Irischer Freistaat
| Irischer Freistaat | |||||
| Saorstát Éireann (irisch) Irish Free State (englisch) | |||||
| 1922–1937 | |||||
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| Amtssprache | Irisch, Englisch | ||||
| Hauptstadt | Dublin | ||||
| Staats- und Regierungsform | Parlamentarische Monarchie | ||||
| Verfassung | Verfassung des Irischen Freistaates | ||||
| Staatsoberhaupt | Britischer König vertreten durch den Generalgouverneur | ||||
| Regierungschef | Präsident des Exekutivrats zuletzt: Éamon de Valera (1932–1937) | ||||
| Fläche | ohne Treaty Ports: 68.893[1] km² | ||||
| Einwohnerzahl | 1936: 2.965.854[1] | ||||
| Bevölkerungsdichte | ca. 43 Einwohner pro km² | ||||
| Währung | Pfund Sterling (1922–1927) Saorstát Pfund (1928–1937) | ||||
| Errichtung | 6. Dezember 1922 | ||||
| Vorgängergebilde | Irische Republik Südirland | ||||
| Endpunkt | 29. Dezember 1937 | ||||
| Abgelöst von | Irland | ||||
| Nationalhymne | God Save the King (1922–1927) Amhrán na bhFiann (1927–1937) | ||||
| Zeitzone | WEZ | ||||
| Kfz-Kennzeichen | SE | ||||
| Dáil | Zeitraum | Präsident | Vizepräsident | Partei |
| 3. | 6. Dezember 1922–18. September 1923 | W.T. Cosgrave | Kevin O’Higgins | Sinn Féin (Vertragsbefürworter) |
| 4. | 19. September 1923–22. Juni 1927 | W.T. Cosgrave | Kevin O’Higgins | Cumann na nGaedheal |
| 5. | 23. Juni 1927–13. Juli 1927 | W.T. Cosgrave | Kevin O’Higgins | Cumann na nGaedheal |
| 14. Juli 1927–10. Oktober 1927 | W.T. Cosgrave | Ernest Blythe | Cumann na nGaedheal | |
| 6. | 11. Oktober 1927–8. März 1932 | W.T. Cosgrave | Ernest Blythe | Cumann na nGaedheal |
| 7. | 9. März 1932–23. Januar 1933 | Éamon de Valera | Seán Ó Ceallaigh | Fianna Fáil |
| 8. | 24. Januar 1933–20. Juli 1937 | Éamon de Valera | Seán Ó Ceallaigh | Fianna Fáil |
| 9. | 21. Juli 1937–28. Dezember 1937 | Éamon de Valera | Seán Ó Ceallaigh | Fianna Fáil |
Der Generalgouverneur – Vertreter der Krone
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Der britische König wurde in Irland vom Generalgouverneur (irisch: Seanascal [], vgl. dt. Seneschall) vertreten. Da die offizielle Bezeichnung dieses Vertreters nicht im Anglo-Irischen Vertrag festgeschrieben war, wurde ein Komitee unter Michael Collins geschaffen, das sich nach diversen Vorschlägen (u. a. „Präsident von Irland“) auf Generalgouverneur (englisch Governor-General) einigte – in Anlehnung an den gleichen Titel der von anderen Dominions verwendet wurde. Durch diese Namenswahl hoffte man auf Unterstützung der anderen Dominions, falls der Generalgouverneur sein Amt durch Einmischung in Freistaatenangelegenheiten missbrauchen würde.
Der Generalgouverneur ersetzte die Position des Lord Lieutenant of Ireland, der seit dem Mittelalter bis 1922 die britische Regierung in Irland vertrat.
Bis 1927 war der Generalgouverneur außerdem Bevollmächtigter der britischen Regierung in Irland. Obwohl das Amt hauptsächlich zeremonieller Natur war, blieb es umstritten, da viele Nationalisten darin einen Angriff auf republikanische Prinzipien und ein Symbol der fortdauernden irischen Abhängigkeit von Großbritannien sahen. Nach und nach wurde die Rolle des Generalgouverneurs in der irischen Politik immer geringer, bis das Amt 1936 abgeschafft wurde.
