Hugo Liepmann

Hugo Karl Liepmann (* 9. April 1863 in Berlin; † 6. Mai 1925 ebenda[1]) war ein deutscher Neurologe. Er galt als einer der führenden Hirnforscher seiner Zeit und ist durch die Benennung und Klassifikation der Apraxien in Erinnerung geblieben.[2]
Leben
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Hugo Liepmann war ein Sohn des Bankiers Louis Liepmann (1816–1906) und der Fanny Plaut; sein Bruder war der Jurist Paul Liepmann.
Von 1895 bis 1899 war er Assistent von Carl Wernicke in Breslau. Er promovierte 1894 "Über die Delirien der Alkoholisten" und habilitierte sich 1901 für Psychiatrie und Neurologie an der Charité in Berlin. 1904 Professor, 1906 Oberarzt der Siechenanstalt der Stadt Berlin in Dalldorf. Von 1914 bis 1919 war er als Nachfolger von Carl Moeli (1849–1919) Direktor der Städtischen Irrenanstalt Herzberge. 1918 o. Prof. an der Friedrich-Wilhelms-Universität, Berlin, 1919 Geheimer Medizinalrat.[3]
Im Jahr 1897[4] heiratete er Agathe Bleichröder, eine Tochter des Bankiers Julius Bleichröder. Die gemeinsame Tochter Dorothea (* 1900) heiratete den Architekten Hermann Zweigenthal. Der einzige Sohn Hans Walter Liepmann (*30.6.1902 in Pankow) promovierte 1928 in Marburg bei Ernst Freudenberg, ging 1930 an das St. Georgs-Krankenhaus in Hamburg, musste 1933 Deutschland verlassen und emigrierte in die USA. 1959 verstarb er in Central Valley, N.Y.
Forschung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die Apraxie, das Unvermögen einer gehirngeschädigten Person, trotz erhaltener Persönlichkeit, Intelligenz, Kraft und Koordination bestimmte sinnvolle Handlungen auszuführen, stellte einen Schwerpunkt seiner wissenschaftlichen Arbeit dar.[5] Bereits 1900 hatte er das Läsionsbild unter diesem Namen beschrieben. Seine Klassifikation, die er 1908 publizierte, beruhte auf der Vorstellung, dass für die Erstellung eines Handlungsplans und dessen Ausführung unterschiedliche Lokalisationen im Gehirn anzunehmen seien. Dementsprechend unterteilte er sie in ideatorische und ideokinetische (später als ideomotorisch bezeichnete) Apraxien. Diese Einteilung wird heutzutage jedoch zunehmend verlassen.
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ Sterberegister Standesamt Berlin-Charlottenburg 1, Nr. 345/1925
- ↑ J. M. S. Pearce: Hugo Karl Liepmann and apraxia. In: Clinical Medicine (London, England). Band 9, Nr. 5, Oktober 2009, ISSN 1470-2118, S. 466–470, doi:10.7861/clinmedicine.9-5-466, PMID 19886110, PMC 4953459 (freier Volltext) – (nih.gov [abgerufen am 26. Mai 2026]).
- ↑ Biografie, Hugo K. Liepmann https://www.sammlungen.hu-berlin.de/objekte/-/16485/
- ↑ Heiratsregister Standesamt Berlin 1–2, Nr. 159/1897
- ↑ Karl Jaspers: Allgemeine Psychopathologie. Springer, Berlin 91973, ISBN 3-540-03340-8; S. 151 ff. - zu Kap. Apraxie, Aphasie.
Schriften
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Das Krankheitsbild der Apraxie („motorischen Asymbolie“) auf Grund eines Falles von einseitiger Apraxie. In: Monatsschrift für Psychiatrie und Neurologie. Bd. 8 (1900), S. 3–78.
- Ueber Störungen des Handelns bei Gehirnkranken . Karger, Berlin 1905
- Über die agnostischen Störungen. In: Neurologisches Centralblatt. Bd. 13 (1908), S. 609–617, 664–675.
- Normale und pathologische Physiologie des Gehirns. Inː Hans Curschmann (Hrsg.): Lehrbuch der Nervenkrankheiten. Springer, Berlin 1909, S. 395–493.
Quellen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Goldenberg G. (2003): Apraxia and beyond: life and work of Hugo Liepmann. Cortex. (2003) 39(3):509-24. PMID 12870824.
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Literatur von und über Hugo Liepmann im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Liepmann, Hugo |
| ALTERNATIVNAMEN | Liepmann, Hugo Karl (vollständiger Name) |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Neurologe |
| GEBURTSDATUM | 9. April 1863 |
| GEBURTSORT | Berlin |
| STERBEDATUM | 6. Mai 1925 |
| STERBEORT | Berlin |