ION Group
| ION Investment Group
| |
|---|---|
| Rechtsform | Limited Partnership |
| Gründung | 1999 |
| Sitz | London, |
| Leitung | Andrea Pignataro (CEO) |
| Mitarbeiterzahl | ca. 10.000 (2025) |
| Branche | Dienstleistungen |
| Website | iongroup.com |
Die ION Group (offiziell ION Investment Group) ist ein privat gehaltenes Finanzdaten- und Softwareunternehmen mit Hauptsitz in London. Das Unternehmen ist durch eine Reihe von Übernahmen rasch gewachsen. Die Financial Times hat es mit Bloomberg L.P verglichen.[1] ION ist weltweit tätig und beschäftigt mehrere Tausend Mitarbeiter; Niederlassungen befinden sich unter anderem in Dublin, New York, Frankfurt, Peking und Singapur.
Geschichte
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Das Unternehmen wurde 1999 vom italienischen Ex‑Salomon‑Brothers‑Händler Andrea Pignataro gegründet. Während seiner Tätigkeit bei Salomon Brothers leitete Pignataro ein Joint Venture mit dem in Pisa ansässigen Softwareunternehmen List Holdings. Aus diesem Unternehmen ging Ion Trading UK hervor, der Beginn von ION.[2] Durch den Einstieg des Private‑Equity‑Investors TA Associates wurde die Geschäftsexpansion finanziert.
Bereits in den 2000er‑Jahren expandierte ION aggressiv. 2008 übernahm der Konzern den Back‑Office‑Spezialisten Rolfe & Nolan und 2011 den Devisen‑ und Zinsmarktexperten Wall Street Systems, dessen Lösung Geschäftserfassung und Post‑Trade‑Funktionen für multinationale Konzerne und Zentralbanken bietet. Es folgten der börsentechnische Anbieter Patsystems (2012), die US‑amerikanische Financial Software Systems (2013) und der Handelsdienstleister FFastFill (2013). Ebenfalls 2013 erwarb ION den Rohstoff‑ und Energie‑Softwareanbieter Triple Point Technology für rund 900 Mio. US‑Dollar.[3]
Ab 2015 beschleunigte sich die Übernahmeserie. ION übernahm 2015 den Single‑Dealer‑Portal‑Entwickler Caplin Systems und 2016 den Cloud‑Treasury‑Spezialisten Reval. 2017 kaufte die Gruppe das Marktdaten‑ und Analysetool Dealogic und 2018 den Handelsplattform‑Anbieter Fidessa für rund 1,5 Mrd. Pfund.[3] 2019 folgte die Übernahme des Finanz‑Informationsdienstes Acuris. Laut einer Fachmeldung beschäftigte Acuris rund 1.500 Mitarbeiter in 66 Standorten und versorgte fast 5.000 Kunden weltweit mit Produkten wie Mergermarket und Debtwire; ION erwarb die Mehrheit von BC Partners und GIC, während die Altgesellschafter Minderheitsanteile behielten.[4] Ebenfalls 2019 kaufte ION den Rohstoff‑Management‑Spezialisten Allegro Development; in der Pressemitteilung erklärte CEO Pignataro, der Zukauf erweitere den Fußabdruck im Rohstoff‑Geschäft. 2019 kam der FX‑Softwareanbieter MarketFactory hinzu.[3]
Am 31. Mai 2016 gab The Carlyle Group bekannt, dass sie für 400 Millionen Dollar eine Minderheitsbeteiligung an Ion erwerben werde. Im folgenden Monat wurde berichtet, dass ION die Anteile von TA Associates aufkaufen werde, um sein Wachstum zu finanzieren. TA Associates soll durch den Verkauf seiner Anteile an Ion fast das Vierfache seiner Investition erzielt haben.[5]
2019 gab es Gerüchte über eine Übernahme der New Yorker Börse Nasdaq. Die Gespräche endeten jedoch ohne eine Einigung, da Bedenken bestanden, ob die beiden Unternehmen zusammenpassen würden. Nach diesem und einem weiteren gescheiterten Versuch, ein Finanzdienstleistungssoftwareunternehmen in der Schweiz zu erwerben, beschloss Pignataro, die Kontrolle über ION zu konsolidieren, indem er Kredite aufnahm, um Carlyles Anteile aufzukaufen. Danach begann Ion, in verschiedene italienische Finanzunternehmen zu investieren.[2] Gemäß Medienberichten investierte ION bis 2025 rund 6 Mrd. Euro in Italien, um einen Daten‑ und Digital‑Hub für kleinere Banken aufzubauen.[6]
