Homo reciprocans
Homo reciprocans oder „reziprok handelnder Mensch“ ist ein Konzept in einigen ökonomischen Theorien, das den Menschen als kooperativen Akteur beschreibt, der motiviert ist, sein Umfeld durch positive Reziprozität (also das Belohnen anderer Personen) oder negative Reziprozität (also das Bestrafen anderer Personen) zu verbessern, selbst in Situationen, in denen für ihn selbst kein absehbarer Nutzen besteht.
Dieses Konzept steht im Gegensatz zur Idee des homo oeconomicus, die die entgegengesetzte Theorie vertritt, dass Menschen ausschließlich durch Eigeninteresse motiviert sind. Beide Ansätze lassen sich jedoch miteinander vereinbaren, wenn man annimmt, dass die Nutzenfunktionen des homo oeconomicus Parameter enthalten können, die von dem wahrgenommenen Nutzen anderer Personen abhängen (zum Beispiel dem des Ehepartners oder der eigenen Kinder).
Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Alfred Andres: Umweltökonomie. Kohlhammer, Stuttgart 2007. ISBN 978-3-17-019721-3, S. 12-13
- Kai Riemer: Sozialkapital und Kooperation. Mohr Siebeck, Tübingen 2005. ISBN 978-3-16-148599-2.
- Armin Falk: Homo Oeconomicus versus Homo Reciprocans: Ansätze für ein neues Wirtschaftspolitisches Leitbild?. In: Perspektiven der Wirtschaftspolitik. 2003, Bd. 4, Ausgabe 1, S. 141–172.
- Ernst Fehr, Simon Gächter: Reciprocity and economics: The economic implications of Homo Reciprocans. In: European Economic Review, Band 42, Ausgabe 3–5, 1998, S. 845–859.
- Manfred Rehbinder: Vom homo oeconomicus zum homo reciprocans? Auf der Suche nach einem neuen Menschenbild als Erklärungsmuster für Recht, Wirtschaft und Kultur. Europäisches Institut für Rechtspsychologie, Arbeitstagung 2011. Stämpfli, Bern 2012. ISBN 978-3-72728837-1.
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- homo reprocicans in Gabler Wirtschaftslexikon (online)