Isocubanit kristallisiert im kubischen Kristallsystem und entsteht als Hochtemperatur-Modifikation aus Cubanit. Er findet sich daher meist in Form feiner Krustan an den Rändern von Cubanit, bestehend aus winzigen, idiomorph entwickelten kuboktaedrischeKristallen bis etwa 400μm Größe, kommt aber auch verwachsen mit Chalkopyrit vor. Die Oberflächen der bronzefarbenen, undurchsichtigen Kriställchen weisen einen metallischen Glanz auf.
Als synthetisches Produkt wurde Isocubanit bereits 1970 durch Erhitzen von Cubanit dargestellt und kristallographisch analysiert.[11][8]
In der Natur wurde Isocubanit erstmals in Mineralproben von einem Schwarzen Raucher auf dem sogenannten „TAG-Hügel“ (EPR 21°N) am Ostpazischen Rücken entdeckt. Die Erstbeschreibung erfolgte 1988 durch René Caye, Bernard Cervelle, Fabien Cesbron, Elisabeth Oudin, Paul Picot und François Pillard, die das Mineral in Anlehnung an dessen kubischer (isometrischer) Symmetrie und Verwandtschaft mit Cubanit benannten.[3]
Ein 1989 durch E. Missack, P. Stoffers, A. El Goresy unter der Bezeichnung Isochalkopyrit (englischIsochalcopyrite) beschriebenes Mineral aus dem südwestlichen Becken des Roten Meeres (Atlantis II Tiefe) wurde 2006 als identisch mit Isocubanit diskreditiert.[12][5]
Den Begriff Chalkopyrrhotin (englischChalcopyrrhotite) prägte erstmals Christian Wilhelm Blomstrand 1870 für ein Material aus Nya Kopparberg in Schweden,[13] das farblich dem Pyrit ähnelte. 1924 konnte das Material durch Per Geijer (1886–1976) als Cubanit identifiziert werden und der Name Chalkopyrrhotin wurde entsprechend diskreditiert. Eine nachfolgende Untersuchung durch die Mineralogische Abteilung des British Museum of Natural History anhand von Topotypmaterial bestätigte, dass es sich um eine Mischung ohne isotropes Material handelte.[3] Nach Paul Ramdohr ist Chalkopyrrhotin identisch mit dem von verschiedenen Forschern als kubischer Cubanit bezeichneten Minerals, der von Ramdohr selbst wiederum als Cubanit II bezeichnet wurde.[14]
Das Typmaterial (Cotyp) des Minerals in der Mines ParisTech (auch École nationale supérieure des mines de Paris, ENSM) in Paris unter der Katalognummer 51272 aufbewahrt.[15]
In der vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchlichen Systematik der Minerale nach Dana hat Isocubanit die System- und Mineralnummer 02.09.13.03. Auch dies entspricht der Klasse der „Sulfide und Sulfosalze“ und dort der Abteilung „Sulfidminerale“. Hier findet er sich innerhalb der Unterabteilung „Sulfide – einschließlich Selenide und Telluride – mit der Zusammensetzung AmBnXp, mit (m+n):p=1:1“ in der „Cubanitgruppe“ mit der Systemnummer 02.09.13, in der auch Cubanit und Argentopyrit eingeordnet sind.
Isocubanit gehört ähnlich wie der Diamant zu den metastabilenModifikationen, das heißt, er ist nur oberhalb von 210°C stabil und müsste sich unterhalb dieser Temperatur wieder in die orthorhombische Modifikation Cubanit umwandeln. Bisher ist es allerdings bei Laborversuchen nicht gelungen, Isocubanit wieder in Cubanit zu überführen.[8][17]
Neben der Hochtemperatur-Modifikation Isocubanit konnte noch eine Hochdruck-Modifikation mit hexagonaler Symmetrie dargestellt werden. Diese entsteht bei Raumtemperatur unter einem Druck von etwa 3,3GPa aus orthorhombischem Cubanit.[17]
Isocubanit bildet sich, wenn Cubanit auf 200 bis 270°C erhitzt wird.[9] Er konnte aber auch durch Erhitzen von Mineralgemengen aus Chalkopyrit und Pyrrhotin sowie Cubanit und Pyrrhotin bei einer Temperatur von über 240°C synthetisiert werden,[14] mit denen Isocubanit neben Anhydrit, Pyrit, Sphalerit und Wurtzit auch in der Natur vergesellschaftet vorkommt.
Bisher sind nur wenige Fundorte für Isocubanit bekannt. Neben seiner Typlokalität, dem Schwarzen Raucher „EPR 21° N“, konnte das Mineral am Ostpazifischen Rücken noch in einigen Mineralproben vom Explorer-Rücken, dem Mittel- und Escanaba-Tal sowie aus dem Gebiet des Bent Hills am Juan-de-Fuca-Rücken entdeckt werden. Des Weiteren kennt man Isocubanit aus Mineralproben der Atlantis II Tiefe im Roten Meer sowie einigen Mineralproben vom Mittelatlantischen Rücken wie unter anderem aus den Hydrothermalfeldern Ashadze, Logatchev-1, Rainbow, Snake Pit und Turtle Pits.