Die ersten beiden Generalgouverneure hatten in Dublin eine eigene Residenz, die Viceregal Lodge, das heute der Amtssitz des irischen Präsidenten ist. Der dritte (und letzte) Generalgouverneur lebte in einem Privathaus in Booterstown (Grafschaft Dublin).
Ernennung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Der Generalgouverneur wurde formell vom König ernannt, aber in Wirklichkeit von Politikern ausgewählt. Bis 1927 wurde er durch die britische Regierung gewählt; nach diesem Jahr ging diese Kompetenz durch das Gesetz Royal and Parliamentary Titles Act in die Verantwortung der irischen Regierung über. Durch dieses Gesetz änderte sich der Königstitel in Irland von „König des Vereinten Königreichs“ zu „König von Irland“, was dazu führte, dass der König im Freistaat nicht mehr auf Rat der britischen Regierung, sondern nur noch auf Rat des irischen Exekutivrats agierte. Da in der Freistaatenverfassung keine Amtsdauer für den Generalgouverneur festgelegt war, legte die irische Regierung 1927 die maximale Amtszeit auf 5 Jahre fest.
Aufgaben
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die formalen Aufgaben umfassten:
- Die eigentliche Exekutivmacht lag beim König, wurde aber durch den Generalgouverneur auf Anraten des Exekutivrats ausgeführt.
- Der Präsident des Exekutivrats des Freistaates (Premierminister) wurde durch den Generalgouverneur ernannt, nachdem er vom Unterhaus (Dáil Éireann) gewählt wurde. Die weiteren Minister wurden durch den Präsidenten nach einer Abstimmung im Dáil benannt.
- Der Generalgouverneur, im Namen des Königs, versammelt das Oireachtas und löst es auf Anraten des Exekutivrats auf.
- Der König war formell, zusammen mit Ober- und Unterhaus, Teil des Oireachtas. Kein Gesetzesvorschlag wurde offiziell Gesetz, bis es die Zustimmung des Königs hatte – diese Zustimmung wurde durch den Generalgouverneur im Auftrag des Königs gegeben. Der Generalgouverneur hatte (theoretisch) die Möglichkeit ein Veto gegen einen Gesetzesvorschlag einzulegen und konnte es so um bis zu ein Jahr verzögern.
- Alle Richter wurden auf Anraten des Exekutivrats vom Generalgouverneur ernannt.
Bis 1927 hatte der Generalgouverneur weiterhin die Rolle des Vertreters der britischen Regierung im irischen Freistaat. Dies bedeutete, dass die offizielle Korrespondenz zwischen britischer und irischer Regierung über den Generalgouverneur lief, der auch Zugang zu britischen Regierungsdokumenten hatte. Er konnte so auch geheime Instruktionen der britischen Regierung erhalten und zum Beispiel bestimmte Gesetze wie die zur Abschaffung des Treue-Eids blockieren.
Die drei Generalgouverneure
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]| Nr. | Bild | Name (Lebensdaten) |
Amtszeit | Amtsbezeichnung | |
|---|---|---|---|---|---|
| Beginn | Ende | ||||
| 1. | Timothy Michael Healy (* 1855; † 1931) |
6. Dezember 1922 | 31. Januar 1928 | Governor-General of the Irish Free State Seanascal Shaorstát Éireann | |
| 2. | James McNeill (* 1869; † 1938) |
31. Januar 1928 | 1. November 1932 | ||
| 3. | Domhnall Ua Buachalla (* 1866; † 1963) |
27. November 1932 | 11. Dezember 1936 | ||
Unter der Regierung von W. T. Cosgrave
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die ersten beiden Generalgouverneure traten ihr Amt unter der vertragsbefürwortenden Regierung von William Thomas Cosgrave (Cumann na nGaedheal) an. Bei der ersten Wahl des Generalgouverneurs gab es eine Reihe von möglichen Kandidaten, einschließlich des berühmten irischen Malers Sir John Lavery und Eduard VIII. Doch die irische Regierung sah in Tim Healy, einem ehemaligen Parlamentarier unter Charles Stewart Parnell, ihren Wunschkandidaten und letztendlich stimmte die britische Regierung diesem Wunsch zu.
