) sowie den 4:2-Sieg der Schweiz im Wiederholungsspiel gegen die Mannschaft aus dem Deutschen Reich. Im Viertelfinalspiel des amtierenden Weltmeisters und späteren erfolgreichen Titelverteidigers Italien gegen Gastgeber Frankreich (3:1) war er als Linienrichter Assistent von Louis Baert.
1950 in Brasilien leitete er das Gruppenspiel zwischen der Schweiz und Mexiko, das die Schweiz mit 2:1 für sich entschied.
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Ivan Eklind in der Datenbank von EU-Football.info (englisch)
- Ivan Eklind in der Datenbank von transfermarkt.de
- Ivan Eklind in der Datenbank von weltfussball.de
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ BBC-Dokumentar Fascism and Football.
- ↑ John Molinaro: 1934 World Cup: Italy wins for Il Duce. In: CBC Sports. Abgerufen am 18. Juli 2025.
- ↑ Marco Impiglia: 1934 FIFA World Cup: Did Mussolini rig the Game? In: Stefan Rinke/Kay Schiller (Hg.): The FIFA World Cup 1930–2010. Politics, Commerce, Spectacle and Identities. Wallstein Verlag, Göttingen 2014, S. 66–84.
- ↑ Artikel vom 26. Februar 1998. In: Sport-Express. 26. Februar 1998, abgerufen am 18. Juli 2025.
- ↑ Oliver Noelle: Das kleine Lexikon der Fußballrekorde. München 2006, ISBN 3-426-77828-9, S. 58
- ↑ Marco Impiglia: 1934 FIFA World Cup: Did Mussolini rig the Game? In: Stefan Rinke/Kay Schiller (Hg.): The FIFA World Cup 1930–2010. Politics, Commerce, Spectacle and Identities. Wallstein Verlag, Göttingen 2014, S. 66–84.
- ↑ John Molinaro: 1934 World Cup: Italy wins for Il Duce. In: CBC Sports. Abgerufen am 18. Juli 2025.
- ↑ Marco Impiglia: 1934 FIFA World Cup: Did Mussolini rig the Game? In: Stefan Rinke/Kay Schiller (Hg.): The FIFA World Cup 1930–2010. Politics, Commerce, Spectacle and Identities. Wallstein Verlag, Göttingen 2014, S. 66–84.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Eklind, Ivan |
| ALTERNATIVNAMEN | Eklind, Ivan Henning Hjalmar (vollständiger Name) |
| KURZBESCHREIBUNG | schwedischer Fußballschiedsrichter |
| GEBURTSDATUM | 15. Oktober 1905 |
| GEBURTSORT | Stockholm |
| STERBEDATUM | 23. Juli 1981 |