Daneben konnte das Mineral noch in zahlreichen Meteoriten nachgewiesen werden. So ist auch der bisher einzige zweifelsfrei dokumentierte Fundort für Isocubanit in Österreich ein Meteorit namens Lanzenkirchen, der 1925 nahe der gleichnamigen Gemeinde in Niederösterreich niederging.[19]
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J. T. Szymański:The crystal structure of high-temperature CuFe2S3. In: Zeitschrift für Kristallographie. Band140, 1970, S.240–248 (englisch, rruff.info[PDF; 446kB; abgerufen am 9.Dezember 2024]).
René Caye, Bernard Cervelle, Fabien Cesbron, Elisabeth Oudin, Paul Picot, François Pillard:Isocubanite, a new definition of the cubic polymorph of cubanite CuFe2S3. In: Mineralogical Magazine. Band52, 1988, S.509–514 (englisch, rruff.info[PDF; 436kB; abgerufen am 4.Dezember 2024]).
John Leslie Jambor, Jacek Puziewicz:New mineral names. In: American Mineralogist. Band74, 1989, S.500–505 (englisch, minsocam.org[PDF; 570kB; abgerufen am 21.Oktober 2018]).
Usha Chandra, G. Parthasarathy, Pooja Sharma:Synthetic cubanite CuFe2S3: Pressure-induced transformation to isocubanite. In: The Canadian Mineralogist. Band48, 2010, S.1137–1147, doi:10.3749/canmin.48.5.1137 (englisch, rruff.info[PDF; 1,1MB; abgerufen am 4.Dezember 2024]).
Chie Kato, Masao Ohno, Tadahiro Hatakeyama, Yasuhiro Yamada, Fuminori Honda, Kazuhiko Shimada, Toshiro Nagase, Shuhei Totsuka‑Shiiki, Yoshihiro Kuwahara, Jun‑ichiro Ishibashi:Low-temperature magnetic behavior of isocubanite from seafloor hydrothermal deposits in the Okinawa Trough. In: Physics and Chemistry of Minerals. Band51, Artikel-Nr.5, 2024, S.1–13, doi:10.1007/s00269-023-01264-3 (englisch).
Isocubanite search results.In:rruff.info.Database of Raman spectroscopy, X-ray diffraction and chemistry of minerals (RRUFF);abgerufen am 4.Juli 2023(englisch).
1234René Caye, Bernard Cervelle, Fabien Cesbron, Elisabeth Oudin, Paul Picot, François Pillard:Isocubanite, a new definition of the cubic polymorph of cubanite CuFe2S3. In: Mineralogical Magazine. Band52, 1988, S.509–514 (englisch, rruff.info[PDF; 436kB; abgerufen am 4.Dezember 2024]).
12Ernst A. J. Burke:A mass descreditation of GQN minerals. In: The Canadian Mineralogist. Band44, 2006, S.1557–1560 (englisch, rruff.info[PDF; 119kB; abgerufen am 4.Juli 2023]).
123Stefan Weiß:Das große Lapis Mineralienverzeichnis. Alle Mineralien von A – Z und ihre Eigenschaften. Stand 03/2018. 7., vollkommen neu bearbeitete und ergänzte Auflage. Weise, München 2018, ISBN 978-3-921656-83-9.
123Hugo Strunz, Ernest H. Nickel:Strunz Mineralogical Tables. Chemical-structural Mineral Classification System. 9. Auflage. E. Schweizerbart’sche Verlagsbuchhandlung (Nägele u. Obermiller), Stuttgart 2001, ISBN 3-510-65188-X, S.77 (englisch).
123J. T. Szymański:The crystal structure of high-temperature CuFe2S3. In: Zeitschrift für Kristallographie. Band140, 1970, S.240–248 (englisch, rruff.info[PDF; 446kB; abgerufen am 9.Dezember 2024]).
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12Isocubanite.In:mindat.org.Hudson Institute of Mineralogy,abgerufen am 4.Juli 2023(englisch).
↑M. E. Fleet:Refinement of the crystal structure of cubanite and polymorphism. In: Zeitschrift für Kristallographie. Band132, 1970, S.276–287 (englisch, rruff.info[PDF; 606kB; abgerufen am 4.Juli 2023]).
↑John Leslie Jambor, Jacek Puziewicz:New Mineral Names. In: American Mineralogist. Band75, 1990, S.431–438 (englisch, minsocam.org[PDF; 987kB; abgerufen am 4.Juli 2023]).