Bei der Wahl des Nachfolgers für Healy im Jahre 1928 wählte die irische Regierung, die dies nun eigenständig entscheiden konnte, James McNeill, ein ehemaliges Mitglied von Michael Collins’ Verfassungskomitee und ehemaligen Vorsitzenden des Stadtrates von Dublin. Da er, im Gegensatz zu seinem Vorgänger, nicht mehr Repräsentant des Vereinigten Königreichs, sondern lediglich persönlicher Abgesandter des Königs war, hatte McNeill weniger Einflussmöglichkeiten als Healy.
Unter der Regierung von Eamon de Valera
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]1932 verlor die Regierung von Cosgrave ihre Macht an die Vertragsgegner unter Eamon de Valera (Fianna Fáil). Da diese generelle Gegner der Position des Generalgouverneurs waren, entschied de Valeras Regierung, McNeill zu boykottieren und zu demütigen. Im späten 1932 gerieten de Valera und McNeill heftigst aneinander, als letzterer seine private Korrespondenz mit de Valera veröffentlichte. Daraufhin forderte de Valera McNeills Absetzung. König Georg V. spielte den Vermittler und überzeugte de Valera, seinen Antrag zurückzuziehen, falls McNeill seine Amtszeit innerhalb weniger Wochen beendete. McNeill reichte daraufhin, ebenfalls unter Vermittlung von König Georg V., zum 1. November 1932 seinen Rücktritt ein. Als Nachfolger schlug de Valera Domhnall Ua Buachalla vor, einen ehemaligen Parlamentarier.
Abschaffung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Im Dezember 1936, als Eduard VIII. abdankte, verlor dieser auch seinen Titel als „König von Irland“. Diese Situation wollte de Valera rasch nutzen, um endgültig die Position des Generalgouverneurs abzuschaffen. Durch die 27. Verfassungsänderung des Freistaates wurden alle Verweise auf den König und seinen offiziellen Abgesandten aus der Verfassung gestrichen. De Valera wurde jedoch kurze Zeit später von seinem Generalstaatsanwalt und Beratern darauf hingewiesen, dass diese Abänderung aufgrund anderer rechtlicher Bezugnahmen nicht ausreichen würde, dieses Amt vollständig abzuschaffen. Doch offiziell bestand man darauf, dass der Titel nicht mehr existierte – de Valera forderte Ua Buachalla auf, sein Amt nicht weiter auszuüben und seine Residenz zu verlassen. 1937 gab es ein zweites Gesetz, das das Amt endgültig (und rückwirkend zum Dezember 1936) aus den irischen Gesetzen strich. Im Dezember 1937 gingen die Aufgaben des Generalgouverneurs durch die neue irische Verfassung auf den Präsidenten von Irland über.
Ua Buachalla und de Valera, einst enge Freunde, zerstritten sich wegen Ua Buachallas Behandlung nach der Auflösung seines Amtes und dessen folgenden gerichtlichen Klagen gegen de Valera. Doch letzten Endes versöhnten sich beide wieder und Ua Buachalla wurde 1959, unter dem späteren Präsidenten de Valera, Mitglied des Staatsrates. Ua Buachalla war der letzte lebende Generalgouverneur und starb am 30. Oktober 1963 im Alter von 97 Jahren.
Der Treueeid
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Wie bei allen anderen Dominions gab es auch durch den Anglo-Irischen Vertrag Vorgaben bzgl. des Treueeids die in Artikel 17 der Freistaatenverfassung konkretisiert sind. Dieser musste von den Parlamentariern persönlich gegenüber dem Generalgouverneur oder einem anderen Abgesandten des Königs abgegeben werden. Doch der irische Treueeid unterschied sich von den anderen. Er hatte zwei Elemente: das erste war ein Eid gegenüber dem „Freistaat, wie er per Gesetz geschaffen wurde“, der zweite Teil ein Treueschwur gegenüber „König Georg V., seinen Erben und Nachfolgern“.
