Hugo Hermann
Hugo Emil Victor Hermann (* 22. März 1903 in Mährisch Weißkirchen;[1] † 9. März 1975 in Ost-Berlin[1]) war ein Regisseur und Dokumentarfilmer. Er stammte aus Österreich, zog aber 1955 in die DDR.
Leben
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Hugo Hermann wuchs in Wien in der Porzellangasse 49 mit drei Geschwistern auf.[2] Sein Vater fiel 1914 im Ersten Weltkrieg, danach ernährte seine Mutter, eine Jüdin aus Galizien, die Familie mit einem kleinen Tabak- und Zeitungsladen (Trafik). Hugo Hermann machte eine Regie- und Schauspiel-Ausbildung bei Max Reinhardt in Wien. 1931 wurde er Mitglied der Kommunistischen Partei Österreichs (KPÖ). Nach der deutschen Besetzung ging er 1939 ins Exil nach Frankreich, hinterließ aber seine nichtjüdische Frau und die Tochter in Wien. Er lebte an wechselnden Orten, war in der Résistance aktiv und in Internierungslagern inhaftiert. In dieser Zeit schuf er auch zahlreiche Fotografien.[3][4]
Er arbeitete in der Nachkriegszeit einige Zeit als Hörspielregisseur und hatte danach die Leitung der Wochenschau der Wien-Film am Rosenhügel inne, die aber 1949 eingestellt wurde. Danach lebte er von Auftragsfilmen für die KPÖ und ähnliche Organisationen. Beispielsweise drehte er 1949 den Werbespot Wähle den Frieden für die KPÖ, 1953 den Film Frühling ohne Sonne[5] und 1955 Schatten über der Welt, eine Warnung vor der Atombombe. Den Auftrag dazu hatte er vom Weltfriedensrat erhalten, die Vorlage stammte von Vladimir Pozner.[5] In diesem Jahr übersiedelte Hermann nach Ost-Berlin.[6]
1956 drehte er dort nach einem Buch von Wera und Claus Küchenmeister den kurzen Dokumentarfilm Träumt für morgen über spielende Kinder in Berlin- Prenzlauer Berg, diese erzählten darin über ihre Wünsche und Visionen. Hermann wurde aber von einem Mitglied seines Filmstabs bei der Filmbehörde denunziert. Dieses Verhalten führte schließlich dazu, dass das ZK der SED sich mit dem Film befasste. Doch der Film kam dann trotzdem, nachdem Hugo Hermann zur Disziplin ermahnt worden war, in die Kinos. Als er allerdings später gegen das Dokumentarfilmstudio klagte, weil in dem Film Bei uns in Schönbach ohne seine Zustimmung Änderungen vorgenommen und im Vorspann die Hinweise auf den Urheber entfernt worden waren, wurde er 1957 von der DEFA entlassen.[4]
Aus demselben Jahr stammen Hermanns Filme Fritz Cremer, Schöpfer des Buchenwalddenkmals und Stahl und Menschen. Es folgten nach der Entlassung noch einige Filme fürs DDR-Fernsehen,[6] darunter Kabale und Liebe (1959), Andreas und die Zaubernuß (1961) und Die andere Front (1965).[7]
Wenige Tage vor der Vollendung seines 72. Lebensjahres starb Hermann, der zuletzt am Sebaldweg 31 in Berlin-Altglienicke gewohnt hatte, in Ost-Berlin.[1] Er hinterließ unter anderem seine Ehefrau Elfriede Anna Maria (geborene Stalzer), die er im Jahr 1963 in Berlin-Treptow geheiratet hatte.[1]
Günter Jordan stellte im Jahr 2002 den Film Erinnerungen an Hugo Hermann (1903–1975) über Hugo Hermann zusammen. Er nutzte dafür Zeitzeugengespräche, die er ab 1997 mit Hermanns Tochter und Kollegen geführt hatte.[8]
Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Thomas Heimann: Von Stahl und Menschen. In: Günter Jordan, Ralf Schenk (Hrsg.): Schwarzweiß und Farbe. DEFA-Dokumentarfilme 1946–92. 2. Auflage. Jovis, Berlin 2000, mit zwei Kapiteln über Hugo Hermann.
- Christiane Hermann (Hrsg.): Hugo Hermann. Fotografien und Tagebücher. epubli, Berlin 2024, ebook
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Hugo Hermann Filmportal
- Hugo Hermann bei IMDb
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- 1 2 3 4 Sterbebucheintrag, Berlin-Friedrichshain, 1975, Nr. 524
- ↑ Christiane Hermann (Hrsg.): Hugo Hermann. Tagebücher und Briefe, epubli, Berlin 2024. S. 9, mit biographischen Angaben von seiner ersten Tochter aus Wien
- ↑ buchhandel.de. Abgerufen am 28. Mai 2026.
- 1 2 Michael Berg, Knut Holtsträter, Albrecht von Massow: Die unerträgliche Leichtigkeit der Kunst: ästhetisches und politisches Handeln in der DDR. Böhlau Verlag Köln Weimar, 2007, ISBN 978-3-412-00906-9 (google.de [abgerufen am 28. Mai 2026]).
- 1 2 Claus Löser: Ein Online-Filmfestival zur Nachkriegszeit. 2. Mai 2020, abgerufen am 28. Mai 2026.
- 1 2 Dokumentarfilme von Hugo Hermann. Abgerufen am 28. Mai 2026.
- ↑ Hugo Hermann. IMDb, abgerufen am 28. Mai 2026 (englisch).
- ↑ Filmdetails: Erinnerungen an Hugo Hermann (1903-1975) (2002). Abgerufen am 28. Mai 2026 (deutsch).
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Hermann, Hugo |
| ALTERNATIVNAMEN | Hermann, Hugo Emil Victor (vollständiger Name) |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Dokumentarfilmer |
| GEBURTSDATUM | 22. März 1903 |
| GEBURTSORT | Hranice na Moravě, Österreich-Ungarn |
| STERBEDATUM | 9. März 1975 |
| STERBEORT | Ost-Berlin |