Hisingerit kristallisiert im monoklinen Kristallsystem, findet sich jedoch nur in Form massiger, kompakter oder feinkugeliger Mineral-Aggregate mit einem harz- bis glas- oder auch fettähnlichem Glanz auf den Oberflächen. Das durchsichtige bis durchscheinende Mineral ist von dunkelbrauner bis schwarzer, selten auch dunkelgrüner Farbe. Dünnschliffe erscheinen im Durchlicht auch grünlichbraun oder goldgelb. Die Strichfarbe von Hisingerit ist dagegen immer gelblichbraun.
In dem von Jöns Jakob Berzelius 1815 veröffentlichten Werk Försök till ett rent kemiskt Mineralsystem, das 1816 durch Chr. Gmelin und W. Pfaff mit dem Titel Neues System der Mineralogie ins Deutsche übersetzt wurde, wird das zunächst als Hisingrit bezeichnete Mineral in die Gruppe der Silikate eingeordnet. Berzelius zitiert dabei den 3. Band von Wilhelm von Hisinger Werk Afhandlingar i physik, chemie och mineralogie (deutsch: Abhandl. über Phys. usw.; S. 306), wo das Mineral bereits zuvor erwähnt wurde.[6]
Berzelius bezeichnete also das Mineral nach dessen Erstbeschreiber. Hisinger selbst bestätigt die Mineralbenennung mit allerdings korrigierter Schreibweise 1828 in seinem Artikel Analyse des mit dem Namen Hisingerit belegten Eisensilicats, der zudem eine erste Analyse des Minerals und dessen Typlokalität nahe der Ortschaft Riddarhyttan in der schwedischen Gemeinde Skinnskatteberg (Provinz Västmanlands län) enthält. Durch die Analysen für die Darstellung der chemischen Zusammensetzung wurde das Typmaterial von Hisingerit aus Riddarhyttan vollständig verbraucht.[7]
Da der Hisingerit bereits lange vor der Gründung der International Mineralogical Association (IMA) bekannt und als eigenständige Mineralart anerkannt war, wurde dies von ihrer Commission on New Minerals, Nomenclature and Classification (CNMNC) übernommen und bezeichnet den Hisingerit als sogenanntes „grandfathered“ (G) Mineral.[2] Die ebenfalls von der IMA/CNMNC anerkannte Kurzbezeichnung (auch Mineral-Symbol) von Hisingerit lautet „Hsg“.[1]
In der zuletzt 2018 überarbeiteten Lapis-Systematik nach Stefan Weiß, die formal auf der alten Systematik von Karl Hugo Strunz in der 8. Auflage basiert, erhielt das Mineral die System- und Mineralnummer VIII/H.26-050. Dies entspricht der Klasse der „Silikate“ und dort der Abteilung „Schichtsilikate“, wo Hisingerit zusammen mit Allophan, Imogolith, Neotokit und Odinit eine unbenannte Gruppe mit der Systemnummer VIII/H.26 bildet.[5]
In der vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchlichen und zuletzt 1997 veröffentlichten Systematik der Minerale nach Dana hat Hisingerit die System- und Mineralnummer 71.01.05.02. Das entspricht der Klasse der „Silikate“ und dort der Abteilung „Schichten von Sechserringen“. Hier findet er sich in der „Allophangruppe“, in der auch Allophan, Imogolith und Neotokit eingeordnet sind.[9]
Als eher seltene Mineralbildung kann Hisingerit an verschiedenen Fundorten zum Teil reichlich vorhanden sein, insgesamt ist er aber wenig verbreitet. Weltweit sind bisher rund 160 Vorkommen dokumentiert (Stand 2023).[10] In Schweden konnte das Mineral außer an seiner Typlokalität Riddarhyttan noch in der ebenfalls in der Provinz Västmanlands län liegenden „Johannisberggruvan“ in der Gemeinde Norberg entdeckt werden. Des Weiteren fand sich Hisingerit unter anderem in der Grube Ytterby auf der Insel Resarö in der Provinz Stockholm, in den Kupfergruben von Falun und der polymetallischen Erzgrube „Garpenberg Nord“ (auch Garpenberg Norra) in der Provinz Dalarnas, in der Magnetiterzgrube „Sjöström“ (Gemeinde Hofors) in der Provinz Gävleborgs, im aufgelassenen Steinbruch „Norra Fjäll“ (auch Norrfjäll) auf der Insel Väddö und der aufgelassenen „Dannemoragruvan“ in der Gemeinde Östhammar in der Provinz Uppsala sowie in mehreren Gruben und Erzfeldern der Provinzen Örebro, Östergötlands und Värmlands.
Auch in der Schweiz ist mit der „Mine des Moulins“ bei Saint-Luc VS im Val d’Anniviers des Kantons Wallis bisher nur ein Fundort bekannt.