Nach dem Erwerb eines Mehrheitsanteils an Broadway Technologies im Jahr 2020 erwarb ION 2021 den Optionshandels‑Spezialisten Dash Financial. Fachmedien hoben hervor, dass ION Dash mit seiner 2018 übernommenen Aktie‑Handelsplattform Fidessa kombinieren wolle, um im Bereich Sell‑Side‑Technologie zu dominieren.[7] Im selben Jahr gelang die 2‑Mrd.-Euro‑Übernahme des italienischen Kreditdaten‑Dienstleisters Cerved Group; ION hatte kurz zuvor die Banking‑Software‑Firma Cedacri gekauft, so dass beide Geschäfte eine schlüssige Kombination darstellen könnten.[8]
2024 übernahm IONs Tochtergesellschaft X3 Group den italienischen Asset‑Manager Prelios für rund 1,35 Mrd. Euro. Prelios verwaltet rund 40 Mrd. Euro an notleidenden Krediten und Immobilienfonds; der Prelios‑Präsident erwartete, dass die Anbindung an ION die Marktführerschaft festigen werde.[9]
Tätigkeit
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]ION entwickelt Software‑ und Datenlösungen für den Finanzsektor. Kunden sind Handels‑ und Brokerfirmen, Banken, Vermögensverwalter, multinationale Konzerne, Regierungen und Zentralbanken. Das Angebot reicht von elektronischen Handelsplattformen und Clearing über Marktinformationen und Datenanalyse bis zu Beratungsleistungen – stets mit dem Ziel, Abläufe zu automatisieren und die Effizienz im Finanzsektor zu steigern. Das Unternehmen stellt wichtige Infrastruktur für das Finanzwesen bereits, darunter auch für den Handel mit Staats‑ und Unternehmensanleihen und die globalen Rohstoffmärkte. ION wird als diskretes Unternehmen beschrieben. Dies ist zum Teil auf den Führungsstil von Pignataro zurückzuführen, bei dem Informationen innerhalb eines engen Kreises von weniger als zehn Beratern streng kontrolliert werden.[3]
Seine zahlreichen Übernahmen hat die ION Group über die Privatkreditmärkte finanziert, unter Umgehung des Bankensystems.[10] HPS Investment Partners (2025 von BlackRock übernommen) spielt eine wichtige Rolle bei der Vergabe privater Kredite an ION. Im November 2019 wurde berichtet, dass ION Schulden in Höhe von mehr als 6 Milliarden Dollar hatte, weshalb zeitweise Bedenken hinsichtlich der Solvenz des Unternehmens aufkamen.[1] Bis 2024 hatte das Unternehmen allerdings keine seiner Übernahmen wieder verkauft und war zu einem Branchenführer aufgestiegen.[10]
Steuerhinterziehung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die italienischen Behörden verlangten nach einer Untersuchung 2025 1,2 Milliarden Euro wegen Steuerhinterziehungen zwischen 2013 und 2023 von ION.[6] Im Juni 2025 wurden die Ermittlungen nach Zahlung einer Vergleichssumme in Höhe von 280 Millionen Euro eingestellt.[11]
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ION Group (englisch)
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ a b Ion: the financial data group taking on Bloomberg. In: FT.com. Abgerufen am 10. Oktober 2025.
- ↑ a b Daniele Lepido, Sonia Sirletti, Giulia Morpurgo, Luca Casiraghi: Mogul Who Eyed Nasdaq in 2019 Is Now Kingpin of Italian Finance. In: Bloomberg.com. 2. August 2024 (bloomberg.com [abgerufen am 10. Oktober 2025]).
- ↑ a b c d ION Group. Abgerufen am 10. Oktober 2025.
- ↑ ION Investment Group acquires majority stake in Acuris. Abgerufen am 10. Oktober 2025 (englisch).
- ↑ Luisa Beltran: TA to make nearly 4x its money with ION sale: sources. In: PE Hub. 31. Mai 2016, abgerufen am 10. Oktober 2025 (amerikanisches Englisch).
- ↑ a b Exclusive: Italy seeks $1.3 bln from fintech group ION in tax evasion probe, sources say
- ↑ Dublin’s ION Group snaps up New York trading tech firm Dash. Abgerufen am 10. Oktober 2025 (englisch).
- ↑ Fintech group ION takes control of Italy's Cerved after takeover bid Reuters
- ↑ ION: ION Group announces closing of Prelios acquisition. In: ION. 19. Juli 2024, abgerufen am 10. Oktober 2025 (amerikanisches Englisch).
- ↑ a b Tommaso Ebhardt, Giulia Morpurgo, Luca Casiraghi, Davide Scigliuzzo, Daniele Lepido, Sonia Sirletti: ION Tycoon Built Fintech Empire With Billions of Dollars in Private Debt. In: Bloomberg.com. 24. Januar 2024 (bloomberg.com [abgerufen am 10. Oktober 2025]).
- ↑ www.ETLegalWorld.com: ION to pay 280 mln euros to settle Italian tax dispute, says founder. Abgerufen am 10. Oktober 2025 (englisch).
