Irene Dische
Irene Dische (* 13. Februar 1952 in New York) ist eine Schriftstellerin mit amerikanischer und österreichischer Staatsbürgerschaft. Dische lebt in Rhinebeck, New York, und Berlin.[1]
Leben und Wirken
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Irene Dische wurde als Tochter des Biochemikers Zacharias Dische (Dische-Probe) und der Biochemikerin, Ärztin und Gerichtspathologin M. Renate Dische in New York geboren und wuchs dort auch auf. 1969 begab sich die Siebzehnjährige dann als Tramperin auf eine Weltreise. Von 1970 bis 1972 arbeitete Dische für den Paläoanthropologen Louis Leakey in Ostafrika. Nach ihrer Rückkehr studierte sie an der Harvard University und veröffentlichte erste Reportagen in The New Yorker und in The Nation. 1977 zog Dische nach Berlin, wo sie bis heute – neben Rhinebeck, New York, – vorwiegend lebt. Irene Dische ist mit dem deutschen Strafverteidiger Nicolas Becker verheiratet. Der Ehepaar entstammen zwei Kinder: der Übersetzer Léon Dische-Becker und die Journalistin und Filmemacherin Emily Dische-Becker (* 1983). Hans Magnus Enzensberger gilt als Disches deutscher Entdecker und Förderer.
1989 wurde Dische mit der unter dem Titel Fromme Lügen veröffentlichten Sammlung von Erzählungen erstmals einem größeren literarisch interessierten Publikum bekannt. Seitdem fanden die aus dem Englischen übersetzten Geschichten oft zuerst, manchmal sogar ausschließlich in deutscher Sprache ihre Verbreitung. Für die Übersetzung zeichnete oftmals Reinhard Kaiser verantwortlich. 1990 folgte die Erzählung Der Doktor braucht ein Heim. 1993 publizierte Dische mit Ein fremdes Gefühl oder Veränderungen über einen Deutschen ihren ersten Roman. Esterházy, das sie gemeinsam mit Hans Magnus Enzensberger und Michael Sowa (als Zeichner) veröffentlichte, war Disches erstes Kinderbuch. 1986 drehte Dische ihren ersten Film, den Dokumentarfilm Zacharias über ihren Vater. 2000 folgte mit Ein Job der erste Kriminalroman.
Disches Roman Großmama packt aus wurde Ende 2005 in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung in Fortsetzungen abgedruckt.
In Berlin nahm sie 1990 den emigrierten Pianisten Anatol Ugorski auf, dem sie den Weg zur späten internationalen Karriere öffnete. Seine Interpretation von Beethovens Diabelli-Variationen inspirierte sie zum Roman Ein fremdes Gefühl.
Irene Dische ist Mitglied im P.E.N.-Club Liechtenstein, einem Zentrum der internationalen Schriftstellervereinigung P.E.N.
Auszeichnungen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- 1989: Deutscher Kritikerpreis
- 1998: Deutscher Jugendliteraturpreis für Zwischen zwei Scheiben Glück[2]
- 1991: Jeanette Schocken Preis
Werke
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Fromme Lügen. Sieben Geschichten. (= Reihe Die Andere Bibliothek). Aus dem amerikanischen Englisch übersetzt von Otto Bayer und Monika Elwenspoek. Eichborn Verlag, Frankfurt am Main 1989, ISBN 978-3-8218-4401-5.
- Der Doktor braucht ein Heim. Erzählung. Aus dem amerikanischen Englisch übersetzt von Reinhard Kaiser. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1990, ISBN 978-3-518-40293-1.
- Ein fremdes Gefühl oder Veränderungen über einen Deutschen. Roman. Aus dem amerikanischen Englisch übersetzt von Reinhard Kaiser. Rowohlt, Berlin 1993, ISBN 978-3-8713-4047-5.
- Esterházy. Eine Hasengeschichte. Kinderbuch. Zusammen mit Hans Magnus Enzensberger und mit Bildern von Michael Sowa. Sauerländer, Aarau 1993, ISBN 3-7941-4919-X.
- Die intimen Geständnisse des Oliver Weinstock. Wahre und erfundene Geschichten. Aus dem amerikanischen Englisch übersetzt von Robin Cackett, Reinhard Kaiser, Bernd Samland. Rowohlt, Berlin 1994, ISBN 978-3-8713-4205-9.