Weitere Fundorte liegen unter anderem in Australien, Bolivien, Chile, China (Innere Mongolei), Finnland, Frankreich, Griechenland, Grönland, Israel, Italien, Japan, Kanada, Kirgistan, Mexiko, Namibia, Norwegen, Rumänien, Russland, Spanien, Tadschikistan, Tschechien, Ukraine, Ungarn, im Vereinigten Königreich (England) und den Vereinigten Staaten von Amerika (Arizona, Colorado, Delaware, Idaho, Kalifornien, Maine, Michigan, Minnesota, Nevada, New Hampshire, New Mexico, New York, Pennsylvania, Utah, Virginia, Washington, Wisconsin).[11]
Auch in Mineralproben vom Meeresboden im Pazifischen Ozean, genauer vom „Piyp seamount“ in der Beringsee, konnte Hisingerit nachgewiesen werden.[12]
J. J. Berzelius:Neues System der Mineralogie. Schrag, Nürnberg 1816, S.106 (eingeschränkte Vorschauin der Google-Buchsuche [abgerufen am 26.April 2023] schwedisch: Försök till ett rent kemiskt Mineralsystem. Stockholm 1815. Übersetzt von Chr. Gmelin, W. Pfaff, (Klassifizierung von „Hisingrit“: Ungemengte und zusammengeschmolzene Mineralien. I. Klasse: Zusammengesetzte Körper erster Ordnung mit zwei Elementen. B. Brennbare Körper. 3. Ordn.: Elektropositive Metalle. 2. Unterabtheil.: Metalle, welche mit Kohlenpulver nicht reducirt werden können, und deren Oxyde die Erden und Alkalien bilden. 2. Fam.: Aluminium. 4. Silicates. 12. Hisingrit)).
W. Hisinger:Analyse des mit dem Namen Hisingerit belegten Eisensilicats. In: Annalen der Physik und Chemie. Band13, 1828, S.505–508 (rruff.info[PDF; 238kB; abgerufen am 25.April 2023]).
J. A. Whelan, S. S. Goldich:New data for hisingerite and neotocite. In: American Mineralogist. Band46, 1961, S.1412–1423 (englisch, rruff.info[PDF; 504kB; abgerufen am 1.Mai 2023]).
Bengt Lindqvist, Sven Jansson:On the crystal chemistry of hisingerite. In: American Mineralogist. Band47, 1962, S.1356–1362 (englisch, rruff.info[PDF; 345kB; abgerufen am 27.April 2023]).
R. A. Eggleton, J. H. Pennington, R. S. Freeman, I. M. Threadgold:Structural aspects of the hisingerite-neotocite series. In: Clay Minerals. Band18, Nr.1, März 1983, S.21–31, doi:10.1180/claymin.1983.018.1.03 (englisch).
Leslie L. Baker, Daniel G. Strawn:Fe K-edge XAFS spectra of phyllosilicates of varying crystallinity. In: Physics and Chemistry of Minerals. Band39, Nr.8, 2012, S.675–684, doi:10.1007/s00269-012-0521-0 (englisch).
Hisingerite search results.In:rruff.info.Database of Raman spectroscopy, X-ray diffraction and chemistry of minerals (RRUFF);abgerufen am 25.April 2023(englisch).
12345Hugo Strunz, Ernest H. Nickel:Strunz Mineralogical Tables. Chemical-structural Mineral Classification System. 9. Auflage. E. Schweizerbart’sche Verlagsbuchhandlung (Nägele u. Obermiller), Stuttgart 2001, ISBN 3-510-65188-X, S.676 (englisch).
123456
Hisingerite. In: John W. Anthony, Richard A. Bideaux, Kenneth W. Bladh, Monte C. Nichols (Hrsg.): Handbook of Mineralogy, Mineralogical Society of America. 2001 (englisch, handbookofmineralogy.org[PDF; 72kB; abgerufen am 25.April 2023]).
12Stefan Weiß:Das große Lapis Mineralienverzeichnis. Alle Mineralien von A – Z und ihre Eigenschaften. Stand 03/2018. 7., vollkommen neu bearbeitete und ergänzte Auflage. Weise, München 2018, ISBN 978-3-921656-83-9.
↑J. J. Berzelius:Neues System der Mineralogie. Schrag, Nürnberg 1816, S.106 (eingeschränkte Vorschauin der Google-Buchsuche [abgerufen am 26.April 2023] schwedisch: Försök till ett rent kemiskt Mineralsystem. Stockholm 1815. Übersetzt von Chr. Gmelin, W. Pfaff, (Klassifizierung von „Hisingrit“: Ungemengte und zusammengeschmolzene Mineralien. I. Klasse: Zusammengesetzte Körper erster Ordnung mit zwei Elementen. B. Brennbare Körper. 3. Ordn.: Elektropositive Metalle. 2. Unterabtheil.: Metalle, welche mit Kohlenpulver nicht reducirt werden können, und deren Oxyde die Erden und Alkalien bilden. 2. Fam.: Aluminium. 4. Silicates. 12. Hisingrit)).
↑W. Hisinger:Analyse des mit dem Namen Hisingerit belegten Eisensilicats. In: Annalen der Physik und Chemie. Band13, 1828, S.505–508 (rruff.info[PDF; 238kB; abgerufen am 25.April 2023]).
↑Richard V. Gaines, H. Catherine Skinner, Eugene E. Foord, Brian Mason und Abraham Rosenzweig:Danas New Mineralogy. 8. Auflage. John Wiley & Sons, 1997, ISBN 0-471-19310-0 (englisch).
↑Hisingerite.In:mindat.org.Hudson Institute of Mineralogy,abgerufen am 1.Mai 2023(englisch).
↑
Fundortliste für Hisingerit beim Mineralienatlas (deutsch) und bei Mindat (englisch), abgerufen am 1. Mai 2023.