Inhalt
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“I ... do solemnly swear true faith and allegiance to the Constitution of the Irish Free State as by law established, and that I will be faithful to H.M. King George V, his heirs and successors by law in virtue of the common citizenship of Ireland with Great Britain and her adherence to and membership of the group of nations forming the British Commonwealth of nations.”
Streitpunkte
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Der Eid wurde von den Vertragsgegnern (des Anglo-Irischen Vertrags) generell verurteilt, da er ihrer Meinung nach gegenüber dem britischen König abgegeben werden musste. Betrachtet man sich den Text allerdings genauer, wird man feststellen, dass die Worte mit Bedacht gewählt wurden.
- Der Treueeid (Oath of Allegiance) betrifft lediglich den irischen Freistaat. Der Eid gegenüber dem König beinhaltet lediglich einen Eid auf Gewissenhaftigkeit (faithful).
- Der Eid gegenüber dem König betraf, wörtlich genommen, nicht den britischen Monarchen, sondern die Rolle des irischen Königs im Rahmen des Vertrags.
Ironischerweise stammte ein Großteil des Textes aus einem Vorschlag des Eid-Gegners Eamon de Valera, den dieser für den Präsidenten der irischen Republik einst vorschlug. Vergleicht man den Eid mit denen der anderen Dominions, ist der irische Eid zurückhaltend; es gibt keinen direkten Treueeid auf den britischen König.
Als de Valera 1926 die Partei Fianna Fáil gründete, nahmen er und seine Partei zwar an Wahlen teil, verweigerten aber die Ablegung des Eids. Die Ermordung des Vize-Präsidenten des Exekutivrats Kevin O’Higgins veranlasste die Regierung unter W.T. Cosgrave dazu, ein Gesetz einzuführen, welches den Eid zwingend vorschrieb. De Valera legte den Eid daraufhin widerwillig ab. Als er 1932 an die Macht kam, änderte er zuerst die Verfassung so ab, dass er jegliche Änderungen durchführen konnte, auch wenn diese im Gegensatz zum Anglo-Irischen Vertrag standen. In einem zweiten Schritt entfernte er den Artikel 17 der Verfassung, der den Eid betraf, vollständig.
Das Ende des Irischen Freistaats: Éire
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]1937 legte die Regierung de Valera dem Parlament eine neue Verfassung vor, die die Verfassung von 1922 ablösen sollte. Der unter der Ägide von de Valera entstandene Entwurf wurde mit einigen Änderungen vom Parlament verabschiedet und noch im selben Jahr durch einen Volksentscheid bestätigt. Unter anderem wurden der Freistaat in Éire umbenannt und der Generalgouverneur durch den neugeschaffenen „Präsidenten von Irland“ ersetzt. Die neue Verfassung beanspruchte die Zuständigkeit für die ganze irische Insel, erkannte aber die britische Präsenz im Nordosten Irlands an (Artikel 2 und 3; diese wurden 1999 neu formuliert). Die römisch-katholische Kirche nahm eine wichtige Position ein, die Rechte anderer Glaubensrichtungen (vor allem die der anglikanischen und jüdischen Gemeinschaften) wurden aber anerkannt. Dieser Artikel wurde 1972 gestrichen.
Siehe auch
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Englisch
- Tim Pat Coogan: De Valera. Long Fellow, long Shadow. Hutchinson, London 1993, ISBN 0-09-175030-X.
- Tim Pat Coogan: Michael Collins. A Biography. Hutchinson, London u. a. 1990, ISBN 0-09-174106-8.
- Frank Pakenham: Peace by Ordeal. An Account, from first-hand Sources, of the Negotiation and Signature of the Anglo-Irish Treaty, 1921. Mercier Press, Cork 1951 (Klassiker bezüglich der Vertragsverhandlungen).
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- 1 2 Th. Knaurs Nachf. (Hrsg.): Knaurs Lexikon A-Z. Berlin 1937, Sp. 658.
- ↑ Imanuel Geiss: Geschichte griffbereit. Band 5: Staaten. Die nationale Dimension der Weltgeschichte. (=rororo-Handbuch 6239), Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 1980, ISBN 3-499-16239-3, S. 81.