- Das zweite Leben des Domenico Scarlatti. Eine Nachstellung. Aus dem amerikanischen Englisch übersetzt von Michael Walter. Rowohlt, Berlin 1995, ISBN 978-3-8713-4227-1.
- Zwischen zwei Scheiben Glück. Kinderbuch. Aus dem amerikanischen Englisch übersetzt von Reinhard Kaiser. Hanser, München 1997, ISBN 978-3-446-19080-1.
- Ein Job. Kriminalroman. Aus dem amerikanischen Englisch übersetzt von Reinhard Kaiser. Hoffmann & Campe, Hamburg 2000, ISBN 978-3-455-01457-0.
- Großmama packt aus. Roman. Aus dem amerikanischen Englisch übersetzt von Reinhard Kaiser. Hoffmann & Campe, Hamburg 2005, ISBN 978-3-455-02095-3.[Anm. 1]
- Lieben. Loves. Erzählungen. Aus dem amerikanischen Englisch übersetzt von Reinhard Kaiser. Hoffmann & Campe, Hamburg 2006, ISBN 3-455-40012-4.
- Clarissas empfindsame Reise. Roman. Aus dem amerikanischen Englisch übersetzt von Reinhard Kaiser. Hoffmann & Campe, Hamburg 2009, ISBN 978-3-455-40133-2.
- Amerikanische Hochzeit. Roman. Aus dem amerikanischen Englisch übersetzt von Gerhard Henschel. Hoffmann & Campe, Hamburg 2015, ISBN 978-3-455-40477-7, Rezension.[3]
- Neuausgabe: Schwarz und weiß. Aus dem amerikanischen Englisch übersetzt von Elisabeth Plessen. Hoffmann & Campe, Hamburg 2017, ISBN 978-3-455-40477-7, Rezension.[4]
- Zum Lügen ist es nie zu spät. Sämtliche Erzählungen. Hoffmann & Campe, Hamburg 2018, ISBN 978-3-455-00005-4.
- Die militante Madonna. Roman. Aus dem amerikanischen Englisch übersetzt von Ulrich Blumenbach. Hoffmann & Campe, Hamburg 2021, ISBN 978-3-455-01196-8, Rezension.[5]
- Prinzessin Alice. Roman. Aus dem amerikanischen Englisch übersetzt von Tanja Handels. Claassen, Berlin 2025, ISBN 978-3-546-10156-1.
Irene Disches Werke wurden u. a. ins Dänische, Französische, Hebräische, Italienische, Katalanische, Niederländische und Spanische übersetzt.
Verfilmungen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- 2008: Ein Job (Fernsehfilm)
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Literatur von und über Irene Dische im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
- Kurzbiografie und Rezensionen zu Werken von Irene Dische bei Perlentaucher
- Kurzbiografie beim Humanistischen Pressedienst
- Verlagsinfos zu Autorin und Werk bei Hoffmann und Campe
Anmerkungen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ Laut Dische sollte der autobiografische Roman Großmama packt aus ursprünglich den Titel The Biography of Irene Dische tragen, wobei die Erzählfigur des Romans, Disches Großmutter Elisabeth Rother, als Autorin fungiert hätte. Da sich diese Variante als nicht praktikabel erwies, griff Dische auf den Titelvorschlag Enzensbergers zurück.
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ Abgründe einer Liebe. Interview in Büchermenschen 5/2017.
- ↑ Arbeitskreis Jugendliteratur. Abgerufen am 18. Februar 2026.
- ↑ Literatopia. Abgerufen am 20. Februar 2026.
- ↑ Elke Schlinsog: Eine Schreckensfahrt durch die Abgründe der Liebe. In: Deutschlandfunk. Abgerufen am 20. Februar 2026.
- ↑ Süddeutsche Zeitung: Genderfluider Chevalier: "Die militante Madonna" von Irene Dische. Abgerufen am 30. Oktober 2021.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Dische, Irene |
| KURZBESCHREIBUNG | deutschsprachige Schriftstellerin |
| GEBURTSDATUM | 13. Februar 1952 |
| GEBURTSORT | New York City |